Statue Matrone, Dea Nutrix Replik aus Argentomagus
Kurz erklärt
Diese Statuette aus beige patiniertem Alabastergips folgt einer gallo-römischen Dea-Nutrix-Figur des 2. Jahrhunderts n. Chr. aus der Nekropole Champ de l'Image bei Argentomagus (Saint-Marcel, Indre, Frankreich). Das 15 cm hohe Replikat zeigt die nährende Göttin auf einem Korbsessel mit Hochlehne, zwei Säuglinge an der Brust. Die Figur diente in der Antike als Schutz im häuslichen Lararium von Mutter und Kind.
Statue Matrone auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Historische Replik (Stufe 2), Vorbild objektgenau aus Argentomagus, Material weicht vom Pfeifenton-Original ab
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Material: echter Alabastergips, beige patiniert (originalnah zur weißen Pfeifenton-Vorlage)
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Maße: H. 15 cm, B. 4,5 cm, T. 3 cm, Gewicht 0,19 kg
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Datierung des Vorbildes: zweite Hälfte 2. Jh. n. Chr. (ca. 150 bis 200 n. Chr.)
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Bekanntestes Vorbild: Déesse-mère Typ I aus Sépulture 74, Nekropole Champ de l'Image, Musée d'Argentomagus
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Antike Quelle: Aulus Gellius, Noctes Atticae XII.1 (kultureller Hintergrund zum Stillen)
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Passende Sammlungsausrichtung: gallo-römische Religion, Mutterkult, häusliche Frömmigkeit (1. bis 3. Jh. n. Chr.)
Was ist eine Dea Nutrix und woher stammt diese Statuette?
Die nährende Göttin (lateinisch Dea Nutrix) gehört zur weißen Pfeifentonkeramik der Allier-Werkstätten, datiert in das 2. Jahrhundert n. Chr. Das Vorbild dieser Replik kommt aus der gallo-römischen Nekropole Champ de l'Image bei Argentomagus (heute Saint-Marcel, Indre, Frankreich), publiziert von Isabelle Fauduet und Micheline Rouvier-Jeanlin in der Monographie zum Champ de l'Image, 1992. Die dort dokumentierte Sépulture 74 enthielt sechs Figurinen rund um eine Säuglingsurne, darunter eine 16 cm hohe Déesse-mère mit zwei Kindern.
Wie unterscheidet sich die Dea Nutrix von den rheinischen Matronae?
Hier liegt ein verbreiteter Irrtum. Die Matronae waren niederrheinische Muttergottheiten, fast immer als Dreiergruppe auf Weihaltären dargestellt, mit Eigennamen wie Aufaniae oder Vacallinehae. Die Dea Nutrix dagegen ist eine Einzelgestalt, sitzt im Hochlehnstuhl aus Korbgeflecht und stillt zwei Säuglinge. Das ikonografische Programm ist eine gallo-römische Synthese: Frank Jenkins zeigt 1957 in Archaeologia Cantiana, dass römische Mütter ihre Kinder von Ammen stillen ließen, während keltische Frauen selbst stillten. Aus diesem Spannungsfeld entstand das Bild der nährenden Göttin als Schutzpatronin für Geburt, Stillzeit und Säuglingsschutz.
Wo wurden diese Figurinen produziert?
Die Werkstätten lagen im mittleren Allier-Tal, vor allem in Toulon-sur-Allier, Saint-Pourçain-sur-Besbre und Saint-Rémy-en-Rollat. Aus weißem, sehr feinem Pfeifenton entstanden zweischalig in Form gepresste Statuetten, die anschließend hart gebrannt wurden. Über Handelsnetze gelangten die Figuren in das gesamte Gallien, nach Britannien, ins Rheinland und bis ins heutige Schweizer Mittelland. Marcus Junkelmann hat in seinen experimentell-archäologischen Arbeiten gezeigt, wie eng der gallo-römische Alltagskult mit solchen Kleinplastiken verzahnt war.
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Originalmaße: H. 16 cm, B. 5,4 cm
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Originalmaterial: weißer Pfeifenton (terre blanche), zweischalige Pressform, hart gebrannt
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Datierung: ca. 150 bis 200 n. Chr.
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Fundkontext: Brandbestattung eines Säuglings, Grabbeigabe
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Aufbewahrung: Musée d'Argentomagus, Saint-Marcel
Welche Dea-Nutrix-Funde sind vergleichbar?
| Fundort |
Datierung |
Material und Höhe |
Aufbewahrung |
Kontext |
| Argentomagus, Champ de l'Image (Vorbild der Replik) |
2. Hälfte 2. Jh. n. Chr. |
weißer Pfeifenton, H. 16 cm |
Musée d'Argentomagus, Saint-Marcel |
Säuglingsgrab Sépulture 74 |
| Paris, Sammlung Carnavalet |
1. bis 3. Jh. n. Chr. |
weißer Pfeifenton, fragmentiert |
Musée Carnavalet, Paris |
Werkstattzuweisung Toulon-sur-Allier oder Autun |
| Baldock, Hertfordshire (Grab 3960) |
4. Jh. n. Chr. (Fundkontext) |
weißer Pfeifenton, vollständig |
North Hertfordshire Museum |
romano-britisches Kindergrab |
| Canterbury, St Dunstan's |
2. bis 3. Jh. n. Chr. |
weißer Pfeifenton |
Canterbury Roman Museum |
Brandbestattung, 1887 entdeckt |
| Avenches/Aventicum (Schweiz) |
2. Jh. n. Chr. |
weißer Pfeifenton, Fragmente |
Site et Musée romains d'Avenches |
Heiligtumskontext |
Praxisleitfaden für Sammler gallo-römischer Kleinplastik
Die Replik eignet sich für eine ruhige Vitrinenposition oder eine offene Lararium-Nische. In der Direktbetrachtung fallen die Modellierung der Drapierung am Schoß und die beiden Säuglingsköpfchen auf. Die beige Patinierung kommt der Farbe des originalen Pfeifentons sehr nahe.
Passende Darstellungsart: häusliche gallo-römische Frömmigkeit, 1. bis 3. Jh. n. Chr., Lararium-Aufbau oder Sammlervitrine
Einsatzbereich: stationär aufgestellt in Vitrine, Lararium oder auf einem Schreibtisch, nicht für Transport zu wechselnden Veranstaltungen geeignet
Materialverhalten: Alabastergips ist schlagempfindlich, die Patinierung kann bei direkter Sonneneinstrahlung über Jahre nachdunkeln
- Aufbau in einer Lararium-Nische zusammen mit zwei kleinen Öllampen und einer Räucherschale
- Vitrinenposition neben weiteren Allier-Repliken (Venus anadyomene, Pferdefigurinen) für ein gallo-römisches Grabbeigaben-Ensemble
- Einzelpräsentation auf einem Buchregal als Gesprächsanker für Besucher
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: Das Originalvorbild ist aus weißem Pfeifenton in zweischaligem Pressformverfahren gebrannt. Diese Replik aus Alabastergips erreicht das Materialverhalten und die fein gebrannte Oberfläche nicht ganz. Forschungsseitig umstritten ist außerdem, ob die zwei Säuglinge tatsächlich als Zwillinge zu lesen sind oder ob die Dopplung ein ikonografisches Symbol für unerschöpfliche Fruchtbarkeit ist. Bémont, Rouvier-Jeanlin und Lahanier (1993) lassen diese Frage offen.
Welche Sammler- und Anwendungssituationen passen?
- Steht der Schwerpunkt der eigenen Sammlung auf gallo-römischer Religion oder Mutterkulten, ist die Statuette ein zentrales Stück und sollte prominent positioniert werden.
- Bei einem rein militärisch ausgerichteten Sammlungsfokus auf Legionärsausrüstung wirkt die Figur dagegen randständig und passt eher in eine Begleitvitrine zum zivilen Alltag.
- Wer streng fundbezogen sammelt, sollte die Materialdifferenz (Gips statt Pfeifenton) im Beischild offen ausweisen, um die Replik klar von einem Original abzugrenzen.
Für Museumsshops und Vermittlungseinrichtungen eignet sich die Statuette als Demonstrationsobjekt zum gallo-römischen Synkretismus, Reenactment-Lager nutzen sie als statisches Lararium-Element.
Häufige Fragen zur Statue Matrone Dea Nutrix
Wie reinige ich eine patinierte Alabastergips-Statuette langfristig?
Trockene Reinigung mit einem weichen Pinsel oder einem Mikrofasertuch ohne Zusätze genügt. Wasser und feuchte Tücher lösen die Patina an und sollten konsequent vermieden werden. Bei stärkerer Verschmutzung hilft ein leicht angefeuchteter Wattestab nur an einer unauffälligen Stelle und erst nach einer Materialprobe.
Wie lagere ich die Statuette über längere Zeit ohne Patinaverlust?
Trocken, dunkel und staubgeschützt in Seidenpapier eingeschlagen. Direkte Sonneneinstrahlung lässt die beige Patinierung über Jahre nachdunkeln, sehr trockene Heizungsluft kann zu feinen Haarrissen im Gips führen. Eine luftdichte Box ist nicht nötig, ein verschlossenes Karton-Etui reicht aus.
Lassen sich kleine Patina-Abplatzungen nachbessern?
Ja, mit einem feinen Acrylpinsel und einer Mischung aus Beige und einem Hauch Umbra. Vor dem Eingriff hilft eine Probefläche an der Statuettenrückseite. Bei größeren Schäden lohnt sich der Kontakt zum Shop, weil eine komplette Neupatinierung mehr Aufwand verlangt.
Eignet sich die Figur für die Schulvermittlung zur römischen Religion?
Ja, sie eröffnet einen direkten Zugang zum gallo-römischen Synkretismus und zum häuslichen Frömmigkeitskult. Lehrkräfte können die Verbindung zwischen Allier-Werkstätten, Handelsnetzen und Kindergrabsitten anschaulich machen. Wegen der Schlagempfindlichkeit gehört das Stück allerdings nicht in Schülerhände, sondern in eine Demonstrationsvitrine.
Welche Inschrift oder Signatur trägt das Original?
Die Argentomagus-Figur trägt keine Werkstattsignatur. Andere Allier-Stücke führen Stempel wie PISTILLVS, SACRILLVS oder REXTVGENOS auf der Sockelrückseite. Das vorliegende Replikat ist eine glatte Variante ohne Signaturwiedergabe.
Woran erkenne ich eine Dea Nutrix gegenüber einer Venus anadyomene?
Die Dea Nutrix sitzt frontal mit Säuglingen im Korbsessel und ist vollständig bekleidet. Die Venus anadyomene steht aufrecht, nackt und ordnet ihr nasses Haar. Beide Typen stammen aus den Allier-Werkstätten und kommen oft in derselben Grabbeigabe vor, wie Sépulture 74 in Argentomagus belegt.
Externe Quellen und Literatur zur Dea Nutrix Statuette
- Wikipedia: Argentomagus, Übersichtsartikel zum Fundort der Bituriges Cubes
- Persée Open Access: Fauduet/Rouvier-Jeanlin, Les figurines en terre cuite, Champ de l'Image (1992)
- Paris Musées: Fragment de statuette: déesse-mère, Musée Carnavalet
- Canterbury Museums: Dea Nutrix, Canterbury Roman Museum
- Bémont, Colette / Rouvier-Jeanlin, Micheline / Lahanier, Christian: Les figurines en terre cuite gallo-romaines, Documents d'Archéologie Française 38, Paris 1993, DAI Zenon
- Allain, Jacques / Fauduet, Isabelle / Tuffreau-Libre, Marie: La nécropole gallo-romaine du Champ de l'Image à Argentomagus, Mémoire 1 du Musée d'Argentomagus, Tours 1992
- Coulon, Gérard: Argentomagus, du site gaulois à la ville gallo-romaine, Errance, Paris 1996
- Jenkins, Frank: The Cult of the Dea Nutrix in Kent, Archaeologia Cantiana 71 (1957), S. 38 bis 46, Standardpublikation zum Kult
- Burleigh, G. / Fitzpatrick-Matthews, K. / Aldhouse-Green, M.J.: A Dea Nutrix Figurine from a Romano-British Cemetery at Baldock, Britannia 37 (2006), S. 273 bis 294
- Aulus Gellius: Noctes Atticae XII.1, Latein-Volltext, The Latin Library
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Aktualisiert am: 05.05.2026