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Kaiser Domitian

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Kaiser Domitian - Kaiser Domitian: Tyrann oder unterschätzter Herrscher Roms?

Flavische Dynastie

IMPERATOR CAESAR DOMITIANUS AUGUSTUS GERMANICUS

Name:

Titus Flavius Domitianus

Geburtsdatum:

24. Oktober 51 n. Chr.

Geburtsort:

Rom, Italien

Regierungszeit:

14. September 81 bis 18. September 96 n. Chr.

Mit 15 Jahren regierte Domitian länger als jeder Kaiser seit Tiberius. Er sicherte die Grenzen an Rhein und Donau, ließ Rom prächtig ausbauen und kontrollierte die Verwaltung streng. Sein autoritärer Stil und die Prozesse gegen Senatoren machten ihn jedoch zum Feindbild des Senats.

Ehe/n:

Domitia Longina (70 n. Chr.)

Kinder:

Ein Sohn, Name nicht überliefert (geb. 73 oder 80 n. Chr., früh verstorben und als Divus Caesar vergöttlicht)

Eltern:

Mutter: Flavia Domitilla die Ältere

Vater: Kaiser Vespasian

Tod:

18. September 96 n. Chr. in Rom (ermordet)

Bildergalerie · 8 Ansichten

So sah Domitian aus: Büsten, Münzen & mehr

Antike Darstellungen aus Museen im Vergleich: Was ist gleich, was ist anders?

Alle Fotos zeigen antike Originale und sind gemeinfrei. Zu den Bildnachweisen. Die Porträtzeichnung oben ist eine künstlerische Interpretation.

Lorbeerkranz

Berühmtes Zitat des Kaisers Domitian

„Das Los der Herrscher ist das elendeste: Wenn sie eine Verschwörung aufdecken, glaubt man ihnen erst, wenn sie ermordet worden sind.“
(lat. Condicionem principum miserrimam aiebat, quibus de coniuratione comperta non crederetur nisi occisis, überliefert bei Sueton, Domitian 21)
Einstieg

Der Kaiser, den Rom vergessen sollte

Stell dir vor, nach deinem Tod beschließt der Senat, dass es dich nie gegeben hat: Dein Name wird von Inschriften gemeißelt, deine Statuen werden eingeschmolzen. Genau das passierte Domitian.

Und doch ist kaum ein Kaiser des ersten Jahrhunderts in Rom heute so sichtbar: Wer über die Piazza Navona schlendert, läuft in der Form seines Stadions, und wer den Palatin besucht, steht in seinem Palast. Domitian herrschte 15 Jahre lang und damit länger als jeder Kaiser seit Tiberius.

Unser Bild von ihm stammt fast nur von Autoren, die nach seinem Tod schrieben und dem Senat nahestanden: Tacitus, Plinius der Jüngere und Sueton. Sie zeichnen ihn als misstrauischen, grausamen Herrscher, der sich angeblich „Herr und Gott“ (dominus et deus) nennen ließ. Die moderne Forschung urteilt vorsichtiger: Selbst Sueton räumt ein, dass die Statthalter unter Domitian so gewissenhaft arbeiteten wie nie zuvor. War er also ein Tyrann oder ein fähiger Verwalter, dem die Senatoren seine Strenge nie verziehen?

Leben

Von der Flucht vom Kapitol bis zum Mord im Palast

24. Oktober 51 n. Chr.

Geburt in Rom

Domitian kommt als jüngerer Sohn des späteren Kaisers Vespasian zur Welt.

69 n. Chr.

Flucht vom Kapitol

Im Bürgerkrieg stürmen Anhänger des Vitellius das Kapitol. Domitian entkommt, als Priester der Isis verkleidet.

70 n. Chr.

Heirat mit Domitia Longina

Die Tochter des berühmten Feldherrn Corbulo wird seine Frau.

14. September 81 n. Chr.

Kaiser mit 29 Jahren

Nach dem überraschenden Tod seines Bruders Titus übernimmt Domitian die Macht.

83 n. Chr.

Chattenkrieg in Hessen

Sieg, Triumph und der Siegername Germanicus. Im Taunus und in der Wetterau entsteht eine überwachte Grenze.

86 n. Chr.

Spiele und Niederlage

In Rom stiftet er die Kapitolinischen Spiele, an der Donau wird ein Heer unter Cornelius Fuscus von den Dakern vernichtet.

88 n. Chr.

Sieg bei Tapae

Tettius Iulianus schlägt den Dakerkönig Decebalus.

1. Januar 89 n. Chr.

Aufstand in Mainz

Der Statthalter Saturninus erhebt sich in Mogontiacum gegen den Kaiser und scheitert. Danach schließt Domitian Frieden mit Decebalus.

18. September 96 n. Chr.

Ermordet im Palast

Hofbeamte verschwören sich, Stephanus sticht zu. Der Senat löscht sein Andenken aus und macht Nerva zum Kaiser.

Herrscher

Grenzen, Bauten, Kontrolle

  • Grenzen: Nach dem Chattenkrieg ließ er Wege, Wachtürme und Kastelle anlegen und legte damit Grundlagen für den späteren Limes, heute UNESCO Welterbe. In seiner Zeit wurden die Militärbezirke am Rhein zu den Provinzen Germania superior und Germania inferior.
  • Geld: Zu Beginn seiner Herrschaft erhöhte er den Silbergehalt des Denars deutlich. Wegen leerer Kassen musste er ihn 85 n. Chr. wieder etwas senken.
  • Bauten: Nach dem Brand von 80 n. Chr. ließ er Rom neu gestalten. Sein Architekt Rabirius schuf den Kaiserpalast auf dem Palatin, dazu kamen Stadion, Odeum, Titusbogen und die Vollendung des Kolosseums.
  • Kontrolle: Nach dem Aufstand des Saturninus wurde er immer misstrauischer. Senatoren wurden angeklagt und hingerichtet, Philosophen aus Rom verwiesen.

Mit Domitian endete die Flavische Dynastie. Auf seinen gewaltsamen Tod folgte die Zeit der Adoptivkaiser, die als Blütezeit des Imperiums gilt.

Persönliches

Der Mensch hinter dem Kaiser

  • Familie: Er wuchs im Schatten seines fast zwölf Jahre älteren Bruders Titus auf, des gefeierten Helden des Jüdischen Krieges.
  • Ehe: Um Domitia Longina warb er, obwohl sie noch mit einem anderen Mann verheiratet war. Die Ehe hielt trotz einer zeitweiligen Trennung bis zu seinem Tod.
  • Aussehen: Laut Sueton groß gewachsen, mit bescheidenem Gesichtsausdruck und der Neigung zu erröten. Unter seiner Glatze litt er sehr.
  • Talent: Ein meisterhafter Bogenschütze, der angeblich Pfeile zwischen den gespreizten Fingern eines Jungen hindurchschießen konnte.
  • Rückzug: Er war gern allein und verbrachte viel Zeit in seiner Villa in den Albaner Bergen.

Gerade diese Mischung aus Unsicherheit, Ehrgeiz und Misstrauen macht ihn zu einer der vielschichtigsten Figuren unter den römischen Kaisern.

Fun Facts

Wusstest du schon?

Er soll stundenlang Fliegen mit einem Griffel aufgespießt haben. Auf die Frage, wer beim Kaiser sei, antwortete ein Senator: „Nicht einmal eine Fliege.“
Selbst kahl, schrieb er ein Buch über die Haarpflege und widmete es einem Freund.
September und Oktober hießen bei ihm „Germanicus“ und „Domitianus“. Nach seinem Tod war das sofort vorbei.
Er verbot die Kastration von Knaben. Dafür lobten ihn sogar seine Kritiker.
Per Erlass verbot er, in Italien neue Weinstöcke zu pflanzen, um mehr Getreide anzubauen. Durchgesetzt wurde das kaum.
Die Piazza Navona hat bis heute die Form seines Stadions. Die Häuser stehen auf den antiken Zuschauerrängen.

Quellen zu den Fun Facts: Fliegen: Sueton, Domitian 3; Haarpflege: Sueton, Domitian 18; Monatsnamen: Sueton, Domitian 13; Kastrationsverbot: Sueton, Domitian 7; Weinstöcke: Sueton, Domitian 7; Piazza Navona: Ausgrabungsstätte Stadio di Domiziano, Rom.

Spuren

Vergessen? Von wegen!

  • Piazza Navona, Rom
  • Kaiserpalast auf dem Palatin
  • Titusbogen am Forum Romanum
  • Limes in Hessen
  • Villa bei Castel Gandolfo
  • Büsten in Rom und Paris

Paradox: Ausgerechnet der Kaiser, dessen Andenken ausgelöscht werden sollte, hat das Stadtbild Roms dauerhaft geprägt.

Didaktisch interessant: Quellenkritik am Beispiel Domitian

Was verraten Bauten und Münzen über ihn, und was die Texte seiner Gegner? Ein Beispiel findest du oben in der Galerie: Auf dem Cancelleria Relief wurde Domitians Gesicht nach seinem Tod einfach zu seinem Nachfolger Nerva umgemeißelt. Recycling auf Römisch.

Teste dich! 4 Fragen zu Domitian

1. Gegen welchen Stamm zog Domitian 83 n. Chr. in den Krieg?

Gegen die Chatten im heutigen Hessen.

2. Welcher Platz in Rom hat die Form seines Stadions?

Die Piazza Navona.

3. Wie lange regierte Domitian?

15 Jahre, von 81 bis 96 n. Chr.

4. Was bedeutet „damnatio memoriae“?

„Verdammung des Andenkens“: Name, Bilder und Inschriften eines Menschen wurden ausgelöscht.

Fazit

Tyrann oder Verwalter?

Domitian war weder das Monster der Senatsgeschichtsschreibung noch ein verkanntes Genie. Er war ein tatkräftiger, gut organisierter Herrscher, der Grenzen sicherte, Rom prächtig ausbaute und die Verwaltung straff führte, sich aber durch Misstrauen und Härte selbst isolierte. Sein Beispiel zeigt, wie stark unser Bild von historischen Persönlichkeiten davon abhängt, wer über sie geschrieben hat. Und ganz ehrlich: Für einen Kaiser, den alle vergessen sollten, reden wir erstaunlich viel über ihn.

Weiterlesen

Quellen

  • Sueton: Vita Domitiani
  • Cassius Dio: Historia Romana, Buch 67
  • Tacitus: Agricola und Historiae
  • Plinius der Jüngere: Panegyricus
  • Jones, Brian W.: The Emperor Domitian, London 1992
  • Southern, Pat: Domitian. Tragic Tyrant, London 1997

Bildnachweise

  • Hauptbild und Porträtzeichnung: künstlerische Interpretation, © Der Römer Shop
  • Bild 1/8: Büste des Domitian, Kapitolinische Museen Rom (Inv. MC 1156): Foto Jastrow (2006), gemeinfrei, Wikimedia Commons
  • Bild 2/8: Aureus des Domitian, Rom 88 n. Chr., American Numismatic Society (Inv. 1957.191.20): CC0 (gemeinfrei), Wikimedia Commons
  • Bild 3/8: Porträtkopf des Domitian, Nationales Archäologisches Museum Athen (Inv. 345): Foto George E. Koronaios (2018), CC0 (gemeinfrei), Wikimedia Commons
  • Bild 4/8: Statue des Domitian, Musée archéologique Théo Desplans, Vaison la Romaine: Foto Véronique Pagnier (2010), gemeinfrei, Wikimedia Commons
  • Bild 5/8: Büste des Domitian, Altes Museum Berlin: Foto Gary Todd (2016), CC0 (gemeinfrei), Wikimedia Commons
  • Bild 6/8: Denar des Domitian, Rom 81 n. Chr., American Numismatic Society (Inv. 1944.100.42456): CC0 (gemeinfrei), Wikimedia Commons
  • Bild 7/8: Cancelleria Relief A (Profectio), Vatikanische Museen, Museo Gregoriano Profano, Ausschnitt; Kopf des Kaisers nach der damnatio memoriae zu Nerva umgearbeitet: Foto Fabrizio Garrisi (2024), CC0 (gemeinfrei), Wikimedia Commons
  • Bild 8/8: Büste des Domitian, Musée du Louvre Paris (Ma 1264), antiker Kopf auf neuzeitlicher Büste: Foto Siren-Com, gemeinfrei, Wikimedia Commons

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Andreas Hopson - Der Römer Shop

Über den Autor

Andreas Hopson

Experte für römische Alltagskultur & antike Mosaiktechniken · 25+ Jahre experimentelle Archäologie


Andreas Hopson erforscht, rekonstruiert und vermittelt römische Alltagsgegenstände und die Handwerkstechniken antiker Mosaizisten. Seine Arbeit stützt sich auf das Studium der Quellen, auf die praktische Umsetzung und auf den Austausch in Fachverbänden. Zu den Römern kam er 1997 über das Eventmanagement in Zusammenarbeit mit der Saalburg in Bad Homburg.

Mit seinen Publikationen, Workshops und Rekonstruktionen unterstützt er Museen, Schulen und Forschungseinrichtungen dabei, antikes Handwerk lebendig und nachvollziehbar zu vermitteln.

Mitglied in:Deutscher Archäologen-Verband (DArV)West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung e.V.Archäologische Gesellschaft zu Berlin e.V.

Projekt:Projekt „Phoenix Pompeji“ · Soprintendenza Archäologica Neapel

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