Wasserhälter-Hahn: hahnenförmiger Askos nach Pompeji-Vorbild
Kurz erklärt
Der Wasserhälter-Hahn ist ein zoomorphes Schank- und Gießgefäß aus Ton, das einem hahnenförmigen Askos aus dem Thermopolium der Asellina in Pompeji nachempfunden ist. Das Vorbild trägt die Inventarnummer 13350 in der Soprintendenza Speciale per i Beni Archeologici di Napoli e Pompei und stammt aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. Die Replik aus französischer Werkstattfertigung greift die Hahn-Form auf und richtet sich an zivile Reenactor mit Tavernen- oder Hausstand-Impression.
Hahn-Askos auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Historische Replik (Stufe 2), Ton nach Vorbild Inv. 13350, moderne Werkstattfertigung in Frankreich, ohne lebensmittelrechtliche Zertifizierung
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Material: Ton, gebrannt, einfache Oberflächenbehandlung
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Maße und Gewicht: Höhe 20 cm, Länge 22 cm, Breite 11 cm; Gewicht produktionsabhängig, im Bereich gängiger Tonwaren dieser Größe
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Datierung des Vorbildes: 1. Jahrhundert nach Christus, vesuvianische Verschüttung 79 n. Chr.
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Bekanntestes Vorbild: hahnenförmiger Askos aus dem Thermopolium der Asellina, Pompeji, Regio IX, Insula 11, Nr. 2, Via dell'Abbondanza
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Antike Quelle: Petronius, Satyricon 74,1-3 (Hahn als omen sinistrum bei der Cena Trimalchionis)
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Passende Darstellung: ziviler Caupo, Tabernarius oder Pompeji-Hausstand der zweiten Hälfte 1. Jh. n. Chr.
Was war ein hahnenförmiges Schankgefäß im pompejanischen Tavernenbetrieb?
Im 1. Jahrhundert nach Christus stand auf dem L-förmigen Tresen der Schenke der Asellina an der Via dell'Abbondanza ein zoomorphes Schank- und Gießgefäß in Hahnform. Das Original trägt heute die Inventarnummer 13350 und ist im Bestand der Soprintendenza Speciale per i Beni Archeologici di Napoli e Pompei dokumentiert. Die museologische Funktionszuordnung ist klar: Schank- und Gießgefäß für Flüssigkeiten, in der Forschung wechselweise als Askos oder Rhyton angesprochen.
Damit gehört das Stück zur Tafel- und Tresenausstattung einer städtischen caupona, nicht zu den fest in den Tresen eingelassenen dolia. Wie Andrew Wallace-Hadrill in Houses and Society in Pompeii and Herculaneum (1994) zur urbanen Schenkenarchitektur festhält, war der Tresen Schaufläche und Verkaufstheke zugleich. Auf eben dieser Theke fand das hahnenförmige Gefäß seinen Platz, sichtbar für vorbeiziehende Kundschaft.
Asellina-Thermopolium statt Regio-V-Wandmalerei
Eine im Netz verbreitete Verwechslung trennt die zwei pompejanischen Hahn-Befunde nicht sauber: Im 2020 vollständig freigelegten Thermopolium der Regio V ist der Hahn als zweidimensionale Tresenmalerei dokumentiert, im Asellina-Thermopolium dagegen als dreidimensionales Tongefäß. Das Vorbild der hier angebotenen Replik ist eindeutig das Asellina-Stück.
Funktion: Wein, Wasser, vielleicht Geste
Die ältere Forschung hat den Asellina-Askos auch als Handwaschbecken oder als Behältnis für fermentierte Fischsoße diskutiert. Die heute museologisch tragfähige Einordnung im Vinum-Ausstellungskontext (Museo Galileo, Sektion VII Grapes and Wine in Pompeii) führt das Stück konsequent als Schank- und Gießgefäß. Welche konkrete Flüssigkeit es zuletzt enthielt, ist nicht direkt überliefert.
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Vorbild-Maße: für Inv. 13350 sind keine objektgenauen Maßangaben publiziert; die Replik orientiert sich typologisch
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Vorbild-Material: Terrakotta, vesuvianische Tonwarengruppe
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Datierungsfenster: spätestens 79 n. Chr., wahrscheinlich frühestens spätneronisch-frühflavisch
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Fundkontext: Tavernenausstattung mit vier Tresen-dolia, Amphoren, Bronzelampe, Tafelgeschirr, in situ erhalten
Vergleich pompejanischer Hahn-Befunde
| Befund |
Datierung |
Trägermedium |
Fundkontext |
Funktion |
| Askos in Hahnform, Inv. 13350 (Vorbild der Replik) |
1. Jh. n. Chr. |
Terrakotta, dreidimensional |
Thermopolium der Asellina, Pompeji IX.11.2 |
Schank- und Gießgefäß für Flüssigkeiten |
| Hahn-Wandmalerei am L-Tresen |
vor 79 n. Chr. |
Fresko auf Theke, zweidimensional |
Thermopolium Regio V, Pompeji |
dekorative Werbung, Speisenangebot |
| Hahn-Bronzestatuette, Tafelschmuck |
1. Jh. n. Chr. |
Vollguss, Bronze |
Pompejanische Tafelausstattung, MANN Neapel |
Tafelaccessoire, apotropäisches Element |
| Hahn als omen bei der Cena Trimalchionis |
nach 65 n. Chr. (literarisch) |
Text, Petronius Satyricon 74 |
kampanisches Gastmahl-Setting, fiktional |
omen sinistrum, Hahn-Symbolik |
Wasserhälter-Hahn in der Tavernen- und Tafel-Darstellung
Der Hahn-Askos zieht im Lager- und Vorführbetrieb genau dann Aufmerksamkeit, wenn er auf eine schmale Tresenleiste oder einen niedrigen Tafelrand kommt, idealerweise mit Blickachse zur Publikumsdistanz von 2 bis 3 Metern. Aus dieser Entfernung greift die Hahn-Silhouette, der zoomorphe Doppel-Charakter (Tier und Gefäß) wird sofort lesbar. Wer das Stück tiefer in eine vollgestellte Tafel einsortiert, verschenkt diesen Effekt.
Passende Darstellung: ziviler Caupo, Tabernarius, Pompeji-Hausstand, zweite Hälfte 1. Jh. n. Chr. | Einsatzbereich: Tisch-, Tresen- und Vitrinendisplay im Vorführbetrieb, kein aktives Eingießen von Flüssigkeiten | Nutzbarkeit: Requisite ohne Lebensmittelkontakt, separater Hinweiszettel im Lieferumfang
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Tisch-Inszenierung: auf einer Pompeji-Tafel zwischen Terra Sigillata und einfachem Krug platzieren, leicht erhöht durch ein hölzernes Tablett, damit die Tülle nicht vom Tafelrand abgeht
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Tresen-Position: auf dem Tresenrand einer rekonstruierten caupona oder eines Marktstand-Aufbaus; das Stück fungiert als visuelles Verkaufsargument für die Schank-Funktion, ohne aktiv im Ausschank zu sein
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Vermittlungs-Anker: als Gesprächsobjekt im Dialog mit Publikum (Frage: was haltet ihr für die Funktion?), Brücke zur Petronius-Stelle und zum Asellina-Befund
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: Die Maße der Replik (20 x 22 x 11 cm) folgen einer typologischen Annäherung an Inv. 13350; eine 1:1-Abnahme zum Original ist museologisch nicht publiziert. Die moderne Tonware ist nicht lebensmittelrechtlich zertifiziert und bleibt deshalb statisch im Display-Einsatz, auch wenn das antike Vorbild eine echte Schankfunktion hatte. Detailtreue an Federn, Auge und Standfläche orientiert sich am Pio-Foglia-Foto, nicht an einer Vermessungszeichnung.
Für welche Anwendungen eignet sich der Hahn-Askos?
- Steht eine streng fundbezogene Pompeji-Vorführung an, ist das Stück gesetzt: konkretes Inventarobjekt mit verifizierter Asellina-Provenienz, datierungsstabil im 1. Jh. n. Chr.
- Bei breiter zivil-kaiserzeitlicher Darstellung (frühe bis mittlere Kaiserzeit, italische Halbinsel oder westliche Provinzen) bleibt das Gefäß tragfähig, weil zoomorphe Schankgefäße im Mittelmeerraum verbreitet waren; je weiter weg von Kampanien, desto eher als Importstück erzählbar
- Für rein militärische Marschlager-Darstellungen ist das Stück fehl am Platz; es gehört in zivile Tafel-, Schenken- und Hausstand-Kontexte
Für Sammler und Geschichtsinteressierte (Sekundär- und Tertiärzielgruppe): das Stück hat als Pompeji-Tafelobjekt mit verifizierter Inventarnummer Vitrinen-Gewicht, ohne dass eine aktive Vorführimpression aufgebaut werden muss.
Häufige Fragen zum Hahn-Askos
Welche zivile Impression passt zu einem Hahn-Askos auf dem Tisch?
Stimmig sind Caupo- und Tabernarius-Darstellungen mit Pompeji-Bezug sowie wohlhabendere Hausstand-Impressionen der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts. In stadtrömischen oder provinzialen Darstellungen funktioniert der Askos als Importstück aus Kampanien, dann mit kurzer Erläuterung zur Herkunftsregion. Für rein militärische Marschdarstellungen ist er nicht passend.
Wie unterscheidet sich die Replik vom Original aus der Asellina?
Das Original (Inv. 13350) ist eine antike Tonarbeit aus vesuvianischer Tonwarengruppe mit echter Schankfunktion. Die Replik nimmt die Hahn-Silhouette auf, ist aus moderner französischer Werkstattfertigung und nicht lebensmittelrechtlich zertifiziert. Eine objektgenaue Vermessungszeichnung des Originals ist nicht publiziert; die Replik ist daher typologische Annäherung, nicht 1:1-Kopie.
Lässt sich das Schankgefäß tatsächlich befüllen?
Im aktiven Einsatz nein. Die moderne Tonware hat keine Lebensmittelzulassung; ein dem Lieferumfang beigefügter Hinweiszettel führt das aus. Für die Vorführpraxis bedeutet das: das Stück bleibt sichtbar auf dem Tresen, ohne Flüssigkeit, und die Schankfunktion wird verbal oder über andere, zertifizierte Replikate vermittelt.
Wie lagere ich die Tonkeramik zwischen den Saisons?
Trocken, frostfrei und stoßgeschützt, idealerweise einzeln in Seidenpapier gewickelt in einer flachen Holz- oder Kartonkiste. Direkten Kontakt zu Metall vermeiden, weil Eisenrückstände auf der Tonoberfläche fleckig abfärben. Wer das Stück für mehrere Monate stehen lässt, prüft vor der nächsten Vorführsaison die Standfläche auf feine Druckrisse.
Was tun, wenn die Tülle einen feinen Riss zeigt?
Bei Haarrissen reicht meist eine Kontrolle, ob der Riss durchgeht oder nur die Oberfläche betrifft; gegen Licht halten zeigt das schnell. Oberflächenrisse bleiben kosmetisch und sind nichts, was eine Display-Nutzung gefährdet. Tatsächliche Durchrisse gehören zur Werkstatt-Reparatur mit reversiblem Konservierungskleber, nicht zum Lager-Improvisat mit Sekundenkleber.
Welche weiteren Schank-Replikate ergänzen den Hahn-Askos stimmig?
Auf einer Pompeji-Tafel funktioniert er gut neben einem Krug aus Terra Sigillata oder einer einfachen Olla für Wein. Eine Bronzelampe in der Loeschcke-Typik ergänzt die Lichtsituation, wenn die Vorführung in den Abend geht. Vermeiden lassen sich dagegen Kombinationen mit deutlich später datiertem Geschirr (Spätantike, Mittelalter), weil das die Pompeji-Datierung des Hahn-Stücks visuell auflöst.
Externe Quellen und Literatur zum Hahn-Askos
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Museo Galileo, Vinum Nostrum, Sektion VII Grapes and Wine in Pompeii: Rhyton/Askos Inv. 13350 — museologische Stufe-A-Quelle, Foto Pio Foglia, Funktionszuordnung als Schank- und Gießgefäß
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Parco Archeologico di Pompei, Ausstellung Asellina — institutionelle Darstellung des Thermopoliums IX.11.2 mit vier Tresen-dolia und in-situ-Inventar
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PompeiiinPictures, IX.11.2 Thermopolium der Asellina — Foto- und Befund-Dokumentation zur Architektur, Tresenanlage, Inschriften und Inventar
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Wikipedia: Thermopolium — Übersichtsartikel mit weiterführender Literatur
- Andrew Wallace-Hadrill, Houses and Society in Pompeii and Herculaneum, Princeton University Press 1994 — Standardwerk zur Sozialtopographie pompejanischer Schenken und Wohnhäuser
- Penelope M. Allison, Pompeian Households: An Analysis of the Material Culture, Cotsen Institute of Archaeology 2004 — systematische Auswertung pompejanischer Hausstand-Inventare
- Antike Primärquelle: Petronius, Satyricon (lateinischer Volltext, The Latin Library), Kapitel 74,1-3 zum Hahn als omen sinistrum
- Antike Primärquelle: Plinius d. Ä., Naturalis Historia X (englische Übersetzung, LacusCurtius), Abschnitt 21 zur Symbolik des Hahns
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Aktualisiert am: 07.05.2026