Ohrringe Faustina: Ein Ohrring ohne Partner, und was er uns trotzdem erzählt
Die Ohrringe Faustina sind handgefertigte Repliken nach einem einzeln erhaltenen kaiserzeitlichen Originalohrring in der Antikensammlung des Thorvaldsen Museums Kopenhagen, datiert 100–300 n. Chr.: ein runder Aventurin-Cabochon in Lünettenfassung, verbunden durch ein sanduhrförmiges Messingbindeglied mit einer Süßwasserperle, in einer Formensprache, die für den gehobenen römischen Ohrschmuck des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. charakteristisch ist.
Grüner Stein, weiße Perle, kein Partnerstück: der kaiserzeitliche Ohrring aus Kopenhagen
Römischer Ohrschmuck nach Museumsoriginal auf einen Blick
Die Ohrringe Faustina sind handgefertigte Repliken nach einem einzeln erhaltenen kaiserzeitlichen Originalohrring in der Antikensammlung des Thorvaldsen Museums Kopenhagen (100–300 n. Chr.): ein runder Aventurin-Cabochon in Lünettenfassung, über ein starres, sanduhrförmiges Messingverbindungsstück mit einer Süßwasserperle verbunden, in einer Formensprache, die für den gehobenen römischen Ohrschmuck des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. charakteristisch ist.
Was ein einzelner Ohrring verrät
Im Depot des Thorvaldsen Museums Kopenhagen liegt ein römischer Ohrring aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. Er ist vollständig erhalten: der Goldhaken, die kleine Kugel am oberen Ende, der runde Stein in seiner Fassung, das sanduhrförmige Verbindungsstück, die hängende Perle. Was fehlt, ist sein Gegenstück. Das zweite Stück des Paares wurde nie gefunden.
Das ist keine Seltenheit. Der überwiegende Teil des römischen Schmucks, der heute in Museen liegt, ist ohne klaren Fundkontext überliefert. Bertel Thorvaldsen (1770–1844) sammelte während seiner vierzig Jahre in Rom systematisch antike Objekte, kaufte auf dem Kunstmarkt, erwarb von Händlern und Ausgräbern. Was er mitbrachte, war hervorragend, aber selten mit lückenloser Herkunft belegt. Der einzelne Ohrring kam irgendwann in seine Sammlung. Seither liegt er in Kopenhagen, ohne seinen Partner.
Was er trotzdem erzählt, ist beträchtlich. Das sanduhrförmige Bindeglied hält Stein und Perle in einer festen, ruhigen Achse. Anders als beim klassischen Crotalia-Typus, bei dem die Perle frei schwingt, ist hier die gesamte dreiteilige Komposition starr: Stein, Verbinder und Perle bilden eine Einheit. Nicht Bewegung, sondern Form war das Ziel. Das entspricht dem Geschmack des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr., in dem das Gewicht der Steine und die Qualität der Materialien wichtiger wurden als das spielerische Klackern.
Aventurin, Perle, Sanduhrverbinder
Die Ohrringe Faustina im Detail
Die Ohrringe Faustina haben eine klare vertikale Gliederung in drei Zonen: oben der Haken mit kleiner Goldkugel, in der Mitte der runde grüne Aventurin-Cabochon in seiner Lünettenfassung, unten die weiße Süßwasserperle, gehalten vom sanduhrförmigen Messingverbinder. Der Aventurin-Cabochon ist rund, poliert, ohne Facettierung, mit dem für Aventurin charakteristischen leichten Schimmereffekt. Die Süßwasserperle ist barock geformt, mit leichter natürlicher Unregelmäßigkeit.
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Länge: 3,5 cm, Breite: 1,2 cm
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Material: Messing (Haken, Fassung, Verbinder), echter Aventurin (grüner Cabochon), echte Süßwasserperle (weiß, barock)
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Verschluss: Ohrhaken
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Typus / Datierung: Zweiteiliger Ohrring mit starrem Verbinder, 2./3. Jahrhundert n. Chr.
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Vorbild / Fundkontext: Einzeln erhaltener Originalohrring, Antikensammlung Thorvaldsen Museum Kopenhagen, 100–300 n. Chr.
Vom Museum ans Ohr: Wer trägt die Ohrringe Faustina und wozu?
Die Ohrringe Faustina haben einen ungewöhnlichen Vorzug: Sie sind nach einem einzelnen, namentlich verortbaren Museumsoriginal gefertigt. Das Thorvaldsen Museum Kopenhagen ist kein abstrakter Verweis, sondern ein reales, besuchbares Haus mit einer seit 1848 unveränderten Aufstellung.
Im Reenactment eignen sich die Ohrringe für Darstellungen wohlhabender Stadtrömerinnen des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. Die ruhige, würdevolle Komposition macht sie besonders geeignet für Darstellungen von Frauen höheren Standes. Sie lassen sich gut mit der Kette Octavia und dem Armband Perlen Pompeji kombinieren, da alle drei Stücke Süßwasserperle als gemeinsames Material teilen.
In der Museumspädagogik bieten die Ohrringe einen besonderen Einstieg: die Geschichte des einzelnen Fundes ohne Partner. Was bedeutet es, wenn nur ein Stück erhalten ist? Diese Fragen öffnen einen Zugang zur Fragilität des archäologischen Überlieferungsprozesses.
Ein Hinweis zur Pflege: Aventurin reagiert empfindlich auf Sonneneinstrahlung. Süßwasserperlen sollten nicht mit Parfüm oder Chemikalien in Kontakt kommen. Nach dem Tragen trocken abwischen.
Für wen lohnen sich die Ohrringe Faustina?
Wer eine Darstellung einer wohlhabenden Römerin des 2. oder 3. Jahrhunderts n. Chr. aufbaut und dabei Wert auf einen direkt verifizierbaren Museumsbeleg legt, findet in den Ohrringen Faustina das präziseste Stück dieser Serie. Die ruhige Komposition eignet sich besonders für Darstellungen gehobenen sozialen Rangs. Wer bereits die Kette Octavia oder das Armband Perlen Pompeji besitzt, kann die Ohrringe direkt dazu kombinieren.
Wer hingegen einen beweglicheren Ohrschmuck sucht, bei dem die Perle frei schwingt, ist mit den Ohrringen Faustina nicht optimal bedient. Das starre Verbindungsstück hält Stein und Perle in fester Achse. Für diese Anforderung wäre ein klassischer Crotalia-Typus die passendere Wahl.
Was schrieb Plinius über den Ohrschmuck seiner Zeit?
Plinius der Ältere widmet dem weiblichen Ohrschmuck in seiner Naturalis Historia, Buch XI, Kapitel 136, einen bemerkenswerten Satz:
“In aures quoque iam migrasse luxuriam, nec uno quidem satisfieri.”
„Auch die Ohren hat die Verschwendungssucht bereits besetzt, und nicht einmal einer allein genügt.“
Plinius der Ältere, Naturalis Historia, Buch XI, Kapitel 136, um 77 n. Chr.
Plinius meint damit, dass Frauen seiner Zeit nicht nur einen Ohrring je Ohr trugen, sondern mehrere. Der einzelne Ohrring, der heute im Thorvaldsen Museum liegt, ohne seinen Partner, ist vor diesem Hintergrund fast bescheiden. Eine Frau, die zwei aufeinander abgestimmte Stücke trug, ein Stein oben, eine Perle unten, ruhig und geordnet, hätte von Plinius vermutlich noch das geringste Missfallen erregt.
Kopenhagen, Perle und offene Fragen zu den Ohrringen Faustina
Für welche Darstellung eignen sich die Ohrringe Faustina?
Für Darstellungen wohlhabender Stadtrömerinnen des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. Die Kombination aus grünem Stein und Perle in einer ruhigen, würdevolle Komposition entspricht dem Geschmack der gehöbenen Gesellschaft dieser Epoche. Die Ohrringe passen zu Matronae, Händlersgattinnen der Oberschicht oder romanisierten Provinzfrauen mit deutlichem Statusanspruch.
Woher stammt das Original, nach dem die Ohrringe Faustina gefertigt sind?
Das Vorbild ist ein einzeln erhaltener römischer Ohrring in der Antikensammlung des Thorvaldsen Museums Kopenhagen, datiert 100–300 n. Chr. Bertel Thorvaldsen trug die Sammlung während seines vierzigjährigen Romaufenthalts zusammen und vermachte sie 1838 der Stadt Kopenhagen. Das Partnerstück des Ohrrings wurde nie gefunden.
Bewegt sich die Perle beim Tragen, klappert sie?
Nein. Das sanduhrförmige Messingverbindungsstück verbindet Aventurin-Cabochon und Süßwasserperle starr miteinander. Stein, Verbinder und Perle bilden eine feste Einheit. Die Komposition ist ruhig und statisch.
Kann ich die Ohrringe Faustina mit anderen Stücken dieser Serie kombinieren?
Ja. Die Kette Octavia und das Armband Perlen Pompeji teilen die Süßwasserperle als gemeinsames Hauptmaterial und sprechen denselben sozialen Kontext an. Ein Set aus diesen drei Stücken entspricht dem kaiserzeitlichen Tragebrauch aufeinander abgestimmten Schmucks.
Ist der grüne Stein echter Aventurin?
Ja. Aventurin ist ein natürlicher Quarzit mit eingelagerten Glimmerplättchen, die dem Stein seinen charakteristischen Schimmereffekt verleihen. Er ist kein Glas und kein synthetisches Material. Als modernes Äquivalent zu den grünen Schmucksteinen der Kaiserzeit ist er historisch anschlussfähig.
Sammeln zuerst, fragen später
Bertel Thorvaldsen war kein systematischer Archäologe. Er kaufte, was ihm gefiel, auf dem Römer Kunstmarkt, von Händlern, von Ausgräbern. Als das Thorvaldsen Museum 1848 eröffnete, lagen Hunderte von antiken Objekten in den Vitrinen, die Thorvaldsen nie in einem Katalog erfasst hatte. Die Museumsleitung musste alles im Nachhinein inventarisieren. Der einzelne Ohrring, dessen Partnerstück fehlt, ist also nicht nur ein archäologisches Rätsel. Er ist auch ein kleines Denkmal für die Art, wie das 19. Jahrhundert mit Antike umging: sammeln zuerst, fragen später.
Quellenverzeichnis
Titel: Naturalis Historia, Buch XI
Autor: Plinius der Ältere (Gaius Plinius Secundus Maior)
Veröffentlichung: Tusculum-Ausgabe, Artemis & Winkler, München/Zürich
Datum: 1990 (Originalwerk um 77 n. Chr.)
Titel: 2 + 1. Antikke smykker, lamper og masker i Thorvaldsens Museum
Autor: Torben Melander
Veröffentlichung: Thorvaldsens Museum, Kopenhagen
Datum: 2006
Titel: Greek and Roman Jewellery
Autor: Reynold A. Higgins
Veröffentlichung: University of California Press, Berkeley
Datum: 1980
Weiterführende Links
Aktualisiert am: 10.04.2026
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