Ohrringe Lucretia: Stein auf Spitze, goldene Kugeln, eine Perle
Die Ohrringe Lucretia sind handgefertigte Repliken eines kaiserzeitlichen Ohrringtyps des 2. Jh. n. Chr.: ein auf Spitze gestellter grüner Aventurin-Cabochon in hammertexturierter Messingfassung trägt über ein lyrenförmiges Verbindungselement einen langen Stab aus aufgereihten Messingkügelchen, der in einer echten Süßwasserperle endet. Der Typus des langhängenden Pendelohrings mit Steinfassung und Perlenabschluss ist für das römische 2. und 3. Jh. n. Chr. vielfach belegt, mit Schwerpunkt im östlichen Mittelmeerraum und in Ägypten. Maße: 5,5 × 1,2 cm.
Auf Spitze gestellt, lang gehängt
Römischer Pendelohring nach kaiserzeitlichem Typus auf einen Blick
Die Ohrringe Lucretia sind handgefertigte Repliken eines kaiserzeitlichen Ohrringtyps des 2. Jh. n. Chr.: ein auf Spitze gestellter Aventurin-Cabochon in hammertexturierter Messingfassung, verbunden über ein lyrenförmiges Zwischenelement mit einem langen Stab aus aufgereihten Messingkügelchen und einer abschließenden Süßwasserperle, in einer Formensprache, die im östlichen Mittelmeerraum und im römischen Ägypten des 2. und 3. Jh. n. Chr. vielfach nachgewiesen ist.
Drei Zonen, eine Logik: der langhängende Pendelohring des 2. Jh. n. Chr.
Der Ohrring des 1. Jh. n. Chr. ist kurz. Er sitzt nah am Ohrläppchen, ein Haken, eine Perle, ein kleiner Stein. Das reicht. Im 2. Jh. ändert sich das. Der Ohrring wächst nach unten. Nicht weil die Römerinnen plötzlich mehr wollten, sondern weil die Handelsrouten mehr hergaben: schwerere Steine aus dem Osten, längere Perlen aus dem Indischen Ozean, feineres Drahthandwerk aus alexandrinischen und antiochenischen Werkstätten. Der Ohrring reagiert auf das, was verfügbar ist, und auf das, was die Frau darstellen will. Länge ist Aussage.
Der Typus des langhängenden Pendelohrings mit Steinfassung oben und Perlenabschluss unten ist für das 2. und 3. Jh. n. Chr. im östlichen Mittelmeerraum und in Ägypten vielfach belegt. Vergleichsobjekte finden sich im Metropolitan Museum of Art, im British Museum und im Ägyptischen Museum Berlin, datiert ins 2.–3. Jh. n. Chr. Das Original der Ohrringe Lucretia befindet sich laut Hersteller in einer Privatsammlung und wird auf das 2. Jh. n. Chr. datiert. Eine Verifikation über einen Museumskatalog ist damit nicht möglich; der Typus selbst ist jedoch gut gesichert.
Was diesen Ohrring von kürzeren Pendelvarianten unterscheidet, ist seine bewusste Dreiteiligkeit. Oben der Stein: auf Spitze gestellt, zur Raute rotiert, damit er als eigenständige geometrische Fläche wirkt. Das ist keine Frage des Zufalls in der Fassung. Römische Goldschmiede des 2. Jh. n. Chr. setzen Steine regelmäßig auf Spitze, wenn der Stein als Blickfang dienen soll, nicht als Einlage. In der Mitte das lyrenartige Verbindungselement: Volutenmotive aus Draht gehören seit dem Hellenismus zum Grundvokabular mediterraner Goldschmiedearbeit, sie finden sich von Pompeji bis Alexandria. Unten der Kugelstab: gleichmäßig aufgereihte Messingkügelchen, eine gestreckte Variante des Bullenmotivs, das die römische Goldschmiedekunst aus dem Etruskischen übernahm. Die Perle am Ende schließt die Komposition ab. Rund gegen gerade. Organisch gegen geometrisch. Ein Ohrring, der von oben nach unten eine Entscheidung nach der anderen trifft.
Raute, Volute, Kugel, Perle
Die Ohrringe Lucretia im Steckbrief
Die Ohrringe Lucretia gliedern sich von oben nach unten in drei klar lesbare Zonen. Erste Zone: ein quadratischer Aventurin-Cabochon, auf Spitze gestellt zur Raute, in einer hammertexturierten Messingfassung mit Hakenverschluss. Die Textur der Fassung ist nicht glatt gegossen, sondern aufgeraut, was dem oberen Abschluss Gewicht und Präsenz gibt. Zweite Zone: ein lyrenförmiges Verbindungselement aus Messing, zwei seitliche Voluten mit zentraler Ringöse, das den Übergang von der starren Steinfassung zum beweglichen Kugelstab markiert. Dritte Zone: ein langer senkrechter Stab aus gleichmäßig aufgereihten kleinen Messingkügelchen, der in einer runden weißen Süßwasserperle endet, gefasst in einer kleinen Messingkappe. Der Anhänger hängt frei und bewegt sich beim Tragen mit. Die Gesamtkomposition ist lang, strukturiert und vertikal ausgerichtet.
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Länge: 5,5 cm, Breite: 1,2 cm
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Material: Messing (Fassung, Verbindungselement, Kugelstab, Kappe), echter Aventurin (grüner Cabochon, auf Spitze gestellt), echte Süßwasserperle (weiß, rund)
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Verschluss: Ohrhaken
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Typus / Datierung: Langhängender Pendelohring mit Steinfassung und Perlenabschluss, 2./3. Jh. n. Chr.
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Vorbild / Fundkontext: Nach Herstellerangabe nach einem Original in Privatsammlung, datiert 2. Jh. n. Chr.; Typus vergleichbar mit Pendelohrringen aus dem östlichen Mittelmeerraum, Metropolitan Museum of Art und British Museum, 2.–3. Jh. n. Chr.
Lang, lauter, lesbar: Wer trägt die Ohrringe Lucretia und in welchem Kontext?
Die Ohrringe Lucretia sind das längste Stück dieser Serie. 5,5 cm hängen am Ohr: das ist kein Detail, das im Kostümbild untergeht. Es ist eine Ansage. Wer sie trägt, hat entschieden, dass der Ohrschmuck gesehen werden soll, und zwar von oben bis unten. Das ist im Reenactment ein Vorteil und eine Verantwortung zugleich.
Im Reenactment eignen sich die Ohrringe Lucretia für Darstellungen wohlhabender Frauen des 2. Jh. n. Chr. mit östlichem oder ägyptischem Hintergrund: Händlersfrauen aus Alexandria oder Antiochia, romanisierte Ägypterinnen der Oberschicht, Frauen mit Verbindungen in die östlichen Provinzen des Imperiums. Die Länge und Dreiteiligkeit des Stücks entspricht dem kaiserzeitlichen Geschmack für strukturierten, nach unten wachsenden Ohrschmuck, der in Vergleichsobjekten aus dem östlichen Mittelmeerraum gut belegt ist. Kombinierbar mit der Kette Octavia, da beide Stücke Süßwasserperle als gemeinsames Material teilen. Wichtig: Bei 5,5 cm Länge kollidiert der Ohrring mit aufwändigen Hochfrisuren. Für Darstellungen mit losem oder einfach gestecktem Haar ist er besser geeignet als für elaborierte Auffrisierungen der antoninischen Mode.
In der Museumspädagogik bietet die Dreiteiligkeit des Stücks einen direkten didaktischen Zugang: Drei Materialien, drei Zonen, drei handwerkliche Entscheidungen. Was macht der rautenförmig gestellte Stein optisch anders als ein gerade gesetzter? Warum endet der Ohrring mit einer Perle statt einem Metallabschluss? Diese Fragen lassen sich mit dem Stück in der Hand konkret erarbeiten und führen ohne Umwege in das Thema römischer Goldschmiedepraxis des 2. Jh. n. Chr.
Für Privatsammler und Schmuckliebhaber ist die Länge das eigentliche Argument. Das Stück braucht Raum, trägt sich am besten zu einfacher Kleidung und wirkt im Alltag eher als Statement denn als Hintergrundschmuck. Wer das will, ist hier richtig.
Ein Tipp aus der Praxis: Süßwasserperlen reagieren empfindlich auf Parfüm und Chemikalien, Aventurin nicht dauerhaft direktem Sonnenlicht aussetzen. Nach dem Tragen trocken abwischen.
5,5 Zentimeter Entscheidungshilfe
Die Ohrringe Lucretia sind das auffälligste Stück dieser Serie. Das ist kein Nachteil. Es ist eine Eigenschaft, mit der man arbeiten kann oder nicht.
Wer eine Darstellung des 2. Jh. n. Chr. mit östlichem oder ägyptischem Schwerpunkt aufbaut und dabei einen Ohrring sucht, der im Kostümbild sofort Stellung bezieht, hat hier das richtige Stück. Die Dreiteiligkeit aus Stein, Kugelstab und Perle lässt sich im Reenactment und in der Museumspädagogik gleichermaßen ablesen: Der Ohrring erklärt sich selbst, ohne dass man etwas dazu sagen muss.
Wer bereits die Ohrringe Faustina oder Marcia besitzt, bekommt mit den Ohrringen Lucretia keinen Nachfolger, sondern einen anderen Aggregatzustand. Faustina ist still. Marcia schwingt. Lucretia hängt. Alle drei teilen Aventurin und Süßwasserperle als Materialien, sprechen aber vollständig verschiedene Trageentscheidungen an. Zusammen decken sie das kaiserzeitliche Spektrum von würdevoll bis präsent vollständig ab.
Wer hingegen Wert auf einen klar verifizierbaren Museumsfund als direktes Vorbild legt, sollte wissen: Das Original der Ohrringe Lucretia befindet sich in einer Privatsammlung. Keine Inventarnummer, kein öffentlich zugänglicher Katalog. Der Typus ist solide belegt, das Einzelobjekt nicht überprüfbar. Wer damit kein Problem hat, kauft einen gut fundierten Ohrring. Wer eine lückenlose Provenienz braucht, greift zu den Ohrringen Faustina.
Was Tertullian über Ohrlöcher und die Absichten Gottes dachte
Tertullian schrieb De Cultu Feminarum um 196/197 n. Chr. in Karthago. Das ist kein neutraler Beobachter, sondern ein Mann mit einer Meinung, und diese Meinung betrifft auch die Ohren. In Buch II, Kapitel X schreibt er mit der Schärfe, die ihn berühmt gemacht hat:
“Deus auribus uulnera intulit et tanti habuit uexationem operis sui et cruciatus infantiae innocentis tunc primum dolentis ut ex illis ad ferrum nati corporis cicatricibus grana nescio quae penderent.”
„Gott hat den Ohren Wunden zugefügt und die Versährung seines eigenen Werks und die Qualen der unschuldigen Kindheit, die zum ersten Mal schmerzte, so hoch bewertet, dass von jenen durch Eisen entstandenen Narben irgendwelche Körnchen hingen sollten.“
Tertullian, De Cultu Feminarum, Buch II, Kapitel X, um 196/197 n. Chr.
Tertullian meint das als Sarkasmus. Er hält es für absurd, dass Frauen sich als Kleinkinder die Ohren durchstechen lassen, um später Schmuck daran zu hängen. Das Wort, das er für die hängenden Objekte verwendet, ist grana, Körnchen, Kugeln. Wer die Ohrringe Lucretia kennt, weiß, wovon er spricht: ein langer Stab aus aufgereihten Messingkügelchen, der am Ohr hängt. Tertullian schreibt sein Pamphlet exakt in der Zeit, in der dieser Ohrringtyp im östlichen Mittelmeerraum seinen Höhepunkt erlebt. Dass er die Praxis den Parthern zuschreibt, ist kein Zufall: Er weiß, wo diese Mode herkommt.
Aventurin, Perle, Messing: Was hinter den Ohrringen Lucretia steckt
Für welche Darstellung eignen sich die Ohrringe Lucretia?
Für Darstellungen wohlhabender Frauen des 2. Jh. n. Chr. mit östlichem oder ägyptischem Hintergrund: Händlersfrauen aus Alexandria oder Antiochia, romanisierte Ägypterinnen der Oberschicht, Frauen mit Verbindungen in die östlichen Provinzen. Die Länge von 5,5 cm macht den Ohrring im Kostümbild sofort sichtbar. Für elaborierte Hochfrisuren der antoninischen Mode ist er wegen der Länge weniger geeignet, für offenes oder einfach gestecktes Haar ideal.
Ist der grüne Stein echter Aventurin?
Ja. Der quadratische Cabochon ist echter Aventurin, ein natürlicher Quarzit mit eingelagerten Glimmerplättchen, kein Glas und kein Kunststein. Er ist auf Spitze gestellt, zur Raute rotiert, was ihn optisch größer wirken lässt als ein gerade gesetzter Stein gleicher Größe.
Woher stammt das Original, nach dem die Ohrringe Lucretia gefertigt sind?
Laut Hersteller aus einer Privatsammlung, datiert ins 2. Jh. n. Chr. Eine Verifikation über einen öffentlichen Museumskatalog ist damit nicht möglich. Der Typus selbst, langhängender Pendelohring mit Steinfassung und Perlenabschluss, ist für das 2. und 3. Jh. n. Chr. im östlichen Mittelmeerraum gut belegt und in öffentlichen Sammlungen wie dem Metropolitan Museum of Art und dem British Museum durch Vergleichsobjekte gesichert.
Bewegt sich der Ohrring beim Tragen?
Ja. Der gesamte Anhänger, Kugelstab und Perle, hängt frei am Haken der Steinfassung und schwingt beim Gehen mit. Das ist keine Schwäche der Konstruktion, sondern eine Eigenschaft des Typus. Anders als bei den Ohrringen Faustina, deren Anhänger starr gefasst ist, lebt dieser Ohrring von der Bewegung.
Passt der Ohrring zu anderen Stücken dieser Serie?
Ja. Die Kette Octavia und das Armband Perlen Pompeji teilen die Süßwasserperle als gemeinsames Material. Mit den Ohrringen Faustina und Marcia teilt Lucretia den Aventurin. Wer alle drei Ohrringtypen nebeneinander legt, hat das vollständige Spektrum kaiserzeitlichen Ohrschmucks vom statischen Pendelohring bis zum langen, beweglichen Hänger vor sich.
Verdammt und trotzdem dokumentiert
Tertullian nennt in De Cultu Feminarum die Parther als Urheber der Ohrschmuckmode. Das ist nicht so weit hergeholt, wie es klingt. Die Parther kontrollierten im 2. Jh. n. Chr. die östlichen Handelsrouten zwischen dem Römischen Reich und Indien, und parthische Goldschmiedearbeit war für ihre langen, reich bestückten Hängeohrringe bekannt. Was Tertullian als moralische Anklage formuliert, deckt sich mit dem, was die Archäologie zeigt: Langhängende Pendelohrringe mit Steinfassungen und Perlenabschlüssen verbreiten sich im 1. und 2. Jh. n. Chr. von Osten nach Westen, entlang genau jener Routen, die Tertullian als Einfallstor des Luxus betrachtete. Der Mann wollte den Schmuck verdammen. Stattdessen hat er seine Verbreitung dokumentiert.
Quellenverzeichnis
Titel: De Cultu Feminarum, Buch II
Autor: Tertullian (Quintus Septimius Florens Tertullianus)
Veröffentlichung: Marie Turcan (Hrsg.), La toilette des femmes, Sources Chrétiennes 173, Éditions du Cerf, Paris
Datum: 1971 (Originalwerk um 196/197 n. Chr.)
Titel: Greek and Roman Jewellery
Autor: Reynold A. Higgins
Veröffentlichung: Methuen & Co Ltd, London
Datum: 1980
Titel: Antiker Goldschmuck
Autor: Barbara Deppert-Lippitz
Veröffentlichung: Schnell & Steiner, München
Datum: 1985
Titel: Roman Jewellery. A Collection of the National Archaeological Museum Sofia
Autor: Lyudmila Ruseva-Slaveykova
Veröffentlichung: Nationales Archäologisches Museum Sofia, Sofia
Datum: 1991
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Aktualisiert am: 13.04.2026
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