Vierkaiserjahr I
IMPERATOR MARCUS OTHO CAESAR AUGUSTUS
Bildergalerie · 4 Ansichten
So sah Otho aus: Büsten, Münzen & mehr
Antike Darstellungen aus Museen im Vergleich: Was ist gleich, was ist anders?




Alle Fotos zeigen antike Originale und sind gemeinfrei. Zu den Bildnachweisen. Die Porträtzeichnung oben ist eine künstlerische Interpretation.
Partylöwe mit heldenhaftem Abgang
Er war Neros engster Freund, trug eine Perücke und ließ einen Kaiser ermorden, und trotzdem feierten ihn die Römer nach seinem Tod als Helden.
Otho war der zweite Kaiser des Vierkaiserjahres 69 n. Chr. Er kam am 15. Januar durch einen Putsch an die Macht, als Prätorianer seinen Vorgänger Galba auf dem Forum erschlugen. Nur drei Monate später war er tot. Nach einer verlorenen Schlacht gegen die Truppen des Vitellius nahm er sich das Leben, obwohl er noch Soldaten und Hoffnung hatte. Er wolle, so überliefern es die antiken Autoren, nicht noch mehr Römer für sich sterben lassen.
Wie wurde er in der Geschichte wahrgenommen? Kaum ein Kaiser wird so widersprüchlich beurteilt. Tacitus schreibt, Otho habe sich mit zwei Taten einen Namen gemacht, einer abscheulichen und einer glänzenden: dem Mord an Galba und seinem eigenen Tod. Plutarch sagt es noch knapper: Er lebte nicht anständiger als Nero, aber er starb edler.
Von Ferentium bis Brixellum
Geburt
Marcus Salvius Otho kommt zur Welt; seine Familie stammt laut Sueton aus Ferentium und führt sich auf etruskische Fürsten zurück.
Im Freundeskreis Neros
Otho wird einer der engsten Vertrauten des jungen Kaisers Nero und ist laut Sueton sogar in dessen finsterste Pläne eingeweiht.
Ärger um Poppaea
Nero will Othos Frau Poppaea Sabina für sich; die Ehe wird aufgelöst, Otho muss Rom verlassen.
Abgeschoben nach Lusitanien
Als Statthalter im Westen der Iberischen Halbinsel regiert er zehn Jahre lang, laut Sueton mit bemerkenswerter Redlichkeit.
Galbas erster Verbündeter
Als Galba sich gegen Nero erhebt, stellt sich Otho als Erster auf seine Seite und zieht mit ihm nach Rom.
Übergangen
Galba adoptiert nicht Otho, sondern Piso; der hoch verschuldete Otho plant daraufhin den Umsturz.
Putsch und Kaiserwürde
Am goldenen Meilenstein auf dem Forum holen ihn Soldaten ab und rufen ihn zum Kaiser aus; Galba und Piso werden getötet.
Niederlage bei Bedriacum
Nahe Cremona schlagen die Feldherren des Vitellius, Caecina und Valens, Othos Armee, während Otho selbst in Brixellum wartet.
Tod in Brixellum
Im Morgengrauen tötet sich Otho mit einem Dolch, mit 36 Jahren und nach nur rund drei Monaten Herrschaft.
Drei Monate zwischen Nero und Vitellius
- Kaiser aus Schulden: Otho war tief verschuldet. Laut Sueton sagte er selbst, er könne sich nur halten, wenn er Kaiser werde. Mit Geld und Versprechungen gewann er Prätorianer für seinen Plan.
- Milder Start: Nach dem blutigen Putsch versprach Otho eine gerechte Regierung und zeigte sich gegenüber Aulus Marius Celsus gnädig, der danach sogar als einer seiner Feldherren diente.
- „Nero Otho“: Das einfache Volk jubelte ihm als „Nero“ zu. Laut Sueton widersprach er nicht, andere Berichte meinen, der Beiname habe ihm wenig gefallen. Er ließ jedenfalls Neros Statuen wieder aufstellen und bewilligte als erste Amtshandlung 50 Millionen Sesterzen für die Fertigstellung von Neros Goldenem Haus.
- Sturm auf den Speisesaal: Einmal glaubten Soldaten an einen Anschlag auf Otho. Laut Sueton stürmten sie den Palast und drangen bis in den Speisesaal vor, so sehr hingen sie an ihrem Kaiser.
- Friedensangebot: Gegen Vitellius, den die Legionen am Rhein zum Kaiser gemacht hatten, versuchte Otho es zuerst mit Diplomatie. Laut Sueton bot er ihm sogar eine Teilung der Macht und eine Heirat an. Vergeblich.
- Krieg in Norditalien: Othos Truppen gewannen kleinere Gefechte in den Alpen, bei Placentia und an einem Ort namens „bei den Castoren“. Die Entscheidung fiel am 14. April 69 bei Bedriacum. Otho selbst blieb auf Anraten seiner Generäle in Brixellum.
Nach der Niederlage flehten ihn die Soldaten an weiterzukämpfen; Verstärkung war unterwegs. Doch Otho lehnte ab. In der Rede, die Tacitus ihm in den Mund legt, heißt es: Mögen andere länger regiert haben, so tapfer wie er habe niemand die Herrschaft aufgegeben. Ob Otho das genau so gesagt hat, wissen wir nicht. Fest steht: Sein Tod beendete den Krieg zwischen ihm und Vitellius, aber nicht das Vierkaiserjahr.
Eitel, verwegen und erstaunlich gefasst
- Aussehen: Laut Sueton mittelgroß, mit Spreizfüßen und krummen Beinen, aber gepflegt wie kaum ein anderer: Er zupfte sich die Körperhaare, trug eine sorgfältig angepasste Perücke und rasierte sich täglich.
- Wilde Jugend: Sein Vater soll ihn oft verprügelt haben. Laut Sueton zog Otho nachts durch die Straßen, packte Schwache oder Betrunkene und ließ sie auf einem ausgebreiteten Mantel in die Luft schleudern.
- Familie: Sein Vater Lucius Salvius Otho sah Kaiser Tiberius laut Sueton so ähnlich, dass viele ihn für dessen Sohn hielten. Claudius erhob ihn in den Patrizierstand.
- Poppaea: Hier gehen die Quellen auseinander. Laut Sueton sollte Otho die Geliebte Neros nur zum Schein heiraten, verliebte sich dann aber selbst und sperrte den Kaiser aus. Tacitus erzählt in den Annalen, Poppaea habe Otho geheiratet, um an Nero heranzukommen.
- Isis: Laut Sueton feierte Otho die Riten der ägyptischen Göttin Isis öffentlich mit.
- Letzte Nacht: Er ließ Briefe vernichten, die seine Anhänger hätten belasten können, verteilte Geld an seine Diener, prüfte zwei Dolche, legte einen unter sein Kopfkissen und schlief laut Plutarch tief und fest. Im Morgengrauen stieß er sich die Klinge mit einem einzigen Stich unter die linke Brust.
Zu seinem Tod trug laut Sueton auch ein einfacher Soldat bei: Der Mann hatte die Niederlage gemeldet, und als man ihm nicht glaubte, tötete er sich vor Othos Augen. Das erzählte Suetons eigener Vater, der als Militärtribun in Othos Heer diente. Nach Othos Tod töteten sich laut Tacitus, Sueton und Plutarch mehrere Soldaten an seinem Scheiterhaufen. Viele, die ihn zu Lebzeiten gehasst hatten, lobten ihn nun in den höchsten Tönen.
Warum ist er wichtig? Otho zeigt, wie sehr ein einziger Moment das Bild eines Menschen prägen kann. Der Lebemann, Putschist und Mörder Galbas ging als Kaiser in die Erinnerung ein, der sein Leben opferte, um einen Bürgerkrieg zu beenden. Wer über Otho urteilt, muss sich entscheiden: Zählt das Leben oder der Abgang?
Wusstest du schon?
Quellen zu den Fun Facts: Brot: Sueton, Otho 12,1; Spottvers: Sueton, Otho 3,2; Spiegel: Juvenal, Satiren 2 (nach en.wikipedia, Artikel „Otho“); Sterben: Martial, Epigramme 6,32; Grab: Plutarch, Otho 18; Ottone: en.wikipedia, Artikel „L’incoronazione di Poppea“.
Ein Grab am Po und ein Platz auf der Opernbühne
- Brescello (Brixellum) am Po
- Bedriacum bei Cremona
- Ferento (Ferentium)
- Lusitanien (heute Portugal und Westspanien)
- Neros Goldenes Haus
- Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“ (1643)
- Händels „Agrippina“ (1709)
Ein Kaiser für die Bühne: Othos kurze Herrschaft hat kaum Bauwerke hinterlassen. Umso lebendiger blieb seine Geschichte: die Dreiecksbeziehung mit Nero und Poppaea, der Putsch, der freiwillige Tod. Schon in der Antike wurde er dafür besungen, etwa von Martial. In der Barockzeit holten ihn Komponisten auf die Bühne, Monteverdi in „L’incoronazione di Poppea“, Händel in „Agrippina“ und Vivaldi in „Ottone in villa“ (1713). Und Plutarch, der selbst in Brixellum war, sah dort ein schlichtes Grab, das so gar nicht nach Kaiser aussah.
Projektidee für den Unterricht: „Feigling oder Held?“
Die Klasse teilt sich in vier Gruppen. Jede liest einen anderen Text über Othos Ende: Tacitus, Historien 2,46 bis 2,50, Sueton, Otho 9 bis 12, Plutarch, Otho 15 bis 18, und das Epigramm des Martial (6,32). Jede Gruppe schreibt daraus einen Nachruf für eine römische Wandzeitung. Beim Vergleich zeigt sich: Welche Autoren betonen den Mord an Galba, welche den Opfertod? Zum Abschluss stimmt die Klasse über Plutarchs Satz ab: Lebte Otho nicht anständiger als Nero, starb er aber edler?
Teste dich! 4 Fragen zu Otho
1. Mit welchem Kaiser war Otho in jungen Jahren eng befreundet?
Mit Nero. Die Freundschaft zerbrach, als Nero Othos Frau Poppaea Sabina für sich wollte.
2. Wie kam Otho an die Macht?
Durch einen Putsch am 15. Januar 69: Prätorianer riefen ihn zum Kaiser aus und töteten Galba und dessen Adoptivsohn Piso.
3. Bei welchem Ort wurde Othos Armee im April 69 geschlagen?
Bei Bedriacum in der Nähe von Cremona in Norditalien.
4. Warum nahm sich Otho das Leben, obwohl noch Truppen zu ihm hielten?
Laut den antiken Autoren wollte er nicht, dass noch mehr Römer in einem Bürgerkrieg für ihn starben.
Kurz regiert, lang erinnert
Otho war Lebemann, Schuldenmacher und Putschist, und er war zugleich ein redlicher Statthalter und ein Kaiser, der lieber selbst starb, als einen Bürgerkrieg weiterzuführen. Seine Herrschaft dauerte kaum länger als ein Schulquartal, doch sein Ende beschäftigte Geschichtsschreiber, Dichter und Komponisten über Jahrhunderte. Gerade weil sich die Quellen so widersprechen, eignet er sich hervorragend, um zu üben, wie man aus mehreren Berichten ein eigenes Urteil bildet.
Otho für Unterricht und Sammlung
Münzen, Büsten und Bastelideen rund um Otho: für den Unterricht, fürs Reenactment oder als Geschenk. Mehr findest du bei den antiken Münzen und den Kaiserbüsten.
Sesterz des GalbaMünze Galbas, Othos Vorgänger im Vierkaiserjahr 69.Zum Artikel
Sesterz des VitelliusMünze des Vitellius, Othos Gegner im Vierkaiserjahr 69.Zum Artikel
Sesterz des VespasianMünze Vespasians, des Siegers im Vierkaiserjahr 69.Zum Artikel
Münzset Zwölf CaesarenDie zwölf Caesaren von Caesar bis Domitian als Denar-Repliken.Zum Artikel
Goldmünzen Zwölf CaesarenRepliken der Goldmünzen von Caesar bis Domitian.Zum Artikel
Poster Römische KaiserDie römischen Kaiser im Überblick, als Poster in DIN A3.Zum Artikel
Weiterlesen
- Kaiser Nero: Othos Freund und Rivale
- Kaiser Vespasian: der Sieger des Vierkaiserjahres
- Alle römischen Kaiser in der Übersicht
- Römisches Museum in deiner Nähe
Quellen
- Sueton: Otho (Leben der Caesaren, Buch 7)
- Plutarch: Otho
- Tacitus: Historien, Bücher 1 und 2
- Martial: Epigramme, Buch 6, Nr. 32
- Juvenal: Satiren, Nr. 2
- Greenhalgh, P. A. L.: The Year of the Four Emperors, London (Weidenfeld and Nicolson) 1975
- Wellesley, Kenneth: The Long Year A.D. 69, Bristol (Bristol Classical Press) 1989
- Morgan, Gwyn: 69 A.D. The Year of Four Emperors, Oxford/New York (Oxford University Press) 2006
- Clauss, Manfred (Hg.): Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München (C.H. Beck) 1997
Bildnachweise
- Hauptbild und Porträtzeichnung: künstlerische Interpretation, © DER RÖMER SHOP
- Bild 1/4: Als Otho bezeichnete Marmorstatue, Musée du Louvre Paris: Foto Gary Todd (2016), CC0 (gemeinfrei), Wikimedia Commons
- Bild 2/4: Aureus des Otho, 69 n. Chr., American Numismatic Society (Inv. 1944.100.39833): CC0 (gemeinfrei), Wikimedia Commons
- Bild 3/4: Denar des Otho, 69 n. Chr., American Numismatic Society (Inv. 1935.117.366): CC0 (gemeinfrei), Wikimedia Commons
- Bild 4/4: Aureus des Otho, Rom 69 n. Chr., Bibliothèque nationale de France (Gallica): gemeinfrei, Wikimedia Commons


