Ohrringe Aurelia: Römischer Kugelschmuck aus Messing
Das Wesentliche, bevor die Geschichte losgeht
Die Ohrringe Aurelia sind archäologisch fundierte Repliken römischer Kugelohrringe (inaures) aus goldfarbenem Messing, gefertigt nach Originalen des 1.–3. Jahrhunderts n. Chr. Vergleichsfunde dieses Typs stammen unter anderem aus Augusta Raurica (Augst, Schweiz) und dem 79 n. Chr. verschütteten Pompeji. Mit 35 × 18 mm bewegen sie sich exakt im Maßstab kaiserzeitlicher Originale.
Was trugen römische Frauen im 1. Jahrhundert n. Chr. an den Ohren?
Wir sind in Colonia Agrippina, irgendwann um 150 n. Chr. Eine Händlerin auf dem Forum arrangiert ihren Stand. Sie trägt keine Kette, keinen Armreif. Nur zwei goldene Kugeln an den Ohren, die im Mittagslicht aufblitzen wie kleine Sonnen. Nichts filigranes, kein Edelstein. Gerade weil sie so schlicht sind, fallen sie auf.
Genau dieser Typus, die hohle Goldkugel am Ohrhaken, zieht sich durch fast drei Jahrhunderte römischer Schmuckgeschichte. Plinius der Ältere beschreibt in seiner Naturalis Historia (Buch XI, ca. 77 n. Chr.) mit echter Fassungslosigkeit, wie römische Frauen ihre schweren Kugelohrringe absichtlich gegen die Schultern schlagen lassen, nur um das metallische Klingeln zu genießen.
Ein direkt vergleichbares Originalstück liegt heute im Römermuseum Augst (Augusta Raurica, Schweiz): Bronzeohrringe mit halbkugeliger Schauseite und geradem Hakenverschluss, datiert ins 2.–3. Jahrhundert n. Chr., gefunden auf dem Gebiet der größten Römerstadt nördlich der Alpen. Gleiches Konstruktionsprinzip, gleiche Proportionen, gleiche Funktion. Der einzige Unterschied zum Aurelia Ohrring: dort patiniertes Metall, hier frisches goldfarbenes Messing.
Und jetzt das, was jeden überrascht, der Kugelohrringe für ein modernes Designkonzept hält. Die Form ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts und auch kein mittelalterliches Motiv. Archäologische Funde aus dem hellenistischen Ägypten (3. Jh. v. Chr., British Museum London, Inv. 2754) belegen, dass hohle Goldkugeln als Ohrschmuck bereits lange vor Augustus zum Repertoire mediterraner Goldschmiede gehörten. Das Imperium Romanum hat diesen Typus übernommen, verfeinert und von Nordafrika bis an den Hadrianswall verbreitet. Design, das 2.000 Jahre überlebt, braucht keine Neuerfindung.
Was bietet der Ohrring Aurelia?
Steckbrief:
Zwei Teile, eine klare Aussage. Oben sitzt ein kleiner, flacher Rundknopf, kaum größer als ein Stecknadelkopf. Darunter hängt eine hohle Halbkugel mit stark gewölbter Vorderseite und glatter, matter Oberfläche. Das Gewicht liegt vorne, die Kugel fällt leicht nach außen, genau so, wie es der offene Ohrhaken aus Messingdraht vorgibt. Kein Verschluss, kein Clip, kein Mechanismus. Einstecken, fertig. So haben es die Römerinnen gemacht, und so funktioniert es heute noch.
-
Material: Goldfarbenes Messing, matter Oberflächenfinish
-
Maße: 35 × 18 mm (Gesamtlänge × Kugeldurchmesser), kaiserzeitlich proportioniert
-
Verschluss: Offener Ohrhaken aus Messingdraht, für gestochene Ohrlöcher
-
Vergleichsvorbild: Kugelohrringe Typus Augusta Raurica, 2.–3. Jh. n. Chr., Römermuseum Augst (Schweiz)
-
Datierung des Originaltyps: 1.–3. Jahrhundert n. Chr., Verbreitung im gesamten Imperium Romanum, Vorläufer ab 3. Jh. v. Chr.
Was bringt ein Ohrring, der älter ist als das Christentum?
Nach vielen aktiven Jahren im Reenactment kann ich eine Sache mit Sicherheit sagen: Nichts bringt einen schneller ins Gespräch mit Besuchern, als authentische Accessoires. Genau hier spielen die Ohrringe Aurelia ihre Stärke aus.
Erstens der Alltagskontext. Eine Darstellung als Händlerin, Handwerkersfrau oder Stadtbewohnerin mittleren Stands verlangt keinen aufwendigen Goldschmuck mit Edelsteinen. Der Kugeltypus war laut Fundlage aus Augusta Raurica und Colonia Agrippina genau das, was Frauen aller sozialen Schichten trugen. Die Aurelia Ohrringe passen also nicht nur für die Senatorengattin, sondern genauso überzeugend für die Frau des Töpfers.
Zweitens die Museumspädagogik. Wer Schulklassen durch eine römische Ausstellung führt und dabei selbst authentisch gekleidet ist, erzeugt eine andere Aufmerksamkeit als jemand im modernen Hoodie. Die Ohrringe sind groß genug, um aus drei Metern Entfernung erkannt zu werden, versuchen sie es selbst.
Ein ehrlicher Rat für Reenactor: Kombiniert die Aurelia nicht mit Schmuck, der in eine andere Epoche gehört. Ein Kugeltypus aus dem 2. Jh. n. Chr. neben einem Wikingerfibel-Verschluss aus dem 9. Jh. wäre unglaubwürdig
Was hat Plinius mit Ohrringen zu schaffen?
Plinius der Ältere war kein Schmuckhändler. Er war Naturforscher, Flottenkommandant und "notorischer Alleswisser", der über praktisch alles eine Meinung hatte, auch über den Ohrschmuck der Römerinnen. In seiner Naturalis Historia, fertiggestellt kurz vor seinem Tod beim Vesuvausbruch 79 n. Chr., widmet er sich mit echter Empörung dem Thema:
“Cervix catenis onerat, aures inauribus premunt.”
„Der Hals wird mit Ketten belastet, die Ohren werden von Ohrringen niedergedrückt.“
Plinius der Ältere, Naturalis Historia, Buch XI, ca. 77 n. Chr.
Was klingt wie eine Klage, ist in Wahrheit ein Quellenbeleg. Plinius beschreibt schwere Kugelohrringe nicht als Ausnahme, sondern als alltägliche Erscheinung im städtischen Rom des 1. Jahrhunderts n. Chr. Die inaures gehörten zum Stadtbild wie die Toga zum Senator. Dass ein Mann seines Formats überhaupt darüber schreibt, zeigt, wie präsent dieser Schmuck war. Beschwerden über Selbstverständlichkeiten schreibt man nicht auf.
Der smarte Wissensspeicher: Fakten-Check zu den Ohrringen Aurelia
Sind die Ohrringe Aurelia für gestochene Ohrlöcher geeignet oder auch als Clip?
Der offene Ohrhaken aus Messingdraht ist ausschließlich für gestochene Ohrlöcher konzipiert, genau wie die römischen Originale. Einen Clipverschluss gab es in der Antike nicht, und er würde das historische Bild auch sofort zerstören.
Welche römische Gesellschaftsschicht trug diesen Ohrringtyp?
Der Kugeltypus war keine Adelsangelegenheit. Fundstücke aus Augusta Raurica und Colonia Agrippina belegen, dass Frauen aller sozialen Schichten diesen Typus trugen, vom Handwerkshaushalt bis zur wohlhabenden Stadtbürgerin. Gold für die oberen Schichten, Bronze und vergoldetes Messing für den Rest. Die Form blieb dieselbe.
Wie pflege ich die Ohrringe aus Messing richtig?
Ein weiches, trockenes Baumwolltuch reicht vollständig aus. Messing reagiert auf Feuchtigkeit und Schweiß mit leichter Patina, was dem historischen Erscheinungsbild sogar entgegenkommt. Aggressive Reiniger oder Ultraschallbäder greifen die Oberfläche an und sollten konsequent vermieden werden.
Passen die Ohrringe Aurelia zu anderen Schmuckstücken aus dem Forum Traiani Sortiment?
Ja, aber mit Bedacht. Der Kugeltypus datiert ins 1.–3. Jahrhundert n. Chr. Kombinationen sollten sich auf denselben Zeitraum und dieselbe Region beschränken. Ein kaiserzeitlicher Fingerring oder eine einfache Bronzefibel aus dem selben Jahrhundert ergibt ein stimmiges Gesamtbild. Epochensprünge im Schmuck fallen dem Fachpublikum sofort auf.
Wie groß sind die Ohrringe Aurelia tatsächlich am Ohr?
Mit 35 × 18 mm Gesamtlänge und einem Kugeldurchmesser von 18 mm sind sie präsent, aber nicht theatralisch. Die hohle Halbkugel wirkt am Ohr voluminöser als ihr tatsächliches Gewicht vermuten lässt. Für Darstellungen auf Bühne, im Museum oder vor der Kamera ist diese Größe ideal, sie liest sich auch aus drei Metern Entfernung klar als römischer Kugelschmuck.
Fun Fact: Römer trugen auch Ohrringe. Ja, Männer!
Wer bei römischen Kugelohrringen automatisch an Frauen denkt, hat die Fayum-Mumienporträts noch nicht richtig Betrachtet. Diese außergewöhnlich realistischen Grabtafeln aus dem römisch-ägyptischen Ägypten (1.–3. Jh. n. Chr.), heute unter anderem im British Museum London und im Ägyptischen Museum Berlin, zeigen Männer mit einzelnen Ohrringen. Kein Irrtum, kein Sonderfall, sondern bildhaft dokumentiert in den östlichen Provinzen des Imperiums.
In der Stadt Rom selbst galt Ohrschmuck beim Mann als Zeichen orientalischer Herkunft oder als Statussymbol für Freigelassene, die damit ihre neu gewonnene soziale Mobilität demonstrierten. Plinius notiert das mit der ihm eigenen Missbilligung. Aber das Imperium war groß, und was in Rom als Exzentrik galt, war in Alexandria oder Antiochia schlicht normal.
Der Kugeltypus war also nicht nur weiblich, nicht nur stadtrömisch und nicht nur elitär. Er war ein beliebtes Ohrschmuckformat der kaiserzeitlichen Mittelmeerwelt. Und das bei Männern wie Frauen.
Quellenverzeichnis
Titel: Schmuck der Römerzeit in der Schweiz
Autor: Emilie Riha
Veröffentlichung: Verlag Schweizerische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Basel Datum: 1990
Titel: Roman Jewellery
Autor: Reynold Higgins
Veröffentlichung: Thames & Hudson, London Datum: 1980 (Standardwerk, unverändert maßgeblich)
Titel: Naturalis Historia, Buch XI
Autor: Plinius der Ältere
Veröffentlichung: ca. 77 n. Chr. | Moderne Referenzedition: Rackham, H. (Hrsg.), Loeb Classical Library, Harvard University Press Datum: Loeb-Ausgabe 1938, laufend neu aufgelegt
Titel: Körperschmuck in der römischen Kaiserzeit
Autor: Alexandra Busch
Veröffentlichung: Zabern, Mainz Datum: 2003
Weiterführende Links
Aktualisiert am: 31.03.2026
Forum Traiani ® | Wir machen Geschichte begreifbar!