Römische Öllampe Firmalampe mit Theatermaske
Kurz erklärt
Die römische Firmalampe mit Theatermaske ist eine modelgeformte Tonöllampe, deren Diskus eine kleine Bühnenmaske trägt und deren Boden den Werkstattstempel des Herstellers zeigt. Sie gehört zur oberitalischen Massenproduktion des 1. bis 3. Jahrhunderts n. Chr. und steht typologisch in der Reihe Loeschcke IX und X. Die hier vorliegende Replik gibt Maße, Material und Spiegeldekor eines römischen Originals des 1. bis 2. Jahrhunderts wieder.
Firmalampe mit Theatermaske auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Museums-Replik (Stufe 3), Ton modelgeformt nach antikem Verfahren, Diskusdekor und Werkstattstempel reproduziert.
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Material: Ton, modelgeformt aus zweiteiliger Pressform.
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Maße: Länge 11,5 cm, Breite 7,5 cm, Höhe 4 cm.
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Datierung des Vorbildes: 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr., römische Kaiserzeit.
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Bekanntestes Vergleichsstück: Schwarztonige Firmalampe mit Theatermaske aus der Werkstatt EVCARPVS, gefunden 1981 in Ladenburg in der Kellereigasse, heute im Lobdengau-Museum Ladenburg.
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Typologie: Loeschcke IX und X nach Siegfried Loeschcke 1919, Untervarianten nach Buchi 1975.
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Antike Quelle: Martial, Epigrammata XIV, 39 (Lucerna cubicularis).
Was ist eine römische Firmalampe mit Theatermaske?
Im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. produzierten oberitalische Werkstätten in Modena und Aquileia Tonöllampen in Massenfertigung. Eine erhaltene Vergleichslampe aus der Werkstatt EVCARPVS, gefunden 1981 in Ladenburg und heute im Lobdengau-Museum Ladenburg, zeigt exakt das hier reproduzierte Schema: schwarztoniger Scherben, Theatermaske im Diskus, Bodenstempel mit Werkstattnamen.
Der Name Firmalampe bezieht sich auf den Werkstattstempel auf der Unterseite, nicht auf das Diskus-Motiv. Die Typologie geht auf Siegfried Loeschckes Standardwerk Lampen aus Vindonissa von 1919 zurück, das die Untertypen IX und X nach Form der Schnauze trennt.
Wie kam die Theatermaske auf den Lampendiskus?
Die Werkstätten kopierten populäre Bildmotive aus der Welt der römischen Komödie und Tragödie. Die Stadtarchäologie Wien dokumentiert für Vindobona zwei Firmalampen mit tragischer Maske mit hohem Onkos, davon eine vom Typus Loeschcke IX und eine vom Typus Loeschcke X. Bärtige Sklavenfiguren der „Neuen Komödie" gehörten ebenso zum festen Repertoire.
Die Forschung ist sich uneinig, ob römische Käufer die einzelnen Maskentypen tatsächlich unterscheiden konnten oder ob sie das Motiv pauschal als Theaterschmuck wahrnahmen. Die Quellenlage zur antiken Käuferperspektive ist dünn.
Wer war EVCARPVS und warum steht der Stempel im Boden?
EVCARPVS betrieb im 2. Jahrhundert eine Lampenwerkstatt in Trier, deren Produkte bis nach Ladenburg vertrieben wurden. Wie Martin Auer und Stephanie Sitz in ihrer Studie „Die Firmalampenproduktion des EVCARPVS" (Germania 92, 2014) ausführen, lassen sich die Stempel als Markenkennzeichnung und gleichzeitig als Beleg der Produktionswerkstatt lesen. Über 700 Originale tragen allein den Stempel FIRMUS, weitere häufige Namen sind FORTIS, STROBILI und OCTAVI.
- Maße der Replik: 11,5 × 7,5 × 4 cm.
- Material: Ton, modelgeformt aus zweiteiliger Pressform.
- Datierung des Vorbildes: 100 bis 220 n. Chr.
- Hauptproduktionsraum: Po-Ebene, später provinzielle Werkstätten in Trier, Lyon und Vindonissa.
- Verbreitungsgebiet: Westprovinzen von Britannia bis Pannonien, vereinzelt bis Dakien.
Wie unterscheiden sich die Firmalampen-Typen mit Theatermaske?
| Typ |
Zeitraum und Region |
Diskus-Dekor |
Schnauzenform |
Hauptproduktion |
| Loeschcke I (Volutenlampe) |
1. Jh. v. Chr. bis 1. Jh. n. Chr., Italien |
Götter, Tiere, mythologische Szenen |
dreieckig mit Voluten |
Mittelitalien, Kampanien |
| Loeschcke V (Bildlampe) |
1. bis 2. Jh. n. Chr., Italien und Provinzen |
frontale Theatermaske, Satyr, Silen |
gerundete Schnauze |
Italien, Provinzen |
| Loeschcke IX (Firmalampe) |
flavisch bis Ende 1. Jh., Po-Ebene |
unverziert oder kleine Theatermaske |
zylindrisch, geschlossener Kanal |
Modena, Aquileia |
| Loeschcke X (Firmalampe) |
ca. 90 n. Chr. bis 3. Jh., Italien und Provinzen |
Theatermaske, Sklavenkopf, Silen oder unverziert |
offener Kanal zum Dochtloch |
Po-Ebene, später Trier und Lyon |
| Provinzielle Loeschcke X |
2. bis 3. Jh., Trier und Lyon |
tragische Maske mit hohem Onkos |
offener Kanal, gröberes Relief |
Trier (EVCARPVS), Lyon (Atelier de la Butte) |
Wie setze ich die Firmalampe Theatermaske im Geschichtsunterricht ein?
Beim Auspacken im Klassenraum fällt sofort die kühle, schwere Haptik des Tons auf, die sich klar von Plastik-Modellen abhebt. Der Werkstattstempel auf der Unterseite ist mit den Fingerkuppen tastbar, und die Lerngruppe erfasst darüber den Begriff „römische Markenproduktion" intuitiver als über reine Erklärtexte.
Einsatz: Klassenstufe 6 bis 9 (Sek I) und Oberstufe (Sek II) | Dauer: Einzelstunde mit Quellenarbeit oder Stationenlernen | Thema: Alltag im Imperium und Romanisierung am Limes
- Stempelvergleich am Objekt: Die Lerngruppe prüft den Bodenstempel der Replik gegen Stempelabdrücke aus Originalpublikationen und ordnet Namen wie EVCARPVS, FORTIS oder OCTAVI der Po-Ebene oder den Provinzwerkstätten zu.
- Motivanalyse am Diskus: Die Theatermaske dient als Sprechanlass über römische Bühnenkultur, das Repertoire der Neuen Komödie und die Bedeutung der Maske als visuelle Kurzform für ganze Stoffe.
- Handelswege auf der Karte: Mit einer Reichskarte rekonstruieren die Lerngruppen, wie Lampen aus Modena bis nach Trier, Vindonissa und Ladenburg gelangten.
Welcher Unterrichtskontext passt zur Firmalampe besonders gut?
- Robustheit im Stationenbetrieb: Die Ton-Replik übersteht Schülerhände im Stationenlernen deutlich besser als bemaltes Gips, der Reliefdruck am Diskus bleibt bei kurzem Aufstoß auf den Tisch erhalten.
- Methodischer Mehrwert in der Oberstufe: Bei der Vermittlung der Romanisierung lassen sich die Stempelnamen mit Inschriftendatenbanken (CIL, EDH) verknüpfen, die Replik wird zum Übungsobjekt für epigraphische Erstlektüre.
- Differenzierung nach Zielgruppe: In der Unterstufe steht die Theatermaske als Bildmotiv im Vordergrund, in der Oberstufe rückt die Werkstattorganisation und das Filialnetz oberitalischer Produzenten in den Fokus.
Häufige Fragen zur Firmalampe Theatermaske
Was ist der Unterschied zwischen Firmalampe und Bildlampe?
Die Bildlampe (Loeschcke I, IV, V) trägt einen reich figürlich verzierten Diskus mit Götterdarstellungen, Tieren oder mythologischen Szenen und besitzt oft eine dreieckige Schnauze mit seitlichen Voluten. Die Firmalampe (Loeschcke IX und X) hat dagegen einen biconisch-runden Körper, einen meist schmucklosen oder mit kleiner Theatermaske dekorierten Diskus und vor allem den Werkstattstempel auf der Unterseite. Sie entstand in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. als günstige Massenproduktion und verdrängte die teurere Volutenlampe in den Nordprovinzen.
Wie liest man den Werkstattstempel einer Firmalampe?
Der Stempel sitzt im doppelten Standring auf der Unterseite und besteht aus erhaben geprägten Großbuchstaben in lateinischer Schrift, häufig im Genitiv (FIRMI, FORTIS = „des Firmus", „des Fortis"). Bei zwei oder dreizeiligen Stempeln liest man von oben nach unten. Ezio Buchi hat 1975 in seinem Aquileia-Katalog die epigraphische Klassifikation der Stempel begründet, an der sich die Forschung bis heute orientiert.
Woran erkennt man eine echte römische Firmalampe?
Originale tragen meist Brandspuren am Schnauzenkanal, eine ungleichmäßig aufgetragene Engobe und feine Magerungseinschlüsse im Scherben, die unter Streiflicht sichtbar werden. Provinzielle Imitate des 3. und 4. Jahrhunderts unterscheiden sich vom oberitalischen Originalprodukt durch dünnere Wandung, blassen Stempelabdruck und gröberes Relief. Die hier angebotene Replik ist als modelgeformte Reproduktion gekennzeichnet und nicht zur Verwechslung mit antiken Funden bestimmt.
Welche Werkstätten produzierten Firmalampen mit Theatermaske?
Die Hauptproduzenten saßen in der Po-Ebene, namentlich FORTIS in Modena und CRESCES in Aquileia. Provinzielle Werkstätten des 2. Jahrhunderts wie EVCARPVS in Trier oder das Atelier de la Butte in Lyon übernahmen das Schema und produzierten lokal weiter. Die Online-Typologie der Artefacts Collection gliedert die einzelnen Untervarianten Buchi IX-a bis X-c chronologisch nach Schnauzenform und Kanalführung.
Stammt das Vorbild wirklich aus Lyon Fourvière?
Das Lugdunum-Musée et théâtres romains in Lyon-Fourvière bewahrt mehrere Lots Firmalampen, die teils aus dem lokalen Atelier de la Butte stammen. Wie die französische Archäologin Alice Hanotte (2005) in ihrer Studie zu diesem Werkstattbetrieb darlegt, lieferte die Butte-Werkstatt im 1. Jahrhundert auch an den rheinischen Limes. Eine objektgenaue Online-Inventarseite zur Theatermasken-Lampe Lyons ist derzeit nicht öffentlich abrufbar; die typologisch identische Vergleichslampe im Lobdengau-Museum Ladenburg dient daher als verifizierter Bezug.
Externe Quellen und Literatur zur Firmalampe Theatermaske
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Wikipedia: Firmalampe — Überblicksartikel zum Lampentyp mit Belegen zu Loeschcke und EVCARPVS-Werkstatt.
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Archäologische Datenbank: museum-digital, Lobdengau-Museum Ladenburg, Inv.-Nr. LML 0051-25 — Detailbeschreibung einer Firmalampe mit Theatermaske aus der EVCARPVS-Werkstatt mit Fundkontext Kellereigasse Ladenburg.
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Loeschcke, Siegfried (1919): Lampen aus Vindonissa. Ein Beitrag zur Geschichte von Vindonissa und des antiken Beleuchtungswesens, Zürich. Standardwerk zur Typologie römischer Tonöllampen, begründet die Untertypen IX und X. Volltext-Digitalisat: e-rara.ch; Bibliografie: Zenon DAI.
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Hanotte, Alice (2005): L'atelier de la Butte à Lyon: un fournisseur en luminaires du limes rhénan, in: L. Chrzanovski (Hrsg.), Lychnological Acts 1, Montagnac. Studie zur Lyoner Lampenwerkstatt mit Belegen zur Versorgung des rheinischen Limes. Open Access auf Academia.edu.
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Typologie-Datenbank: Artefacts Collection: Lampes à huile romaines firmalampen — chronologisch geordnete Übersicht der Untervarianten Buchi IX-a bis X-c mit Schnauzenform und Datierung.
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Antike Primärquelle: Martial, Epigrammata XIV, 39 (Lucerna cubicularis). Saturnalien-Distichon zur Tonöllampe als alltägliches Geschenk im späten 1. Jahrhundert. Lateinischer Originaltext auf Perseus (Tufts).
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Aktualisiert am: 28.04.2026