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Oktober - Legionen und Felder kommen zur Ruhe

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Oktober - Legionen und Felder kommen zur Ruhe - Marsfeld, Ceres und der erste Wein: Der römische Oktober | Der Römer Shop

Zwei Stadtviertel, ein Pferdekopf und der erste Schluck des neuen Weins

Das Wichtigste in Kürze

Der römische Oktober heißt nach octo, acht, obwohl er der zehnte Monat ist, weil das alte Jahr im März begann. Inhaltlich ist er das Spiegelbild des März: Was Rom im Frühjahr für den Krieg vorbereitete, räumte es im Oktober wieder weg. Am 15. Oktober opferte man auf dem Marsfeld dem Kriegsgott Mars das Siegerpferd eines Wagenrennens, zwei Stadtviertel kämpften um seinen Kopf, und die Vestalinnen bewahrten sein Blut bis zum Frühling auf. Am 19. Oktober wurden beim Armilustrium die Waffen gereinigt und für den Winter verstaut. Zugleich schloss sich das bäuerliche Jahr: Bei den Meditrinalia am 11. Oktober trank man den ersten römischen Wein des Jahrgangs als Heilmittel, am 13. schmückte man die Quellen, und während der Fasttag für Ceres an das Getreide erinnerte, säten die Bauern bereits das nächste Jahr aus.

Der Monat, in dem Rom den Krieg wegräumt

Im März hat Rom seine Waffen geputzt.

Die Trompeten wurden gereinigt, die heiligen Schilde durch die Straßen getanzt, auf dem Marsfeld liefen Pferderennen für den Kriegsgott. Die Stadt machte sich bereit, denn mit dem Frühjahr begann die Zeit, in der Legionen ausrückten. Sieben Monate später passiert dasselbe noch einmal. Nur rückwärts.

Ein Kalender, der sich spiegelt

Wer die römischen Festtage des Oktober neben die des März legt, bekommt eine seltsame Symmetrie.

Im März Pferderennen für Mars. Im Oktober ein Pferderennen für Mars, bei dem der Sieger nicht bekränzt, sondern geopfert wird. Im März werden die Waffen geweiht. Im Oktober werden sie gewaschen und weggestellt. Das Jahr hat den Krieg ausgepackt, benutzt und legt ihn jetzt zurück in die Kiste. Mit denselben Handgriffen, in umgekehrter Reihenfolge, wie jemand, der nach einem Umzug die Kartons wieder zuklebt. Der Name des Monats hilft dabei wenig. October, der Achte, steht an zehnter Stelle, und das Problem kennen wir aus dem September zur Genüge.

Die Stadt riecht nach Herbst

Der Oktober ist trotzdem kein finsterer Monat. In den Kellern gärt der Most. Auf den Landgütern steht die Olivenernte an, in den Pressen knarrt das Holz, und die Bauern ziehen schon wieder Furchen, weil das Wintergetreide in die Erde muss, bevor die Kälte kommt. An den Brunnen der Stadt hängen Kränze. Und irgendwo auf dem Meer entscheidet ein Kapitän, ob er noch eine letzte Fahrt wagt, bevor die See sich schließt. Rom beendet in diesem Monat zwei Jahre auf einmal. Das Kriegsjahr und das Erntejahr.

Was dieser Monat erzählt

Und mitten in diesen Herbst fällt ein Tag, an dem es auf dem Marsfeld nach Blut riecht. Ein Siegerpferd, das eine Lanze trifft statt eines Kranzes. Zwei Stadtviertel, die sich um seinen Kopf prügeln. Ein Läufer, der mit einem blutenden Pferdeschwanz durch die Stadt rennt. Und Priesterinnen, die das Blut aufheben, um es ein halbes Jahr später für ein ganz anderes Fest zu verwenden. Warum Rom ausgerechnet den Sieger opferte, wer am Ende den Kopf bekam, weshalb man neuen Wein als Arznei trank und was vom römischen Oktober bis heute in unseren Gläsern und Brunnen steckt: Das erzählt dieser Beitrag.

Die Feste des Oktober im Überblick

Der Oktober ist der Monat des doppelten Abschlusses. Das Kriegsjahr endet mit Pferdeopfer, Waffenreinigung und Trompetenweihe, das Erntejahr mit dem ersten Wein, geschmückten Quellen und der Aussaat. Diese Übersicht zeigt den Monat auf einen Blick. Die letzte Spalte sagt offen, wie sicher jeder Tag überliefert ist.

Datum Fest oder Anlass Ort Worum es ging Sicherheit
1. Oktober Fides und Tigillum Sororium Kapitol, Esquilin Weihetag der Göttin der Treue, der Flamen Dialis opfert mit umwickelter Hand. Dazu ein Reinigungsritus unter dem Schwesternbalken Fest sicher, Horatier-Legende als Sage
4. Oktober Fasttag für Ceres Rom Ein Fasttag für die Getreidegöttin, eingeführt 191 v. Chr. auf Weisung der Sibyllinischen Bücher Sicher belegt
5. Oktober Mundus patet Lage umstritten Die zweite von drei Öffnungen des Zugangs zur Unterwelt im Jahr Öffnung sicher, Deutung umstritten
6. Oktober Jahrestag von Arausio Gallien Erinnerung an die Niederlage gegen Kimbern und Teutonen 105 v. Chr. Schlacht sicher, Opferzahlen übertrieben
7. Oktober Iuppiter Fulgur und Iuno Curitis Marsfeld Weihetage für den blitzschleudernden Iuppiter und eine alte Iuno Datum sicher, Kult wenig bekannt
9. Oktober Genius Publicus, Fausta Felicitas, Venus Victrix Kapitol Drei Weihetage an einem Tag: Schutzgeist des Volkes, Glück und siegreiche Venus Sicher belegt
10. Oktober Iuno Moneta Kapitol Weihetag einer Erneuerung ihres Tempels Datum belegt, Einzelheiten dünn
11. Oktober Meditrinalia Rom und Landgüter Erste Verkostung des neuen Weins, gemischt mit altem, als Heilmittel getrunken Sicher belegt, Namensdeutung umstritten
12. Oktober Augustalia Altar der Fortuna Redux Dank für die Rückkehr des Augustus aus dem Osten 19 v. Chr. Sicher belegt
13. Oktober Fontinalia Quellen und Brunnen Fest des Quellgottes Fons, Kränze werden in Quellen geworfen und auf Brunnen gelegt Sicher belegt
15. Oktober Equus October Marsfeld, Regia Opfer des Siegerpferdes für Mars, Kampf um den Kopf, das Blut geht an die Vestalinnen Sicher belegt, Bedeutung umstritten
19. Oktober Armilustrium Aventin Reinigung der Waffen am Ende der Kriegssaison Sicher belegt
23. Oktober Kein Fest Rom Ein oft behauptetes Tubilustrium an diesem Tag lässt sich in den Kalendern nicht nachweisen Nicht belegt, moderne Zuschreibung
26. Oktober bis 1. November Ludi Victoriae Sullanae Circus Maximus Spiele für die Siegesgöttin, eingerichtet von Sulla nach seinem Bürgerkriegssieg Sicher belegt

1. Oktober, Fides und Tigillum Sororium: Eine Hand in weißer Wolle und ein Balken über der Straße

Fides auf dem Kapitol: Flamines mit verhüllter rechter Hand am 1. Oktober

Eine Hand in weißer Wolle

Der Wagen quält sich die Steigung zum Kapitol hinauf, und die Achsen knarren bei jeder Kehre. Er ist klein, zweispännig, mit einem gewölbten Verdeck, und in ihm sitzen drei Männer, die man in Rom sofort erkennt: die drei großen Flamines, die Priester von Iuppiter, Mars und Quirinus. Männer, deren Leben aus Vorschriften besteht. Sie dürfen keinen Knoten an der Kleidung tragen, keinen Hund anfassen, keine Nacht außerhalb der Stadt verbringen. Und heute kommt eine Vorschrift dazu.

Ihre rechte Hand ist verhüllt.

Bis zu den Fingerspitzen in weißes Tuch gewickelt, sorgfältig, straff, sodass keine Haut hervorschaut. So steigen sie aus, so treten sie vor den Altar, so vollziehen sie das Opfer. Livius erzählt, schon König Numa habe es so angeordnet.

"Die Flamines sollten in einem gewölbten Zweigespann zum Heiligtum fahren und das Opfer mit einer bis zu den Fingern umhüllten Hand vollziehen, zum Zeichen, dass die Treue zu schützen sei und ihr Sitz selbst in der rechten Hand geheiligt."

Livius, Ab urbe condita 1,21,4 (sinngemäß)

Warum ausgerechnet die rechte Hand

Die Göttin, der das alles gilt, heißt Fides. Treue. Das gegebene Wort, das gilt, auch wenn niemand zusieht. Und in Rom wohnte die Treue in der rechten Hand.

Mit ihr schloss man Verträge, mit ihr besiegelte man Bündnisse, mit ihr gaben sich Braut und Bräutigam das Versprechen. Wer einem anderen die Rechte reichte, legte sein Wort hinein. Deshalb hüllt man sie am Tag der Göttin ein wie etwas Kostbares, das nicht beschmutzt werden darf. Auf römischen Münzen findet man die Göttin später oft nicht als Frau dargestellt, sondern als zwei Hände, die sich fassen. Ein Gott als Geste.

Ein Tempel voller Verträge

Ihr Tempel steht auf dem Kapitol, gleich neben dem des Iuppiter, und das ist kein Zufall. Der höchste Gott und das gegebene Wort gehören zusammen, denn wer einen Schwur bricht, beleidigt beide. Gebaut wurde er im 3. Jahrhundert v. Chr., und nach der Überlieferung brachte man hier Bronzetafeln mit Verträgen an. Abmachungen mit fremden Völkern, festgehalten im Haus der Göttin, die über ihre Einhaltung wachte. Man stelle sich das Gefühl vor, einen Vertrag zu brechen, dessen Text an der Wand eines Tempels hängt.

Derselbe Tag, eine andere Straße

Unten in der Stadt, in einer Gasse am Esquilin, spannt sich ein Balken quer über die Straße. Tigillum sororium heißt er, der Balken der Schwester, und Livius schreibt, er werde zu seiner Zeit noch immer auf Staatskosten erneuert. Dahinter steht eine Sage aus der Königszeit. Horatius kehrt als Sieger aus einem Zweikampf zurück, sieht seine Schwester um den getöteten Feind weinen, mit dem sie verlobt war, und ersticht sie. Rom spricht ihn frei, weil es den Sieger nicht hinrichten will. Doch das Blut an seinen Händen bleibt, und so geht er mit verhülltem Haupt unter einem Balken hindurch, wie unter einem Joch.

Seitdem steht der Balken da.

Ein Tor für Heimkehrer

Was genau am 1. Oktober an diesem Balken geschah, ist nicht überliefert. Die Forschung vermutet einen Reinigungsritus, und die Deutung passt verblüffend gut in diesen Monat. Der Oktober ist die Zeit, in der die Männer aus dem Feld zurückkommen. Männer, die getötet haben. Wer in die Stadt zurückkehrt, bringt den Krieg mit, und Rom brauchte einen Weg, ihn an der Schwelle abzulegen. Ein Balken über der Straße. Man geht darunter hindurch, und auf der anderen Seite ist man wieder Bürger.

Und die, die nicht zurückkamen

Fünf Tage später steht ein anderes Datum im Kalender.

Am 6. Oktober 105 v. Chr. vernichteten Kimbern und Teutonen bei Arausio im südlichen Gallien zwei römische Heere, weil deren Feldherren sich so zerstritten hatten, dass sie getrennte Lager aufschlugen. Die antiken Zahlen sprechen von Zehntausenden Toten, vermutlich übertrieben, doch die Niederlage erschütterte Rom so sehr, dass sie zu einer Neuordnung des ganzen Heeres führte. Für diese Männer gab es keinen Balken, unter dem sie hindurchgehen konnten. So beginnt der Monat, in dem Rom den Krieg wegräumt: mit einer verhüllten Hand, einem Tor aus Holz und einem Datum, das daran erinnert, dass nicht jeder Krieg sauber zu Ende geht.

4. Oktober: Ieiunium Cereris – Säen, ein Fasttag für Ceres und Oliven zählen

Ein Tag ohne Brot, mitten in der Ernte

Der Mann hinter dem Pflug hat heute nichts gegessen. Nicht weil nichts da wäre. Die Speicher des Landguts sind voll, im Keller gärt der Most, in der Küche liegt das Brot vom Vortag. Doch es ist der 4. Oktober, und an diesem Tag fastet Rom für Ceres. Die Ochsen ziehen, die Pflugschar reißt die feuchte Erde auf, und der Geruch von nassem Boden steigt hoch, schwer und süßlich. Die ersten Herbstregen sind gefallen. Genau darauf hat er gewartet.

Ein Fastentag auf Anweisung von oben

Der Fastentag ist jünger, als man denkt. 191 v. Chr. häuften sich in Rom unheimliche Vorzeichen, und der Senat ließ die Sibyllinischen Bücher befragen. Die Antwort, so berichtet Livius: Man solle für Ceres ein Fasten einrichten. Zunächst sollte es nur alle fünf Jahre stattfinden, später steht es jährlich im Kalender. Eine Göttin des Getreides, geehrt durch Verzicht auf Getreide. Mitten in der Zeit, in der die Speicher am vollsten sind. Man muss den Gedanken nicht teilen, um seine Logik zu sehen. Wer ausgerechnet dann fastet, wenn er am meisten hat, zeigt der Göttin, dass er weiß, von wem es kommt.

Die Göttin mit dem Ährenkranz

Ceres ist in Rom die Herrin über alles, was aus dem Boden wächst und zu Brot wird. Ihr Tempel steht auf dem Aventin, dem Hügel der Plebs, und sie war die Göttin der einfachen Leute, der Bauern, der Bäcker, der Händler am Getreidemarkt. Wer von Brot lebte, lebte von ihr. Ihr Name ist geblieben, und zwar jeden Morgen auf dem Frühstückstisch. Doch dazu später.

Säen, bevor der Winter kommt

Draußen auf dem Feld hat der Oktober eine eigene Uhr. Die römischen Agrarschriftsteller sind sich einig: Das Wintergetreide gehört in die Erde, sobald nach der Tagundnachtgleiche die Herbstregen den Boden weich gemacht haben, und es muss vor dem Winter keimen. Zu früh, und die Saat verdorrt. Zu spät, und der Frost holt sie. Der Mann hinter dem Pflug weiß das nicht aus Büchern. Er weiß es, weil sein Vater es wusste. Doch es gibt jemanden, der es aufgeschrieben hat.

Columella, der Mann mit dem Handbuch

Lucius Iunius Moderatus Columella stammte aus Gades, dem heutigen Cádiz, diente als Offizier und wurde Gutsbesitzer in Italien. Im 1. Jahrhundert n. Chr. schrieb er zwölf Bücher über die Landwirtschaft, De re rustica: Ackerbau, Weinbau, Viehzucht, Bienen, Gartenbau. Eines davon, das über den Garten, schrieb er sogar in Versen. Columella ist die Art Autor, die man sich als Nachbarn wünscht. Er sagt, wann man sät, wie tief man pflügt, welche Rebe auf welchen Boden gehört und wie man einen Verwalter aussucht, der nicht stiehlt. Und er schimpft ausgiebig über Gutsbesitzer, die ihr Land nie besuchen. Ein Großteil dessen, was wir über die römische Landwirtschaft und ihren Kalender wissen, steht bei ihm.

Und dann die Oliven

Kaum ist die Saat im Boden, beginnt das nächste Geschäft. Die Oliven reifen, und die Ernte ist eine Wissenschaft für sich. Zu früh gepflückt, gibt die Frucht wenig Öl, dafür ein grünes, feines. Zu spät, und es gibt mehr Öl von schlechterer Güte. Wer eine Villa besitzt, rechnet. Und er holt sich Leute. Die Olivenernte war Saisonarbeit, erledigt von Trupps, die man für diese Wochen anheuerte. Cato hat uns sogar Musterverträge dafür hinterlassen, samt der Klausel, dass die Pflücker keine Oliven und kein Öl mitgehen lassen dürfen. Offenbar kam das vor. Im Oktober stehen auf den Landgütern fremde Männer mit Leitern in den Bäumen, und der Verwalter zählt die Körbe.

Am Abend

Der Mann hinter dem Pflug spannt die Ochsen aus. Die Furchen liegen dunkel und nass in der Dämmerung, die Saat ist darin, und bis zum Frühjahr wird er nicht wissen, ob sie aufgeht. Das Jahr, das im August in die Speicher kam, ist geerntet. Das nächste liegt schon in der Erde. Morgen darf er wieder essen.

5. bis 10. Oktober: Mundus patet, Iuppiter Fulgur und Iuno Moneta – Eine Woche zwischen Unterwelt und Blitz

Iuppiter Fulgur: begrabener Blitz und Grenzstein fulgur conditum in Rom

Ein Stein wird zur Seite geschoben

Der Kapitän sitzt am Hafen von Ostia und schaut aufs Wasser, das heute ruhig ist wie selten im Oktober. Das Schiff ist beladen, die Mannschaft an Bord, der Wind steht gut. Und er wird nicht auslaufen. Er hat es seit Wochen gewusst. Der 5. Oktober ist ein Tag, an dem man nichts beginnt, kein Heer bricht auf, niemand heiratet, und wer ein Schiff hinausschickt, fordert sein Glück heraus. Der mundus ist offen, jene Grube, die als Zugang zur Unterwelt galt und nur an drei Tagen im Jahr geöffnet wurde. Wer an so einem Tag aufbricht, bricht unter den Augen der Toten auf. Er weiß es. Er ärgert sich trotzdem.

Denn im Oktober zählt jeder ruhige Tag. Bald schließt sich das Meer für den Winter, und ein verlorener Tag am Anfang kann einer zu viel am Ende sein. Also wartet er und schaut aufs glatte Wasser. Die erste Öffnung hatten wir im August, das hier ist die zweite, die dritte folgt im November. Zweimal in einem Herbst schiebt Rom den Stein beiseite und lässt die Toten für einen Tag herauf. Und zweimal legt es ihn am Abend wieder zurück.

Wenn der Blitz einschlägt

Der Knall kommt gleichzeitig mit dem Licht. Die Frau steht in der Küche, als das ganze Haus bebt. Draußen im Hof kracht es, dann riecht es nach verbranntem Holz und nach etwas Scharfem, das sie nicht kennt. Der alte Feigenbaum, unter dem ihre Kinder im Sommer spielen, ist in zwei Hälften gespalten, die Erde darunter schwarz. Die Nachbarn stehen an der Tür. Niemand geht hinein. Denn wo ein Blitz einschlägt, hat Iuppiter Fulgur selbst den Boden berührt, der Blitzeschleuderer, dessen Tag am 7. Oktober im Kalender steht. Dieser Hof gehört jetzt nicht mehr ganz ihr. Am nächsten Morgen kommen die Priester. Sie sammeln alles ein, was der Blitz getroffen hat, die verkohlten Äste, die schwarze Erde, und vergraben es genau an der Stelle, an der es lag. Darüber setzen sie eine Einfassung. Ab jetzt darf dort niemand mehr treten. Rom begrub den Blitz. Auf einem kleinen Stein steht dann, in knappen Buchstaben, was darunter liegt:

"Hier ist ein Blitz begraben."

Fulgur conditum, Inschrift auf Blitzgrab-Steinen, mehrfach belegt

Die Frau wird von nun an um diese Stelle herumgehen, jeden Tag, bis zum Ende ihres Lebens. Ein Stück Himmel mitten in ihrem Hof, eingezäunt und unantastbar. Am selben 7. Oktober steht noch Iuno Curitis im Kalender, eine alte Iuno mit sabinischen Wurzeln, deren Beiname vermutlich mit der Lanze zusammenhängt. Über ihren Kult weiß man wenig. Im Monat, in dem Rom seine Waffen wegräumt, bekommt sie trotzdem ihren Tag.

Drei Götter an einem Morgen

Am 9. Oktober wird auf dem Kapitol gleich dreimal geopfert. Für den Genius Publicus, den Schutzgeist des römischen Volkes. Für Fausta Felicitas, das glückliche Gelingen. Und für Venus Victrix, die siegbringende Venus. Wir sind dieser Venus schon begegnet, bei Caesar, der vor Pharsalos der Siegbringerin einen Tempel gelobte und daraus später die Stammmutter seiner Familie machte. Hier steht sie in ihrer älteren Rolle: als Göttin, die im Krieg hilft. Ein Schutzgeist, das Glück und der Sieg, an einem Tag, im Monat der Heimkehr. Rom sagte danke für das, was gut gegangen war.

Eine alte Bekannte

Und am 10. Oktober taucht eine Göttin auf, die diese Serie inzwischen gut kennt. Iuno Moneta, die Warnerin auf dem Kapitol, deren Gänse in der Nacht des Galliersturms die Stadt weckten. Im Juni hatte sie ihren Weihetag, im August erinnerte die Strafe der Hunde an dieselbe Nacht, und jetzt feiert Rom die Erneuerung ihres Tempels. Dreimal in fünf Monaten dieselbe Nacht, dieselbe Göttin, dieselben Gänse. Rom vergaß diesen Moment nie, an dem es fast alles verloren hätte. Es erinnerte sich nur jedes Mal auf eine andere Art daran.

Nachgefragt bei Columella: Was macht einen guten Wein?

Columella über den römischen Weinbau: Reben, Dolia und Kellerwirtschaft

Wer im Oktober ein Landgut führt, hat eine Frage im Kopf, die sich nicht wegtrinken lässt: Lohnt sich das überhaupt? Columella beantwortet sie mit Zahlen. Er rechnet vor, was ein Weinberg kostet, was er einbringt und ab welchem Ertrag sich die Anlage trägt. Sein Urteil fällt eindeutig aus:

"Beim Anlegen eines Weinbergs wird kein Boden, auch nicht der ungünstigste, weniger einbringen, als er an Kosten verursacht hat."

Columella, De re rustica 3,3,12 (sinngemäß)

Und dann erklärt er zwei Bücher lang, was man dafür tun muss.

Der Boden entscheidet

Sein wichtigster Rat klingt wie aus einem heutigen Weinführer. Nicht jede Rebe passt auf jeden Boden. Wer falsch wählt, bekommt viel Wein von geringer Güte oder wenig von großer. Columella unterscheidet die Sorten nach Ertrag, nach Haltbarkeit, nach Widerstand gegen Wind und Frost, und er sagt offen, welche nur zum Verkaufen taugen und welche zum Selbsttrinken. Über die besten Lagen Italiens hat er eine klare Meinung. Massicus, Surrentinum, Albanum und Caecubum stehen für ihn an erster Stelle. Das waren die großen Namen ihrer Zeit, und einen Caecuber auf dem Tisch zu haben, sagte etwas über den Gastgeber.

Sauberkeit ist alles

Was ihn am meisten beschäftigt, ist nicht die Traube, sondern das Gefäß. Die dolia, die eingegrabenen Tonfässer aus dem Keller nebenan, mussten innen mit Pech ausgestrichen werden, damit der Wein nicht durch die poröse Wand zog. Columella beschreibt genau, wann man pecht, wie heiß und wie dick. Er warnt vor schlecht gereinigten Gefäßen, vor Fremdgerüchen, vor Fässern, die zu lange offen standen. Wer einmal verdorbenen Wein verkauft hat, verkauft nie wieder guten.

Und was hineinkam

Hier wird es für heutige Geschmäcker seltsam. Römischer Wein wurde behandelt, und zwar gründlich. Meerwasser gehörte zu den gängigen Zusätzen, dazu eingekochter Most, Harz, Kräuter und Gewürze. Columella gibt Rezepte für Weine mit Salzwasser und beschreibt, wie man einen schwachen Jahrgang rettet. Getrunken wurde ohnehin fast nie pur. Man mischte mit Wasser, und wer es anders hielt, galt als Trinker. Der Becher, den der Verwalter am Morgen des 11. Oktober hob, enthielt also etwas, das ein heutiger Winzer kaum wiedererkennen würde.

Ein Buch für Leute, die es ernst meinen

Was Columella von seinen Vorgängern unterscheidet, ist der Ton. Cato schreibt knapp und befehlend, wie ein Gutsherr, der keine Widerrede duldet. Columella erklärt. Er begründet, wägt ab, nennt Gegenmeinungen und sagt, warum er ihnen nicht folgt. Für ihn ist Landwirtschaft eine Wissenschaft, die man lernen muss, und keine Sache, die sich von allein erledigt, wenn genug Leute auf dem Hof sind. Wer wissen will, wie im Oktober auf einem römischen Gut gearbeitet wurde, liest ihn.

12. Oktober: Augustalia – Der Tag, an dem Rom aufatmete

Ein Altar aus lauter Erleichterung

Die Straße vor der Porta Capena ist seit dem Morgen voll. Menschen stehen an den Rändern, Kinder sitzen auf Schultern, Händler haben ihre Körbe abgestellt und schauen die Via Appia hinunter. Irgendwo dort hinten, jenseits der letzten Hügel, kommt ein Mann zurück, der drei Jahre fort war. Ein alter Mann neben der Straße hat das schon einmal erlebt. Vor Jahren, als Octavian aus Ägypten kam. Er weiß, wie das abläuft: erst Staub am Horizont, dann Reiter, dann Rufe, die von vorn nach hinten durch die Menge laufen wie Wellen. Damals wartete er bis zum Abend. Es kam niemand.

Der Mann, der nachts nach Hause kam

Am nächsten Morgen stand es in der ganzen Stadt: Augustus war längst da. Sueton berichtet es als Gewohnheit. Augustus sei stets nachts in Rom eingetroffen, ohne Zug, ohne Empfang, um niemandem Umstände zu machen. Wer ihn sehen wollte, musste nachts raus. Ein Mann, für dessen Heimkehr der Senat einen Feiertag beschließt, und der dann im Dunkeln durch die Stadt fährt.

Ein Sieg ohne Schlacht

Augustus war im Osten gewesen, drei Jahre lang, und er brachte etwas mit, das Rom seit Jahrzehnten nicht mehr gehabt hatte. Die Feldzeichen. Im Jahr 53 v. Chr. hatte Crassus bei Carrhae gegen die Parther nicht nur ein Heer verloren, sondern die Legionsadler. Das war die Wunde, die nie verheilte: Roms Zeichen in fremder Hand, jahrzehntelang, als tägliche Erinnerung an eine Demütigung. Augustus holte sie zurück, 20 v. Chr., und zwar ohne Krieg. Er verhandelte. Ein Jahr später kehrte er nach Rom zurück, und der Senat beschloss, diesen Tag zum Feiertag zu machen. Nicht den Sieg. Die Heimkehr.

Fortuna Redux

Dafür wurde eine Göttin gebraucht, die es so vorher nicht gab. Fortuna Redux, die Glücksgöttin der Rückkehr. Ihr Altar entstand an der Via Appia, dort, wo der Princeps in die Stadt kam, geweiht am 12. Oktober des Jahres 19 v. Chr. Augustus selbst erwähnt ihn in seinem Tatenbericht, den Res Gestae, jener Inschrift, in der er am Ende seines Lebens auflistet, was er geleistet hat. Der Tag bekam einen Namen nach ihr: Augustalia. Und die Priester, das Kollegium der Pontifices und die Vestalinnen, sollten hier künftig jedes Jahr ein Opfer darbringen, an dem Ort, an dem er zurückgekommen war.

Warum eine Rückkehr wichtiger sein kann als ein Sieg

Der alte Mann an der Straße denkt nicht an Feldzeichen. Er denkt an das, was zwischen 44 und 30 v. Chr. passiert war. Proskriptionen, Bürgerkrieg, Männer, die in die eine Richtung marschierten und nicht zurückkamen, und andere, die zurückkamen und die Stadt in Brand steckten. Er hat erlebt, was es heißt, wenn ein Mächtiger heimkehrt und die Frage offen ist, in welcher Absicht. Eine Göttin für die sichere Rückkehr ist deshalb kein sentimentaler Einfall. Sie ist ein Versprechen: Wer von hier fortgeht, kommt wieder, und wenn er wiederkommt, bleibt die Stadt heil. In einem Monat, der ohnehin vom Heimkommen handelt, in dem die Heere in die Winterquartiere ziehen und die Schiffe in die Häfen, passt dieses Fest genau an seinen Platz.

Aus einem Abend wird ein Staatsfeiertag

Das Fest überlebte den Geehrten um Jahrhunderte. Später wurden daraus Spiele, die Ludi Augustales, und die liefen vom 3. bis zum 12. Oktober, mit dem alten Festtag als Abschluss. Geopfert wurde weiter am Altar, Jahr für Jahr, lange nachdem der Mann gestorben war, dessen Heimkehr man feierte. Aus einem Abend an der Landstraße, an dem niemand kam, war ein Staatsfeiertag geworden.

13. Oktober: Fontinalia – Blumen für das Wasser

Fontinalia: bekränzter römischer Brunnen am 13. Oktober

Ein Korb voller Kränze

Das Mädchen trägt den Korb mit beiden Armen, weil er zu groß für sie ist. Darin liegen Kränze, am Abend zuvor gebunden, aus dem, was der Garten im Oktober noch hergibt: späte Rosen, Immergrün, Lorbeer, ein paar Astern. Sie riechen nach nichts Besonderem, doch sie sind sorgfältig gewunden, und der Korb ist schwer. Ihre Herrin geht voraus. Sie gehen nicht weit, nur bis zum Brunnen am Ende der Gasse, jenem gemauerten Schacht mit dem abgewetzten Rand, an dem sich das halbe Viertel jeden Morgen anstellt. Heute sieht er anders aus.

Die ganze Stadt schmückt ihr Wasser

Am 13. Oktober bekränzt Rom seine Brunnen. Varro beschreibt es in einem Satz, knapp und ohne Deutung. Er nennt das Fest, nennt den Gott und sagt, was man tut:

"Die Fontanalia sind nach Fons benannt. Ihm zu Ehren wirft man an diesem Tag Kränze in die Quellen und bekränzt die Brunnen."

Varro, De lingua Latina 6,22 (sinngemäß)

Mehr steht da nicht. Und mehr braucht es auch nicht. An diesem Tag hängen in Rom an den öffentlichen Brunnen Kränze. An den Nymphäen an den Hügelhängen, an den Schöpfstellen in den Hinterhöfen, an den Quellen draußen vor der Stadt. Wer einen Brunnen hat, schmückt ihn. Wer keinen hat, geht zu dem, aus dem er trinkt.

Der Gott, den wir täglich aussprechen

Der Gott heißt Fons, und sein Name ist schlicht das Wort für Quelle. Über ihn selbst weiß man wenig. Er hatte einen Altar auf dem Ianiculum, einen eigenen Festtag, und in alten Gebetsformeln taucht er auf. Kein Mythos, keine Geschichten, keine Abenteuer. Ein Gott, der genau eine Sache ist: die Stelle, an der Wasser aus dem Boden kommt. Für eine Stadt am Ende eines heißen Sommers war das keine Kleinigkeit. Rom hatte Aquädukte, ja, die berühmten Bögen über die Campagna. Doch nicht jedes Viertel hing daran, nicht jedes Haus, und vor allem: Am Anfang jeder Leitung steht eine Quelle. Die Aqua Marcia, die Aqua Virgo, sie alle beginnen irgendwo draußen an einer Stelle, an der Wasser aus Fels tritt. Versiegt die, nützt der schönste Bogen nichts. Im Oktober, nach Monaten der Trockenheit, führen die Quellen wieder. Dafür bedankt man sich.

Was noch ins Wasser ging

Ob am 13. Oktober auch Münzen geworfen wurden, sagt Varro nicht. Er nennt nur Kränze. Dass Römer Münzen in heiliges Wasser warfen, ist trotzdem sicher, und zwar aus dem Boden. In Bath in England, wo eine heiße Quelle der Göttin Sulis Minerva geweiht war, kamen Tausende von Münzen zutage. An Coventinas Quelle am Hadrianswall dasselbe: eine Einfassung, und darin Münze auf Münze, dazu Broschen, Glasperlen, kleine Figuren. Menschen warfen, was sie hatten, in Wasser, das ihnen heilig war. Was sie sich dabei dachten, wissen wir nicht. Ein Dank vermutlich, eine Bitte, ein Abkommen mit einer Macht, von der man abhängt.

Am Brunnenrand

Das Mädchen stellt den Korb ab, und die Herrin hebt den ersten Kranz. Er landet auf dem Rand, sie rückt ihn gerade. Ein zweiter geht ins Wasser, sinkt ein Stück, dreht sich und bleibt schwimmen. Andere Frauen kommen dazu, mit eigenen Körben, und nach einer Weile sieht der Brunnen aus, als hätte jemand einen Garten hineingeworfen. Die Kränze werden ein paar Tage halten, dann vergehen. Das Wasser läuft weiter.

15. Oktober: Equus October – Das Pferd, das gewinnt und stirbt

Er hat sich die Schultern eingerieben

Der Mann aus der Subura steht seit dem Vormittag am Rand des Marsfeldes, und er hat sich die Schultern mit Öl eingerieben. Nicht aus Eitelkeit. Damit man ihn schlechter zu fassen kriegt. Neben ihm stehen die Männer aus seiner Gasse, Schmiede, Träger, ein Bäcker, dessen Hände vom Teig noch weiß sind. Sie sprechen wenig. Jeder weiß, was gleich passiert, und jeder weiß, wie es im letzten Jahr ausgegangen ist. Vorn laufen die Rennen. Zweigespanne, bigae, keine Vierer wie im Circus. Staub, Geschrei, Hufe auf trockenem Boden. Er schaut nicht hin. Er schaut auf die Männer, die gegenüber stehen. Die von der Sacra Via.

Die Lanze für den Sieger

Das Gespann, das gewinnt, wird nicht bekränzt. Ein Priester tritt an das rechte Pferd heran, das Pferd auf der Außenseite, und tötet es mit einer Lanze. Ein Opfer für Mars, auf dem Feld, das seinen Namen trägt. Dann geht es schnell. Kopf und Schwanz werden abgetrennt. Der Schwanz zuerst, ein Läufer nimmt ihn und rennt los, Richtung Forum, so schnell er kann, weil das Blut noch tropfen muss, wenn er ankommt. Und der Kopf wird hochgehalten.

Der Kampf

Jetzt brüllen beide Seiten, und der Mann aus der Subura hört sein eigenes Blut in den Ohren. Festus beschreibt, was dann geschieht, in einem Satz, der so nüchtern ist, dass man ihn zweimal liest:

"Um den Kopf des Pferdes entsteht ein nicht geringer Kampf zwischen denen von der Sacra Via und denen von der Subura."

Festus, De verborum significatu (sinngemäß)

Nicht gering. So drückt sich jemand aus, der weiß, dass es Verletzte gibt. Es geht um einen Pferdekopf, geschmückt mit Broten aus der frischen Ernte, und es geht darum, wo er hängen wird. Gewinnen die von der Sacra Via, wird er an die Wand der Regia genagelt, an den Amtssitz des Pontifex Maximus, mitten im heiligen Zentrum der Stadt. Gewinnt die Subura, kommt er an den Turris Mamilia, einen Turm in ihrem eigenen Viertel. Ein Jahr lang hängt er dort. Ein Jahr lang weiß jeder, wer ihn geholt hat.

Was das Blut soll

Equus October: Pferdeopfer für Mars auf dem Marsfeld in Rom

Während oben gerungen wird, kommt der Läufer mit dem Schwanz an der Regia an. Das Blut tropft auf den Herd. Nicht auf das Feuer der Vesta, das ist ein anderer Ort, ein anderes Haus. Hier geht es um den Herd der Regia, jenes uralten Gebäudes, das einmal ein Königssitz gewesen sein soll. Und dann kommt der Teil, der diesen Tag mit dem Frühling verbindet. Die Vestalinnen nehmen Blut des Pferdes und heben es auf. Sechs Monate lang. Bis zum 21. April, den Parilia, dem Fest für die Herden und für die Gründung der Stadt. Dort wird es mit der Asche ungeborener Kälber gemischt, die bei einem anderen Fest im April verbrannt wurden, und beides zusammen ergibt ein Mittel zur Reinigung. Man wirft es ins Feuer, man springt durch den Rauch. Der Oktober liefert also die Zutat für ein Fest, das ein halbes Jahr später stattfindet.

Warum ausgerechnet der Sieger?

An dieser Stelle hört das Wissen auf und das Rätseln beginnt. Plutarch stellt die Frage in seinen Römischen Fragen und bietet mehrere Antworten an, ohne sich für eine zu entscheiden. Weil Troja durch ein Pferd fiel und Rom von Troianern abstammt? Weil das Pferd das Tier des Krieges ist und man dem Kriegsgott gibt, was ihm gehört? Weil es um Schnelligkeit geht und man die schnellste nimmt? Keine dieser Erklärungen überzeugt ihn wirklich, und man merkt es ihm an. Die Forschung ist auch nicht weiter. Was auffällt: Der Kopf wird mit Broten geschmückt, mit Ähren oder Gebäck aus der frischen Ernte. Das Pferd steht also nicht nur für den Krieg, sondern irgendwie auch für das Korn. Ein Tier, das für zwei Dinge steht, die im Oktober beide zu Ende gehen. Sicher ist nur: Es ist das einzige Pferdeopfer, das Rom kannte. Ein einziges Tier, ein einziges Mal im Jahr.

Am Abend

Der Mann aus der Subura sitzt auf einer Stufe und hält sich die Rippen. Sie haben verloren. Der Kopf hängt an der Regia, drüben bei denen, die ihn ohnehin jedes zweite Jahr holen, und morgen wird man in der Gasse darüber reden, wer zu früh losgelassen hat. Sein Ohr blutet. Der Bäcker hat einen Zahn weniger. Nächstes Jahr wieder.

19. Oktober: Armilustrium – Das Jahr legt seine Waffen ab

Armilustrium: Reinigung der Waffen auf dem Aventin am Ende der Kriegssaison

Zum letzten Mal in diesem Jahr

Der Schild ist schwerer, als er ihn in Erinnerung hat. Er hat ihn den ganzen Sommer getragen, monatelang, erst im Marsch, dann im Lager, zuletzt auf dem Rückweg. Jetzt steht er damit auf dem Aventin, in einer langen Reihe von Männern, die alle dasselbe halten, und er merkt zum ersten Mal, wie schwer das Ding ist, wenn man nicht weiterlaufen muss. Auf dem Leder sind Kratzer, die er noch zuordnen kann. Die lange Schramme quer über den Beschlag, das war im Juli. Die Delle oben rechts, keine Ahnung mehr. Heute wird der Schild gereinigt.

Ein Platz, der nach dem Fest heißt

Der Ort trägt den Namen des Festes, oder das Fest den des Ortes, so genau weiß das niemand mehr. Armilustrium, und Varro erklärt den Namen in seiner nüchternen Art:

"Das Armilustrium hat den Namen davon, dass dort Bewaffnete die heiligen Handlungen vollziehen, wenn sie nicht gerade an einen anderen Ort gerufen werden."

Varro, De lingua Latina 6,22 (sinngemäß)

Bewaffnete Männer, die etwas Heiliges tun. Mehr gibt die Quelle nicht her, und was genau vollzogen wurde, bleibt offen. Überliefert ist der Ort auf dem Aventin, der Tag und dass es um Waffen ging. Das Wort lustrum im Namen meint eine Reinigung. Rom reinigte an diesem Tag, was den Sommer über im Feld gewesen war.

Ein Wiedersehen mit den Tänzern aus dem März?

An dieser Stelle lohnt ein Blick auf die Männer, denen die Waffen des Mars eigentlich anvertraut sind. Die Salier, zwölf Priester, tragen die ancilia, jene eigentümlichen Schilde in Form einer eingeschnürten Acht. Einer davon fiel der Legende nach unter König Numa vom Himmel, und damit ihn niemand stehlen konnte, ließ der König elf identische nachbauen. Seitdem weiß keiner mehr, welcher der echte ist. Ihr Monat ist der März. Dort ziehen sie durch die Stadt, am 1., am 9., am 23., dazu während der Quinquatrus. Sie tanzen im Dreischritt, schlagen mit Stäben auf die Schilde und singen ein Lied, das schon in der Kaiserzeit niemand mehr verstand, auch die Sänger selbst nicht. Unterwegs machen sie in bestimmten Häusern Station und essen dort so ausgiebig, dass ein Salier-Mahl im Lateinischen zum Sprichwort für Schlemmerei wurde.

Für den 19. Oktober schweigen die Quellen über sie. Man findet ihren Auftritt an diesem Tag in vielen Darstellungen, und er ergibt sich aus der Logik der Sache: Wer im Frühjahr die Schilde herausholt, bringt sie irgendwann zurück. Belegt ist es nicht. Was für das Armilustrium überliefert ist, sind der Ort, der Tag und die Waffen. Genau das ist die Art Lücke, die dieser Monat öfter hat. Rom vollzog seine Riten so selbstverständlich, dass niemand es für nötig hielt, sie aufzuschreiben.

Der Spiegel schließt sich

Wer den März mitgelesen hat, kennt dieses Bild schon. Vom 19. bis 23. März laufen die Quinquatrus, und darin steckt dieselbe Handlung wie heute: Waffen werden gereinigt, der Mars-Kult ist in voller Bewegung, das Jahr macht sich bereit für das, was kommt. Jetzt, sieben Monate später, dasselbe am selben Monatstag. Der 19. März und der 19. Oktober, beide für die Waffen. Und in vier Tagen, am 23. Oktober, findet sich in vielen Darstellungen noch ein drittes Fest. Es hat dort allerdings nichts zu suchen. Rom hat das Kriegsjahr eingerahmt. Vorn die Weihe, hinten die Reinigung, und beides am selben Monatstag.

Was danach kommt

Der Soldat weiß von alledem wenig. Für ihn bedeutet dieser Tag etwas Einfacheres: Es ist vorbei. Keine Märsche mehr in diesem Jahr, keine Nächte im Feld, kein Aufbrechen vor Sonnenaufgang. Der Schild wird eingefettet und weggestellt, die Klinge geölt, damit sie über den Winter nicht rostet. Im Frühjahr wird er alles wieder herausholen. Das weiß er auch. Doch zwischen heute und dem Frühjahr liegen Monate, in denen er zu Hause schläft.

Am Abend, im Quartier

Er wickelt die Klinge in ein Tuch und legt sie in die Truhe. Der Schild steht an der Wand, gereinigt, das Leder dunkel vom Öl. Die Kratzer sieht man immer noch. Die gehen nicht weg. Morgen ist der 20. Oktober, und er hat nichts vor.

23. Oktober: Das Fest, das es nie gab

Am 23. Oktober passiert in Rom nichts. Keine Prozession, kein Opfer, kein Eintrag im Kalender. Ein Bäcker schiebt Holz nach, weil der Ofen seit dem Morgen zieht. Im Circus Maximus harkt jemand die Bahn für die Spiele in drei Tagen, und die Karren mit dem Sand stehen noch am Rand. Auf dem Aventin liegen die Waffen seit vier Tagen geölt in den Kammern, und niemand geht mehr hin. Es riecht nach nassem Laub und nach dem Rauch der ersten Abende, an denen wieder geheizt wird. Ein Tag wie Hunderte im Jahr.

Und trotzdem steht hier ein Fest

Wer bis hierher mitgezählt hat, erwartet ohnehin noch etwas. Im März gab es drei Marsfeste, im Oktober bisher zwei. Das Pferd am 15., die Waffen am 19. Fehlt noch die Reinigung der Trompeten, vier Tage später, genau wie im Frühjahr. In vielen Darstellungen steht sie da. In den römischen Kalendern nicht.

Was die Kalender wirklich sagen

Das Tubilustrium ist zweimal im Jahr bezeugt. Am 23. März, als letzter Tag der Quinquatrus, für Mars. Und am 23. Mai, für Vulcanus, weil der die Trompeten schmiedet. Ovid beschreibt den Maitermin in den Fasti. Auf den Kalendersteinen ist der 23. Oktober unmarkiert. Kein Festname, kein Kürzel, nichts.

Woher die Behauptung stammt

Der Ursprung ist eine These eines Altertumswissenschaftlers: Die Feste des Mars rahmen die Feldzugssaison ein, vorn im März, hinten im Oktober. Aus einer Rekonstruktion wurde über die Jahre ein Datum, und aus dem Datum eine Tatsache, die man heute in Nachschlagewerken findet. Bemerkenswert dabei: Dieselben Werke nennen beim Tubilustrium selbst nur März und Mai. Wer beide Einträge liest, findet den Widerspruch in zwei Klicks.

Warum so etwas hängen bleibt

Weil es zu gut passt. Im März die Pferderennen, im Oktober das Pferdeopfer. Im März die Waffenweihe, im Oktober die Waffenreinigung. Wer diese Reihe sieht, will den dritten Schritt. Ein Muster, das zweimal stimmt, verführt dazu, das dritte Mal zu erfinden.

Was wirklich bleibt

Das Kriegsjahr endet trotzdem im Oktober, nur vier Tage früher als behauptet. Am 15. das Pferd auf dem Marsfeld. Am 19. die Waffen auf dem Aventin. Danach ist Schluss. Der Bäcker schiebt weiter Holz nach. Im Circus wird geharkt. Und über dem Aventin liegt der Rauch aus den Kaminen eines Viertels, in dem an diesem Tag niemand mehr etwas zu reinigen hat.

26. Oktober bis 1. November: Ludi Victoriae Sullanae – Spiele für einen Sieg über Landsleute

Er kennt jemanden, dessen Name auf einer Tafel stand

Der Mann sitzt im Circus, weil man am 26. Oktober im Circus sitzt. Ringsum füllen sich die Ränge, unten wird die Bahn geharkt, jemand verkauft warme Kichererbsen. Es ist derselbe Ablauf wie bei jedem Fest: Man kommt, man findet seinen Platz, man wartet auf das erste Rennen. Er schaut auf die Tribüne gegenüber. 

Vor zwei Jahren hingen auf dem Forum hölzerne Tafeln, und darauf standen Namen. Wer dort stand, war für vogelfrei erklärt. Jeder durfte ihn töten, ohne Strafe, und bekam dafür Geld vom Staat. Auf einer dieser Tafeln stand ein Name, den er sein Leben lang gekannt hatte. Der Mann von nebenan, mit dem er als Junge über Mauern geklettert war. Eines Morgens war der Name da. Am nächsten Abend war der Mann tot, und ein Fremder wohnte in seinem Haus. Jetzt sieht er zu, wie Spiele beginnen, die der Mann gestiftet hat, der die Tafeln aufhängen ließ.

Was eine Proskription war

Das Wort kommt von proscribere, öffentlich anschlagen. Dasselbe Wort benutzte man, wenn eine Versteigerung angekündigt wurde, und das war kein Zufall. Eine Proskription war eine Todesliste, aufgestellt an einem öffentlichen Platz. Wer darauf stand, war vogelfrei. Jeder durfte ihn töten, straflos, und wer es tat, bekam eine Belohnung vom Staat. Wer einen Geächteten versteckte, machte sich selbst strafbar. Das Vermögen der Getöteten wurde eingezogen und versteigert, meist weit unter Wert, meist an Leute, die auf der richtigen Seite standen. Söhne und Enkel verloren das Recht auf öffentliche Ämter.

Sulla führte dieses Verfahren 82 v. Chr. als Erster ein, nach seinem Sieg im Bürgerkrieg. Die Zahlen schwanken, die Quellen nennen tausende Namen, darunter Senatoren und viele aus dem Ritterstand. Plutarch berichtet, die Listen seien laufend ergänzt worden, manchmal nachträglich, und dass Männer darauf gerieten, weil jemand ihr Haus haben wollte. Einer habe gesagt, ihn bringe sein Landgut um. Zwanzig Jahre später griffen Antonius, Octavian und Lepidus auf dasselbe Mittel zurück. Cicero starb bei diesen zweiten Proskriptionen.

Der Sieg an der Porta Collina

Die Spiele haben einen Anlass, und der liegt vor den Toren der Stadt. Am 1. November 82 v. Chr. schlug Sulla an der Porta Collina, dem nordöstlichen Stadttor, ein Heer aus Samniten und Anhängern seiner Gegner. Es war die Entscheidungsschlacht eines Krieges, in dem Römer gegen Römer standen, und sie wurde in Sichtweite der Stadtmauer ausgetragen. Was danach geschah, beschreibt Plutarch in einer Szene, die sich einprägt. Sulla ließ mehrere tausend Gefangene auf dem Marsfeld zusammentreiben und töten, während er selbst im nahen Bellona-Tempel vor dem Senat sprach. Die Senatoren hörten die Schreie. Sulla forderte sie auf, ihm zuzuhören und sich nicht um das zu kümmern, was draußen vorgehe, dort werde nur ein paar Aufrührern eine Lehre erteilt. Ein Jahr später richtete er die Spiele ein.

Spiele für Victoria

Offiziell galten sie der Victoria, der Siegesgöttin. Sie liefen vom 26. Oktober bis zum 1. November, endeten also genau am Jahrestag der Schlacht, mit Wagenrennen als Abschluss. Es gab Theater, es gab Rennen, es gab alles, was römische Spiele ausmacht. Und sie liefen weiter, lange nachdem Sulla gestorben war. Noch in der Kaiserzeit stehen sie im Kalender.

Ein Muster, das wir kennen

Wer die Serie mitliest, erkennt hier etwas. Im Juli feierte Octavian Spiele für Caesars Sieg, und auch das war ein Sieg im Bürgerkrieg gewesen. Nur hatte Caesar ihn verpackt, in Venus, in Abstammung, in göttliche Herkunft. Die Spiele hießen nach der Göttin, nicht nach der Schlacht. Sulla verpackte nichts. Seine Spiele heißen nach ihm, und jeder wusste, gegen wen er gewonnen hatte. Er nannte sich selbst Felix, der Glückliche, und ließ sich als Liebling der Götter darstellen. Ein Mann, der keine Erklärung für nötig hielt.

Und der Mann auf den Rängen?

Er bleibt sitzen. Der Nachbar, dessen Name damals auf der Tafel stand, hat kein Grab, das er besuchen könnte. Sein Haus gehört jemand anderem, sein Sohn darf kein Amt bekleiden, und offiziell hat es diesen Mann nie gegeben. Übrig ist nur jemand, der sich an ihn erinnert und heute im Circus sitzt, während unten Wagen für den Sieg des Mannes fahren, der die Tafel aufhängen ließ. Was hätte er auch tun sollen. Die Rennen sind gut, das Wetter hält, und wer aufsteht und geht, fällt auf. Später, viel später, wird ein Kaiser namens Augustus einen Altar für die glückliche Heimkehr stiften und ein Fest daraus machen. Zwei Wochen vor diesen Spielen, am 12. Oktober, hat Rom es gerade gefeiert. Derselbe Monat. Zwei sehr verschiedene Arten, an einen Bürgerkrieg zu erinnern.

Wenn das Meer zumacht: Die letzte Fahrt des Jahres

Mare clausum: römisches Handelsschiff im Hafen von Ostia im Herbst

Die Rechnung am Kai

Der Kaufmann steht auf dem Kai von Ostia und rechnet zum vierten Mal. Vor ihm liegt sein Schiff, beladen mit Öl aus Hispanien, und neben ihm steht der Kapitän, der seit einer Stunde nichts sagt. Beide wissen, worum es geht, und beide haben eine andere Meinung. Noch eine Fahrt oder nicht. Über ihnen ziehen Wolken, die vor drei Wochen noch nicht so ausgesehen hätten. Der Wind kommt aus einer Richtung, die dem Kapitän nicht gefällt. Und im Hafenbecken liegen schon einige Schiffe fest vertäut, mit abgenommenen Segeln, für den Winter.

Drei Jahreszeiten auf See

Die Römer teilten das Seejahr in drei Abschnitte, und Vegetius hat sie aufgeschrieben. Von Ende Mai bis Mitte September gilt das Meer als offen und verhältnismäßig sicher, mare apertum. Danach beginnt ein Zwischenraum, in dem man noch fährt, allerdings auf eigenes Risiko. Und ab Mitte November ist Schluss, mare clausum, das geschlossene Meer, bis in den März. Der Oktober liegt mitten in diesem Zwischenraum. Man kann fahren. Man kann auch alles verlieren.

Kein Verbot, eine Rechnung

Wichtig ist, was das mare clausum nicht war: ein Gesetz. Niemand verbot einem Kaufmann, im Winter auszulaufen. Was ihn zurückhielt, waren Stürme, kurze Tage und ein Himmel, an dem man nachts kaum navigieren konnte, weil die Sterne hinter Wolken lagen. Römische Schiffe fuhren nach Gestirnen, nach Küstenlinien, nach Erfahrung. Fehlt die Sicht, fehlt die Richtung. Erst in der Spätantike wurde daraus eine Vorschrift, und zwar für die Getreideflotte. Wer die Versorgung Roms transportierte, durfte im Winter nicht auslaufen, weil der Staat es sich nicht leisten konnte, eine Ladung zu verlieren. Für alle anderen blieb es eine Abwägung.

Was auf dem Spiel steht

Der Kaufmann rechnet die Möglichkeiten durch. Fährt er jetzt, ist die Ladung in drei Wochen verkauft, und das Geld arbeitet weiter. Fährt er nicht, liegt das Öl bis März im Speicher, kostet Lagergeld, und der Preis kann fallen. Geht etwas schief, verliert er alles auf einmal. Schiff, Ladung, womöglich die Mannschaft. Solche Entscheidungen trafen Menschen im Oktober überall am Mittelmeer. Und es gab dafür sogar ein Finanzinstrument: das fenus nauticum, das Seedarlehen. Wer damit fuhr, musste das geliehene Geld nur zurückzahlen, wenn das Schiff ankam. Ging es unter, war die Schuld erloschen. Dafür waren die Zinsen hoch, weil der Geldgeber das Risiko trug. Eine Versicherung, zweitausend Jahre vor der Versicherung.

Der dritte Zyklus

Damit schließt sich im Oktober noch ein Kreislauf. Das Kriegsjahr endet mit Pferd, Waffen und Trompeten. Das Erntejahr endet mit Wein, Oliven und Aussaat. Und das Seejahr endet damit, dass Schiffe in Häfen bleiben. Drei Dinge, die den ganzen Sommer über in Bewegung waren, kommen im selben Monat zum Stillstand. Legionen im Winterquartier, Werkzeug im Schuppen, Schiffe am Kai. Rom fuhr sein Jahr herunter, und der Oktober war der Monat, in dem das geschah.

Am Ende des Tages

Der Kapitän sagt einen Satz, und der Kaufmann nickt. Sie fahren nicht. Am nächsten Morgen werden die Segel abgenommen und verstaut, das Tauwerk kommt in den Schuppen, die Mannschaft löst sich auf und sucht sich Arbeit an Land. Das Öl bleibt im Speicher, bis die Häfen im Frühjahr wieder auslaufen lassen. Bis dahin liegt das Schiff da und wartet.

Der Oktober im Spiegel des März

Der römische Kalender hat für das Kriegsjahr zwei Klammern gebaut, eine im Frühjahr und eine im Herbst. Diese Übersicht stellt beide nebeneinander. Auffällig ist nicht nur, dass sich die Handlungen wiederholen, sondern dass sie teils auf denselben Monatstag fallen.

Im März Im Oktober
1. März: Die Salier holen die heiligen Schilde heraus und ziehen durch die Stadt 19. Oktober: Die Waffen werden gereinigt und für den Winter verstaut
14. März: Equirria, Pferderennen auf dem Marsfeld für Mars 15. Oktober: Pferderennen auf dem Marsfeld, bei dem der Sieger geopfert wird
19. bis 23. März: Quinquatrus, der Mars-Kult in voller Bewegung 19. Oktober: Armilustrium, Reinigung der Waffen auf dem Aventin
23. März: Tubilustrium, Weihe der Kriegstrompeten 23. Oktober: kein Gegenstück. Das oft behauptete Tubilustrium an diesem Tag ist nicht belegt
Das Jahr rüstet sich für das, was kommt Das Jahr räumt weg, was gewesen ist
Die Heere brechen auf Die Heere kehren zurück, Fortuna Redux bekommt am 12. Oktober ihren Tag
Das Meer öffnet sich wieder für die Schifffahrt Das Meer schließt sich nach dem Oktober für den Winter
Gesät wird, was im Sommer reift Gesät wird, was im nächsten Sommer reift

Fazit: Was ein Kalender über eine Gesellschaft verrät

Ein Monat, der nichts verschweigt

Am Ende dieses Monats bleibt ein seltsames Bild zurück. Ein Pferd, das gewinnt und dafür stirbt. Männer, die sich die Schultern einölen, um besser aus dem Griff zu rutschen. Ein Blutfleck auf einem Herd, der ein halbes Jahr lang wartet. Daneben Kränze in Brunnen, Kinder mit Körben, ein Verwalter, der vor dem Kosten die Becher zweimal zählt. Derselbe Monat. Dieselbe Stadt. Rom hat das nie als Widerspruch empfunden.

Wer im Kalender steht, gehört dazu

Was am römischen Oktober auffällt, ist nicht, was gefeiert wurde, sondern wer darin vorkommt. Ein Gutsverwalter, der Sklave ist und trotzdem mittrinkt. Männer aus der Subura, die gegen die vom vornehmen Viertel antreten, mit Aussicht auf Sieg. Ein Mädchen mit einem Korb voller Kränze. Ein Soldat, der aus dem Feld kommt. Ein Kaufmann, der rechnet. In diesem Kalender stehen Leute mit Dreck unter den Nägeln. Das Fest am 15. Oktober funktionierte nur, weil sich zwei Nachbarschaften prügelten, und der Staat hat das nicht nur geduldet, sondern eingeplant. Vergleicht man das mit unseren Feiertagen, fällt etwas auf. Bei uns wird gedacht, gemahnt und erinnert, meist von einem Rednerpult aus. In Rom wurde gemacht. Man trug, warf, mischte, prügelte, opferte und ging unter Balken hindurch. Ein Ritual, bei dem niemand etwas tut, wäre den Römern nicht als Ritual erschienen.

Feiern mit offenem Ausgang

Der zweite Unterschied ist noch größer. Beim Oktoberpferd wusste niemand vorher, wo der Kopf hängen würde. Das entschied sich im Handgemenge, jedes Jahr neu. Bei den Meditrinalia wusste niemand, ob der Jahrgang gut ist, bis man ihn probiert hatte. Bei der Aussaat wusste niemand, ob sie aufgeht. Römische Feste hatten offene Ausgänge. Unsere haben Ablaufpläne. Wir wissen im Voraus, wer spricht, wie lange es dauert und wann das Buffet öffnet. Das ist bequem, und es kostet genau das, was ein Fest lebendig macht: die Möglichkeit, dass es anders ausgeht.

Das Jahr als Kreislauf, nicht als Strecke

Und dann ist da die Sache mit der Richtung. Wir denken das Jahr als Linie. Januar vorn, Dezember hinten, dazwischen Fortschritt. Was im Dezember nicht fertig ist, wird ins nächste Jahr geschoben, als wäre das eine Niederlage. Der römische Oktober denkt anders. Er räumt weg, was im März herausgeholt wurde, an denselben Monatstagen, mit denselben Handgriffen. Er bewahrt das Blut des Pferdes bis zum April auf. Er mischt den neuen Wein mit dem alten. Und während er das Jahr beendet, liegt die Saat für das nächste schon in der Erde. Nichts hört einfach auf. Alles kommt zurück.

"Betrachte den Kreislauf der Dinge, die zu sich selbst zurückkehren: Du wirst sehen, dass in dieser Welt nichts erlischt, sondern abwechselnd sinkt und wieder aufsteigt. Der Sommer geht, doch ein neues Jahr bringt ihn zurück. Der Winter ist vergangen, seine Monate werden ihn wiederbringen. Die Nacht verschüttet die Sonne, doch der Tag vertreibt sogleich die Nacht."

Seneca, Epistulae morales 36,11

Das ist keine Poesie, sondern die Weltsicht von Leuten, deren Leben von Wiederkehr abhing. Vom Regen, der kommen musste. Von der Quelle, die wieder laufen musste. Vom Schiff, das im Frühjahr wieder auslaufen konnte.

Die eigentliche Erkenntnis

Ein Kalender ist nie nur eine Liste von Tagen. Er zeigt, was eine Gesellschaft fürchtet, worauf sie angewiesen ist und wen sie dazurechnet. Der römische Oktober fürchtet den Verlust: der Ernte, der Schiffe, der Männer im Feld. Er ist angewiesen auf Wasser, Wetter und Rückkehr. Und er rechnet Sklaven, Handwerker und Bauern dazu, weil ohne sie nichts von alledem funktioniert. Wer wissen will, wie eine Gesellschaft tickt, muss nicht ihre Gesetze lesen. Es reicht, nachzusehen, wofür sie sich einen Tag freinimmt.

Was vom römischen Oktober blieb

Der Gott im Springbrunnen

Fangen wir mit dem an, das man jeden Tag ausspricht.

Der Gott der Fontinalia hieß Fons, im Genitiv fontis, und das Wort bedeutet schlicht Quelle. Daraus wurde im späteren Latein fontana, daraus die italienische fontana, die französische fontaine, das englische fountain und unsere Fontäne. Auch der Familienname Fontane sitzt auf derselben Wurzel. Wer heute vor einem Springbrunnen steht, spricht den Namen eines römischen Gottes aus. Und am 13. Oktober hat Rom genau diese Quellen mit Kränzen geschmückt.

Die Göttin auf dem Frühstückstisch

Die zweite Spur führt in die Küche.

Ceres war die Göttin des Getreides, und aus ihrem Namen wurden die Cerealien, im Englischen cereal. Jede Packung Frühstücksflocken trägt den Namen einer römischen Göttin, der Rom am 4. Oktober zu Ehren fastete. Das Wort kam über das lateinische cerealis, was zu Ceres gehörig heißt, in die Fachsprache der Botanik und von dort auf den Frühstückstisch.

Die Hand, die man gibt

Am 1. Oktober fuhren die Priester mit umwickelter rechter Hand zum Kapitol, für Fides, die Treue. In Rom wohnte das gegebene Wort in der rechten Hand, und auf Münzen wurde die Göttin oft nicht als Person dargestellt, sondern als zwei Hände, die sich fassen. Wir tun es immer noch. Wer einen Vertrag besiegelt, gibt die Hand. Wer sich versöhnt, gibt die Hand. Wer eine Wette abschließt, schlägt ein. Die Geste ist älter als Rom und hat viele Kulturen, doch die Römer haben ihr einen Namen gegeben und eine Göttin dazu. Eine gerade Abstammungslinie lässt sich nicht nachweisen. Was sich sagen lässt: Dieselbe Hand, dieselbe Bedeutung, zweitausend Jahre später.

Der Oktober im Weinberg hat sich nicht verschoben

Manches ist nicht geblieben, weil man sich daran erinnert, sondern weil es nicht anders geht. Die Olivenernte im Mittelmeerraum läuft bis heute von Oktober bis in den Dezember, und die Entscheidung ist dieselbe wie bei Cato und Columella: früh pflücken bringt weniger Öl von besserer Güte, spät pflücken mehr von schlechterer. Das Wintergetreide kommt weiterhin im Oktober und November in die Erde, nach den Herbstregen, vor dem Frost. Der römische Oktober und unser Oktober tun landwirtschaftlich dasselbe. Nicht aus Tradition. Weil die Pflanze es so will.

Der erste Wein des Jahres

Am 11. Oktober tranken die Römer den neuen Wein zum ersten Mal, gemischt mit dem alten, und sprachen dazu einen Satz über alte und neue Krankheiten. Federweißer, der österreichische Sturm, der Neue Wein am Rhein und der Beaujolais nouveau fallen alle in dasselbe Fenster. Nicht weil jemand die Meditrinalia nachahmt, sondern weil der Most zu dieser Zeit gärt und nur dann trinkbar ist. Und den Gedanken gibt es auch noch. Wer beim ersten Glas Federweißer sagt, das sei ja auch gut für die Verdauung, wiederholt eine Vorstellung, die Varro vor zweitausend Jahren aufgeschrieben hat.

Die Münze im Wasser

Bleibt die Geste, die niemand erklären kann und fast jeder schon gemacht hat. Ob bei den Fontinalia Münzen geworfen wurden, sagt Varro nicht, er nennt nur Kränze. Dass Römer Münzen in heiliges Wasser warfen, ist trotzdem sicher: In Bath lagen Tausende im Quelltopf, an Coventinas Quelle am Hadrianswall ebenso, dazu Broschen, Perlen und kleine Figuren. Eine gerade Linie von dort zum Trevi-Brunnen gibt es nicht. Was es gibt, ist eine Geste, die Menschen seit mindestens zweitausend Jahren machen, ohne genau sagen zu können, warum. Ein Dank vielleicht. Eine Bitte. Ein kleines Abkommen mit einer Macht, von der man abhängt.

Und der Monatsname

Der bleibt, wie er ist. Oktober, der Achte, an zehnter Stelle, gemeinsam mit November und Dezember. Versucht wurde es auch hier. Domitian benannte den Monat nach sich selbst, in Domitianus, weil er im Oktober zur Herrschaft gekommen war, und den September gleich mit. Commodus machte ihn 184 n. Chr. zu Invictus, dem Unbesiegten, als Teil seiner Umbenennung aller zwölf Monate. Beide Namen hielten genau so lange wie ihre Urheber. Nach der Ermordung wurde getilgt, was von ihnen im Kalender stand, und der Oktober war wieder der Achte.

Vier Monate mit falscher Nummer, seit über zweitausend Jahren. Niemand korrigiert sie. Vermutlich, weil es niemanden stört.

Zum Schluss

Der Oktober war der Monat, in dem Rom seine Waffen einfettete, seine Schiffe vertäute, seinen Wein kostete und das nächste Jahr in die Erde legte. Nichts davon war ein Abschied.

"Alles wandelt sich, nichts geht zugrunde."

Ovid, Metamorphosen 15,165

Häufige Fragen zum römischen Oktober

Warum heißt der Oktober Oktober, obwohl er der zehnte Monat ist?

Der Name kommt vom lateinischen octo, acht. Im alten römischen Jahr, das im März begann, war er tatsächlich der achte Monat. Als der Jahresanfang auf den Januar rückte, blieb der Name stehen, ebenso bei September, November und Dezember. Domitian benannte den Monat zwischenzeitlich nach sich selbst in Domitianus, Commodus machte ihn 184 n. Chr. zu Invictus. Beide Namen wurden nach der Ermordung der Kaiser wieder getilgt.

Was war das Oktoberpferd, der Equus October?

Am 15. Oktober fand auf dem Marsfeld ein Rennen mit Zweigespannen statt. Das rechte Pferd des Siegergespanns wurde mit einer Lanze getötet und Mars geopfert. Anschließend kämpften die Bewohner der Subura und der Sacra Via um den Pferdekopf, der je nach Ausgang an den Turris Mamilia oder an die Regia genagelt wurde. Es ist das einzige belegte Pferdeopfer der römischen Staatsreligion.

Warum bewahrten die Vestalinnen das Blut des Oktoberpferdes auf?

Das Blut wurde bis zum 21. April aufbewahrt, dem Fest der Parilia. Dort mischte man es mit der Asche ungeborener Kälber, die bei einem anderen Frühjahrsfest verbrannt worden waren, und verwendete beides als Reinigungsmittel. Ein Ritual des Oktober lieferte damit die Zutat für ein Fest ein halbes Jahr später.

Was war das Armilustrium?

Am 19. Oktober reinigte Rom auf dem Aventin die Waffen und stellte sie für den Winter weg. Der Name setzt sich aus arma, Waffen, und lustrum, Reinigung, zusammen. Das Fest markierte das Ende der Feldzugssaison und bildet das Gegenstück zu den Quinquatrus im März, an denen die Waffen geweiht wurden.

Warum ist der römische Oktober das Spiegelbild des März?

Beide Monate rahmen das Kriegsjahr ein. Im März wurden die heiligen Schilde herausgeholt, Pferderennen für Mars abgehalten und am 19. mit den Quinquatrus die Waffen geweiht. Im Oktober folgen dieselben Handlungen in umgekehrter Richtung: Pferdeopfer am 15. und Waffenreinigung am 19. Ein oft genanntes drittes Gegenstück am 23. Oktober, das Tubilustrium, lässt sich dagegen nicht belegen. Das Fest ist nur für den 23. März und den 23. Mai bezeugt.

Was waren die Meditrinalia?

Am 11. Oktober kostete man den neuen Wein des Jahrgangs zum ersten Mal und mischte ihn mit dem alten des Vorjahres. Dazu sprach man einen Spruch, den Varro überliefert: Neuen und alten Wein trinke ich, neue und alte Krankheit heile ich damit. Der Wein galt an diesem Tag als Heilmittel für den kommenden Winter.

Wer war Ceres?

Ceres war die römische Göttin des Getreides und allem, was aus dem Boden wächst. Ihr Tempel stand auf dem Aventin, dem Hügel der Plebs. Am 4. Oktober fastete Rom ihr zu Ehren, ein Brauch, der 191 v. Chr. auf Anweisung der Sibyllinischen Bücher eingeführt wurde. Aus ihrem Namen leiten sich die heutigen Cerealien ab.

Wer war Columella und was schrieb er?

Lucius Iunius Moderatus Columella stammte aus Gades, dem heutigen Cádiz, und verfasste im 1. Jahrhundert n. Chr. zwölf Bücher über die Landwirtschaft, De re rustica. Es ist das ausführlichste erhaltene Werk zur römischen Landwirtschaft, mit Kapiteln zu Ackerbau, Weinbau, Viehzucht und Kellerwirtschaft. Zwei Bücher handeln allein vom Wein.

Wie schmeckte römischer Wein?

Anders als heute. Römischer Wein wurde behandelt, unter anderem mit Meerwasser, eingekochtem Most, Harz und Gewürzen. Getrunken wurde er fast nie pur, sondern mit Wasser gemischt. Wer ihn unverdünnt trank, galt als Trinker. Als beste Lagen Italiens nennt Columella Massicus, Surrentinum, Albanum und Caecubum.

Was geschah in der Schlacht bei Arausio?

Am 6. Oktober 105 v. Chr. vernichteten Kimbern und Teutonen bei Arausio im südlichen Gallien zwei römische Heere. Ursache war der Streit zwischen den Befehlshabern Servilius Caepio und Mallius Maximus, die getrennte Lager bezogen und nacheinander überrannt wurden. Die antiken Verlustzahlen von bis zu 80.000 Mann gelten als übertrieben. Die Niederlage führte zu den Heeresreformen des Marius.

Was bedeutet Mundus patet?

Der Mundus war eine Grube, die als Zugang zur Unterwelt galt und nur an drei Tagen im Jahr geöffnet wurde: am 24. August, am 5. Oktober und am 8. November. An diesen Tagen ruhten Anfänge aller Art. Es wurde nicht geheiratet, kein Heer brach auf, kein Schiff lief aus, wenn es sich vermeiden ließ. Wo der Mundus genau lag, ist bis heute umstritten.

Was bedeutet mare clausum?

Mare clausum, das geschlossene Meer, bezeichnet die Wintermonate, in denen die römische Schifffahrt weitgehend ruhte, etwa von Mitte November bis in den März. Der Oktober lag im Risikofenster davor: Man fuhr noch, allerdings auf eigene Gefahr. Ein Verbot war das nicht, sondern eine Abwägung wegen Stürmen, kurzer Tage und fehlender Sternennavigation.

Was war das Fest der Fontinalia?

Am 13. Oktober ehrte Rom den Quellgott Fons. Varro überliefert, man habe Kränze in die Quellen geworfen und die Brunnen bekränzt. Der Gott hatte einen Altar auf dem Ianiculum. Aus seinem Namen entwickelten sich über das lateinische fontana die heutigen Wörter Fontäne, fontaine und fountain.

Was waren die Ludi Victoriae Sullanae?

Spiele für die Siegesgöttin Victoria, die Sulla 81 v. Chr. nach seinem Sieg an der Porta Collina einrichtete. Sie liefen vom 26. Oktober bis zum 1. November, dem Jahrestag der Schlacht. Bemerkenswert daran: Es war ein Sieg im Bürgerkrieg, und die Spiele standen offen unter dem Namen des Siegers.

Quellen und weiterführende Literatur

Dieser Beitrag stützt sich auf antike Schriftquellen, Kalendersteine und moderne Forschung. Wo die Überlieferung dünn ist oder eine Deutung umstritten, steht es im Text.

Antike Autoren

Varro, De lingua Latina. Die wichtigste Quelle dieses Monats. Buch 6 erklärt die Namen der Feste und überliefert den Trinkspruch der Meditrinalia, die Kränze der Fontinalia und die Herkunft des Armilustrium.

Festus, De verborum significatu. Beschreibt das Oktoberpferd, den Kampf zwischen Subura und Sacra Via um den Pferdekopf und die Übergabe des Blutes an die Regia.

Plutarch, Römische Fragen. Fragt nach dem Sinn des Pferdeopfers und bietet mehrere Erklärungen an, ohne sich festzulegen. In der Sulla-Vita schildert er außerdem die Vorgänge nach der Schlacht an der Porta Collina.

Livius, Ab urbe condita. Überliefert die Anordnung des Numa zur verhüllten Hand beim Fides-Opfer, die Geschichte des Tigillum Sororium und die Einführung des Ceres-Fasttags 191 v. Chr.

Ovid, Fasti. Beschreibt das Tubilustrium am 23. Mai, jenen zweiten Termin des Festes, der im Oktober fälschlich ein drittes Mal auftaucht.

Ovid, Metamorphosen. Buch 15 enthält die Rede des Pythagoras über Wandel und Wiederkehr, aus der das Schlusszitat dieses Beitrags stammt.

Seneca, Epistulae morales. Brief 36 beschreibt den Kreislauf der Dinge und die Wiederkehr der Jahreszeiten.

Columella, De re rustica. Zwölf Bücher zur Landwirtschaft, darunter zwei zum Weinbau. Grundlage für alles, was dieser Beitrag über Aussaat, Olivenernte, Rebsorten und Kellerwirtschaft sagt.

Cato, De agri cultura. Das älteste erhaltene lateinische Prosawerk, mit Musterverträgen für die Olivenernte und Anweisungen zur Gutsführung.

Vegetius, Epitoma rei militaris. Buch 4 enthält die Einteilung des Seejahres in offene, riskante und geschlossene Monate.

Sueton, Kaiserviten. Berichtet über die nächtlichen Ankünfte des Augustus in Rom und über die Umbenennungen der Monate durch Domitian.

Inschriften und Kalender

Fasti Antiates Maiores und weitere römische Kalendersteine. Sie verzeichnen die Festtage des Oktober, darunter Armilustrium, Meditrinalia und Fontinalia. Ebenso aufschlussreich ist, was dort nicht steht.

Res Gestae Divi Augusti. Der Tatenbericht des Augustus nennt den Altar der Fortuna Redux und dessen Weihung am 12. Oktober 19 v. Chr.

Fulgur conditum. Grenzsteine mit dieser Formel markierten Stellen, an denen ein Blitz eingeschlagen war und rituell begraben wurde. Mehrfach in Rom und in den Provinzen gefunden.

Moderne Forschung

William Warde Fowler, The Roman Festivals of the Period of the Republic. London 1899. Das klassische Standardwerk zum römischen Festkalender.

Georg Wissowa, Religion und Kultus der Römer. München 1912. Von Wissowa stammt die These, die Feste des Mars rahmten die Feldzugssaison symmetrisch ein. Aus dieser Rekonstruktion entstand die Annahme eines Tubilustrium im Oktober.

Howard H. Scullard, Festivals and Ceremonies of the Roman Republic. London 1981. Umfassende Darstellung, mit ausführlichem Kapitel zum Oktoberpferd.

Mary Beard, John North, Simon Price, Religions of Rome. Cambridge 1998. Maßgebliches Werk zur römischen Religion in zwei Bänden.

Hinweis zu den Grenzen der Überlieferung

Beim Armilustrium ist überliefert, dass es stattfand, wo es stattfand und worum es ging. Was genau vollzogen wurde und ob die Salier daran beteiligt waren, sagt keine Quelle. Und das oft genannte Tubilustrium am 23. Oktober steht in keinem antiken Kalender, sondern geht auf eine moderne Rekonstruktion zurück. Der Beitrag markiert solche Stellen, statt die Lücken mit plausibel klingenden Einzelheiten zu füllen.

"Autorin Manuela Priess"

Über die Autorin:

Salvete! Mein Name: Manuela Priess und mich interessiert an der römischen Geschichte vor allem das, was oft zwischen den großen Daten und bekannten Namen liegt: der Alltag, die kleinen Details und die Geschichten hinter der Geschichte. Ich schreibe über Themen, die in der Antike verwurzelt sind und bis in unseren heutigen Alltag hineinreichen. Meine Texte sind quellenbasiert, verständlich erzählt und dort, wo es passt, mit eigenen Erfahrungen aus vielen Jahren Reenactment verbunden. Besonders intensiv habe ich mich viele Jahre lang mit römischer Frisurenmode und Blumen in der Antike beschäftigt, in Workshops auf Museumsevents und bei Vorträgen in römischen Museen. Im Römer Shop leite ich den Servicebereich und begleite unsere Kundinnen und Kunden mit Rat, Erfahrung und einem Blick für die Geschichte hinter dem Produkt. Mein Ziel ist es, römische Geschichte so zu beschreiben, dass sie nicht im Museum stehen bleibt, sondern im Alltag und im Kopf lebendig wird.

Also Augen zu, historisches Kopfkino an...

Andreas Hopson Autor - Experte für experimentelle Archäologie seit über 25 Jahren
Andreas Hopson - Der Römer Shop

Über den Autor:

Andreas Hopson ist Experte für römische Alltagskultur und antike Mosaiktechniken und verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der experimentellen Archäologie.

Im Rahmen der experimentellen Archäologie forscht, rekonstruiert und vermittelt Andreas Hopson römische Alltagsgegenstände und die Handwerkstechniken antiker Mosaizisten. Seine Expertise stützt sich auf Quellenstudium, praktische Umsetzung und vernetzte Arbeit in Fachverbänden.

Mit seinen Publikationen, Workshops und Rekonstruktionen unterstützt er Museen, Schulen und Forschungseinrichtungen dabei, antikes Handwerk lebendig und nachvollziehbar zu vermitteln.

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