Apotheose-Diptychon der Symmachi: Replik nach British Museum 1857,1013.1
Kurz erklärt
Diese Replik überträgt die Apotheose-Tafel der Symmachi (British Museum 1857,1013.1, 402 n. Chr.) in Alabastergips und ergänzt das ursprünglich paarige Diptychon zu einem aufhängbaren Anschauungsobjekt. Die Tafel zeigt die spätrömische Senatsaristokratie auf dem Höhepunkt ihrer paganen Repräsentationskultur und gilt als eines der bedeutendsten Elfenbeinreliefs der ausgehenden Antike. Das Stück dient ausschließlich der Sammlungs- und Wandpräsentation, nicht als funktionale Wachstafel.
Apotheose-Diptychon der Symmachi auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Darstellungs- und Einstiegsmodell (Stufe 2) - Alabastergips statt Elfenbein, Maße leicht reduziert, Anschauungsobjekt ohne Wachstafelfunktion
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Material: Alabastergips, hell patiniert, aufhängbar gearbeitet
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Maße und Gewicht: 28 x 11 x 2 cm, ca. 600 g (Vorlage: 30,1 x 11,4 x 1,0 cm, 288 g Elfenbein)
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Datierung der Vorlage: 402 n. Chr., Werkstatt in Rom, spätantike Senatsaristokratie
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Bekanntestes Vorbild: Apotheose-Tafel der Symmachi, auch Gherardesca-Diptychon, British Museum London
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Antike Quelle: Symmachus, Relatio III (Bittschrift zur Erhaltung des Altars der Victoria, 384 n. Chr.)
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Passende Sammlungsausrichtung: Themensammlung Spätantike, Schwerpunkt römische Senatsaristokratie und pagane Repräsentationskultur des 4. bis frühen 5. Jahrhunderts
Was zeigt die Symmachi-Apotheose und welchen Anlass hatte das Original?
Die Vorlage entstand 402 n. Chr. in einer römischen Elfenbeinwerkstatt und gehört zu den letzten großen Stiftungen der paganen Aristokratie vor dem endgültigen Durchsetzen des Christentums in Rom. Das Original liegt im British Museum unter der Inventarnummer 1857,1013.1 und wird seit dem 19. Jahrhundert nach seinem Florentiner Vorbesitzer auch als Gherardesca-Diptychon bezeichnet.
Die Tafel kommemoriert mit hoher Wahrscheinlichkeit Quintus Aurelius Symmachus, den 402 verstorbenen Senator, Stadtpräfekten und Konsul, der als einer der letzten großen Wortführer der paganen Senatsaristokratie auftrat. Eine epigraphische Bestätigung der dargestellten Person fehlt; die Zuweisung stützt sich auf das Schriftrollen-Monogramm SYMMACHORUM im oberen Bildfeld und auf den stilistischen Anschluss an die Werkstatt des Symmachi-Nicomachi-Diptychons.
Wer waren die Symmachi und warum bauten sie auf Apotheose-Bildsprache?
Die Symmachi gehörten zur ersten Reihe der römischen Senatsaristokratie und unterhielten enge Heiratsverbindungen zu den Nicomachi und Albini. Q. Aurelius Symmachus selbst hatte 384 n. Chr. als Stadtpräfekt die berühmte Relatio III an Kaiser Valentinian II. gerichtet und darin gegen die Entfernung des Altars der Victoria aus der Curia argumentiert. Die Apotheose-Tafel überträgt diese Haltung in Bildsprache: Eine verstorbene Person der gens wird im althergebrachten Ritus der consecratio in den Götterhimmel aufgenommen. Damit antwortet das Stück nicht primär politisch, sondern liturgisch auf die Verluste der traditionellen Religion.
Apotheose im Bildaufbau: drei Szenen, ein Adler, ein Wagen
Die Tafel ist vertikal in drei Bildzonen gegliedert. Im unteren Feld zieht ein Viergespann aus Elefanten einen Wagen, in dem der Verstorbene unter einer Ädikula mit Giebeldach thront. In der mittleren Zone steigt eine Adler-Personifikation auf, die als Träger der Seele aus dem Scheiterhaufen interpretiert wird. Im oberen Bildfeld wird die apotheosierte Figur von Personifikationen empfangen. Zwischen den Zonen vermittelt das Schriftrollen-Monogramm SYMMACHORUM, das die Tafel als Familienstiftung ausweist. Der römische Altertumsforscher Richard Delbrueck (1929) hat die Bildgrammatik dieses Apotheose-Schemas erstmals systematisch beschrieben; die Detailaufnahmen über Google Arts and Culture machen die Schichtung gut nachvollziehbar.
Eine verbreitete Verwechslung sei hier ausgeräumt: Die Apotheose-Tafel im British Museum gehört nicht zum berühmten Symmachi-Nicomachi-Doppeldiptychon, dessen Hälften im Victoria and Albert Museum (212-1865) und im Pariser Musée de Cluny (Cl. 17048) liegen. Beide Stücke entstanden in zeitlicher Nähe und im Umkreis derselben Familienallianz, sind aber eigenständige Werke.
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Maße der Vorlage: 30,1 cm Höhe, 11,4 cm Breite, 1,0 cm Dicke, 288 g Elefantenelfenbein
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Datierung: 402 n. Chr., zeitlich kurz nach dem Tod des Q. Aurelius Symmachus
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Provenienz: Sammlung Conte della Gherardesca (Florenz), Sammlung M. Signol (Paris), 1857 ins British Museum
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Forschungsstand: Cameron (Journal of Roman Studies 2013) bestätigt die Datierung um 402, diskutiert aber die Identität der apotheosierten Person mit anhaltender Vorsicht
Welche spätantiken Diptychen lassen sich mit der Symmachi-Apotheose vergleichen?
| Stück |
Datierung |
Motiv und Aufbau |
Aufbewahrung |
Sammlerische Einordnung |
| Apotheose-Tafel der Symmachi (Kern-Entität) |
402 n. Chr. |
Apotheose in drei Zonen, Vier-Elefanten-Wagen, Adler, Monogramm SYMMACHORUM |
British Museum 1857,1013.1 |
spätpagane Familienstiftung, Anschluss an consecratio-Ikonografie |
| Symmachi-Tafel des Doppeldiptychons |
ca. 388-394 n. Chr. |
Priesterin am Altar im Bacchus-Kult, einfeldrig |
Victoria and Albert Museum 212-1865 |
pagane Kultdarstellung, Familienallianz Symmachi und Nicomachi |
| Nicomachi-Tafel des Doppeldiptychons |
ca. 388-394 n. Chr. |
Priesterin am Altar im Ceres-/Cybele-Kontext |
Musée de Cluny Cl. 17048 |
Gegenstück zum V&A-Stück, gemeinsamer Werkstatt-Kreis |
| Probianus-Diptychon |
um 400 n. Chr. |
Vicarius urbis Romae auf Sella curulis, zwei Tafeln |
Staatsbibliothek Berlin |
Konsulardiptychon mit Amts-Ikonografie statt Religion |
| Halberstadt-Diptychon |
406 n. Chr. |
Konsulardiptychon des Probus, kaiserliches Bildprogramm |
Domschatz Halberstadt |
frühestes datiertes Konsulardiptychon im deutschsprachigen Raum |
Apotheose-Diptychon in der Sammlung und Vitrinenpräsentation
Das Stück liegt mit 28 cm Höhe und 600 g Gewicht in einer Größenordnung, die in einer Standard-Tiefenvitrine eine eigene Sichtachse beansprucht, ohne die Vitrine zu dominieren. Die hell patinierte Gipsoberfläche bricht das Licht weicher als Elfenbein und nimmt im Streiflicht eine ruhige, matte Tiefe an, die das Schichtenrelief der drei Bildzonen lesbar macht. Aus einem Meter Distanz bleiben die Konturen des Vier-Elefanten-Gespanns und das Schriftrollen-Monogramm SYMMACHORUM klar erkennbar.
Passende Darstellungsart: Themensammlung Spätantike, Senatsaristokratie und pagane Repräsentationskultur 4. bis 5. Jahrhundert n. Chr.
Einsatzbereich: Vitrinenpräsentation und Wandhängung im Sammlungs- oder Schauraum. Nicht geeignet für aktiven Vorführbetrieb, Schreibtests oder Berührungs-Stationen, da Alabastergips bei Schlag- und Stoßbelastung kantenanfällig ist.
Beleuchtungs- und Vitrinenverhalten: hell patinierte Gipsoberfläche, neutraler Rückstrahlwert, kein Spitzlicht-Verhalten wie bei poliertem Elfenbein; eine LED-Beleuchtung mit warmweißem Spektrum bringt die Reliefzonen klarer heraus als kaltweißes Licht.
- als zentrales Ankerstück einer Themenvitrine zur Spätantike, kombiniert mit Münzen der theodosianischen Dynastie oder Repliken zeitgleicher Schreibgeräte
- als Wandobjekt in einem Sammlungsraum, der die paganchristliche Übergangszeit thematisiert, etwa neben einer Replik einer frühchristlichen Ikonografie als ikonografischer Kontrast
- als Vergleichsstück in einer Themenwand zu spätantiken Diptychen, parallel zu Bildbelegen des Symmachi-Nicomachi-Diptychons und des Probianus-Stücks
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: Das Original ist ein Einzelblatt; die rechte Hälfte des ursprünglichen Diptychons gilt als verloren und wird in der Forschung mit der Apotheose eines weiteren Familienmitglieds (möglicherweise Flavianus Nicomachus) in Verbindung gebracht. Das Replikat ergänzt die fehlende Hälfte kompositorisch zum Diptychon-Format, was bei strikt fundbezogener Lesart eine Abweichung darstellt. Hinzu kommen die Maßreduktion von 30,1 auf 28 cm, der Materialwechsel von Elfenbein auf Alabastergips und die fehlende epigraphische Identifizierung der apotheosierten Person.
Für welche Sammlungsausrichtungen eignet sich das Stück?
- Wer eng auf die theodosianische Periode und den Ambrosius-Symmachus-Streit (382 bis 394) sammelt, integriert die Apotheose-Tafel als zentrales Bildzeugnis der unterlegenen paganen Seite
- Wer breiter auf spätantike Bildkultur und Konsulardiptychen sammelt, nutzt das Stück als Apotheose-Variante neben Amts- und Familiendiptychen
- Wer streng fundbezogen kuratiert und ausschließlich Replikate auf Materialidentität sammelt, behandelt das Stück als Vermittlungsobjekt der Stufe 1 und ergänzt es um eine schriftliche Verweistafel zum Originalmaterial Elfenbein
Für Reenactor und Geschichtsinteressierte bietet das Stück eine seltene haptische Annäherung an die Bildwelt der spätantiken Senatsaristokratie, die in der aktiven Darstellung sonst kaum greifbar wird.
Häufige Fragen zum Apotheose-Diptychon der Symmachi
Wie unterscheidet sich die Gips-Replik vom Elfenbein-Original im British Museum?
Die Vorlage misst 30,1 x 11,4 x 1,0 cm und wiegt 288 g in Elefantenelfenbein, die Replik 28 x 11 x 2 cm bei rund 600 g in Alabastergips. Die Höhe ist um etwa sieben Prozent reduziert, die Tiefe verdoppelt, weil Gips eine größere Tragstärke verlangt als gewachsenes Elfenbein. Die Reliefgrate erscheinen in Gips weicher modelliert als in der mikrofeinen Schnitzkante des Originals.
Welche Klima- und Lichtbedingungen verlangt das Stück langfristig?
Alabastergips reagiert nicht UV-empfindlich wie pflanzliche Pigmente und ist gegenüber Tageslicht stabil, sollte aber nicht direkt am Fenster hängen, weil starke Temperaturwechsel zwischen Tag und Nacht zu mikroskopischen Spannungsrissen führen können. Eine relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent ist unkritisch; ungeeignet sind feuchte Außenwände und unbeheizte Räume mit Kondenswasserrisiko. Eine staubarme Vitrine verlängert die Wirkung der hellen Patina deutlich.
Aus welchem Fundkontext stammt die Vorlage und wie kam sie ins British Museum?
Die Tafel ist ohne Grabungs-Fundkontext überliefert und gehört zur kleinen Gruppe spätantiker Elfenbeinarbeiten, die über mittelalterliche Kirchenschätze und Privatsammlungen tradiert wurden. Belegt ist die Sammlung des Florentiner Conte della Gherardesca, anschließend die Pariser Sammlung von M. Signol; 1857 ging die Tafel ins British Museum über. Daher rührt auch der Beiname Gherardesca-Diptychon.
Wie ordnet sich das Stück sammlerisch ein, ohne dass eine Preisaussage getroffen wird?
Spätantike Bildmedien sind im Replikatmarkt deutlich seltener vertreten als Truppen- und Alltagsgegenstände der Hohen Kaiserzeit. Eine Apotheose-Tafel in der Linie der Symmachi besetzt damit eine kuratorische Nische zwischen Konsulardiptychen-Replikaten und Bildreliefen der Reichskirche. Im Vergleich zur Stufenklassifikation der Replikat-Authentizität liegt das Stück bei Stufe 1, weil das Material vom Original abweicht; die ikonografische Treue ist davon unabhängig hoch.
Warum ist die zweite Hälfte des ursprünglichen Diptychons nicht erhalten?
Bei spätantiken Elfenbein-Diptychen ist das Überlieferungsmuster fast immer fragmentarisch, weil die Tafeln über Jahrhunderte zerlegt, als Buchdeckel weiterverwendet oder eingeschmolzen wurden. Beim Symmachi-Stück fehlt die rechte Hälfte; die Forschung vermutet auf der verlorenen Tafel die Apotheose eines weiteren Familienmitglieds aus dem Umkreis der Nicomachi, ohne dass dies durch ein erhaltenes Vergleichsstück abgesichert wäre.
Lässt sich die Tafel hängen, ohne dass das Aufhängesystem das Reliefbild stört?
Das Stück ist mit einer rückseitigen Aufhängung gearbeitet, die den Reliefblick frontal frei hält. Eine massive Wandschraube mit Dübel im tragfähigen Untergrund reicht für die rund 600 g Gewicht aus; freistehend in der Vitrine empfiehlt sich ein nicht reflektierender Acrylständer, der die untere Bildzone mit dem Elefantengespann nicht überschneidet.
Externe Quellen und Literatur zum Apotheose-Diptychon der Symmachi
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Wikipedia: Quintus Aurelius Symmachus. Übersichtsartikel zur Biografie und zum politisch-religiösen Wirken des wahrscheinlichen Auftraggeber-Umfelds der Tafel.
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British Museum: Carved ivory leaf from a diptych, 1857,1013.1. Offizielles Datenblatt zur Originaltafel mit Maßen, Datierung und Provenienz.
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Google Arts and Culture: Apotheose-Tafel der Symmachi, hochauflösende Bilddokumentation. Detailaufnahmen, die die Schichtung der drei Bildzonen nachvollziehbar machen.
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Victoria and Albert Museum: Symmachi-Tafel des Symmachi-Nicomachi-Diptychons, 212-1865. Wichtiges Vergleichsstück aus derselben Familienallianz.
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Delbrueck, Richard (1929): Die Consulardiptychen und verwandte Denkmäler (Studien zur spätantiken Kunstgeschichte 2), Berlin und Leipzig. Standardwerk zur Typologie der spätantiken Elfenbeintafeln, eingetragen in zenon.dainst.org.
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Volbach, Wolfgang Fritz (1976): Elfenbeinarbeiten der Spätantike und des frühen Mittelalters, 3. Auflage, Mainz: Römisch-Germanisches Zentralmuseum. Katalog mit Eintrag zur Apotheose-Tafel.
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Cameron, Alan (2013): The Origin, Context and Function of Consular Diptychs, Journal of Roman Studies 103, S. 174 bis 207. Aktueller Forschungsstand zur Datierung und Funktion spätantiker Diptychen.
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Antike Primärquelle: Symmachus, Relationes. Lateinischer Volltext der amtlichen Bittschriften, darunter die Relatio III von 384 n. Chr. zur Erhaltung des Altars der Victoria.
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Aktualisiert am: 15.05.2026