Ohrringe Claudia – Scheibe, Rillen und eine Perle am langen Ende
Die Ohrringe Claudia sind eine handgefertigte Messingreplika eines römischen Scheibenkopf-Ohrrings aus dem 2. Jh. n. Chr. Der Ohrring kombiniert eine kreisrunde Goldscheibe mit konzentrischen Rillen und zentraler Flussperle mit einem langen Goldstab, der in einer zweiten Flussperle endet. Vergleichbare Originale des Scheibenkopf-Typs mit Perlenanhänger sind unter anderem im Metropolitan Museum of Art, New York dokumentiert und gehören zu den häufigsten Ohrringformen der römischen Kaiserzeit.
Der Scheibenkopf-Ohrring, auf den Punkt gebracht
Die Ohrringe Claudia sind eine moderne Messingreplika nach dem römischen Scheibenkopf-Ohrring-Typ des 2. Jh. n. Chr. Der Ohrring besteht aus einer kreisrunden, mattierten Goldscheibe mit konzentrischen Rillen und eingesetzter Flussperle im Zentrum, einem filigranen Knotenverbinder als Mittelelement sowie einem langen, geraden Goldstab, der in einer zweiten, größeren Flussperle endet. Material: goldfarben schimmerndes Messing und Süßwasserperlen. Gesamtlänge: 5 cm.
Kreisrunde Scheiben am Ohr – was steckt hinter diesem beliebten Ohrring der Kaiserzeit?
Irgendwo in der Provinz, vielleicht in Augusta Rauricorum am Rhein, vielleicht in Antiochia am Orontes: Eine Goldschmiedin drückt einen Metallrohling in eine Form, dreht, treibt, zieht konzentrische Ringe ins Blech. Eine kleine Perle kommt in die Mitte. Ein Stab wird angelötet, eine zweite Perle aufgefädelt. Fertig ist ein Ohrring, der von Britannien bis Syrien getragen wird, in Gold, in Bronze, mit Stein, mit Glas, mit Perle.
Der Scheibenkopf-Ohrring gehört auch zu den sehr verbreiteten Schmuckformen der römischen Kaiserzeit überhaupt. Diese Form des römischen Ohrrings hat als Grundlage einen Golddrahtbügel mit einem kreisförmigen Schild oder Buckel, der entweder mit Filigran oder Granulation verziert ist. Die konzentrischen Rillen der Scheibe entstehen durch Treib- und Drucktechnik, eine Methode, die römische Goldschmiede aus hellenistischen Vorbildern übernahmen und im ganzen Imperium standardisierten. Das Ergebnis: ein Ohrring, der gleichzeitig handwerklich anspruchsvoll und in Serie produzierbar war.
Das lange Pendilium, ein einzelner Stab mit abschließender Perle, folgt dem antiken Typus des elenchos. Birnenförmige Perlen, elenchi genannt, galten als besonders geeignet für den Abschluss von Anhängern und wurden manchmal zu zweit oder zu dritt zusammengesetzt getragen. Einzeln getragen, wie hier, wirkte die Perle am Ende des langen Stabes wie ein Ausrufezeichen. Schlicht, aber wirkungsvoll.
Ein vergleichbares Original liegt im Metropolitan Museum of Art, New York , Golddrahtbügel, Scheibenkopf, Kugelanhänger, 2. Jh. n. Chr., Fundregion Zypern. Der Typ ist zudem durch die Grabungskataloge von Augusta Rauricorum (Römerstadt Augst, Schweiz) belegt, wo Emilie Riha Scheibenkopf-Ohrringe mit Perlenanhänger für das 2.–3. Jh. n. Chr. dokumentiert hat.
Nun zum hartnäckigsten Irrtum in diesem Zusammenhang: Lange Pendelohrringe mit einzelner Perle gelten gemeinhin als byzantinisch oder spätantik, als Produkt des ausgehenden Reichs. Das stimmt nicht. Bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. war der Scheibenkopf-Typ mit Anhänger einer der verbreitetste Ohrringtyp im gesamten römischen Kaiserreich. Die langen, eleganten Formen, die wir heute oft mit Byzanz verbinden, haben ihre Wurzeln tief im mittleren Kaiserreich. Byzanz hat sie nicht erfunden, sondern geerbt.
Was man anfasst, bevor man es versteht
Wer die Ohrringe Claudia aus der Verpackung nimmt, hält zunächst etwas überraschend Leichtes in der Hand. Oben: eine münzgroße, mattgoldene Scheibe, deren Oberfläche aus mehreren konzentrischen Rillen besteht, die sich vom Rand spiralförmig zur Mitte ziehen, wie Jahresringe eines Baums, nur in Gold. Im Zentrum sitzt eine kleine, cremeweiße Flussperle, leicht erhaben, mit dem weichen Schimmer, den nur echte Perlen haben. Darunter hängt ein dreigliedriger Knotenverbinder aus feinem Draht, zwei geschwungene Ösen mit Quersteg, der die Scheibe mit dem langen Pendilium verbindet. Dieser Stab ist gerade, konisch, goldfarben, und endet in einer deutlich größeren, rosé-weißen Flussperle. Die Perle pendelt frei. Beim Tragen bewegt sie sich mit jedem Schritt, ohne zu klimpern, ohne zu stören. Der Ohrring fällt auf, ohne zu kämpfen.
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Gesamtlänge: 5 cm
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Material: goldfarben schimmerndes Messing und Süßwasserperlen (Flussperlen)
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Typ: Scheibenkopf-Ohrring mit Stab-Pendilium, römische Kaiserzeit
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Datierung des Vorbilds: 2. Jh. n. Chr.
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Vergleichsobjekt: Metropolitan Museum of Art, New York
Taugt ein Ohrring als Unterrichtsmaterial?
Wer Geschichte unterrichtet, kennt das Problem: Abstrakte Jahreszahlen und Handelswege bleiben auf Folie, was in der Hand liegt, bleibt im Kopf. Nach vielen Jahren und unzähligen Museumsbesuchen lässt sich sagen: Kein Lehrbuchbild ersetzt das Gefühl, ein originalgetreues Schmuckstück in die Hand zu nehmen und zu fragen, wer es getragen haben könnte.
Die Ohrringe Claudia funktionieren als Unterrichtsobjekt auf drei Ebenen, die sich gegenseitig verstärken:
Erstens, als Einstieg in die Handelsgeschichte. Die Perle am Ende des Stabes ist kein Zufall. Perlen kamen im 2. Jh. n. Chr. aus dem Persischen Golf und dem Roten Meer nach Rom, über Handelswege, die das halbe bekannte Imperium durchquerten. Der Ohrring macht Globalisierung greifbar, zweitausend Jahre bevor das Wort erfunden wurde. Wer mag, lässt die Schüler recherchieren, wie weit eine Perle reiste, bevor sie in einem Ohrring in Augusta Rauricorum landete.
Zweitens, als Zugang zur Technikgeschichte. Die konzentrischen Rillen der Scheibe entstehen durch Treib- und Drucktechnik. Kein Guss, kein Schleifen: Ein Goldschmied hat Metall in Form gedrückt, Rille für Rille. Das lässt sich erklären, zeigen, nachvollziehen und regt die Frage an, welche Werkzeuge dafür nötig waren.
Drittens, als Brücke zur Alltagsgeschichte. Wessen Ohrring war das? Nicht eine Kaiserin, nicht eine Göttin. Befunde aus Augusta Rauricorum zeigen: Scheibenkopf-Ohrringe dieses Typs lagen in Wohnhäusern, auf Straßen, in Thermen. Sie gingen verloren wie heute ein Schlüssel im Treppenhaus. Ein konkreter, ehrlicher Einstieg in das Leben gewöhnlicher Menschen im 2. Jh. n. Chr.
Ein echter Rat für den Unterrichtseinsatz: Die Ohrringe sind robust genug, um herumgegeben zu werden, aber die Flussperlen reagieren empfindlich auf Handschweiß. Ein kurzes Abwischen mit einem trockenen Tuch nach der Unterrichtsstunde reicht vollkommen aus.
Für wen ist ein zweitausend Jahre alter Ohrringtyp die richtige Wahl?
Römischer Schmuck gibt es viel. Archäologisch fundiert, dabei alltagstauglich und gleichzeitig erklärbar: Das ist die engere Auswahl.
Wer eine zivile Frauendarstellung der mittleren Kaiserzeit auf Reenactment-Veranstaltungen glaubwürdig ausstatten möchte, findet im Scheibenkopf-Typ einen Ohrring, der besonders ist. Das Vergleichsobjekt im Metropolitan Museum ist öffentlich einsehbar, der Typ durch Grabungskataloge aus dem gesamten Imperium belegt. Vor informiertem Publikum hält dieser Ohrring stand.
Der lange Goldstab mit frei pendelnder Abschlussperle ist dabei ein entscheidender Vorteil: 5 cm Gesamtlänge bedeuten auf dem Ohr eine klare, ruhige Vertikallinie. Kein Durcheinander, kein Klimpern. Wer Schmuck sucht, der historisch korrekt ist und sich trotzdem unauffällig trägt, ohne im Alltag als Kostümteil zu wirken, liegt hier richtig.
Für Lehrerinnen und Lehrer, die Geschichte im Klassenzimmer anfassbar machen wollen: Der Scheibenkopf-Ohrring eignet sich besonders gut als Unterrichtsobjekt, weil er drei Themenfelder gleichzeitig öffnet, Handelswege, Handwerkstechnik und Alltagsgeschichte, ohne dass dafür ein Wort erklärt werden muss, bevor er in die Hand genommen wird. Manchmal genügt ein einziger Gegenstand, um eine Unterrichtsstunde zu kippen. Im guten Sinne.
Was Rom über Frauen, Schmuck und ausgeweitete Ohren zu sagen hatte
Juvenal war kein Mann der leisen Töne. Der römische Satiriker des späten 1. und frühen 2. Jh. n. Chr. schrieb über seine Zeitgenossinnen mit einer Schärfe, die heute noch sitzt. In seiner sechsten Satire, dem berühmten Frontalangriff auf die Frauen seiner Zeit, kommt er auch auf Schmuck zu sprechen. Und er nennt dabei ausgerechnet jenen Perlentyp, der das lange Pendilium der Ohrringe Claudia abschließt: den elenchos, die hängende Tropfenperle:
“Nil non permittit mulier sibi, turpe putat nil, cum virides gemmas collo circumdedit et cum auribus extensis magnos commisit elenchos.”
„Nichts ist einer Frau verboten, nichts hält sie für schändlich, sobald sie sich Smaragde um den Hals gelegt und an die ausgeweiteten Ohren große Tropfenperlen gehängt hat.“
Juvenal, Saturae, VI, 457–459 (ca. 100–130 n. Chr.)
Juvenal meinte das als Anklage. Was er damit unabsichtlich überlieferte: Der Begriff elenchi für hängende Tropfenperlen war im Rom des 2. Jh. n. Chr. so geläufig, dass er ohne Erklärung in eine Satire einfließen konnte. Jeder wusste, was gemeint war. Der lange Perlenanhänger, der die Ohrringe Claudia nach unten abschließt, gehört also genau zu jenem Schmucktyp, über den ein römischer Satiriker sich öffentlich echauffiert hat. Schlechtere Werbung für historische Korrektheit gibt es kaum.
Scheibe, Stab, Perle – Fragen, die sich wirklich stellen
Was bedeuten die konzentrischen Rillen auf der Scheibe, sind sie nur Dekoration?
Die konzentrischen Rillen sind das Ergebnis einer antiken Treib- und Drucktechnik, bei der Metall über eine Form gedrückt und durch wiederholtes Bearbeiten in konzentrische Ringe geformt wird. Sie sind keine reine Dekoration, sondern sichtbares Handwerk: Jede Rille zeigt, dass der Goldschmied das Blech mehrfach bearbeitet hat. Dieser Typ ist im 2. Jh. n. Chr. im gesamten römischen Kaiserreich belegt und zählt zu den charakteristischen Merkmalen des Scheibenkopf-Ohrring-Typs.
Was ist ein Elenchos und warum ist er für diesen Ohrring relevant?
Als Elenchos bezeichneten die Römer eine hängende Tropfen- oder Kugelperle am Ende eines Anhängers. Der Begriff taucht bereits bei Juvenal in seinen Saturae (ca. 100–130 n. Chr.) auf und war im Alltag so geläufig, dass er ohne Erklärung verwendet wurde. Die große Flussperle, die den langen Goldstab der Ohrringe Claudia nach unten abschließt, entspricht genau diesem antiken Perlentyp und ist damit nicht nur optisches Element, sondern direkt historisch belegbares Schmuckmerkmal.
Für welche historische Epoche und welche Gesellschaftsschicht ist dieser Ohrringtyp belegt?
Der Scheibenkopf-Ohrring mit Perlenanhänger ist für das 2.–3. Jh. n. Chr. im gesamten römischen Kaiserreich belegt, von Britannien bis Syrien. Grabungsfunde aus Augusta Rauricorum (Augst, Schweiz), dokumentiert von Emilie Riha, zeigen den Typ in Wohnhäusern, auf Straßen und in öffentlichen Gebäuden. Er war kein Privileg der Oberschicht, sondern ein verbreitetes Schmuckstück wohlhabender Stadtbevölkerung.
Wie unterscheiden sich die Ohrringe Claudia von den Ohrringen Lucilla aus dem gleichen Sortiment?
Beide Modelle stammen aus der römischen Kaiserzeit und verwenden goldfarben schimmerndes Messing mit Flussperlen. Der wesentliche Unterschied liegt im Typ: Die Ohrringe Lucilla folgen dem Crotalia-Typ mit Lunula-Kopf, Volutensteg und drei Perlen-Pendilien, das Originalvorbild liegt im British Museum (Inv. G_1917-0601-2672). Die Ohrringe Claudia gehören zum Scheibenkopf-Typ mit einem einzigen langen Stab-Pendilium, ruhiger in der Wirkung, stärker in der Vertikale.
Eignen sich die Ohrringe Claudia auch als Geschenk für Menschen ohne Reenactment-Hintergrund?
Ja, und zwar aus einem einfachen Grund: Der Scheibenkopf-Ohrring mit langer, gerader Vertikallinie und einzelner Perle wirkt außerhalb des Reenactment-Kontexts nicht kostümhaft. Die schlichte Geometrie der Scheibe und die Bewegung der freihängenden Flussperle funktionieren auch mit moderner Kleidung. Wer das Stück mit einer kurzen Geschichte zum Typ übergibt, verschenkt gleichzeitig einen Gesprächsstarter.
Der längste Ohrring-Skandal der Antike
Seneca der Jüngere, Philosoph, Stoiker und zeitweise mächtigster Mann Roms hinter Nero, schrieb im 1. Jh. n. Chr. gegen den Luxus seiner Zeit an. In einem seiner Briefe empörte er sich über genau jenen langen Perlenanhänger, der den Ohrringen Claudia das entscheidende visuelle Gewicht gibt: Reiche Frauen, schrieb er, trügen mittlerweile zwei, drei Perlen übereinander an einem einzigen Anhänger, allein damit ihre Männer das Gefühl hätten, arm zu sein. Der lateinische Begriff dafür war exnarrare, das demonstrative Zur-Schau-Stellen von Vermögen durch hängende Perlen am Ohr. Was Seneca dabei übersah: Er selbst gehörte zu den reichsten Männern Roms, besaß Hunderte von Elfenbein-Tischen und ließ sich sein Philosophenleben üppig bezahlen. Sein Feldzug gegen den Perlenohrring ist damit vielleicht der bekannteste Fall von antiker Doppelmoral, der in einem Schmuckstück überliefert ist. Die Frauen trugen die Ohrringe weiter. Seneca schrieb weiter dagegen an. Beide taten das, was sie am besten konnten.
Quellenverzeichnis
Titel: Greek and Roman Jewellery
Autor: Reynold A. Higgins
Veröffentlichung: Methuen & Co. Ltd., London Datum: 1980 (2. Auflage)
Titel: Der römische Schmuck aus Augst und Kaiseraugst
Autor: Emilie Riha
Veröffentlichung: Römermuseum Augst Datum: 1990
Titel: Saturae (Satiren), Buch VI
Autor: Decimus Iunius Iuvenalis (Juvenal)
Veröffentlichung: Antike Primärquelle, ca. 100–130 n. Chr. Moderne Referenzausgabe: Braund, S. M. (Hrsg.), Loeb Classical Library, Harvard University Press Datum: 2004 (Loeb-Ausgabe)
Titel: Handbook of the Cesnola Collection of Antiquities from Cyprus
Autor: John L. Myres
Veröffentlichung: The Metropolitan Museum of Art, New York Datum: 1914
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Aktualisiert am: 07.04.2026
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