Relief Fortuna-Tyche: Wandrelief der römisch-griechischen Glücksgöttin
Kurz erklärt
Das Wandrelief zeigt Fortuna im Chiton mit Diadem, Steuerruder und Füllhorn nach dem Vorbild eines Sandstein-Votivreliefs aus dem römischen Vicus von Walheim am Neckar. Die Replik aus hellem, patiniertem Alabastergips übernimmt Format, Giebelfeldrahmen und Ikonographie des Originals und richtet sich an Sammler provinzialrömischer Religionszeugnisse sowie an Aufsteller eines Lararium. Maße 35 × 20 cm, Tiefe 4 cm, mit rückseitiger Aufhängung.
Fortuna-Relief auf einen Blick
-
Authentizitätsgrad: Historische Replik (Stufe 2), konkretes Vorbild benannt, Material weicht vom Sandstein-Original ab, Ikonographie und Format am Fund orientiert
-
Material: Alabastergips, hell patiniert, rückseitig vorbereitete Aufhängung
-
Maße und Gewicht: 35 × 20 cm, Tiefe 4 cm, Artikelgewicht 2,21 kg, Versandgewicht 2,95 kg
-
Datierung des Vorbildes: 2. Jahrhundert n. Chr., Walheimer Vicus-Phase, frühe bis mittlere Kaiserzeit
-
Bekanntestes Vorbild: Fortuna-Votivrelief aus Walheim, Vicus in Germania Superior, Museum im Römerhaus Walheim
-
Antike Quelle: Plinius, Naturalis Historia II.22 zur reichsweiten Verehrung der Fortuna
-
Passende Sammlungsausrichtung: Religionsarchäologie der Provinz Germania Superior, Hausgottheiten und Lararienausstattung
Was ist das Fortuna-Relief von Walheim und warum gilt es als typisches Provinzdenkmal?
Das Original entstand im 2. Jahrhundert n. Chr. im Vicus von Walheim an der Mündung der Enz in den Neckar, einer zivilen Siedlung an der Provinzgrenze von Germania Superior. Es handelt sich um ein zerbrochen erhaltenes Votivrelief aus Sandstein, geführt unter Ubi Erat Lupa Nr. 7677 und heute im Museum im Römerhaus Walheim, einem Zweigmuseum des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg.
Die Tafel mit Giebelabschluss zeigt Fortuna in Chiton und Mantel, Diadem im Haar, Steuerruder in der Rechten und Füllhorn im linken Arm. Filtzinger, Planck und Cämmerer ordnen das Stück in ihrer Standarddokumentation Die Römer in Baden-Württemberg (3. Auflage 1986, S. 602 Abb. 426) den Hauskult-Reliefs der Vicus-Bevölkerung zu, also Privatverehrung statt offizieller Tempelausstattung.
Eine Reibung der Forschung bleibt: der Datensatz bei Lupa führt keine eigene Feindatierung, das Stück wird über die Vicus-Laufzeit Walheim eingeordnet, die zwischen ca. 90 n. Chr. und der Limes-Vorverlegung 159/160 n. Chr. ihren Schwerpunkt hatte und zivil weitergenutzt wurde. Die im Handel verbreitete Spanne 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. ist also ein weiter Rahmen, der die spätere zivile Nutzung mit einschließt.
Wer war Fortuna im römischen Alltag?
Fortuna war keine Tempelgöttin der Eliten allein, sie war Privatgottheit und Marktgottheit zugleich. Bauern, Seeleute, Soldaten und Privatpersonen wandten sich an sie für Glück, Erfolg und Wendung des Schicksals. Plinius beschreibt im 2. Buch der Naturalis Historia trocken, dass im ganzen Reich keine andere Gottheit so oft angerufen, gepriesen und beschuldigt werde wie Fortuna.
-
Attribute: Steuerruder als Lenkmacht, Füllhorn als Wohlstand, gelegentlich Mondscheibe, Caduceus oder Rad
-
Beinamen: Fortuna Redux (Heimkehr), Fortuna Primigenia (Erstgeborene), Fortuna Muliebris (Frauen), Fortuna Balnearis (Bäder)
-
Festtag: 24. Juni, Fest der Fors Fortuna mit Kahnprozession an der Via Campana in Rom
-
Ikonographische Schwester: Tyche, die griechische Schicksalsgöttin, in der römischen Provinz oft als Synkretismus dargestellt
Was zeigt das Walheimer Original konkret?
Das Sandsteinrelief misst im Original 20,5 × 35,5 × 4,5 cm und ist als einfach gerahmte Giebelfeldtafel gestaltet. Die Göttin steht frontal, Gewand fällt in plastischen Falten, das Steuerruder ist schräg an die Rechte gestellt, das Füllhorn lehnt am linken Unterarm. Ränder sind teilweise abgeschlagen, der untere Bereich zerbrochen, was die Replik in der unbeschädigten Wiedergabe glättet.
Wie ordnet sich das Walheimer Relief in die provinzialrömische Fortuna-Ikonographie ein?
| Fortuna-Typus |
Datierung und Fundort |
Material und Format |
Funktion und Aufstellungskontext |
| Walheim-Typ (Vorbild dieser Replik) |
2. Jh. n. Chr., Vicus Walheim, Germania Superior |
Sandstein, Tafel mit Giebelabschluss, ca. 20 × 35 cm |
Hauskult-Votivrelief, Privatverehrung im Vicus |
| Stuttgart-Statue, Lapidarium |
kaiserzeitlich, Fund 1906 in einer Badeanlage Württembergs |
Stein, vollplastische Standfigur mit sechsspeichigem Rad |
Bäderkontext, Aufstellung im öffentlichen Bauwerk |
| Miltenberg, Fortuna Balnearis |
um 231 n. Chr., Kohortenkastell Miltenberg-Altstadt |
roter Sandstein, 70 × 73 × 30 cm, Inschrift |
Stiftung des Präfekten Sempronius Martialis im Kastellbad |
| Provinzialrömische Münzdarstellung |
2. Jh. n. Chr., Reichsprägung (z. B. Trajan, Hadrian) |
Bronze, Münzrückseite mit FORT REDVCI |
Reichspropaganda, Heimkehr des Kaisers |
Die Stuttgarter Standfigur und das Miltenberger Relief lassen sich auch online prüfen: der Stuttgarter Datensatz steht im Verbund museum-digital, das Miltenberger Stück bei den Museen am Mainlimes. Beide zeigen, dass die Walheimer Tafel formatlich und ikonographisch zum gut belegten Repertoire der Provinz gehört.
Sammlertipps: das Fortuna-Relief im Display und im Lararium
In der Wandposition entfaltet das Stück seine Wirkung über den Lichteinfall, der die helle Patina hervorhebt und die Faltenwürfe des Chitons modelliert. Wer die Replik direkt mit Bildern des Walheimer Originals vergleicht, erkennt schnell, dass die Replik die zerbrochenen Ränder des Originals geglättet wiedergibt, also einen idealisierten Erhaltungszustand zeigt.
Passende Darstellungsart: Antiken-Sammlung mit Schwerpunkt provinzialrömische Religion, Hauskult-Vitrine, Lararium-Erweiterung, Datierungsfenster 2. Jahrhundert n. Chr.
Einsatzbereich: dauerhafte Wandposition im Innenraum oder Vitrinenaufstellung, Gips reagiert auf Feuchte und Reibung, daher kein Außenbereich.
Aufhängung und Standort: rückseitige Hängevorrichtung ab Werk, sicherer Sitz bei 2,2 kg Eigengewicht über einer geprüften Wandschraube, alternativ flach auf einem Sims oder einer Truhe als statische Standposition
- Zentralstück eines Lararium-Aufbaus, kombinierbar mit kleinformatigen Lar- oder Genius-Statuetten und einer Räucherschale
- Vitrinenstück in einer Themen-Sammlung Religionsarchäologie, beleuchtet von schräg oben, damit die Patina räumlich wirkt
- Wanddekor im Arbeitszimmer oder Bibliotheksraum mit Bezug zur antiken Geistesgeschichte, Plinius-Zitat zur Fortuna als Begleittext
-
Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: Material Alabastergips ersetzt den Sandstein des Originals, die Steinoptik wird über Patinierung simuliert. Die Replik gibt das Relief vollständig wieder, das Original ist hingegen am Rand abgeschlagen und im unteren Bereich zerbrochen, der idealisierte Zustand der Replik weicht insofern bewusst vom realen Erhaltungsbild ab. Eine Feindatierung des Originals fehlt im Lupa-Datensatz, die Spanne 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. ist eine Vicus-Rahmung, kein gesicherter Stilvergleich.
Für welche Aufstellung eignet sich das Relief, für welche nicht?
- Im Sammler-Display unter Glas funktioniert das Stück sehr gut, weil die Patina staubgeschützt bleibt und das Format sich in normale Vitrinentiefen einpassen lässt.
- Geht es um eine streng fundbezogene Vitrine, ist die Material-Differenz zu beachten, der Sammler kann sie über ein Begleitschild „Replik nach Walheim, Inv. R 80 Wa 1271, Original Sandstein" transparent machen.
- Soll das Relief in einem aktiven Lararium mit Räucherbetrieb hängen, empfiehlt sich ausreichender Abstand zur Räucherschale, da Gips Rußniederschlag schwer wieder freigibt.
- Wer die Replik im pädagogischen Kontext einsetzt, gewinnt mit einem direkten Bildvergleich Original gegen Replik einen sehr guten Einstieg in die Frage, was eine archäologische Replik leisten kann und wo sie an Grenzen stößt.
Für Lararium-Aufsteller im Reenactment-Heimkontext und für Lehrkräfte gilt: das Stück lässt sich ergänzend einsetzen, ohne den Sammler-Fokus zu verwässern.
Häufige Fragen zum Fortuna-Relief
Wodurch unterscheiden sich Fortuna und Tyche in der römischen Provinz?
Tyche ist die griechische Schwestergöttin, in der östlichen Reichshälfte verbreitet, oft mit Mauerkrone als Stadtschutzgöttin. Fortuna übernimmt im Westen vergleichbare Funktionen, tritt aber stärker als Privatgottheit mit Steuerruder und Füllhorn auf. In Doppelnennungen wie „Fortuna-Tyche" zeigt sich die provinzialrömische Verschmelzung beider Vorstellungen, sichtbar etwa an Stücken aus Germania Superior und Raetia.
Wie pflegt man ein patiniertes Alabastergips-Relief langfristig?
Trockene, weiche Staubpinsel oder eine fusselfreie Mikrofaser reichen für die regelmäßige Reinigung, feuchte Tücher meiden, da Gips wassersensibel reagiert. Bei stärkerer Verschmutzung leicht angefeuchtetes Wattestäbchen punktuell einsetzen, sofort nachtrocknen. Die helle Patina ist eine Oberflächenschicht und kann bei intensiver Reibung dünner werden, daher kein häufiges Wischen über das Gesicht oder die Faltenkanten.
Welche Aufhängung trägt das Gewicht von 2,2 kg sicher?
Empfohlen ist eine Wandschraube mit Dübel, geeignet für mindestens 5 kg Tragkraft, an einer tragenden Wand oder einem Massivziegel. Trockenbau ist möglich, dann mit Hohlraumdübel und kurzem Hebelarm. Die rückseitige Aufhängung sitzt im oberen Drittel, was die Lastverteilung erleichtert.
Eignet sich das Relief als Mittelpunkt eines Lararium-Aufbaus?
Als zentrales Bildmedium funktioniert das Stück gut, weil Fortuna im römischen Hauskult präsent war und Format wie Giebelrahmen den traditionellen Tafel-Voten entsprechen. Sinnvoll ergänzen lassen sich kleinere Genius- oder Lar-Statuetten, eine Schale für trockene Opfergaben und eine Räucherquelle in sicherem Abstand. Das Lararium aus der Casa dei Vettii in Pompeji liefert ein gut publiziertes Vergleichsschema für die Komposition.
Wo wurde das Original heute aufbewahrt?
Das Originalrelief liegt unter der Inventarnummer R 80 Wa 1271 im Museum im Römerhaus Walheim, einem Zweigmuseum des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg. Das Museum öffnet saisonal von April bis Oktober, der Bestand zeigt ausschließlich Funde aus der römischen Siedlung von Walheim selbst.
Welche antike Stelle nennt Fortuna besonders prominent?
Plinius der Ältere fasst in der Naturalis Historia II.22 zusammen, dass Fortuna im gesamten Reich von allen Schichten angerufen, gerühmt und ebenso beschuldigt werde, sie sei die ständige Begleiterin des römischen Alltags. Die Stelle gilt als eines der dichtesten antiken Zeugnisse zur reichsweiten Reichweite des Fortuna-Kultes und passt zum Befund privater Voten wie dem Walheimer Stück.
Externe Quellen und Literatur zum Fortuna-Relief
-
Lupa.at Nr. 7677: objektgenauer Datensatz zum Walheimer Fortuna-Relief, mit Maßen, Material und Verwahrort, https://lupa.at/7677
-
museum-digital Baden-Württemberg: Vergleichsstück Fortuna-Standfigur aus dem Römischen Lapidarium Stuttgart, Bearbeitung Nina Willburger, https://nat.museum-digital.de/object/866899
-
Museen am Mainlimes: Fortuna Balnearis aus dem Kastellbad Miltenberg-Altstadt, Stiftung des Sempronius Martialis um 231 n. Chr., http://www.museen-mainlimes.de/content/2-museen/fund.php?id=13
-
Filtzinger, Philipp / Planck, Dieter / Cämmerer, Bernhard (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg, 3. neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart und Aalen 1986, S. 602 Abb. 426. Standardwerk zur römischen Archäologie Südwestdeutschlands.
-
Kemkes, Martin / Willburger, Nina: Der Soldat und die Götter. Römische Religion am Limes, Schriften des Limesmuseums Aalen 56, Theiss-Verlag, Stuttgart 2004. Autoritative Übersicht zur militärischen und privaten Götterverehrung in der Provinz.
-
Plinius der Ältere, Naturalis Historia II.22: lateinischer Volltext bei The Latin Library, englische Fassung bei Topostext.
-
Wikipedia-Übersicht zu Fortuna: https://de.wikipedia.org/wiki/Fortuna_(Mythologie)
Forum Traiani ® | Der Römer Shop - Wir machen Geschichte begreifbar!
Aktualisiert am: 05.05.2026