Römische Löwenstatuette aus Trier – Replik einer spätantiken Tonfigur vom Pacelliufer
Kurz erklärt
Die römische Löwenstatuette ist die formgetreue Replik einer kleinen Tonfigur, die im 4. Jahrhundert n. Chr. im Töpferviertel am Pacelliufer von Augusta Treverorum (Trier) entstanden ist. Das Original wird im Rheinischen Landesmuseum Trier (Inv. ST 14756) verwahrt. Die Replik aus patiniertem Alabastergips misst etwa 9 cm in der Höhe und 10 cm in der Länge und gibt Haltung, Mähne und Standmotiv des Vorbildes wieder.
Römische Löwenstatuette auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Historische Replik (Stufe 2) – formtreu nach einem konkret im Rheinischen Landesmuseum Trier, jedoch in Alabastergips statt im Originalmaterial Ton ausgeführt
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Material: echter Alabastergips, patiniert; sturzempfindlich.
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Maße und Gewicht: Höhe ca. 9 cm, Länge ca. 10 cm, Tiefe ca. 4 cm; Artikelgewicht 0,38 kg
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Datierung des Vorbildes: 4. Jahrhundert n. Chr., spätantike Kaiserresidenz Augusta Treverorum
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Bekanntestes Vorbild: Tonlöwe aus dem Töpferviertel am Pacelliufer in Trier, Rheinisches Landesmuseum Trier
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Antike Quelle: Plinius der Ältere, Naturalis Historia XXXV 151–152 zur Erfindung der Tonfiguren-Plastik durch Butades von Sikyon
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Passende Darstellung: Hausstand und familia in der römischen Provinz, frühe bis späte Kaiserzeit (2.–4. Jh.), niedergermanisch-treverischer Raum; zugleich Vermittlungsobjekt für Schule, Museumspädagogik und Provinzialsammlung
Was zeigt die römische Löwenstatuette und woher stammt das Vorbild?
Das Vorbild stammt aus dem südlichen Töpferbezirk von Augusta Treverorum, dem heutigen Trier, und wird ins 4. Jahrhundert n. Chr. datiert. Es kam bei Museumsgrabungen am Pacelliufer zutage, wo zwischen 1983 und den folgenden Jahren ein dichtes Geflecht von Töpferöfen freigelegt wurde, das zwischen dem 1. und dem 4. Jahrhundert n. Chr. produzierte (Übersicht zum Pacelliufer; vgl. ausführlich Pfahl 2000). Heute liegt der Tonlöwe im Rheinischen Landesmuseum Trier unter der Inventarnummer ST 14756.
Wer die Statuette als reines Kinderspielzeug abtut, vereinfacht den Forschungsstand. Stefan F. Pfahl ordnet vergleichbare Tonfigürchen aus den Trierer Werkstätten in seinem Standardwerk Römisches Spielzeug im Rheinischen Landesmuseum Trier (2000) bewusst mehrdeutig ein: Spielzeug, Votivgabe, Grabbeigabe und Hausdekor sind aus dem Befund nicht sauber zu trennen, weil dieselbe Form in Kinder- wie in Erwachsenengräbern und in Siedlungsabfällen auftaucht. Diese Mehrdeutigkeit ist kein Forschungsmangel, sondern ein Befundmerkmal der Trierer Tonplastik.
Wie passt der Löwe zur römischen Bildersprache?
Der Löwe gehört in der römischen Kunst zu den Zeichen für Stärke, Wachsamkeit und Herrschaft. Er begegnet auf Stadttoren, an Tempelgiebeln, auf Münzreversen und in Grabkontexten als Wächterfigur. Im Hercules-Mythos ist er der nemeische Löwe, im Bacchus-Umfeld ein Begleittier; das Kunsthistorische Museum Wien führt eine kleinformatige römische Löwenstatuette aus Bronze, die diese Ikonographie auf hochwerklichem Niveau zeigt.
Ein verbreitetes Missverständnis betrifft die angebliche orientalische Herkunft des Motivs: der Löwe ist als Götter-Begleittier (Ischtar, Kybele) zwar altorientalisch, in Trier des 4. Jahrhunderts ist er aber längst Teil der gemein-mediterranen Bildtradition und kein Importzitat.
Welche Bezüge hat die Trierer Tonfiguren-Werkstatt?
Das Töpferviertel am Pacelliufer produzierte vorwiegend Trinkgeschirr, vor allem die berühmten Trierer Spruchbecher und Terra Sigillata; daneben entstanden in derselben Brennlandschaft kleinformatige Tonfiguren als Beiprodukt. Die Werkstätten arbeiteten in einer Tradition, deren antiken Anfang Plinius der Ältere in seiner Naturalis Historia dem Töpfer Butades von Sikyon zuschreibt (Plin. nat. XXXV 151–152): das Formen porträtähnlicher Bilder aus Ton.
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Maße des Originals: ca. 9 cm hoch, ca. 10 cm lang, kompaktes Standmotiv mit abgeflachtem Sockel
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Material des Originals: gebrannter Ton aus lokaler Trierer Tonlagerstätte
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Datierung: 4. Jahrhundert n. Chr., spätantike Kaiserresidenz
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Aufbewahrung: Rheinisches Landesmuseum Trier, Inv. ST 14756
Wie ordnet sich der Trierer Tonlöwe in die spätantike Tonfiguren-Serie ein?
| Tonfigur |
Datierung |
Maße |
Fundkontext |
Mögliche Funktion |
| Tonlöwe Pacelliufer |
4. Jh. n. Chr. |
ca. 9 × 10 cm |
Töpferviertel Trier |
Hausdekor, Grabbeigabe, Spielzeug (forschungsoffen) |
| Tonpferd südl. Töpferbezirk |
Ende 2. / Anfang 3. Jh. |
ca. 8 × 9,5 cm |
Töpferbezirk Trier |
Grabbeigabe, Spielzeug (umstritten) |
| Tonvogel Pacelliufer |
4. Jh. n. Chr. |
ca. 4 cm |
Töpferviertel Trier |
Symbolfigur, Kleindekor |
| Bronzelöwe (KHM Wien) |
Kaiserzeit |
kleinformatig |
mediterraner Raum |
Hochwerk-Kleinplastik, Votiv oder Dekor |
Römische Löwenstatuette in Schule, Museum, Reenactment und Sammlung einsetzen
Die Replik passt in die Hand und liegt mit knapp vier Hundert Gramm so, dass sie reihum gegeben werden kann. Was sie leistet, leistet weder eine Bildtafel noch das Original im Glaskasten: Lernende greifen das Volumen, sie spüren die Patina, sie drehen den Löwen ins Streiflicht. Genau diese Handlung lässt sich in Schule, Museumspädagogik, Reenactment und Privatsammlung produktiv einbauen.
Passende Darstellung: Hausstand und familia in der römischen Provinz, frühe bis späte Kaiserzeit (2.–4. Jh.), niedergermanisch-treverischer Raum (Augusta Treverorum) | Einsatzbereich: Tisch- und Pultobjekt, Lararium-Beistück, Vitrinenstück; nicht für aktiven Trage- oder Marschbetrieb, weil Alabastergips bei Sturz aus Tischhöhe bricht | Eigenschaften für aktiven Vermittlungseinsatz: handlich, herumreichbar mit Vorsicht, sturzempfindlich
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Schule (Sek I/II, Latein, Geschichte, Religion): Lehrkraft greift zur Statuette als Hands-on-Beleg in einer Stationenarbeit zur römischen Provinz Augusta Treverorum; das Stück steht an einer Station mit Plinius nat. XXXV 151–152, einer Trier-Stadtkarte und einem Foto eines Trierer Spruchbechers, sodass Schülerinnen und Schüler den Produktionszusammenhang zwischen Geschirr und Tonfigur in zehn Minuten selbst rekonstruieren
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Museumspädagogik und Führungen: Museumspädagogin baut den Löwen als Berührungs-Exponat in eine Familienführung ein und verwendet ihn an einer Station, an der Kinder das Original in der Vitrine nicht anfassen dürfen; die Replik trägt den Verschleiß, das Original bleibt geschützt, und das Was-zeigt-die-Replik-was-die-Vitrine-nicht-darf-Argument lässt sich am Stück selbst zeigen
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Reenactment und Living History: Eine Familia-Darstellung baut die Statuette in das Lararium oder auf eine Insula-Konsole als Hausdekor der Provinzhauptstadt ein, kombiniert mit einer Lar-Statuette und einer Öllampe; auf einem Trierer Stadtfest oder einer Saalburg-Vorführung dient sie als Anker für die Erzählung über die Kaiserresidenz Trier im 4. Jahrhundert, ohne dass das Originalstück aus dem RLM riskiert wird
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Privatsammler und Geschichtsinteressierte: Sammlerin mit Themenecke Augusta Treverorum stellt den Löwen neben einen Trierer-Spruchbecher-Replikat-Becher und ein Replikat einer constantinischen Münze, um die spätantike Kaiserresidenz zu verdichten; als Geschenk passt das Stück für Latein-Lehrkräfte, Trier-Reisende und Mitglieder von Geschichtsvereinen mit Provinzialschwerpunkt
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: Das Replikat verwendet Alabastergips statt des Original-Tons, sodass Material-Klang, Gewicht und Bruchverhalten von der antiken Vorlage abweichen. Die Brennspuren und Tonierungs-Eigenheiten der Pacelliufer-Werkstatt fehlen; die Patinierung ist eine moderne Oberflächengestaltung, kein Befund. Außerdem ist die Funktion des Originals (Spielzeug, Votiv, Grabbeigabe, Dekor) forschungsoffen, anders als ältere Texte vermuten lassen
Welcher Einsatz passt zu welcher Gruppe?
- Eine Lehrkraft setzt den Löwen als Hands-on-Anker in eine Stationenarbeit zum Thema Provinzhauptstadt Augusta Treverorum, lässt die Klasse Materialhypothesen formulieren und löst sie mit dem Plinius-Zitat auf; passt nicht für Klassen, die mit dem Stück werfen oder es ins Pausenchaos mitnehmen würden
- Museumspädagogik plant einen Kindergeburtstag mit Rotationsstation Tonfigur, an der Kinder die Replik anfassen, während sie vor der Vitrine mit dem Original stehen; passt nicht als Mitnahmeobjekt für Kinder unter sechs Jahren
- Eine Reenactment-Gruppe baut die Statuette in die Lararium-Komposition einer treverischen Familia-Darstellung ein und kombiniert sie mit einer Lar-Statuette sowie einer Öllampe; passt nicht in Marsch- oder Bewegungsdarstellungen, weil der Gips bei Sturz oder hartem Anschlagen bricht
- Wer eine Themenecke spätantikes Trier sammelt, integriert den Löwen als Anker neben Trierer-Spruchbecher-Repliken und Münzrepliken; passt nicht für Sammlerinnen, die ausschließlich auf Bronze oder ausschließlich auf Originalkeramik setzen
Auch jenseits dieser vier Hauptzielgruppen tragfähig: VHS-Kurse zur römischen Provinz, Drehbuchrecherche für historische Filme mit Trier-Bezug oder als Begleitobjekt zu Heinz Cüppers, Die Römer in Rheinland-Pfalz (Theiss 1990) im häuslichen Lesekreis.
Häufige Fragen zur römischen Löwenstatuette
Worin unterscheidet sich der Trierer Tonlöwe von einer Bronze-Löwenstatuette der Kaiserzeit?
Der Trierer Tonlöwe ist ein massenhaft serienmäßig in einer Provinz-Töpferei produziertes Stück; eine Bronze-Statuette wie das Wiener KHM-Vergleichsstück ist hochwerkliche Einzelarbeit für eine zahlungskräftige Kundschaft. Der Tonlöwe gehört in den Alltag eines provinzrömischen Haushalts, der Bronzelöwe in die Vitrine eines vermögenden Sammlers oder in einen Tempelschatz.
Wie pflegt man eine Alabastergips-Replik über mehrere Jahre?
Das Stück bleibt in trockener Raumluft stabil; es reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit, weil Gips Wasser zieht und sich dann verfärbt. Eine kühle, staubarme Vitrine oder ein Regalfach reichen aus; einmal jährlich mit einem weichen Pinsel entstauben, kein feuchtes Tuch. Bei Bruch lässt sich Alabastergips mit handelsüblichem Modellbau-Sekundenkleber sauber fügen, sofern die Bruchflächen frisch und unverschmutzt bleiben.
Welche Truppen- oder Familia-Darstellung passt zur Statuette?
Das Stück passt zu zivilen Provinz-Darstellungen der mittleren bis späten Kaiserzeit, also zu einer treverischen Matrona, einem Pater Familias eines städtischen Haushalts oder zu Handwerkerdarstellungen aus der Trierer Töpferei selbst. Für Truppendarstellungen (LEGIO XXII Primigenia, Cohors Auxiliariorum) ist das Stück kein Standard-Marschgepäck, eignet sich aber als Lar-Beistück im stationären Lager.
Wie weit weicht die Replik vom Originalfund ab?
Form und Maße folgen dem Original sehr nah; der Unterschied liegt im Material. Das Original ist gebrannter Ton, die Replik patinierter Alabastergips; damit verändern sich Klang, Gewicht und Oberflächenrelief. Wer streng fundbezogen darstellt, sollte den Materialunterschied im Begleittext der Vitrine offenlegen, statt ihn zu verschweigen.
Welche Standardausstattung verträgt sich mit dem Stück?
Auf einem treverischen Lararium-Aufbau passen Lar-Statuette, Penaten-Figürchen, eine Firmalampe und eine Patera; ikonographisch passt der Löwe in jedes provinzielle Hausheiligtum des 2. bis 4. Jahrhunderts. Für eine streng frühkaiserzeitliche Augustus-Tiberius-Darstellung um 9 n. Chr. ist das Stück zu spät datiert und sollte ausgetauscht werden.
Welche Reparatur ist zwischen Schul- oder Museumseinsätzen sinnvoll?
Bei Absplittern an Sockel oder Mähne hält Modellbau-Sekundenkleber, anschließend kann mit feinem Künstlerpinsel und Acryl in Erdton nachpatiniert werden. Tiefere Brüche im Korpus lassen sich nur durch einen Restaurator stabilisieren; im Schul- oder Museumsbetrieb ist Ersatzbeschaffung meist günstiger als professionelle Reparatur.
Externe Quellen und Literatur zur römischen Löwenstatuette
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Wikipedia: Pacelliufer Trier. Übersichtsartikel zum römischen Töpferviertel, in dem 1983 vierzehn Töpferöfen der Kaiserzeit freigelegt wurden.
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Rheinisches Landesmuseum Trier: Sammlungsportal des Museums. Verwahrungsort des Originals (Inv. ST 14756); zentrale Forschungs- und Vermittlungseinrichtung für Augusta Treverorum.
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museum-digital Rheinland-Pfalz: Sammlung des Rheinischen Landesmuseums Trier. Online-Sammlungsdatenbank mit Trierer Tonfiguren-Beständen und vergleichbaren Statuetten.
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Pfahl, Stefan F. (2000): Römisches Spielzeug im Rheinischen Landesmuseum Trier. Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 18, Trier. DAI-Bibliografie. Standardwerk zur Trierer Coroplastik mit Katalog der Tonfigürchen aus dem südlichen Töpferbezirk.
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Faust, Sabine / Merten, Jürgen (Hrsg.) (2009): Fundstücke. Von der Urgeschichte bis zur Neuzeit. Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 36, Theiss, Stuttgart. ISBN 978-3-8062-2324-8. Begleitband zur Dauerausstellung mit Auswahlkatalog provinzialrömischer Kleinfunde.
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Plinius der Ältere, Naturalis Historia XXXV 151–152: Lateinischer Volltext bei The Latin Library; antike Hauptquelle zur Erfindung der Tonfiguren-Plastik durch Butades von Sikyon.
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Aktualisiert am: 08.05.2026