Sirona Statue: Replik der gallorömischen Heilgöttin aus Hochscheid
Kurz erklärt
Die Sirona Statue zitiert in 25 cm Höhe das antoninische Hochrelief der gallorömischen Heilgöttin aus dem Quellheiligtum Hochscheid im Hunsrück. Das Original im Rheinischen Landesmuseum Trier zeigt die Göttin mit Diadem, einer Schlange am rechten Unterarm und einer Schale mit drei Eiern in der Linken. Sie stand zusammen mit Apollo Grannus als Kultbild im Tempel der Heilgötter, ihr Name ist auf rund 25 Weihinschriften zwischen Bordeaux und Budapest belegt.
Sirona Statue auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Historische Replik (Stufe 2). Form, Diadem und Attribute folgen dem Hochscheid-Hochrelief, Material und Größe sind moderne Anpassungen für den Vitrineneinsatz.
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Material: Alabastergips, hell patiniert
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Maße und Gewicht: Höhe 25 cm, Breite 5 cm, Tiefe 4 cm, Artikelgewicht 0,9 kg
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Datierung des Vorbildes: antoninisch, 138 bis 192 n. Chr.
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Bekanntestes Vorbild: Sirona-Hochrelief aus dem Quellheiligtum Hochscheid (Idarwald), heute Rheinisches Landesmuseum Trier
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Antike Quelle: Cassius Dio, Römische Geschichte LXXVIII, 15, 5 bis 7 (zu Sironas Begleiter Apollo Grannus)
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Passende Sammlungsausrichtung: gallorömische Heilkulte und Lararium-Statuetten des 2. Jahrhunderts mit Schwerpunkt Mosel und Hunsrück
Was zeigt die Hochscheid-Sirona im Detail?
Die antoninische Sirona aus Hochscheid (138 bis 192 n. Chr.) stand in der Cella eines gallorömischen Quellheiligtums im Idarwald, ausgegraben 1939 durch das Rheinische Landesmuseum Trier und dort unter der Inventarnummer 39, 149 verzeichnet (UBI ERAT LUPA, Nr. 32129). Das Hochrelief vor einer Platte mit Bogenabschluss erreicht eine erhaltene Höhe von 125 cm bei einer Plattenbreite von 61,5 cm, gehauen aus gelblichem Sandstein. Die Göttin trägt eine bodenlange Tunica, einen über die Schulter gelegten Mantel und ein Diadem im gewellten Haar. Um ihren rechten Unterarm windet sich eine Schlange, deren Kopf sie an ein Gefäß mit drei Eiern in ihrer Linken heranführt. Das Stück gehört mit dem benachbarten Apollo-Hochrelief (lupa.at 32128) zum Kultbildensemble des Tempels.
Wie wurde Sirona im Heiligtum verehrt?
Das Quellheiligtum auf "Heiliggeist" bei Hochscheid diente im 2. Jahrhundert als Pilger- und Kurort mit gefasster Heilquelle und Pilgerherbergen. Pilger schöpften aus der Cella-Quelle, um Genesung zu erbitten. Die Weihinschrift "Deo Apollini et Sanctae Sironae" auf einem Altar derselben Cella (lupa.at 32130, AE 1941, 89) belegt die kultische Verbindung des Götterpaares (von ihr und Apollo) im selben Tempelraum.
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Fundort: Hochscheid, Kreis Bernkastel-Wittlich, Idarwald in 645 m Höhe
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Kontext: Cella eines fast quadratischen Umgangstempels (13,5 mal 14 m) mit gefasster Quelle
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Datierung: Hochrelief antoninisch, Tempelbau gegen Ende des 1. Jahrhunderts errichtet
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Verbreitungsgebiet des Kults: östliches Gallien, Mosel und Hunsrück, Oberrheingebiet bis zum Donaulimes
Warum wirkt das Hochscheid-Bild fast wie eine Hygieia?
Schlange und Schale mit Eiern sind klassische Hygieia-Attribute. Sirona behält in nahezu allen 25 bekannten Weihinschriften aber ihren keltischen Eigennamen ohne interpretatio Romana, wie Helmut Birkhan in Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur (Wien 1997) festhält. Die Standardpublikation zum Heiligtum stammt von Gerd Weisgerber: Das Pilgerheiligtum des Apollo und der Sirona von Hochscheid im Hunsrück (Habelt, Bonn 1975). Die ikonographische Anlehnung an die griechische Heilgöttin sollte also nicht als Identitätsgleichung gelesen werden, sondern als Bildleihe innerhalb der gallorömischen Bildsprache. Wer "Sirona-Hygieia" liest, sieht zwei verwandte Heilgöttinnen, keine Personalunion.
Welche anderen Sirona-Darstellungen sind aus dem römischen Westen bekannt?
| Fundort |
Material |
Datierung |
Aufbewahrung |
Ikonographisches Detail |
| Hochscheid (Hunsrück), Quellheiligtum |
gelblicher Sandstein |
antoninisch (138 bis 192 n. Chr.) |
Rheinisches Landesmuseum Trier, Inv. 39, 149 |
Schlange am rechten Unterarm, Schale mit drei Eiern in der Linken |
| Pforzheim, römischer Brunnen |
Rotbuchenholz |
ca. 200 bis 260 n. Chr. |
Stadtmuseum Pforzheim |
Schlange in der linken Hand, ohne Eierschale |
| Hochscheid, Tempelaltar |
Sandstein |
150 bis 200 n. Chr. |
Rheinisches Landesmuseum Trier, Inv. 39, 147 |
Weihinschrift "Deo Apollini et Sanctae Sironae", keine figürliche Darstellung |
| Wiesbaden, Mainz, Bordeaux (Auswahl) |
Sandstein und Kalkstein |
2. bis 3. Jahrhundert |
regionale Museumsbestände |
überwiegend reine Weihinschriften, vereinzelt kleinere Reliefs |
Sirona im Lararium und auf dem Sammlerregal
Im direkten Vergleich zum Hochscheid-Original wirkt die 25 cm hohe Replik wie ein konzentriertes Frontbild: Diadem, Faltenwurf der Tunica und die markante Schlange am rechten Unterarm bleiben deutlich lesbar, während das Bogenabschluss-Detail des Sandstein-Hochreliefs zugunsten einer freistehenden Silhouette zurücktritt. Die helle Patinierung lässt das Diadem und die Eier auf der Schale optisch hervortreten, was auf einem Sammlerregal mit gemischtem Götterbestand für saubere Lesbarkeit sorgt. Auf einem Hausaltar des 2. Jahrhunderts kombiniert sie sich folgerichtig mit einer Apollo-Grannus-Figur oder einem Asklepios.
Passende Darstellungsart: Sammlung gallorömischer Heilkulte oder zivile Lararium-Aufstellung im 2. Jahrhundert | Einsatzbereich: Vitrine oder geschützter Hausaltar, kein Außenaufstellungsort | Tragezeit: entfällt, reines Standobjekt
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Lararium-Aufstellung: Sirona neben einer Apollo-Grannus-Figur platzieren, Vorderseite zum Betrachter, weil das Hochrelief-Vorbild nur frontal wirkt.
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Themen-Sammelregal: Gruppierung mit Asklepios oder mit anderen gallorömischen Quellgöttinnen wie Coventina oder Sequana.
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Schreibtisch- oder Vitrinenakzent: einzeln auf einer kontrastierenden Steinplatte oder einem dunklen Holzpodest, das die helle Patina zur Geltung bringt.
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: Größenreduktion auf etwa ein Sechstel der Originalhöhe, Materialwechsel von Sandstein auf Alabastergips verändert die Oberflächenwirkung, das Diadem trägt keine explizite Sternapplikation (deren Originalbefund forschungsseitig ohnehin diskutiert wird), und die rückseitige Reliefplatte mit Bogenabschluss ist in der Replik nicht ausgeführt.
Für welche Sammlungsschwerpunkte passt die Sirona Statue?
- Wer einen Lararium-Bestand zu provinzialrömischen Heilkulten aufbaut, gewinnt mit Sirona ein klar identifizierbares Hochscheid-Zitat statt einer generischen Heilgöttin.
- Sammler mit regionalem Fokus auf Treverer, Mosel oder Hunsrück bekommen das ikonographische Schlüsselwerk dieses Kultraums in handlicher Vitrinengröße.
- Bei strenger fundbezogener Sammlungsausrichtung bleibt die Materialdifferenz zum Sandstein-Original ein Punkt, der bewusst eingeordnet werden sollte.
Für Reenactor mit ziviler Darstellung passt die Figur als Lararium-Statuette in eine Hausaltar-Rekonstruktion treverischer Provinzialwohnkultur. Für Schule und Museumspädagogik ist sie ein greifbares Anschauungsobjekt zum Thema Romanisierung und gallorömische Religion.
Häufige Fragen zur Sirona Statue
Wo wurde das Vorbild der Sirona Statue ursprünglich gefunden?
Das Hochrelief der Göttin stammt aus dem Quellheiligtum Hochscheid im Idarwald (Kreis Bernkastel-Wittlich), 1939 ausgegraben durch das Rheinische Landesmuseum Trier. Es stand zusammen mit einem Apollo-Hochrelief in der Cella eines fast quadratischen Umgangstempels und ist antoninisch datiert. Heute ist das Original im Rheinischen Landesmuseum Trier unter der Inventarnummer 39, 149 verzeichnet.
Welche Bedeutung hatten Schlange und drei Eier in Sironas Hand?
Die Schlange am rechten Unterarm verweist auf die Heilkraft der Göttin, ein Bildmotiv, das auch Asklepios und Hygieia tragen. Die drei Eier auf der Schale stehen für Erneuerung und für den Lebenskreislauf an der heiligen Quelle. Beide Attribute zusammen identifizieren Sirona als Heil- und Quellgöttin im gallorömischen Religionssystem.
Sind Sirona und Hygieia tatsächlich dieselbe Göttin?
Nein, die Forschung trägt eine vollständige Gleichsetzung nicht. Sirona behält in nahezu allen 25 bekannten Weihinschriften ihren keltischen Eigennamen, oft als Sancta Sirona oder Dea Sirona. Die Schlange-Eier-Ikonographie ist eine Bildleihe von Hygieia, sie macht beide Gottheiten aber nicht zu einer Person. Manche Forscher diskutieren auch eine Nähe zu Diana, weil ihr Begleiter Apollo Grannus interpretatorisch zur Apollo-Diana-Linie gehört.
Wie lässt sich die patinierte Alabastergips-Replik langfristig pflegen?
Alabastergips ist feuchtigkeits- und stoßempfindlich. Die helle Patina bleibt am stabilsten in einer geschlossenen Vitrine bei stabiler Raumtemperatur. Staub mit weichem, trockenem Pinsel oder Mikrofasertuch entfernen, keine feuchten Reiniger oder Möbelpolituren verwenden. Direkte Sonneneinstrahlung über Jahre kann die Patina nachdunkeln oder ausbleichen, deshalb Vitrinenposition mit indirektem Licht bevorzugen. Bei kleineren Patinaabplatzungen genügt im Regelfall der vorsichtige Auftrag einer passenden Patina-Retusche, größere Schäden gehören in eine restauratorische Beratung.
Lässt sich die Sirona-Replik mit einer Apollo-Grannus-Figur sinnvoll kombinieren?
Ja, weil das Hochscheid-Heiligtum genau diese Paarung als Kultbild zeigte. Eine kombinierte Aufstellung von Sirona und einem Apollo (idealerweise mit Kithara und Greif als Begleittier) zitiert das antoninische Götterpaar des Tempels und erlaubt eine kulturhistorisch geschlossene Lararium-Inszenierung. Wer beide Figuren auf gleicher Höhe positioniert, folgt der originalen Aufstellung in der Cella.
Warum kennt fast keine antike Schriftquelle Sirona namentlich?
Sirona war eine reine Festlandkeltin und wurde vor allem epigraphisch fassbar (rund 25 Weihinschriften aus Gallia Belgica und Germania Superior bis zum Donauraum). Eine erzählende Mythologie ist nicht überliefert. Apollo Grannus, ihr Begleiter, taucht einmalig bei Cassius Dio (LXXVIII, 15, 5 bis 7) auf, als Kaiser Caracalla 213 n. Chr. vergeblich an seinem Heiligtum um Heilung bittet. Sirona selbst bleibt in der Literatur stumm, ihr Wirkungskreis lebt im archäologischen Befund.
Externe Quellen und Literatur zur Sirona Statue
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Wikipedia: Sirona (Göttin) als Übersichtsartikel zur Forschungslage und zum epigraphischen Befund
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UBI ERAT LUPA, Nr. 32129: Sirona-Hochrelief aus Hochscheid, vollständige archäologische Daten und Verweis auf CSIR Deutschland IV.3 Nr. 317
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UBI ERAT LUPA, Nr. 32130: Apollo-Sirona-Altar mit Weihinschrift AE 1941, 89
- Gerd Weisgerber: Das Pilgerheiligtum des Apollo und der Sirona von Hochscheid im Hunsrück. Habelt, Bonn 1975 (Standardpublikation zum Tempelkomplex, recherchierbar über zenon.dainst.org)
- Heinz Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. Theiss, Stuttgart 1990 (Eintrag zum Hochscheid-Heiligtum)
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regionalgeschichte.net: Pilgerheiligtum Hochscheid mit Grabungsbeschreibung und Ikonographie der Kultbilder
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Cassius Dio, Römische Geschichte LXXVIII, 15 (Originaltext bei LacusCurtius, Abschnitt zu Caracalla und Apollo Grannus)
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Aktualisiert am: 04.05.2026