Römische Götter
Das Wichtigste in Kürze
Entdecke das faszinierende Pantheon der alten Römer – von Jupiter bis Vesta. Der Glaube verschmolz griechische Götter mit römischer Identität, Opfer, Feuerkult und Hausgöttern bestimmten Alltag und Staat. Ein lebendiges Zeugnis antiker Weltanschauung.

Inhaltsverzeichnis
1 Alles über römische Götter erfahren
3 Opfer für die römischen Götter
4 Römische Götter und der besondere Wert des Feuers
5 Das römische - griechische Pantheon - Tabelle

Alles über römische Götter erfahren
Wenn du dich sehr für Geschichte interessierst, wirst du auch unbedingt viel über die römischen Götter lesen, und das wird bestimmt sehr interessant für dich. Die gesamte Bevölkerung Roms hatte einen besonders starken Glauben an die römischen Götter. Ihre Religion hat viele wunderbare Dinge von den Menschen aus Griechenland übernommen.
So kam es, dass ein Gott heute zwei Namen hat. Bei den alten Griechen wurde der höchste Gott Zeus genannt, bei den Römern Jupiter. Die römischen Götter werden in beiden Ländern immer in menschlicher Gestalt dargestellt.
Ursprünglich entwickelte sich die Religion aus dem Glauben, dass die gesamte Natur von verschiedenen Geistern beseelt sei. Das hat den Menschen Angst gemacht. Sie versuchten, alles richtig zu machen und alle Rituale einzuhalten. So waren sie von allen Seiten gut geschützt.
Die römischen Götter waren eng verbunden mit der Sonne, den Feldern und dem Meer. Die Bevölkerung wollten die römischen Götter stets gnädig stimmen, taten ihnen Gutes, baten sie um ihren Segen und brachten reichlich Opfer. Die Menschen errichteten für die Götter sogar große, wunderschöne Tempel, in denen sie sie gebührend verehrten.

Zu einem Gott ernannt
Es gab unterschiedliche römische Götter, darunter auch besonders wichtige. Man nannte zwölf, die eine große Bedeutung hatten. In Rom kam es sehr oft vor, dass Kaiser nach ihrem Tod zu Gottheiten erklärt wurden. So wurde beispielsweise Kaiser Augustus zu einem Gott ernannt. Zu seinen Ehren hatte man einen schönen Tempel erbaut. Wenn ein Kaiser merkte, dass sein Tod naht, war er nicht traurig, im Gegenteil, er freute sich, bald ein Gott zu werden. Auch die Angehörigen nahmen es so hin, denn es war eben ein besonderer Tod.
Es gab einige römische Götter, die als Hausgötter galten. Sie schützten das Haus vor Krankheiten und anderem Unheil. Natürlich bat man auch die römischen Götter um ihr Wohlwollen. Die Familie betete zum Beispiel jeden Tag vor dem Hausschrein, der Lararium genannt wurde. Die römischen Götter bekamen Speiseopfer; jeder legte ihnen etwas von seinem Essen hin, denn niemand wollte sie verärgern.
Um den Göttern ein Opfer zu bringen, musste man unbedingt an den Altar gehen, der vor dem Tempel einer bestimmten Gottheit stand. Für die Gläubigen wurde vor dem Tempel immer ein Gottesdienst durchgeführt. Dabei gab es noch eine interessante Besonderheit. Der Tempel selbst zählte als Wohnung der Gottheit, daher durfte er nur für die Priester geöffnet sein.

Opfer für römische Götter
Zu den für die römischen Götter vorbereiteten Opfern gehörten verschiedene Tiere: Rinder, Hühner, Schweine, Schafe und andere. Die Innereien spielten dabei eine große Rolle, da sie für die Orakelbefragung verwendet wurden. Besonders gut eignete sich dafür die Leber. Am fünfzehnten Oktober opferte man ein Oktoberpferd.
Dies geschah in einer bestimmten Situation. Dazu wurden Wagenrennen veranstaltet und im Anschluss töteten die Männer das rechte Pferd eines siegreichen Zweigespanns mit einem Speer. Es musste ein Tier sein, das zu den besten gehörte und somit auch wirklich eine gute Leistung bringen konnte. Nun wird es immer der Sieger sein.
Es gab noch eine andere Variante, wie ein Tier geopfert werden konnte. Auch diese war stets mit einem Ritual verbunden. Um eine Person wurden ein Schwein, ein Stier oder ein Widder ein paar Runden herumgeführt, damit das Unheil von ihr abgewendet wird. Anschließend wurden die Tiere geschlachtet und gegessen. Es wurden nicht nur Tiere geopfert, sondern auch Getränke an den Altar gebracht. Zum Trankopfer für die römischen Götter gehörten nicht selten Wein, Milch und sogar Öl.
All dies brachten die Leute von zu Hause mit und stellten es in einem großen Krug auf den Altar. Die Flüssigkeiten wurden auch oft in ein Altarfeuer gegossen. Dadurch entstand viel Rauch, der eine besondere Funktion hatte. Damit sollte erreicht werden, dass der Rauch zu den Göttern zog und sie gnädig stimmte. Für die römischen Götter opferten die Leute auch gern Weihrauch. Dieser musste aber noch angezündet werden.

Römische Götter und der besondere Wert des Feuers
Das Feuer war den Menschen besonders wichtig, denn es verband sie mit ihrem Heim und Herd. Auch in dem Tempel konnten die Einwohner das ewige Licht sehen. Die Priesterinnen hielten das Feuer am Brennen, damit es die Menschen mit Wärme und Licht umgeben würde. Das war ihre Aufgabe, und sie hatten sie mit Bravour gemeistert.
Aus der Quelle der Egeria holten sie jeden Tag auch Wasser, um damit den Tempel zu reinigen. Viele Menschen kennen den Tempel der Vesta. Im Haus der Vestalinnen wohnten jeweils sechs Priesterinnen. Die Vestalinnen durften leider keine Ehe eingehen. Schon im frühen Kindesalter, also von 6 bis 10 Jahren, wurden sie zur Vestalin berufen. So konnten sie ungefähr 30 Jahre der Vesta dienen.
Vestalinnen hatten mehrere Privilegien. So konnten sie im Theater und im Zirkus auf den Ehrenplätzen sitzen, die für Senatoren bestimmt waren.
Und noch etwas sehr Erfreuliches: Gefangene, die auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung einer Vestalin begegneten, wurden freigesprochen.
Das Pantheon der griechischen Götter und der römischen Götter mit Beschreibung
Das vollständige Pantheon der Römer umfasst weit mehr als die zwölf Hauptgottheiten. Die folgende Übersicht gliedert 54 Götter und Göttinnen in sieben thematische Gruppen: vom kanonischen Götterrat über römische Tugendgötter, Hausgötter und Naturkräfte bis zu den orientalischen Mysterienkulten und den Provinzialgottheiten aus Gallien und Germanien. Jeder Block ist alphabetisch sortiert und eigenständig zitierfähig.
1. Die zwölf Hauptgötter Roms (Dii Consentes)
Die Dii Consentes sind die zwölf Hauptgötter des römischen Pantheons, wie sie der Dichter Ennius im 3. Jahrhundert v. Chr. in seinen Annales festgehalten hat. Sechs Götter und sechs Göttinnen bildeten den göttlichen Rat. Ihre vergoldeten Statuen standen auf dem Forum Romanum.
| Kategorie | Götter Roms | Griechische Götter | Beschreibung | Symbole | Kurzinfo |
|---|---|---|---|---|---|
| 🎭 Kunst | Apollo | Phoebus Apollo | Sonne, Poesie, Musik, Orakel | Leier, Lorbeerkranz | geweiht Delphi Orakel |
| 🌿 Natur | Ceres | Demeter | Göttin der Landwirtschaft | Ähren, Fackel | Göttin des Getreides |
| 🌿 Natur | Diana | Artemis | Göttin der Jagd | Bogen, Hirsch | Beschützerin der Natur |
| 🔵 Himmel | Juno | Hera | Göttin der Heirat | Pfau, Krone | Ehefrau von Jupiter |
| 🔵 Himmel | Jupiter | Zeus | Himmelsgott und König der Götter | Blitz, Adler | Oberster Gott im Olymp |
| ⚔️ Krieg | Mars | Ares | Gott des Krieges | Speer, Helm | Wichtiger Schutzgott Roms |
| 🎭 Kunst | Merkur | Hermes | Götterbote und Gott des Handels | Flügelschuhe, Stab | Schnellster der Götter |
| 🎭 Kunst | Minerva | Pallas Athena | Göttin der Weisheit | Eule, Schild | Göttin der Klugheit |
| 🌊 Meer | Neptun | Poseidon | Gott der See und der Meere | Dreizack | Bruder von Jupiter |
| ❤️ Liebe | Venus | Aphrodite | Göttin der Liebe und Schönheit | Muschel, Taube | Sehr verehrte Göttin in Rom |
| 🔵 Himmel | Vesta | Hestia | Herd, Heimat, Staat | Flamme, Herd | Beschützerin des Hauses |
| 🔥 Feuer | Vulcanus | Hephaistos | Feuer und Schmiede | Hammer, Amboss | Schmied der Götter |
2. Weitere bekannte Götter des römischen Pantheons
Neben den zwölf Hauptgottheiten kannten die Römer eine breite Schicht weiterer Götter mit eigenem Kult, Tempel und Festtag. Einige stammen aus der italischen Urzeit wie Janus oder Saturn, andere wurden über die interpretatio Romana aus Griechenland übernommen und an die römische Staatsreligion angepasst.
| Kategorie | Götter Roms | Griechische Götter | Beschreibung | Symbole | Kurzinfo |
|---|---|---|---|---|---|
| ⚕️ Heilung | Aesculapius | Asklepios | Gott der Heilkunst und Medizin | Schlangenstab, Schale | Tempel auf der Tiberinsel seit 291 v. Chr. |
| 🎭 Kunst | Bacchus | Dionysos | Gott des Weines | Weinrebe, Becher | Gott der Feste und Feiern |
| ❤️ Liebe | Cupido | Eros | Gott der Liebe | Pfeil und Bogen | Sohn der Venus |
| 🌿 Natur | Faunus | Pan | Gott der Wälder, Hirten und Herden | Bocksfüße, Flöte, Hirtenstab | Altitalischer Waldgott |
| 🌿 Natur | Flora | Chloris | Göttin der Blumen und des Frühlings | Blumenkranz | Symbol für Neubeginn |
| 🚪 Schicksal | Fortuna | Tyche | Göttin des Glückes | Glücksrad, Füllhorn | Entscheidet über Schicksal |
| 💪 Heros | Hercules | Herakles | Halbgott der Stärke und der zwölf Heldentaten | Keule, Löwenfell, Köcher | Ara Maxima am Forum Boarium, ältester griech. Kult in Rom |
| 🚪 Schicksal | Janus | Nicht vergleichbar | Gott des Anfangs und des Endes | Zwei Gesichter, Schlüssel | Nur im römischen Glauben |
| 🌑 Unterwelt | Pluto | Hades | Gott der Unterwelt und des Todes | Helm, Zepter | Herrscher über die Toten |
| 🌑 Unterwelt | Proserpina | Persephone | Göttin der Unterwelt und des Frühlings | Granatapfel, Ähren, Zepter | Gemahlin Plutos, Tochter der Ceres |
| 🌿 Natur | Saturn | Kronos | Zeit, Ernte und Landwirtschaft | Sense | Vater von Jupiter |
3. Staatsgötter und Tugendpersonifikationen
Die Römer vergöttlichten abstrakte Werte wie Treue, Frieden und Sieg und errichteten ihnen eigene Tempel. Diese Staats- und Tugendgottheiten sind eine typisch römische Besonderheit ohne kultisches griechisches Gegenstück. Sie verkörperten das politische und moralische Selbstverständnis der res publica.
| Kategorie | Götter Roms | Griechische Götter | Beschreibung | Symbole | Kurzinfo |
|---|---|---|---|---|---|
| 🤝 Tugend | Concordia | Homonoia | Göttin der Eintracht und des innerstaatlichen Friedens | Füllhorn, Ölzweig, zwei verbundene Hände | Tempel am Forum Romanum, 121 v. Chr. neu errichtet |
| 🤝 Tugend | Fides | Pistis | Göttin der Vertragstreue und des Wortes | Weiße Hand, Ähren | Tempel auf dem Kapitol seit 254 v. Chr. |
| 🕊️ Frieden | Pax | Eirene | Göttin des Friedens | Füllhorn, Ölzweig, Caduceus | Ara Pacis Augustae, 13 bis 9 v. Chr. |
| 🏛️ Staat | Quirinus | Nicht vergleichbar | Gott der römischen Bürgerschaft | Lanze, Myrtenkranz | Teil der archaischen Trias mit Jupiter und Mars |
| 🏛️ Staat | Roma (Dea Roma) | Nicht vergleichbar | Personifikation der Stadt Rom selbst | Helm, Speer, Globus | Tempel der Venus und Roma unter Hadrian, 135 n. Chr. |
| 🏛️ Staat | Salus | Hygieia | Göttin des Staatswohls und der Gesundheit | Schlange, Patera, Steuerruder | Tempel auf dem Quirinal seit 302 v. Chr. |
| 🌱 Tugend | Spes | Elpis | Göttin der Hoffnung auf Gelingen | Blume, gehobener Rocksaum | Tempel am Forum Holitorium seit 258 v. Chr. |
| 🏆 Sieg | Victoria | Nike | Göttin des Sieges und des kaiserlichen Schutzes | Palmzweig, Lorbeerkranz, Flügel | Kultstatue in der Kurie seit Augustus |
4. Haus- und Alltagsgötter
Jedes römische Haus hatte einen eigenen Hausschrein, das Lararium. Dort wurden die Schutzgötter der Familie täglich mit Speiseopfern verehrt. Zusammen mit Laren, Penaten, Manen und dem persönlichen Genius bildeten diese Götter die di familiares, die den Alltag des Paterfamilias begleiteten.
| Kategorie | Götter Roms | Griechische Götter | Beschreibung | Symbole | Kurzinfo |
|---|---|---|---|---|---|
| 🏠 Haushalt | Genius | Nicht vergleichbar | Persönlicher Schutzgeist des Mannes und der Orte | Toga mit verhülltem Haupt, Patera, Füllhorn, Schlange | Weibliches Pendant ist die Iuno jeder Frau |
| 🏠 Haushalt | Laren (Lares) | Nicht vergleichbar | Schutzgötter von Haus, Herd und Kreuzungen | Trinkhorn, Patera, Hund | Standen im Lararium jedes römischen Hauses |
| 🕯️ Ahnen | Manen (Di Manes) | Nicht vergleichbar | Vergöttlichte Seelen der Ahnen | Grabopfer, Kürzel D M auf Grabsteinen | Parentalia-Fest vom 13. bis 21. Februar |
| 🏠 Haushalt | Penaten (Penates) | Nicht vergleichbar | Schutzgötter der Vorräte und des Staates | Krüge, Speiseopfer | Aeneas rettete sie aus Troja nach Rom |
| 🍎 Haushalt | Pomona | Nicht vergleichbar | Göttin der Baumfrüchte und Obstgärten | Fruchtschale, Gartenmesser (falx) | Gefährtin des Vertumnus, Ovid Metamorphosen XIV |
| 🚪 Schicksal | Terminus | Nicht vergleichbar | Gott der Grenzsteine und Eigentumsgrenzen | Steinerner Grenzpfeiler | Terminalia-Fest am 23. Februar |
5. Gottheiten der Himmelskörper und der Erde
Sonne, Mond und Erde galten den Römern als göttliche Mächte mit eigenem Kult. Ihre Namen leben bis heute in den Planetennamen und den Wochentagen (Sonntag, Montag) weiter. Auch Wälder, Weiden und Morgenröte erhielten eigene Gottheiten mit festem Platz im römischen Kalender.
| Kategorie | Götter Roms | Griechische Götter | Beschreibung | Symbole | Kurzinfo |
|---|---|---|---|---|---|
| 🌅 Himmel | Aurora | Eos | Göttin der Morgenröte | Safrangelbes Gewand, Viergespann | Zieht täglich dem Sonnengott Sol voraus |
| 🌙 Himmel | Luna | Selene | Göttin des Mondes und der Nacht | Mondsichel auf der Stirn, Fackel | Tempel auf dem Aventin seit dem 6. Jh. v. Chr. |
| 🐑 Natur | Pales | Nicht vergleichbar | Göttin der Hirten, Herden und Weiden | Milch, Hirtenstab | Parilia-Fest am 21. April, dem Gründungstag Roms |
| 🌲 Natur | Silvanus | Keine direkte Entsprechung | Gott der Wälder, Grundstücksgrenzen und der Wildnis | Sichelmesser, Pinienzweig, Hund | Hunderte Weihesteine in Germanien und Pannonien |
| ☀️ Himmel | Sol | Helios | Gott der Sonne | Strahlenkrone, Viergespann | Ab 274 n. Chr. als Sol Invictus Staatsgott |
| 🌍 Natur | Tellus Mater | Gaia | Göttin der Erde und der Fruchtbarkeit | Füllhorn, Kinder, Früchte | Ikonisches Relief an der Ara Pacis |
6. Orientalische Mysterienkulte im Imperium
Mit der Expansion Roms wanderten fremde Götter ins Imperium ein. Magna Mater kam 204 v. Chr. aus Phrygien, Isis aus Ägypten, Mithras über römische Soldaten aus dem persischen Osten. Diese Mysterienkulte boten persönliche Heilserfahrungen, die die alte Staatsreligion nicht bot.
| Kategorie | Götter Roms | Griechische Götter | Beschreibung | Symbole | Kurzinfo |
|---|---|---|---|---|---|
| 🦁 Orient | Cybele (Magna Mater) | Rhea | Phrygische Göttermutter der Natur und der Erde | Mauerkrone, Löwen, Tympanon | Offiziell in Rom seit 204 v. Chr. |
| 🪔 Orient | Isis | Hellenistisch-ägyptisch | Göttin der Mutterschaft, Magie und Seefahrt | Sistrum, Situla, Isis-Knoten | Offiziell anerkannter Kult seit Caligula |
| ⚡ Orient | Iuppiter Dolichenus | Nicht vergleichbar | Orientalischer Blitz- und Himmelsgott aus Doliche | Stier als Thron, Doppelaxt, Blitzbündel | Militärkult am Limes (Pfünz, Zugmantel, Saalburg) |
| 🐂 Orient | Mithras | Nicht vergleichbar | Gott des Lichts und Mysterienkult der Soldaten | Stier, phrygische Mütze, Höhle (Mithräum) | Mithräen u. a. in Mainz, Frankfurt, Dieburg |
| 🌾 Orient | Serapis | Hellenistisch-ägyptisch | Synkretistischer Gott aus Osiris und Apis | Modius (Kornmaß), Zepter, Kerberos | Iseum Campense auf dem Marsfeld, eng mit Isis verbunden |
7. Provinzialgottheiten in Gallien und Germanien
In den Provinzen Gallien, Germanien und Britannien behielten die Einheimischen ihre Gottheiten. Die römische Verwaltung erkannte sie offiziell an, römische Soldaten und Beamte stifteten ihnen Weihesteine. Besonders im Rheinland sind über 800 Matronensteine belegt, die diese religiöse Vermischung eindrucksvoll dokumentieren.
| Kategorie | Götter Roms | Griechische Götter | Beschreibung | Symbole | Kurzinfo |
|---|---|---|---|---|---|
| 🌲 Provinz | Abnoba | Keltischer Ursprung | Göttin des Schwarzwaldes und der Donauquellen | Hirsch, Pfeil, Bogen | Weihesteine in Badenweiler und Mühlenbach |
| 🐴 Provinz | Epona | Keltischer Ursprung | Schutzgöttin der Pferde, Reiter und Fohlen | Reitende Frau, Patera, Füllhorn | Fest am 18. Dezember, einzige keltische Gottheit im röm. Kalender |
| ⚔️ Provinz | Mars Lenus | Keltisch-römisch (als Mars) | Treverischer Heilgott, identifiziert mit Mars | Speer, Helm, Gans | Heiligtum am Irminenwingert bei Trier (Augusta Treverorum) |
| 👩 Provinz | Matronae Aufaniae | Germanisch-keltisch | Muttergottheiten-Trias als Schutz für Familie und Fruchtbarkeit | Drei thronende Frauen mit Fruchtschalen und Hauben | Über 800 Weihesteine, u. a. Nettersheim und Bonner Münster |
| 🚢 Provinz | Nehalennia | Germanisch-keltisch | Göttin der Schifffahrt, des Handels und der Fruchtbarkeit | Pelerine, Fruchtkorb, Hund, Schiffsbug | Über 200 Weihesteine aus Colijnsplaat und Domburg |
| ♨️ Provinz | Sulis Minerva | Athena (als Minerva) | Keltisch-römische Göttin der heißen Heilquelle | Eule, Helm, Wasser | Heiligtum und Thermen in Aquae Sulis (Bath, Britannien) |
Noch mehr römische neue Gottheiten der Antike
Die römische Göttin Vesta war aus dem Griechischen entlehnt und entsprach der Hestia, der Göttin des Herdfeuers. Im Vesta-Tempel auf dem Forum wurde sie verehrt. Ihr Rundtempel entsprach der antiken italischen Rundhütte. In dem Tempel mit 20 Säulen brannte das ewige Feuer, das von sechs vestalischen Jungfrauen beschützt wurde. Sie lebte in einem benachbarten Haus und ihr „Dienst“ dauerte 30 Jahre. Die römischen Jungfrauen zur Bewachung des Tempels mussten keuch leben. Verstieß eine von ihnen gegen das Gebot, wurde sie bei lebendigem Leib eingemauert. Ließ eine der Jungfrauen das ewige Feuer verlöschen, wurde sie vom pontifex maximus zu Tode gegeißelt.
Begegnete ein zum Tode verurteilter Verbrecher auf seinem Weg zur Hinrichtung einer Vestalin, wurde er begnadigt. Die Vesta-Vestalinen genossen ein so hohes Ansehen, dass selbst Senatoren auf der Straße für sie zur Seite traten. Ihr Testament hinterlegten die römischen Herrscher im Tempel der Vesta.
Römer huldigten ihren Göttern
Der Kult der Ceres, der Göttin des Ackerbaus wurde erneut gehuldigt, als 496 v. Chr. in Rom eine Hungersnot ausbrach. Mit ihr wurden Liber (gr. Dionysos) und Libera (gr. Persephone) ein Tempel gestiftet. Mars war der Kriegsgott und damit der Gott der Soldaten und des Militärs. Ihm ist der Monat März geweiht, denn ursprünglich war er der altlatinische Gott des Ackerbaus und des Frühlings. Am 1. März hielten die römischen Marspriester, die aus zwölf vornehmen Familien stammten, ihre Feiern zur Ehren des Mars ab. Die Bauern gingen in seinem Namen mit Stier, Schwein und Schafbock über die Felder und opferten die Tiere der Gottheit Mars. Merkur war der Gott der Händler. Beim Circus Maximus, der zugleich auch die Getreidebörse von Rom war, hatte er seinen Tempel. Hier war auch der Sitz des Gremiums der römischen Kaufleute (mercuriales). Venus ist die Göttin der Liebe und der Schönheit.
Sie ist die Mutter des Aeneas und damit die Stammmutter der Iulier, die sie als Generix verehrten. Für die Bauern galt sie auch als die römische Göttin des Gartens. Dem griechischen Poseidon entsprach in der römischen Götterwelt Neptun als Gott des Wassers. Apollo galt zunächst als Heilgott, wurde später zum Gott der Künste, der Weissagung, der Verbannten und der Vertriebenen. In der römischen Kaiserzeit wurde er auch Sol, Sonnengott der Römer. Seine Schwester war Diane, die als Göttin der Jagd dem griechischen Gott Artemis entsprach.
Römische Schutzgötter
Zusätzlich zu den alten und neuen Gottheiten, verehrten die Römer weitere göttliche Wesen, die Laren, Penaten und Manen. Die Laren waren als lares familiares die Schutzgötter des Hauses und die Geister der Verstorbenen, die über das Haus wachten. Die Laren blieben zurück, wenn eine römische Familie ihr Haus verließ. Die penaten waren die Schutzgötter der Bewohner der Häuser. Sie wachten über deren Gesundheit und Wohlstand. Ihr Name leitet sich ab von dem lateinischen Wort penus: Vorräte. Die Penaten begleiteten die Familien und auch der Staat hatte seine Penaten.
Die Manen waren die Seelen der Toten, welche die Römer verehrten. Sie wurden nicht nur verehrt, auch ein Fest am 21. Februar (feralia) sollte die Manen gegenüber den Lebenden gütlich stimmen. Heiraten war an diesem Tag verboten, die Tempel waren geschlossen und römische Beamte durften keine Amtskleidung tragen. Die Manen sind oft auf römischen Grabsteinen erwähnt unter dem Kürzel DM – dis manibus – den Totengöttern.
Welche zwölf Götter bildeten das Hauptpantheon?
Die folgende Übersicht zeigt die Dii Consentes in der Paarordnung, die der Historiker Titus Livius in seinem Werk Ab urbe condita XXII,10,9 für das Lectisternium des Jahres 217 v. Chr. überliefert (lateinischer Originaltext in The Latin Library). Bei diesem sechstägigen Götterbankett wurden die sechs Götterpaare auf Liegepolster gesetzt und symbolisch bewirtet. Jedes Paar deckte einen eigenen Funktionsbereich des römischen Lebens ab.
Die sechs Götterpaare des Lectisterniums im Überblick
| Götterpaar (Livius 22,10,9) | Griechische Entsprechung | Gemeinsamer Funktionsbereich | Heiligtum in Rom |
|---|---|---|---|
| Iuppiter & Iuno | Zeus & Hera | Staatsgewalt, Ehe und Schwur | Kapitolinischer Tempel auf dem Mons Capitolinus |
| Neptunus & Minerva | Poseidon & Athene | Meer, Handwerk und Strategie | Tempel des Neptunus im Circus Flaminius |
| Mars & Venus | Ares & Aphrodite | Krieg, Liebe und Gründungsmythos | Tempel des Mars Ultor auf dem Augustusforum |
| Apollo & Diana | Apollon & Artemis | Licht, Heilung, Jagd und Orakel | Tempel des Apollo Palatinus auf dem Palatin |
| Vulcanus & Vesta | Hephaistos & Hestia | Feuer in Schmiede und Herd | Vesta-Rundtempel am Forum Romanum |
| Mercurius & Ceres | Hermes & Demeter | Handel, Getreide und Versorgung | Tempel am Circus Maximus (Merkur), Aventin (Ceres) |
Drei dieser zwölf Gottheiten, nämlich Iuppiter, Iuno und Minerva, bildeten zusammen die Kapitolinische Trias. Diese Dreiheit war das höchste Staatsheiligtum Roms. Außerhalb der Stadt wurde jede römische Kolonie mit einem eigenen Capitolium ausgestattet, beispielsweise in Pompeji, Brescia oder Dougga in Tunesien.
Häufige Fragen zu den römischen Göttern
Was ist der Unterschied zwischen den römischen und den griechischen Göttern?
Die römischen und griechischen Götter teilen zwar Attribute und Mythen, unterscheiden sich aber in Kultpraxis und Staatsfunktion deutlich. Die Römer legten größeren Wert auf exakten Ritus, formelhafte Gebete und die pax deorum, also das vertragliche Gleichgewicht zwischen Menschen und Göttern. Griechische Kulte waren stärker polis-bezogen und mythenlastig, während römische Kulte staats- und familienzentriert waren.
Wie betete ein Römer im Alltag zu seinen Göttern?
Der römische Hausvater (paterfamilias) trat morgens vor das Lararium, streckte die Handflächen nach oben (Gestus der supplicatio) und rief den jeweiligen Gott namentlich mit allen Beinamen an. Danach folgte ein Trankopfer aus Wein oder Milch in die Flamme oder auf den Altarstein. Der Ritus musste wortgetreu erfolgen, da schon ein Versprecher das Opfer ungültig machte und eine Wiederholung (instauratio) erforderlich wurde.
Woran erkenne ich eine historisch fundierte Götter-Replik?
Eine seriöse Replik nennt den archäologischen Vorlagetypus, Fundort und Aufbewahrungsort des Originals, das Material (Bronze, Marmorguss, Ton) und die Epoche. Anhaltspunkte sind die korrekten Attribute: Iuppiter ohne Adler ist keine Iuppiter-Replik, Minerva ohne Eule oder Aegis ebenso wenig. Phantasie-Statuen mit historisch unpassender Gewandung oder frei erfundenen Attributen sind moderne Esoterik-Ware, keine archäologischen Repliken.
Welche römischen Götter hatten kein griechisches Vorbild?
Eigenständig römische Gottheiten ohne direkte griechische Entsprechung sind Ianus (Gott aller Anfänge und Türen), Quirinus (Schutzgott der römischen Bürgerschaft), Terminus (Gott der Grenzsteine) sowie die Sammelgottheiten der Laren, Penaten und Manen. Auch Fortuna, Fides und Victoria entwickelten in Rom eine eigene Kultgestalt, die weit über die griechischen Urbilder Tyche oder Nike hinausging.
Was war ein Lectisternium?
Das Lectisternium war ein öffentliches Götterbankett, bei dem die Statuen der Götter auf Liegepolster (lectus) gesetzt und mit einem realen Mahl bewirtet wurden. Das erste große Lectisternium für die zwölf Dii Consentes fand 217 v. Chr. nach der römischen Niederlage am Trasimenischen See statt. Livius beschreibt den Ritus in Ab urbe condita XXII,10,9 als Versuch, die erzürnten Götter mit sechs Paar-Arrangements wieder versöhnlich zu stimmen.
Warum endete der offizielle Kult der römischen Götter?
Mit dem Edikt von Thessaloniki im Jahr 380 n. Chr. erhoben Kaiser Theodosius I., Gratianus und Valentinianus II. das nizänische Christentum zur Staatsreligion. Ab 391/392 verbot Theodosius alle heidnischen Kulte und ließ Tempel schließen oder umwidmen. Der letzte große Restaurator des Pantheons, Stadtpräfekt Vettius Agorius Praetextatus, hatte bereits 367 n. Chr. versucht, die Porticus Deorum Consentium noch einmal wieder aufzurichten.
Quellen und weiterführende Literatur
- Antike Primärquelle: Quintus Ennius, Annales, Fragment 60–61 (Vahlen), überliefert bei Martianus Capella. Lateinischer Originaltext (attalus.org)
- Antike Primärquelle: Titus Livius, Ab urbe condita XXII,10,9 zum Lectisternium von 217 v. Chr. Lateinischer Text (The Latin Library)
- Wikipedia-Fachartikel: Dei Consentes, die zwölf Hauptgötter
- Archäologische Datenbank: Marmorgruppe Kapitolinische Trias im Rheinischen Landesmuseum Trier (museum-digital)
- Rüpke, Jörg: Die Religion der Römer. Eine Einführung. 2. Auflage, München (C. H. Beck) 2006. Standardwerk zur Struktur und zum Ritualsystem der römischen Religion.
- Latte, Kurt: Römische Religionsgeschichte. Handbuch der Altertumswissenschaft V,4, München (Beck) 1960. Klassische Darstellung, bis heute für Detailfragen unverzichtbar.
- Wissowa, Georg: Religion und Kultus der Römer. 2. Auflage, München 1912. Eintrag im Bibliothekskatalog Zenon des Deutschen Archäologischen Instituts
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Aktualisiert am: 20.04.2026