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Kaiser Otho

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Kaiser Otho - Kaiser Otho: Drei Monate Kaiser im Vierkaiserjahr

Vierkaiserjahr I

IMPERATOR MARCUS OTHO CAESAR AUGUSTUS

Name:

Marcus Salvius Otho

Geburtsdatum:

28. April 32 n. Chr.

Geburtsort:

Ferentium (heute Ferento) in Mittelitalien, die Heimatstadt seiner Familie

Regierungszeit:

15. Januar 69 n. Chr. bis 16. April 69 n. Chr.

Otho kam durch einen Putsch der Prätorianer gegen Galba an die Macht und knüpfte bewusst an Nero an, dessen Statuen er wieder aufstellen ließ. Seine kurze Herrschaft war vom Krieg gegen Vitellius bestimmt, den die Rheinlegionen zum Kaiser ausgerufen hatten. Nach der Niederlage bei Bedriacum nahm er sich das Leben, um weiteres Blutvergießen zu verhindern.

Ehe/n:

Poppaea Sabina (Jahr der Heirat nicht überliefert; die Ehe endete um 58 n. Chr., als Nero sie für sich wollte; 62 n. Chr. heiratete sie Nero)

Heiratspläne mit Statilia Messalina, der Witwe Neros (69 n. Chr., laut Sueton)

Kinder:

keine überliefert

Eltern:

Mutter: Albia Terentia

Vater: Lucius Salvius Otho, Senator, von Kaiser Claudius in den Patrizierstand erhoben

Tod:

16. April 69 n. Chr. in Brixellum (Brescello am Po), einen Tag nach der Niederlage bei Bedriacum: Selbsttötung mit einem Dolchstich in die Brust, mit 36 Jahren (Tacitus: im 37. Lebensjahr). Mehrere Soldaten töteten sich an seinem Scheiterhaufen.

Bildergalerie · 4 Ansichten

So sah Otho aus: Büsten, Münzen & mehr

Antike Darstellungen aus Museen im Vergleich: Was ist gleich, was ist anders?

Alle Fotos zeigen antike Originale und sind gemeinfrei. Zu den Bildnachweisen. Die Porträtzeichnung oben ist eine künstlerische Interpretation.

Lorbeerkranz

Berühmtes Zitat des Kaisers Otho

„Mögen andere länger regiert haben, niemand soll die Herrschaft so tapfer aufgegeben haben.“
(lat. alii diutius imperium tenuerint, nemo tam fortiter reliquerit, aus Othos letzter Rede an seine Soldaten in der Fassung des Tacitus, Historien 2,47)
Einstieg

Partylöwe mit heldenhaftem Abgang

Er war Neros engster Freund, trug eine Perücke und ließ einen Kaiser ermorden, und trotzdem feierten ihn die Römer nach seinem Tod als Helden.

Otho war der zweite Kaiser des Vierkaiserjahres 69 n. Chr. Er kam am 15. Januar durch einen Putsch an die Macht, als Prätorianer seinen Vorgänger Galba auf dem Forum erschlugen. Nur drei Monate später war er tot. Nach einer verlorenen Schlacht gegen die Truppen des Vitellius nahm er sich das Leben, obwohl er noch Soldaten und Hoffnung hatte. Er wolle, so überliefern es die antiken Autoren, nicht noch mehr Römer für sich sterben lassen.

Wie wurde er in der Geschichte wahrgenommen? Kaum ein Kaiser wird so widersprüchlich beurteilt. Tacitus schreibt, Otho habe sich mit zwei Taten einen Namen gemacht, einer abscheulichen und einer glänzenden: dem Mord an Galba und seinem eigenen Tod. Plutarch sagt es noch knapper: Er lebte nicht anständiger als Nero, aber er starb edler.

Leben

Von Ferentium bis Brixellum

28. April 32 n. Chr.

Geburt

Marcus Salvius Otho kommt zur Welt; seine Familie stammt laut Sueton aus Ferentium und führt sich auf etruskische Fürsten zurück.

nach 54 n. Chr.

Im Freundeskreis Neros

Otho wird einer der engsten Vertrauten des jungen Kaisers Nero und ist laut Sueton sogar in dessen finsterste Pläne eingeweiht.

um 58 n. Chr.

Ärger um Poppaea

Nero will Othos Frau Poppaea Sabina für sich; die Ehe wird aufgelöst, Otho muss Rom verlassen.

58 oder 59 n. Chr.

Abgeschoben nach Lusitanien

Als Statthalter im Westen der Iberischen Halbinsel regiert er zehn Jahre lang, laut Sueton mit bemerkenswerter Redlichkeit.

68 n. Chr.

Galbas erster Verbündeter

Als Galba sich gegen Nero erhebt, stellt sich Otho als Erster auf seine Seite und zieht mit ihm nach Rom.

10. Januar 69 n. Chr.

Übergangen

Galba adoptiert nicht Otho, sondern Piso; der hoch verschuldete Otho plant daraufhin den Umsturz.

15. Januar 69 n. Chr.

Putsch und Kaiserwürde

Am goldenen Meilenstein auf dem Forum holen ihn Soldaten ab und rufen ihn zum Kaiser aus; Galba und Piso werden getötet.

14. April 69 n. Chr.

Niederlage bei Bedriacum

Nahe Cremona schlagen die Feldherren des Vitellius, Caecina und Valens, Othos Armee, während Otho selbst in Brixellum wartet.

16. April 69 n. Chr.

Tod in Brixellum

Im Morgengrauen tötet sich Otho mit einem Dolch, mit 36 Jahren und nach nur rund drei Monaten Herrschaft.

Herrscher

Drei Monate zwischen Nero und Vitellius

  • Kaiser aus Schulden: Otho war tief verschuldet. Laut Sueton sagte er selbst, er könne sich nur halten, wenn er Kaiser werde. Mit Geld und Versprechungen gewann er Prätorianer für seinen Plan.
  • Milder Start: Nach dem blutigen Putsch versprach Otho eine gerechte Regierung und zeigte sich gegenüber Aulus Marius Celsus gnädig, der danach sogar als einer seiner Feldherren diente.
  • „Nero Otho“: Das einfache Volk jubelte ihm als „Nero“ zu. Laut Sueton widersprach er nicht, andere Berichte meinen, der Beiname habe ihm wenig gefallen. Er ließ jedenfalls Neros Statuen wieder aufstellen und bewilligte als erste Amtshandlung 50 Millionen Sesterzen für die Fertigstellung von Neros Goldenem Haus.
  • Sturm auf den Speisesaal: Einmal glaubten Soldaten an einen Anschlag auf Otho. Laut Sueton stürmten sie den Palast und drangen bis in den Speisesaal vor, so sehr hingen sie an ihrem Kaiser.
  • Friedensangebot: Gegen Vitellius, den die Legionen am Rhein zum Kaiser gemacht hatten, versuchte Otho es zuerst mit Diplomatie. Laut Sueton bot er ihm sogar eine Teilung der Macht und eine Heirat an. Vergeblich.
  • Krieg in Norditalien: Othos Truppen gewannen kleinere Gefechte in den Alpen, bei Placentia und an einem Ort namens „bei den Castoren“. Die Entscheidung fiel am 14. April 69 bei Bedriacum. Otho selbst blieb auf Anraten seiner Generäle in Brixellum.

Nach der Niederlage flehten ihn die Soldaten an weiterzukämpfen; Verstärkung war unterwegs. Doch Otho lehnte ab. In der Rede, die Tacitus ihm in den Mund legt, heißt es: Mögen andere länger regiert haben, so tapfer wie er habe niemand die Herrschaft aufgegeben. Ob Otho das genau so gesagt hat, wissen wir nicht. Fest steht: Sein Tod beendete den Krieg zwischen ihm und Vitellius, aber nicht das Vierkaiserjahr.

Persönliches

Eitel, verwegen und erstaunlich gefasst

  • Aussehen: Laut Sueton mittelgroß, mit Spreizfüßen und krummen Beinen, aber gepflegt wie kaum ein anderer: Er zupfte sich die Körperhaare, trug eine sorgfältig angepasste Perücke und rasierte sich täglich.
  • Wilde Jugend: Sein Vater soll ihn oft verprügelt haben. Laut Sueton zog Otho nachts durch die Straßen, packte Schwache oder Betrunkene und ließ sie auf einem ausgebreiteten Mantel in die Luft schleudern.
  • Familie: Sein Vater Lucius Salvius Otho sah Kaiser Tiberius laut Sueton so ähnlich, dass viele ihn für dessen Sohn hielten. Claudius erhob ihn in den Patrizierstand.
  • Poppaea: Hier gehen die Quellen auseinander. Laut Sueton sollte Otho die Geliebte Neros nur zum Schein heiraten, verliebte sich dann aber selbst und sperrte den Kaiser aus. Tacitus erzählt in den Annalen, Poppaea habe Otho geheiratet, um an Nero heranzukommen.
  • Isis: Laut Sueton feierte Otho die Riten der ägyptischen Göttin Isis öffentlich mit.
  • Letzte Nacht: Er ließ Briefe vernichten, die seine Anhänger hätten belasten können, verteilte Geld an seine Diener, prüfte zwei Dolche, legte einen unter sein Kopfkissen und schlief laut Plutarch tief und fest. Im Morgengrauen stieß er sich die Klinge mit einem einzigen Stich unter die linke Brust.

Zu seinem Tod trug laut Sueton auch ein einfacher Soldat bei: Der Mann hatte die Niederlage gemeldet, und als man ihm nicht glaubte, tötete er sich vor Othos Augen. Das erzählte Suetons eigener Vater, der als Militärtribun in Othos Heer diente. Nach Othos Tod töteten sich laut Tacitus, Sueton und Plutarch mehrere Soldaten an seinem Scheiterhaufen. Viele, die ihn zu Lebzeiten gehasst hatten, lobten ihn nun in den höchsten Tönen.

Warum ist er wichtig? Otho zeigt, wie sehr ein einziger Moment das Bild eines Menschen prägen kann. Der Lebemann, Putschist und Mörder Galbas ging als Kaiser in die Erinnerung ein, der sein Leben opferte, um einen Bürgerkrieg zu beenden. Wer über Otho urteilt, muss sich entscheiden: Zählt das Leben oder der Abgang?

Fun Facts

Wusstest du schon?

Damit ihm nie ein Bart wuchs, legte sich Otho laut Sueton feuchtes Brot aufs Gesicht.
In Rom kursierte ein Spottvers: Warum Otho unter einem vorgetäuschten Ehrenamt in der Verbannung sitze? Er hatte angefangen, der Liebhaber seiner eigenen Frau zu sein.
Der Dichter Juvenal spottete, Otho habe sich vor der Schlacht noch im Spiegel betrachtet.
Der Dichter Martial fragte: Mag Cato im Leben größer gewesen sein als selbst Caesar, war er im Sterben etwa größer als Otho?
Plutarch hat Othos Grab in Brixellum selbst gesehen: ein bescheidenes Denkmal mit der schlichten Inschrift „Dem Andenken des Marcus Otho“.
In Monteverdis Oper „L’incoronazione di Poppea“ von 1643 tritt Otho als Ottone auf und versucht, als Frau verkleidet, Poppaea zu ermorden.

Quellen zu den Fun Facts: Brot: Sueton, Otho 12,1; Spottvers: Sueton, Otho 3,2; Spiegel: Juvenal, Satiren 2 (nach en.wikipedia, Artikel „Otho“); Sterben: Martial, Epigramme 6,32; Grab: Plutarch, Otho 18; Ottone: en.wikipedia, Artikel „L’incoronazione di Poppea“.

Spuren

Ein Grab am Po und ein Platz auf der Opernbühne

  • Brescello (Brixellum) am Po
  • Bedriacum bei Cremona
  • Ferento (Ferentium)
  • Lusitanien (heute Portugal und Westspanien)
  • Neros Goldenes Haus
  • Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“ (1643)
  • Händels „Agrippina“ (1709)

Ein Kaiser für die Bühne: Othos kurze Herrschaft hat kaum Bauwerke hinterlassen. Umso lebendiger blieb seine Geschichte: die Dreiecksbeziehung mit Nero und Poppaea, der Putsch, der freiwillige Tod. Schon in der Antike wurde er dafür besungen, etwa von Martial. In der Barockzeit holten ihn Komponisten auf die Bühne, Monteverdi in „L’incoronazione di Poppea“, Händel in „Agrippina“ und Vivaldi in „Ottone in villa“ (1713). Und Plutarch, der selbst in Brixellum war, sah dort ein schlichtes Grab, das so gar nicht nach Kaiser aussah.

Projektidee für den Unterricht: „Feigling oder Held?“

Die Klasse teilt sich in vier Gruppen. Jede liest einen anderen Text über Othos Ende: Tacitus, Historien 2,46 bis 2,50, Sueton, Otho 9 bis 12, Plutarch, Otho 15 bis 18, und das Epigramm des Martial (6,32). Jede Gruppe schreibt daraus einen Nachruf für eine römische Wandzeitung. Beim Vergleich zeigt sich: Welche Autoren betonen den Mord an Galba, welche den Opfertod? Zum Abschluss stimmt die Klasse über Plutarchs Satz ab: Lebte Otho nicht anständiger als Nero, starb er aber edler?

Teste dich! 4 Fragen zu Otho

1. Mit welchem Kaiser war Otho in jungen Jahren eng befreundet?

Mit Nero. Die Freundschaft zerbrach, als Nero Othos Frau Poppaea Sabina für sich wollte.

2. Wie kam Otho an die Macht?

Durch einen Putsch am 15. Januar 69: Prätorianer riefen ihn zum Kaiser aus und töteten Galba und dessen Adoptivsohn Piso.

3. Bei welchem Ort wurde Othos Armee im April 69 geschlagen?

Bei Bedriacum in der Nähe von Cremona in Norditalien.

4. Warum nahm sich Otho das Leben, obwohl noch Truppen zu ihm hielten?

Laut den antiken Autoren wollte er nicht, dass noch mehr Römer in einem Bürgerkrieg für ihn starben.

Fazit

Kurz regiert, lang erinnert

Otho war Lebemann, Schuldenmacher und Putschist, und er war zugleich ein redlicher Statthalter und ein Kaiser, der lieber selbst starb, als einen Bürgerkrieg weiterzuführen. Seine Herrschaft dauerte kaum länger als ein Schulquartal, doch sein Ende beschäftigte Geschichtsschreiber, Dichter und Komponisten über Jahrhunderte. Gerade weil sich die Quellen so widersprechen, eignet er sich hervorragend, um zu üben, wie man aus mehreren Berichten ein eigenes Urteil bildet.

Weiterlesen

Quellen

  • Sueton: Otho (Leben der Caesaren, Buch 7)
  • Plutarch: Otho
  • Tacitus: Historien, Bücher 1 und 2
  • Martial: Epigramme, Buch 6, Nr. 32
  • Juvenal: Satiren, Nr. 2
  • Greenhalgh, P. A. L.: The Year of the Four Emperors, London (Weidenfeld and Nicolson) 1975
  • Wellesley, Kenneth: The Long Year A.D. 69, Bristol (Bristol Classical Press) 1989
  • Morgan, Gwyn: 69 A.D. The Year of Four Emperors, Oxford/New York (Oxford University Press) 2006
  • Clauss, Manfred (Hg.): Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München (C.H. Beck) 1997

Bildnachweise

  • Hauptbild und Porträtzeichnung: künstlerische Interpretation, © DER RÖMER SHOP
  • Bild 1/4: Als Otho bezeichnete Marmorstatue, Musée du Louvre Paris: Foto Gary Todd (2016), CC0 (gemeinfrei), Wikimedia Commons
  • Bild 2/4: Aureus des Otho, 69 n. Chr., American Numismatic Society (Inv. 1944.100.39833): CC0 (gemeinfrei), Wikimedia Commons
  • Bild 3/4: Denar des Otho, 69 n. Chr., American Numismatic Society (Inv. 1935.117.366): CC0 (gemeinfrei), Wikimedia Commons
  • Bild 4/4: Aureus des Otho, Rom 69 n. Chr., Bibliothèque nationale de France (Gallica): gemeinfrei, Wikimedia Commons

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Andreas Hopson - Der Römer Shop

Über den Autor

Andreas Hopson

Experte für römische Alltagskultur & antike Mosaiktechniken · 25+ Jahre experimentelle Archäologie


Andreas Hopson erforscht, rekonstruiert und vermittelt römische Alltagsgegenstände und die Handwerkstechniken antiker Mosaizisten. Seine Arbeit stützt sich auf das Studium der Quellen, auf die praktische Umsetzung und auf den Austausch in Fachverbänden. Zu den Römern kam er 1997 über das Eventmanagement in Zusammenarbeit mit der Saalburg in Bad Homburg.

Mit seinen Publikationen, Workshops und Rekonstruktionen unterstützt er Museen, Schulen und Forschungseinrichtungen dabei, antikes Handwerk lebendig und nachvollziehbar zu vermitteln.

Mitglied in:Deutscher Archäologen-Verband (DArV)West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung e.V.Archäologische Gesellschaft zu Berlin e.V.

Projekt:Projekt „Phoenix Pompeji“ · Soprintendenza Archäologica Neapel

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