Ara Pacis Relief: Augustus, Agrippa und Julia auf dem Prozessionsfries der kaiserlichen Familie
Kurz erklärt
Das Ara Pacis Relief zeigt einen Ausschnitt aus dem Südfries des augusteischen Friedensaltars, errichtet zwischen 13 und 9 v. Chr. auf dem Campus Martius in Rom. Im Mittelpunkt steht Marcus Vipsanius Agrippa, der Schwiegersohn des Augustus, neben einer verschleierten weiblichen Figur, die seit über hundert Jahren entweder als Julia (Tochter des Augustus) oder als Livia (Ehefrau des Augustus) diskutiert wird. Die Replik aus patiniertem Alabasterstuck überträgt eine Kern-Bildquelle der augusteischen Selbstdarstellung in ein didaktisch nutzbares Wandformat für Sekundarstufe und Museumspädagogik.
Das Ara Pacis Relief auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Historische Replik (Stufe 2) — patinierter Alabasterstuck statt Carrara-Marmor, Detailausschnitt aus mehrere Meter langem Originalfries, ikonografisch am Vorbild
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Material: Alabasterstuck, sandfarben patiniert
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Bemalungsbeispiel: Das colorierte Bild dient als mögliche Bemalungsrekonstruktion des Reliefs.
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Maße: 34 × 22 cm, Gewicht 1,65 kg, rückseitige Aufhängung
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Datierung des Vorbildes: 13–9 v. Chr. (Senatsbeschluss 4. Juli 13 v. Chr., Weihe 30. Januar 9 v. Chr.)
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Bekanntestes Vorbild: Südfries der Ara Pacis Augustae, Museo dell'Ara Pacis, Rom; Calchi und Originalfragmente in den Uffizien, Florenz
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Antike Quelle: Augustus, Res Gestae Divi Augusti 12.2
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Passender Vermittlungskontext: Sekundarstufe I/II Geschichte und Latein, Modul Augusteisches Prinzipat und Pax Romana, Stationen-Lernen zur Bildquellenanalyse
Welche historische Rolle spielt das Ara Pacis Relief in der augusteischen Bildpolitik?
Die Ara Pacis Augustae wurde zwischen 13 und 9 v. Chr. auf dem Campus Martius in Rom errichtet, nachdem der Senat am 4. Juli 13 v. Chr. den Bau anlässlich der Rückkehr des Augustus aus Hispania und Gallia beschlossen hatte. Augustus selbst nennt den Senatsbeschluss in den Res Gestae Divi Augusti (12.2) als Ehrung pro reditu meo. Die Originalplatten stehen heute im Museo dell'Ara Pacis am Lungotevere in Augusta; weitere Originalfragmente und Calchi des Südfries-Pannells werden in den Gallerie degli Uffizi in Florenz unter Inv. 1914 nn. 1344–1346 verwahrt.
Einordnung in Zeit und Raum
Der Altar bildete gemeinsam mit dem Augustusmausoleum (28 v. Chr.) und dem Solarium Augusti, dessen Obelisken-Schatten an Augustus' Geburtstag auf die Ara Pacis zuwanderte, eine räumliche Trias auf dem nördlichen Campus Martius. Die Weihe am 30. Januar 9 v. Chr. fiel auf den Geburtstag der Livia, der Ehefrau des Kaisers — kein Zufall, sondern ein bewusst gewähltes Datum innerhalb der dynastischen Programmatik. Paul Zanker hat dieses Ineinandergreifen von Architektur, Bildprogramm und Familienkalender in Augustus und die Macht der Bilder (München 1987) als prägendes Modell augusteischer Selbstinszenierung beschrieben.
Wer ist die Frau hinter Agrippa? Die Identifikation in der Forschungsdebatte
Hier liegt der eigentliche Reiz des Stücks. Agrippa ist die einzige sicher identifizierbare Figur des südlichen Prozessionspanels: Bildnis-Vergleiche mit Porträtbüsten in Paris, Gabii und Kopenhagen stützen die Lesart, und er erscheint mit dem über den Kopf gezogenen Togazipfel (capite velato) in priesterlicher Haltung. Die verschleierte Frau hinter ihm ist seit Eugen Petersen (1894, 1902) als Julia gedeutet worden, doch die offiziellen Museumstexte räumen ein, dass viele Forscher Julia auf der gegenüberliegenden Nordseite verorten und Livia hierher setzen. Die Uffizien selbst schreiben in ihrer Objektbeschreibung: „Si potrebbe trattare di Giulia maggiore, figlia di Augusto, o Livia, sua moglie."
Noch deutlicher hat Charles Brian Rose (1990) die zwei kleinen Knaben mit langen Locken und kurzer Tunika gegen die ältere Forschung umgedeutet. Sie wurden lange als Gaius und Lucius Caesar, die Enkel des Augustus, gelesen. Rose und nach ihm Diana Conlin sehen darin östliche Prinzen, vermutlich Geiseln am Augustushof — eine Lesart, die unter Forschern seit 2000 mehrheitlich akzeptiert ist und die ältere Petersen-These vom dargestellten „Troja-Spiel" verdrängt hat.
Archäologisches Vergleichsobjekt: Das Original im Museo dell'Ara Pacis
Der erhaltene Südfries des Originals ist über zehn Meter lang, die Reliefhöhe beträgt rund 1,55 m. Material ist Luna-/Carrara-Marmor, montiert auf einem 11,6 × 10,6 m großen Umfassungsmauerring. Die Sovrintendenza Capitolina ai Beni Culturali dokumentiert die heutige Aufstellung im 2006 eröffneten Pavillon von Richard Meier, der das ältere Morpurgo-Gebäude von 1937 abgelöst hat. Eine häufige Fehlannahme deutet die Friese als dekorative Bildbegleitung; tatsächlich transportieren sie ein präzise konstruiertes politisches Bildprogramm zur Pax Augusta.
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Maße Original (Südfries): ca. 10,55 m Länge, ca. 1,55 m Reliefhöhe
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Material Original: Luna-/Carrara-Marmor
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Datierung: Senatsbeschluss 4. Juli 13 v. Chr., Weihe 30. Januar 9 v. Chr.
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Fundort: Campus Martius, Rom (Auffindungen 1568, 1859, 1903, Hauptkampagne 1937)
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Heutiger Standort: Museo dell'Ara Pacis, Lungotevere in Augusta, Rom; Calchi und Originalfragmente in Uffizien Florenz, Inv. 1914 nn. 1344–1346
Wie unterscheidet sich das Ara Pacis Relief von vergleichbaren Bildquellen augusteischer Selbstdarstellung?
| Bildquelle |
Datierung |
Material und Maße |
Funktion im Bildprogramm |
| Ara Pacis Augustae, Südfries (Original) |
13–9 v. Chr. |
Carrara-Marmor, Friesplatte ca. 1,55 m Höhe, über 10 m Länge |
öffentliches Staatsmonument, dynastische Prozession der domus Augusta |
| Forum-Traiani-Replik (dieses Produkt) |
Replik nach Vorbild 13–9 v. Chr. |
patinierter Alabasterstuck, 34 × 22 cm |
Bildausschnitt mit Agrippa und Frauenfigur, didaktisches Wandformat für Vermittlung |
| Gemma Augustea, Wien, Inv. IXa 79 |
9–12 n. Chr. |
zweischichtiger Sardonyx, 19 × 23 cm |
Prunkkameo für den engeren Hofkreis, allegorische Apotheose des Augustus |
| Boscoreale-Becher (Louvre, Inv. Bj 2367) |
augusteisch bis frühtiberisch |
Silber, getrieben, Höhe ca. 10 cm |
Tafelsilber aus Villa-Kontext, dynastische Selbstdarstellung im Privatbereich |
| Augustus von Primaporta (Vat. Mus.) |
nach 19 v. Chr. |
Marmor, ca. 2,06 m Höhe |
Idealisierte Imperatorenstatue, militärisch-religiöse Lesart |
Ara Pacis Relief in der Vermittlungsarbeit
Das Stück ist mit 34 × 22 cm so dimensioniert, dass es auf Augenhöhe an die Klassenwand passt und aus drei bis vier Metern Entfernung im Plenum lesbar bleibt. Die Hauptfiguren — Agrippa mit dem Togazipfel über dem Kopf, die verschleierte Frau dahinter, der greifende Knabe — bleiben auch ohne Vorerklärung als Komposition erkennbar. Damit wird die Replik zu einer Bildquelle, die Schüler erst beschreiben und dann mit Schriftquellen (etwa Res Gestae 12) abgleichen können.
Passende Darstellungsart: Sekundarstufe I/II Geschichte und Latein, augusteisches Prinzipat, frühes 1. Jh. v. Chr. bis frühe Kaiserzeit | Einsatzbereich: Wandmontage im Klassenzimmer und Museums-Workshopraum, Stationen-Lernen, fächerverbindender Unterricht Geschichte–Latein; nicht für Außeneinsatz oder feuchte Räume geeignet | Wandnutzung: dauerhafte Anbringung über die rückseitige Aufhängung, robust gegen wiederholtes Anfassen im Rotationsbetrieb der Schulwoche
- Bildquellenanalyse: schüler beschreiben die Figurenanordnung, bevor sie den Begriff Propaganda hören — Kleidung, Haltung und Geste werden so zum Thema, nicht die Etiketten
- Direktvergleich Bild gegen Text: das Relief neben einen Auszug aus den Res Gestae 12.2 legen und gemeinsam prüfen, was die Bildquelle zeigt, was der Text behauptet und wo beide auseinanderlaufen
- Identifikations-Übung im Quellengespräch: anhand des Forschungsstreits Julia/Livia und Caesar-Enkel/östliche Prinzen lernen schüler, dass auch sicher erscheinende Bildaussagen Lesarten bleiben
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: Material ist Alabasterstuck statt Luna-Marmor; der Ausschnitt 34 × 22 cm steht für eine Friesplatte von über 1,5 m Höhe; die Replik übernimmt die traditionelle Lesart der Figuren und kann den Forschungsstreit selbst nicht abbilden; Werkzeugspuren des antiken Steinmetzes sind nicht reproduziert
Für welche Anwendungen eignet sich das Ara Pacis Relief?
- Eine Lehrkraft hängt das Stück dauerhaft im Geschichtsraum auf, wenn die Klasse über mehrere Wochen am Modul Augusteisches Prinzipat arbeitet; in einer Wanderausstellung mit häufigem Auf- und Abbau ist die Aufhängung weniger geeignet
- Eine Museumspädagogin baut das Relief in eine Augustus-Station ein, wenn der Workshop bewusst nur den Prozessionsausschnitt mit Agrippa behandelt; für eine vollständige Lesart des Gesamtfrieses braucht es zusätzlich Foto-Plakate der Nord- und Westseite
- Wer Quellenkritik streng am Originalbefund unterrichtet, weist auf die Materialabweichung Alabasterstuck gegen Marmor hin; in der Mittelstufe genügt die optische Lesart, in der Oberstufe gehört der Hinweis als Methodenanlass dazu
Für Reenactor und private Sammler tragfähig: als Wandstück im Lararium- oder Insula-Aufbau ergänzt es Hauskult-Ensembles, ohne den Schwerpunkt auf die schulische Vermittlung zu verschieben.
Häufige Fragen zum Ara Pacis Relief
Welche Altersempfehlung gilt für das Ara Pacis Relief im Schul- und Museumseinsatz?
Mit 1,65 kg Gewicht und glatten, gefasten Außenkanten ist das Stück ab Klasse 7 (ca. 12 Jahre) im handgeführten Stationsbetrieb einsetzbar. Der Alabasterstuck ist druckempfindlich gegenüber spitzen Gegenständen, splittert aber nicht; bei Sturz aus über einem Meter Höhe kann die Aufhängung an der Rückseite ausbrechen. Im Klassenzimmer empfiehlt sich eine feste Wandmontage statt freiem Herumreichen.
Welche Lehrplaninhalte deckt das Relief in Sekundarstufe I und II ab?
In den Lehrplänen Geschichte Sek I/II ist das Stück im Modul Römisches Kaiserreich und Prinzipat des Augustus verortet, im Lateinunterricht passt es zur Lektüre der Res Gestae Divi Augusti und zu Auszügen aus Sueton und Tacitus zur frühen julisch-claudischen Familie. Auch der Übergang Republik–Kaiserzeit und die Themen Propaganda, Bildquelle und dynastische Legitimation werden am Objekt arbeitbar.
Welche Inhalte lassen sich am Relief erschließen, welche nicht?
Gut erschließbar sind die priesterliche Haltung der Hauptfigur (Togazipfel über dem Kopf), das familiäre Bildmotiv und der Forschungsstreit um die Figurenidentität. Nicht erschließbar bleiben am Replikausschnitt die Gesamtkomposition der Prozession, die Stellung des Altars im urbanen Ensemble mit Mausoleum und Sonnenuhr sowie die Ikonografie der Westseite mit Aeneas und Mars-Lupercal. Diese Themen brauchen ergänzendes Bildmaterial.
Wie pflege und lagere ich das Relief über mehrere Schuljahre?
Alabasterstuck reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit und direkte Sonneneinstrahlung über Jahre. Reinigung erfolgt trocken mit einem weichen Pinsel oder Mikrofasertuch, niemals mit Wasser oder Reinigungsmitteln. Wenn das Stück über die Sommerferien abgenommen wird, lagert es liegend in einem trockenen Karton mit Polsterung um die Aufhängung. Bei kleineren Abplatzern an Kanten lässt sich die Stelle vorsichtig mit feinem Schleifpapier (Körnung 400) angleichen.
Ist das Relief eine maßstabsgetreue Kopie des Originals?
Nein. Der Originalfries hat eine Reliefhöhe von rund 1,55 m und eine Gesamtlänge von über zehn Metern auf der Südseite. Die Replik 34 × 22 cm reproduziert einen Detailausschnitt mit Agrippa, der verschleierten Frauenfigur und einem Knaben; sie ist als Bildausschnitt-Replik zu verstehen, nicht als 1:1-Reproduktion des gesamten Frieses.
Externe Quellen und Literatur zum Ara Pacis Relief
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Wikipedia: Ara Pacis. Überblicksartikel zu Bau, Bildprogramm und Forschungsgeschichte des augusteischen Friedensaltars.
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Gallerie degli Uffizi, Florenz: Rilievi dell'Ara Pacis Augustae, Inv. 1914 nn. 1344–1346. Offizielles Objektblatt zu den Originalfragmenten und Calchi des Südfrieses mit ikonografischer Beschreibung der kaiserlichen Familie.
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Sovrintendenza Capitolina ai Beni Culturali, Roma Capitale: Nuovo Museo dell'Ara Pacis. Institutionelles Datenblatt zur heutigen Aufstellung im Pavillon von Richard Meier (2006).
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Kunsthistorisches Museum Wien, Antikensammlung: Gemma Augustea, Inv. IXa 79. Vergleichsobjekt zur augusteischen Selbstdarstellung im Prunkkameo-Format.
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Zanker, Paul (1987): Augustus und die Macht der Bilder, München: C.H. Beck. Standardwerk zur augusteischen Bildpolitik mit ausführlicher Diskussion der Ara Pacis.
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Rose, Charles Brian (1990): Princes and Barbarians on the Ara Pacis, in: American Journal of Archaeology 94, 453–467. Neuidentifikation der Knabenfiguren als östliche Prinzen.
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Simon, Erika (1967): Ara Pacis Augustae, Tübingen: Wasmuth. Klassische Monografie zum Monument, im DAI-Zenon-Katalog verzeichnet.
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Antike Primärquelle: Augustus, Res Gestae Divi Augusti 12.2. Lateinischer Volltext: The Latin Library; englische Übersetzung mit Werknavigation: LacusCurtius (Univ. of Chicago).
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Aktualisiert am: 11.05.2026