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Gladiatoren ein Tag in der Arena

Gladiatoren | Ein Tag in der Arena

Wie kämpften und lebten römische Gladiatoren?

Vieles ist aus dem Leben und Sterben von Gladiatoren überliefert. Auch einige Waffen, Helme und Schilde sind erhalten. Sterbliche Überreste von Gladiatorenkämpfern aber gibt es kaum. Mit einer Ausnahme: Der Gladiatorenfriedhof in Ephesos. Anhand sterblicher Überreste rekonstruierten Forscher deren spannendes Leben.

Beispielsweise konnten sie Helmträger unter den Toten von Ephesos identifizieren. Denn der Gladiatorenhelm war sehr schwer. Das hatte Auswirkungen auf die Nackenmuskulatur und deren Ansatzstellen am Hinterkopf. Am Fußgelenk wiederum zeigt sich, dass die Gladiatoren barfüßig kämpften. Dennoch sind bislang unsere Vorstellungen vom Leben der Gladiatoren eher geprägt von Sandalenfilmen wie „Gladiator“ von Ridley Scott aus dem Jahr 2000. Russell Crowe tritt da in festem Schuhwerk gegen mehrere, übermächtig erscheinende Gegner an. Ein anderer Kampf wird als wüstes Gemetzel dargestellt, als ziemlich strukturlose Schlacht. Dabei könnte natürlich die Realität nicht weiter davon entfernt sein. Normalerweise aber traten zwei Gladiatoren gegeneinander an. Deren Waffen und Rüstungen waren üblicher Weise so, dass keiner der Kämpfer einen offensichtlichen Vorteil hatte. Es ging also in gewisser Hinsicht fair zur Sache.

Gladiator

Die vor allem in der Spätphase des Römischen Reiches beliebteste Gladiatoren-Paarung war Retiarius gegen Secutor. Retiarius war der Netzkämpfer, der einzige Gladiator ohne Helm, ausgestattet mit Dreizack, Kurzschwert und Netz. Sein Gegner, der Secutor war hingegen schwer bewaffnet. Er trug einen großen Schild, einen Helm mit Gucklöchern, Beinschiene und Kurzschwert. Trotz der unterschiedlichen Ausrüstung herrschte zwischen ihnen Chancengleichheit. Denn der eine war durch seine Rüstung bewegungsgehemmt und der andere weniger geschützt. Beim Kampf achteten Schiedsrichter zudem ganz genau auf die Einhaltung von Regeln. Dass sich Gladiatoren nicht blutrünstig abschlachteten, belegen auch die Knochen von Ephesos. Kein einziger Gladiator hatte laut der Forschung mehrere potenziell tödliche Verletzungen.

Gekämpft wurde jedoch meist bis zum bitteren Ende. Selten endete der Kampf unentschieden. Ob der Spielleiter mit nach unten gedrehten Daumen signalisierte, der Unterlegene sei hinzurichten, ist unter Experten umstritten. Himmel und Hölle gab es im religiösen Verständnis der Römer nicht. Einigkeit herrscht hingegen darüber, wie der Verlierer den Todesstreich zu empfangen hatte: Fand er noch die Kraft, musste er kniend dem Gewinner den bloßen Hals darbieten. Dieser stieß ihm sein Schwert durch die Kehle bis ins Herz. War der Todgeweihte zu sehr geschwächt, wurde er am Boden liegend vom Sieger erstochen. Sowohl an Halswirbeln als auch an mehreren Schulterblättern entdeckten Forscher eindeutige Beweise für diese schaurigen Spektakel. Dies war für Römer die Essenz des epischen Kampfes: Mann gegen Mann. Immer wieder hoben Cicero und andere römische Philosophen lobend den Gleichmut hervor, mit dem ein Gladiator seinen Todesstoß empfing. Cicero sah im Verhalten der Gladiatoren sogar Vorbildcharakter für das ganze Volk: „ …was tapfere Gladiatoren zeigen, indem sie mit Würde untergehen, das lasst auch uns tun (...) lieber wollen wir in Ehren fallen als in Schande das Leben von Sklaven führen.“ Cicero schrieb diese Zeilen kurz vor seiner eigenen Ermordung, bei der er seinen freien Hals, gleich einem Gladiator, ebenfalls dargeboten haben soll.

Antike Stars

Siegreiche Gladiatoren waren Sexsymbole und Popstars ihrer Zeit. Auf Gladiatoren wurde gewettet und vom gemeinen Volk wurden sie hoch verehrt. Selbst Kaiser gingen in die Arena im Gladiatorenkampf – wenn vermutlich mit Holzschwertern als Vorprogramm für die eigentlichen Kämpfe um Leben und Tod. Doch trotz des Kults standen Gladiatoren, zusammen mit Huren und Schauspielern, außerhalb der römischen Gesellschaft. Sie hatten keine Rechte und wurden dafür verachtet. Später wurde dies vor allem von christlichen Autoren kritisiert. Tertullian schrieb im 2. Jhd.: „Männer geben ihre Herzen hin, Frauen auch ihre Körper (...) zu gleicher Zeit rühmt man sie, wertet sie ab und erniedrigt sie, in der Tat verurteilt man sie ganz offen zu einer verächtlichen Stellung (...) wie pervers das alles ist!“

Gladiatoren - antike Stars

Doch wie auch ihre Stellung innerhalb der Gesellschaft war, Gladiatoren mangelte es an nichts. Sie genossen beispielsweise eine ausgezeichnete medizinische Versorgung. Galen, der berühmteste Arzt des römischen Imperiums, arbeitete mehrere Jahre an einer Gladiatorenschule. Und auch die Untersuchungen aus Ephesos belegen, Gladiatoren waren gut genährt. Sie nahmen vor allem pflanzliche Nahrung zu sich. Ein Aschetrunk kompensierte ihren Calcium-Mangel.

Gladiatoren - Die Ausbildung

Gladiatoren wurden in besonderen Schulen (ludi) ausgebildet. Berühmte Gladiatorenschulen befanden sich in Capua und in Pompeji. Eine der größten Gladiatorenschulen gab es zudem in Ravenna. Nach Schätzungen gab es insgesamt etwas mehr als 100 Gladiatorenschulen, die unter Leitung eines Gladiatorenmeisters standen. Dieser war zugleich Besitzer der Schule. Häufig reisten Gladiatoren in einer Truppe (familia) von Stadt zu Stadt. Der Besitzer der Truppe vermietete seine Gladiatoren an Veranstalter von Kämpfen.
In Rom gab es vier Gladiatorenschulen. Die größte hieß Ludus Magnus und war mit dem Kolosseum durch einen Tunnel verbunden. Diese vier befanden sich in staatlichem Besitz und standen unter der Aufsicht eines Beamten, der sorgfältig ausgesucht wurde und zu den bestbezahltesten römischen Beamten zählte. Er musste zuverlässig und loyal sein, denn von der todesmutigen, kampferprobten Gruppe von Menschen ging natürlich auch eine Gefahr für die römische Bevölkerung aus.

Ausbilder für neue Gladiator-Rekruten waren erfahrene Kämpfer, die ihren Schülern die für die jeweilige Waffengattung typischen Bewegungsabläufe beibrachten. Die Schüler übten an Pfählen. Vegetius beschrieb im 4. Jhd. die Ausbildungspraxis für Soldaten und Rekruten: „Von den einzelnen Rekruten wurde aber je ein Pfahl so in die Erde gerammt, dass er nicht wackeln konnte und sechs Fuß hochragte. An diesem Pfahl übte sich dann der Rekrut wie gegen einen Gegner […] so dass er mal den Angriff wie gegen Kopf und Gesicht richtete, mal von der Flanke her drohte, bisweilen sich bemühte, die Kniekehlen oder Beine zu verwunden […] In dieser Übung achtete man auf die Vorsichtsmaßregel, dass der Rekrut zum Anbringen einer Wunde herzusprang, ohne dabei sich selbst irgendwo eine Blöße zur Verwundung zu geben. Außerdem lernten sie, nicht schlagend, sondern stechend zuzustoßen… Eine geschlagene Wunde, mit welcher Wucht sie auch angebracht werden mag, ist doch nicht oft tödlich, da die lebenswichtigen Organe durch die Schutzwaffen und durch die Knochen geschützt sind. Hingegen ein Stich, der nur zwei Zoll tief geht, ist tödlich […].“

Die Gladiatoren übten zumeist mit hölzernen Waffen und trainierten in erster Linie auf Ausdauer.

Der Tag in der Arena

Stand ein munus (öffentliches Schauspiel) an, wandte sich der Spiele-Veranstalter (editor) an einen Gladiatorenmeister (lanista) und beauftragte ihn mit der Durchführung. Ein Vertrag legte fest, wie viele Gladiatorenpaare antraten, bestimmte das Begleitprogramm und die Dauer der Veranstaltung und regelte die Bezahlung. Wenige Tage vor munus-Beginn wurden die Kämpfer dem Volk vorgestellt. Für die Zuschauer war vor allem wichtig, in welchen Paarungen die Kämpfer gegeneinander antreten, in welcher Reihenfolge die Kämpfe durchgeführt werden und in wie vielen Kämpfen die jeweiligen Gladiatoren schon erfolgreich waren. Am Vorabend der Kämpfe gab es für die Gladiatoren ein Festbankett, bei dem auch Publikum zugelassen wurde.

Der Kampftag

Kaiser Augustus etablierte die Veranstaltung von Gladiatorenkämpfen als kaiserliches Privileg. Er bestimmte auch den Ablauf eines Gladiatorenkampfes entscheidend mit. Die bislang eigenständigen Tierhetzen band er erstmals in den Ablauf am Kampftag ein. Typisch für einen Tag in einem Amphitheater in der nachaugusteischen Kaiserzeit war der folgende Ablauf:
In den Morgenstunden wurden Tierkämpfe (venationes) veranstaltet. Diese speziell ausgebildeten Kämpfer waren noch geringer angesehen als Gladiatoren. Sie trugen auch eine andere Ausrüstung: Ihre Waffe war vor allem der Jagdspeer. Gehetzt wurden zunächst harmlose Tiere wie beispielsweise Antilopen oder Hirsche. Waren diese erlegt, begann die Jagd auf gefährlichere Tiere wie Raubkatzen, Elefanten oder Bären. Es gibt gar Berichte über Kämpfe zwischen Stier und Elefant, Löwe und Leopard oder Nashorn gegen Büffel.

Daneben wurden andere, vorzugsweise exotische Tiere wie Giraffen in die Arena gebracht. Als Zwischenspiel folgten auch Zirkusnummern, in denen dressierte Tiere auftraten.
Während der Mittagszeit wurden Verbrecher hingerichtet. Diese wurden etwa den Tieren vorgeworfen (Verurteilungsform des damnatio ad bestias), oder sie wurden gezwungen, mit Waffen gegeneinander anzutreten ( damnatio ad ferrum). Der Sieger eines Zweikampfs musste sich dem nächsten Verurteilten stellen. Eine Chance auf eine Begnadigung gab es nicht. Der letzte Überlebende wurde in der Arena durch venatores hingerichtet (munera sine missione). Eine weitere Hinrichtungsvariante bestand in dem aussichtslosen Antreten des Verurteilten gegen einen regulären Gladiator (damnatio ad gladium).

Das Nachmittagsprogramm begann mit dem Einmarsch aller Gladiatoren. Sie präsentierten sich so dem Publikum. Hernach kehrten sie zunächst in die Katakomben zurück. Als Vorübung (so genannte prolusio) traten Gladiatoren, gelegentlich auch Vertreter des Adels, mit stumpfen oder hölzernen Waffen paarweise gegeneinander an, um Techniken vorzuführen. Bei sehr großen Veranstaltungen zog sich dies auch über mehrere Tage. Sogar römische Kaiser – wie etwa Commodus – sollen in diesen Schaukämpfen ihren Mut demonstriert haben.
Der eigentliche Gladiatorenkampf fand im Anschluss statt. Üblich war der Zweikampf. Paarungen wie retarius gegen secutor oder thraex gegen murmillo waren klassische Kombinationen.

Der Kampf in der Arena

Die so genannte Gladiatur, der eigentliche Kampf zwischen den Gladiatoren war alles andere als ein wildes Gemenge. Er war vielmehr ein höchst differenzierten Regeln folgender Kampfsport. Dies legen im Übrigen auch Analysen der Knochen von toten Gladiatoren nahe. Der Kampf wurde in der Regel von zwei Schiedsrichtern bewertet. Sie ließen Pausen machen, wenn die Kämpfer zu erschöpft waren oder die Ausrüstung neu angebracht werden musste, weil sich etwa Riemen lösten. Außerdem ahndeten sie natürlich Regelverstöße. Eine der wichtigsten Aufgaben der Schiedsrichter war es zu verhindern, dass ein sich Ergebender weiteren Attacken seines Gegners ausgesetzt war.

Ein Kampf konnte auf vier Weisen enden: Durch den Tod einer der Kontrahenten während des Kampfes. Dadurch, dass einer der Unterlegenen aufgab und auf Verlangen des Publikums oder des Spiele-Veranstalters in der Arena von seinem Gegner hinrichtungsmäßig getötet wurde – kämpfte er gut, kam er meist frei. Waren vorherige Kämpfe unblutig verlaufen, so wollte das Publikum meist am Ende jemanden sterben sehen. Ein Kampf konnte zudem durch die Aufgabe eines der Kämpfer und Begnadigung des Gladiators durch das Publikum oder den Spiele-Veranstalter enden (so genannte missio). Zu guter Letzt konnte ein Gefecht auch unentschieden ausgehen (stantes missi). Diese letzte Form, einen Kampf zu beenden, war selten und galt als ruhmvoll.

In der Arena starben weitaus weniger Gladiatoren als bislang vermutet. Wahrscheinlich ist, dass nur jeder achte starb. Denn wenn ein Gladiator getötet wurde, musste der Veranstalter der Spiele einen neuen Gladiator herbeiholen. Und das war teuer.

Um Gnade bat ein unterlegener Gladiator, indem er einen Zeigefinger ausstreckte oder er legte seine Waffen nieder. Die Schiedsrichter wandten sich dann an den Veranstalter der Spiele – im römischen Kolosseum war dies meist der Kaiser – der ein Urteil fällen musste. Er übertrug für gewöhnlich diese Entscheidung dem Publikum. Laut Überlieferung fällten die Zuschauer das Todesurteil, indem sie den Daumen nach unten deuteten. Es gibt jedoch keine historischen Belege dafür. Eindeutiger bewiesen ist, was die römischen Zuschauer in solchen Momenten riefen: Mitte oder missum (lass ihn gehen) rettete den Kämpfer; der Unterlegene durfte lebend die Arena verlassen. Der Ruf iugula (abstechen) bedeutete das Ende des Gladiators per Hinrichtung. Vom unterlegenen Gladiator wurde erwartet, dass er auf dem Boden kniend, gefasst den Todesstoß in den Hals oder zwischen die Schulterblätter hinnahm. Auch dies war Bestandteil und Übung des Unterrichts in den Gladiatorenschulen. Der Sieger erhielt einen Ölzweig und einen Geldbetrag und verließ die Arena durch die Porta Sanavivaria, das Tor der Gesundheit und des Lebens. Der Tote wurde auf einer mit Tüchern behängten Bahre durch die Porta Libitinaria hinausgetragen – das Tor der Venus Libitina, Göttin des Todes und der Bestattung.

Die Schule der Gladiatoren

Wenn ein neuer Rekrut, genannt Novicius, an einer Gladiatoren-Schule in die Ausbildung kam, wurde er zunächst durch die lanista (Inhaber der Schule), einen Arzt und den Trainern beurteilt. Vom Medici (Arzt) wurde seine Fitness überprüft. Sein Körper wurde quasi bewertet, damit entschieden werden konnte, welche Art von Gladiator-Ausbildung er erhalten sollte. War seine Physiognomie dazu geeignet eine schwere Rüstung zu tragen oder sollte er lieber in leichter Rüstung kämpfen, waren etwa Fragen, die in die Bewertung einflossen.

Gladiatoren

Die Mehrheit der Gladiatoren entstammten Kriegsgefangenen. Oft entschied auch der ethnische Hintergrund, welche Art von Gladiator die Männer wurden, denn dann konnten sie die Rüstung und Waffen ihrer Heimat tragen. So entstanden etwa die Namen für die Gladiator-Gattungen Thraker, Gallus und Samnites. Im Laufe der Zeit wurden die alten Feinde zu Verbündeten und die Gladiatoren wurden nach der Art ihrer Kämpfe benannte oder nach ihren Waffen: So gab es etwa Bestiarii (Tierkämpfer) oder Retiarii (Netzkämpfer). Nachdem entschieden war, als was für ein Gladiator der Mann ausgebildet werden und kämpfen sollte, war das Leben der Gladiatoren vorbestimmt. Ihr Trainer war in der Regel ein ehemaliger Gladiator, der auf eine bestimmte Art von Kampf und Waffen spezialisiert war. Die Trainer hießen Doctores.

Als Rekrut schloss der Novicius eine Grundausbildung ab. Dann durften sie in der Arena kämpfen als tirones Gladiatores oder Tiro. Die tirones hatten oft Tätowierungen als Erkennungszeichen im Gesicht, an den Beinen oder Händen, damit sie erkannt wurden, falls sie flüchteten. Zuerst wurden die Gladiatoren in Fitness geschult. Die Grundausbildung erfolgte zunächst meist ohne wirklichen Waffengebrauch. Hölzerne Trainingsschwerter (rudus) dienten zur Übung. Der Fokus lag auf den verschiedenen Kampfstilen und Waffen, je nach Art der Gladiatorengattung. Gladiatoren, die in schwerer Rüstung kämpften, waren langsamer und mussten ganz andere Techniken und Fertigkeiten trainieren als leicht bewaffnete Gladiatoren, die schnell und leicht waren. Also erhielten die Gladiatorne unterschiedliche Trainings, je nach Gladiatorart, nach Rüstungen, Waffen und den erforderlichen Kampftechniken.