Römische Räucherlampe Venus: Thymiaterion mit Tempel-Aedicula nach Getty-Vorbild Kat. 584
Kurz erklärt
Die Räucherlampe ist eine Terrakotta-Replik eines römischen Thymiateriums (Lampenständers mit Räucherbecken) aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Vorbild ist Katalognummer 584 im J. Paul Getty Museum, Los Angeles, mutmaßlich aus einer Werkstatt im nördlichen Kleinasien. Der Lampenkörper trägt eine kleine Tempelfront mit weiblicher Statuette, flankiert von zwei Öllampen mit Achtblatt-Rosette auf dem Discus.
Räucherlampe Venus auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Museums-Replik (Stufe 3), Modelguss in zweiteiliger Negativform nach antikem Verfahren, Materialidentität und Fundbezug nachgewiesen
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Material: Terrakotta, hellorangeroter Ton mit dunkelbraunem Schlicker
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Maße: 18 cm Höhe, 13,5 cm Breite
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Datierung des Vorbildes: 2. Jh. n. Chr.
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Bekanntestes Vorbild: J. Paul Getty Museum, Los Angeles, Katalog Bussière und Lindros Wohl 2017, Kat. 584
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Antike Quelle: Petronius, Satyricon 70 (parfümiertes Salböl in Lampe und Mischkrug bei der Tafel des Trimalchio)
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Passende Darstellung: Pater Familias oder Matrona im Lararium-Kontext, frühe bis mittlere Kaiserzeit, italische Halbinsel oder östliche Provinzen
Was ist ein römisches Thymiaterion mit Tempel-Aedicula?
Der Lampenständer datiert ins 2. Jahrhundert n. Chr. und folgt einem Vorbild aus der Sammlung des J. Paul Getty Museums in Los Angeles, Kat. 584 (Bussière und Lindros Wohl 2017). Vier solcher Lampenständer befinden sich dort als Gruppe (Kat. 582 bis 585), jeder mit zwei seitlich angesetzten Modelguss-Lampen und einem zentralen Becken; das vorliegende Stück folgt dem einzigen mit Tempelaufsatz. Der Begriff Thymiaterion (griechisch für Räuchergefäß) wird in der Forschung für solche Doppelfunktions-Objekte gebraucht, weil sie Licht und Duft zugleich tragen.
Eine bisherige Lesart verbreitet die Auskunft, die Statuette sei zweifelsfrei Venus, halte einen Spiegel in der rechten und einen Kleiderhaken in der linken Hand. Beide Aussagen halten dem Forschungsstand nicht stand. Bussière und Lindros Wohl vermerken im Ikonographie-Index ausdrücklich „584(?)" bei Venus und sprechen im Fließtext von einer „unidentified female statue". Die Bildbeschreibung der Heritage-Sammlung präzisiert die Hände umgekehrt: Der rechte, erhobene Arm hält ein rundes Objekt in Kopfnähe (eine Patera oder einen Spiegel), die linke Hand führt einen nicht eindeutig bestimmbaren Gegenstand. Ein Kleiderhaken erscheint in keiner Fachpublikation und gehört in keine ikonographische Tradition römischer Götterstatuetten.
Bildprogramm und Konstruktion
Der Aufbau folgt einem klaren Schema: ein zylindrischer Hohlkörper trägt vorn eine Tempel-Aedicula mit zwei Säulen, dreieckigem Giebel und Palmetten an den drei Giebelecken; das Gebälk zeigt einen Zahnschnitt-Fries. Die Statuette steht auf einer eigenen Plinthe in der Aedicula, halbentblößt, mit langen Locken. Über dem Hohlkörper sitzt ein weit ausladendes Becken mit gewelltem Rand und Blattrelief, gegliedert durch ein gekerbtes Mittelband. An jeder Seite des Beckens setzt auf einem armartigen Steg eine kleine Modelguss-Lampe an. Der Discus dieser Lampen trägt eine achtblättrige Rosette, ein häufiges Dekorelement der römischen Reichszeit.
Werkstattfrage zwischen Cnidus und Pergamon
Die Tonfarbe (helles Orangerot mit dunkelbraunem Schlicker) deutet nach Donald M. Bailey (A Catalogue of the Lamps in the British Museum III, 1988, S. 329 bis 333) auf die Werkstätten von Cnidus. Andreas Heimerl ordnet vergleichbare Stücke aus pergamenischen Grabungen einer breiteren lokalen Tonfarbpalette zu (Die römischen Lampen aus Pergamon, 2001, S. 64 bis 66, Nr. 1036 bis 1049). Eine sichere Werkstattzuweisung für Kat. 584 fehlt; die Forschung diskutiert beide Optionen offen. Funde solcher Lampenständer konzentrieren sich in Asia Minor (Cnidus, Pergamon, Halicarnassus) und in der Cyrenaica (Sabratha, Cyrene, Benghazi), Einzelstücke kennen wir aus Herculaneum, Stabiae und Alexandria.
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Maße der Replik: 18 cm Höhe, 13,5 cm Breite
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Material: Terrakotta, hellorangerot mit dunkelbraunem Schlicker
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Vorbild-Datierung: 2. Jh. n. Chr.
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Vorbild-Aufbewahrung: J. Paul Getty Museum, Los Angeles, Kat. 584
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Discus-Dekor der seitlichen Lampen: Achtblatt-Rosette (Bussière und Lindros Wohl 2017, Index V.d.4.3)
Welche Varianten römischer Lampenständer gibt es im Getty-Bestand?
| Lampenständer |
Datierung |
Lampenkörper-Form |
Discus-Dekor der Seitenlampen |
Vermutete Werkstatt |
| Kat. 582 (Getty) |
Mitte bis zweite Hälfte 1. Jh. n. Chr. |
kleiner Altar |
Jupiter, Mercurius, Minerva |
Asia Minor (Werkstatt offen) |
| Kat. 583 (Getty) |
2. Jh. n. Chr. |
Büste |
Mercurius |
Asia Minor (Werkstatt offen) |
| Kat. 584 (Getty), Vorbild dieser Replik |
2. Jh. n. Chr. |
Tempel-Aedicula mit weiblicher Statuette |
Achtblatt-Rosette |
nördliches Kleinasien (Cnidus oder Pergamon) |
| Kat. 585 (Getty) |
2. Jh. n. Chr. |
Adler mit ausgebreiteten Schwingen |
nicht eindeutig benannt |
Asia Minor (Werkstatt offen) |
| British Museum Q 2727 / Q 2729 / Q 2735 |
späteres 1. bis 2. Jh. n. Chr. |
verschiedene Aufsätze (Pinienzapfen, Säule, Figur) |
verschieden |
Cnidus (Bailey BM III, Pl. 81 bis 82) |
Räucherlampe Venus in der Lararium-Inszenierung
Im häuslichen Vermittlungsformat trägt das Stück sein Aussagepotenzial vor allem in der ortsfesten Aufstellung. Aus drei bis fünf Metern Publikumsdistanz lesen Besucher zuerst die Tempel-Silhouette und die zwei flankierenden Lampen; aus einem halben Meter werden die Säulenkapitelle, der Zahnschnitt, die Palmetten an den Giebelecken und die Achtblatt-Rosette der Discus-Felder lesbar. Das Stück eignet sich als zentrales Schauobjekt einer Lararium-Aufstellung in einer Domus-Inszenierung; ein separates Sicherheitsblatt mit Warnhinweisen liegt der Lieferung bei und regelt den Umgang.
Passende Darstellungsart: Pater Familias oder Matrona im Hausaltar-Kontext, frühe bis mittlere Kaiserzeit, italische Halbinsel oder östliche Provinzen | Einsatzbereich: ortsfeste Aufstellung im Lararium oder auf der Cathedra; aktive Brenn- oder Räuchernutzung wird vom Hersteller nicht angeleitet | Nutzbarkeit: dekorative Vitrinen- und Tischpräsentation, Pflege- und Gebrauchshinweise siehe beigelegtes Sicherheitsblatt
- Aufstellung als Mittelpunkt einer Lararium-Nische zwischen Lar- oder Genius-Statuetten und einer Patera, ohne aktive Brenn- oder Räucherführung
- Einsatz als Schauobjekt bei Vermittlungsformaten zum Thema römisches Hausheiligtum, mit Hinweis auf die offene Forschungsfrage zur Götterzuordnung
- Tafelinszenierung in einem Triclinium-Aufbau, dezent platziert auf einem Beistelltisch oder einer hohen Mensa
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: Die Götterzuordnung der Statuette ist fachseitig nicht gesichert; Bussière und Lindros Wohl markieren die Venus-Lesart mit einem Fragezeichen. Die Hand-Attribute (Patera, Spiegel, unbestimmtes Objekt) lassen mehrere Lesarten zu. Wer streng fundbezogen vermittelt, bezeichnet die Figur als „weibliche Statuette in Tempel-Aedicula" und benennt die Venus-Lesart als eine von mehreren Hypothesen.
Für welche Anwendungen eignet sich diese Räucherlampe?
- Wer eine streng fundbezogene Lararium-Inszenierung aufbaut, profitiert von der direkten Anbindung an Kat. 584 des Getty-Bestands und benennt im Vermittlungsgespräch sowohl das Original als auch die offene Frage zur Götterzuordnung.
- Bei plausibel rekonstruktiver Hausstand-Darstellung im Mainstream der zweiten Hälfte 1. Jh. bis 2. Jh. n. Chr. fügt sich das Stück in italische und östlich-provinziale Kontexte ein; im niedergermanischen Limeskontext bleibt es ein Importobjekt aus dem Osten und sollte entsprechend kommentiert werden.
- Für vermittlungsorientierte Schul- oder Museumsformate eignet sich das Stück als Gesprächsanker zum Thema „Licht und Duft im Hauskult", mit Petronius (Satyricon 70) als literarischer Referenz und der Räuchergefäß-Frage als offener Forschungspunkt.
Für sekundäre Zielgruppen: Sammler stellen das Stück als Solitär in eine Vitrine mit Themenschwerpunkt Asia Minor; Museumspädagogen nutzen es als Diskussionsanker zum Thema „wann ist eine archäologische Identifikation gesichert".
Häufige Fragen zur Räucherlampe Venus
Worin unterscheidet sich diese Räucherlampe von einer einfachen römischen Öllampe?
Eine einfache Öllampe (lucerna) ist ein flaches Modelguss-Objekt mit einer Tülle und einem Discus, das auf einer Standfläche oder einem Lampenständer aufgestellt wird. Das vorliegende Stück kombiniert dagegen drei Funktionen in einem Objekt: einen Lampenständer, ein zentrales Becken (in der Forschung als Räuchergefäß diskutiert) und zwei festsitzende Modelguss-Lampen mit eigenem Discus-Dekor. Bussière und Lindros Wohl ordnen diese Mischform den thymiateria zu und datieren die Getty-Stücke ins 2. Jh. n. Chr.
Wie überdauert die Replik mehrere Saisons im Lager?
Terrakotta mit Schlickerüberzug verträgt frostfreie, trockene Lagerung in einer ausgepolsterten Holzkiste am besten; Temperaturschwankungen und Kondensfeuchte begünstigen feine Risse im Schlicker. Der Lampenkörper sollte einzeln in säurefreies Seidenpapier eingeschlagen werden, weil die seitlich vorspringenden Lampen-Arme bruchempfindlich sind. Vor jeder Vorführsaison empfiehlt sich eine Sichtkontrolle auf Haarrisse an den Aedicula-Säulen und an den Lampen-Trägern.
Welche Hausstand-Darstellung in welcher Provinz passt zum Stück?
Das Original ist ein östlicher Import; eine streng fundbezogene Aufstellung sitzt am stimmigsten in einer Domus- oder Villa-Inszenierung der italischen Halbinsel oder der östlichen Provinzen für das 2. Jh. n. Chr. Im westlichen Limesraum (Niedergermanien, Britannien) ist das Stück ein Fernhandelsobjekt und sollte als solches kommentiert werden, weil Lampenständer dieses Typs dort nur als Einzelfunde belegt sind.
Stimmt die Identifikation der Statuette als Venus?
Die Identifikation ist fachseitig nicht gesichert. Bussière und Lindros Wohl markieren sie im Ikonographie-Index ihres Getty-Katalogs ausdrücklich mit einem Fragezeichen und sprechen im Fließtext von einer „unidentified female statue". Die Hand-Attribute (Patera oder Spiegel, ein zweites nicht bestimmbares Objekt) sind nicht eindeutig genug, um eine bestimmte Göttin zwingend festzuschreiben; eine offene Vermittlung mit Verweis auf die Forschungslage ist deshalb stimmiger als eine schließende Zuschreibung.
Wofür diente das Becken zwischen den Lampen ursprünglich?
Die Forschung ist hier offen. Donald M. Bailey schlägt im British-Museum-Katalog (BM III, 1988, S. 329) vor, dass das Becken eine Glasflasche mit Nachfüllöl gehalten haben könnte; mehrere Autoren (Wiegand, Joly, Manzoni, Möhring) bezeichnen vergleichbare Stücke dagegen als thymiateria, also Räuchergefäße. Auffällig: Drei der vier Getty-Lampenständer (darunter Kat. 584) zeigen keine Verbrennungsspuren im Becken. Wer mit der Replik vermittelt, kann die Räucherfunktion als eine von mehreren plausiblen Lesarten benennen.
Externe Quellen und Literatur zur römischen Räucherlampe Venus
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Wikipedia: Thymiaterion (Räuchergefäß) — Übersicht zu Begriff, Verwendung im Haus-, Grab- und Götterkult und materialgeschichtlichem Spektrum
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J. Paul Getty Museum, Online-Katalog Ancient Lamps, Kat. 582 bis 585 — Originalbeschreibung der vier Lampenständer, einschließlich Kat. 584 als Vorbild dieser Replik
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Bussière und Lindros Wohl, Ikonographie-Index zu Ancient Lamps in the J. Paul Getty Museum — vermerkt die Venus-Identifikation für Kat. 584 ausdrücklich mit Fragezeichen
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Heimerl, A. (2001): Die römischen Lampen aus Pergamon. Pergamenische Forschungen 13. Berlin und New York: De Gruyter — Vergleichsmaterial für vierzehn lokal gefertigte Lampenständer aus Pergamon (Nr. 1036 bis 1049)
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Bailey, D. M. (1988): A Catalogue of the Lamps in the British Museum III: Roman Provincial Lamps. London: British Museum Press, S. 329 bis 333. Bibliografischer Standardverweis für vergleichbare Lampenständer aus Cnidus (Q 2727, Q 2729, Q 2735).
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Petronius, Satyricon 70 (Perseus Digital Library, lateinischer Volltext) — Trimalchio-Bankett, Salböl wird in den Mischkrug und in die Lampe geträufelt
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Martial, Epigrammata (The Latin Library, lateinischer Volltext) — Verse über die mit Niceros-Parfüm „trunken" gemachte Lampe (in Bussière zitiert)
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Aktualisiert am: 07.05.2026