Statue Venus Aphrodite, Replik einer gallorömischen Vénus Anadyomène, Alabastergips 16 cm
Kurz erklärt
Die Statue Venus Aphrodite ist eine Replik einer gallorömischen Vénus Anadyomène vom Typus II nach Rouvier-Jeanlin (1972), wie sie ab etwa 40 n. Chr. in den Pipeclay-Werkstätten des Allier in Mittelgallien serienweise hergestellt wurde. Die 16 cm hohe Figur aus Alabastergips mit heller Patina nimmt das kreidig-weiße Erscheinungsbild der gebrannten Tonoriginale auf. Sie zeigt die Göttin nackt stehend, mit einer Haarsträhne in der erhobenen rechten Hand und einem fallenden Gewandstreifen an der linken Körperseite.
Venus-Statuette auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Historische Replik (Stufe 2), Typus-II-Anadyomène nach Rouvier-Jeanlin, Alabastergips ahmt das kreidige Pipeclay der gallischen Originale optisch nach
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Material: Alabastergips, hell patiniert
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Maße und Gewicht: 16 cm Höhe, Standfläche 3 mal 3 cm, ca. 0,14 kg Artikelgewicht
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Datierung des Vorbildes: ca. 40 n. Chr. bis 230 oder 250 n. Chr., Hochblüte unter den Flaviern und Antoninen
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Bekanntester Vorbild-Typus: Vénus Anadyomène aus den Pipeclay-Werkstätten Mittelgalliens (Toulon-sur-Allier, Yzeure-Saint-Bonnet, Vichy, Saint-Pourçain-sur-Besbre)
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Antike Quelle: Hesiod, Theogonia 188 bis 200 (Geburt der Aphrodite aus dem Meeresschaum, ikonografischer Ursprung des Anadyomène-Typus)
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Passende Darstellung: ziviler gallorömischer Hausstand, Lararium-Inszenierung, frühe bis mittlere Kaiserzeit, westliche Provinzen
Was ist eine Vénus Anadyomène aus den Allier-Werkstätten?
Die Vénus Anadyomène ist eine kleinplastische Tonstatuette aus weißem Pipeclay, die zwischen etwa 40 n. Chr. und 230 oder 250 n. Chr. in den Werkstätten Mittelgalliens serienweise hergestellt wurde. Ein gut datierter Vergleichsfund stammt aus einem hochkaiserzeitlichen Brandgrab im Gräberfeld von Saint-Memmie "La Trussonnerie" bei Châlons-en-Champagne in der Marne und liegt heute im Depot des französischen Inrap (Damour, de Beenhouwer und Pouget, RAE 2014). Der Anadyomène-Typus zeigt die nackte Göttin frontal stehend, mit einer Haarsträhne in der erhobenen rechten Hand und einem zu Boden fallenden Tuchstreifen an der linken Körperseite. Wie die Forscherin Micheline Rouvier-Jeanlin in ihrer Standardpublikation der Pipeclay-Figurinen am Musée d'Archéologie Nationale (1972) festhielt, gehört diese Pose zum Typus II ihrer Klassifikation.
Wo wurden die Originale hergestellt?
Die Hauptwerkstätten lagen sämtlich im Tal des Flusses Allier: Toulon-sur-Allier, Yzeure-Saint-Bonnet, Saint-Pourçain-sur-Besbre, Vichy und Saint-Rémy-en-Rollat. Edmond Tudot dokumentierte die ersten Atelier-Funde ab 1857 in seiner Collection de figurines en argile. Aus Toulon-sur-Allier ist eine zweischalige Tonform mit Belüftungsloch erhalten, heute Inv. MAN 7291 im Musée d'Archéologie Nationale, Saint-Germain-en-Laye. Spätere Schwesterwerkstätten entstanden in der Bretagne, im Oise-Gebiet und im rheinischen Umfeld bei Köln, nie aber auf der italischen Halbinsel selbst.
Welche Bedeutung hatte die Statuette im Hausstand?
Pipeclay-Venusstatuetten dienten in der gallorömischen Bevölkerung als Votivobjekt und Hausaltarfigur. Sie tauchen in drei Hauptkontexten auf: in Heiligtümern wie dem Quellsanktuar von Craon bei Montbouy im Loiret (1. Jh. n. Chr., heute Musée de Châtillon-Coligny), in zivilen Lararien und Wohnhäusern, sowie in Brandgräbern als Beigabe für Frauen und Kinder. Die kreidig-weiße Oberfläche der Originale stand vermutlich für rituelle Reinheit, war aber auch ein technisches Nebenprodukt der spezifischen Pipeclay-Mischung der Allier-Werkstätten.
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Höhe der Originale: 18 bis 22 cm bei Vénus Anadyomène, kleinere Varianten ab 9 bis 10 cm
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Material der Originale: weißer Pipeclay, in zweischaligen Tonformen hohlgepresst, mit Belüftungsloch im Rücken oder an der Seite
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Datierung: ab ca. 40 n. Chr. einsetzend, Hauptproduktion im 1. und 2. Jahrhundert, Auslauf 230 bis 250 n. Chr.
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Verbreitung: ganz Gallien, Germania inferior und superior, Britannia (eine Schwester-Statuette zeigt das Museum of Gloucester aus dem römischen Glevum), seltener im Donauraum
Häufige Fehlannahme in populären Beschreibungen: Pipeclay-Venusstatuetten seien italische Importware. Tatsächlich handelt es sich um eine rein gallische Erfindung, die kein direktes Pendant auf der italischen Halbinsel hat. Die ikonografische Vorlage ist zwar griechisch (Aphrodite Anadyomène nach hellenistischen Modellen), die Massenproduktion in Pipeclay aber spezifisch gallorömisch.
Wie unterscheiden sich die wichtigsten Pipeclay-Venus-Typen?
| Typus |
Pose |
Höhe Original |
Datierung |
Fundkontext-Beispiel |
| Pseudo-Vénus (Type I) |
frontal stehend, vollständig bekleidet, Kopfschmuck oder Schleier |
ca. 18 bis 22 cm |
ca. 40 bis 100 n. Chr. |
Vichy, Yzeure-Saint-Bonnet |
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Vénus Anadyomène (Type II) |
nackt stehend, Haarsträhne in rechter Hand, fallender Gewandstreifen links |
ca. 18 bis 22 cm |
ca. 40 bis 250 n. Chr. |
Saint-Memmie (Marne), Toulon-sur-Allier |
| Vénus mit Apfel (Type III) |
nackt stehend, Apfel in einer Hand |
ca. 15 bis 20 cm |
2. Jh. n. Chr. |
seltener, Streufunde aus Lararien
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| Vénus marine |
liegend oder thronend mit Delphin |
variierend |
2. bis 3. Jh. n. Chr. |
Oise-Region, sehr selten in Allier-Produktion |
Statue Venus in der Darstellungspraxis
Im aktiven Reenactment passt die Statuette in den zivilen Hausstand-Kontext, vor allem als Bestandteil eines inszenierten Lararium oder Hausaltars im Stil eines gallorömischen Provinzialwohnhauses des 1. bis 2. Jahrhunderts. Auf einem unebenen Holzbrett im Lager bietet die Standfläche von 3 mal 3 cm einen stabilen Stand. Aus der Publikumsdistanz von 3 bis 5 m wirkt die helle Patina genau so wie das kreidige Weiß der Pipeclay-Originale. Im Direktvergleich aus 0,5 m Abstand erkennt das geübte Auge den Materialwechsel vom porösen gebrannten Ton zum glatteren Gips, ebenso die fehlende Belüftungsöffnung am Rücken.
Passende Darstellung: ziviler gallorömischer Hausstand frühe bis mittlere Kaiserzeit, Provinzialgallien | Einsatzbereich: Lararium-Display und Hausaltar-Inszenierung, kein Marsch- oder Vorführbetrieb mit Stoßbelastung | Tragezeit: ganztägige Standdarstellung im Lager, sicheres Verstauen über Nacht in Polsterung empfohlen
- Aufstellung im Lararium neben einem Lar familiaris und einem Genius-Bildnis, vor einem Hintergrund aus Wandmalerei-Imitation oder einfachem Wandbehang
- Vermittlungsstation zum Thema Götter im römischen Privathaushalt für Familienpublikum, Schulklassen und Fachbesucher nebeneinander
- Inszenierung einer Frauenwelt-Szene auf der Tafel, etwa zum 1. April (Veneralia, Tag der Verehrung der Venus Verticordia durch römische Matronen)
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: Originale aus weißem Pipeclay waren hohlgepresst und besaßen ein Belüftungsloch im Rücken, die Replik ist aus Alabastergips massiv gegossen ohne diese Öffnung. Ob die antiken Statuetten ursprünglich farbig bemalt waren, ist forschungsseitig nicht abschließend geklärt. Rouvier-Jeanlin (1972) dokumentierte vereinzelt Spuren von rotem und schwarzem Pigment, die Mehrzahl der Funde zeigt aber blanke weiße Oberfläche. Die helle Patina der Replik liegt damit im plausiblen, aber nicht zwingend belegten Befund.
Für welche Anwendungen eignet sich die Venus-Statuette?
- Wer ein statisches Lararium für mehrtägige Lagerveranstaltungen im Stil von Saalburg, Carnuntum oder Xanten APX einrichtet, findet hier ein optisch passendes Standstück mit überschaubarem Investitionsrisiko bei Beschädigung.
- Bei eng datierter Provinzialdarstellung der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts (Vespasian bis früher Trajan) sitzt die Statuette mitten im Datierungsfenster der Pipeclay-Hauptproduktion. Spätere Darstellungen ab Severerzeit funktionieren ebenfalls, frühe republikanische oder augusteische Kontexte dagegen nicht, weil die Werkstätten erst um 40 n. Chr. anlaufen.
- Für streng fundbezogen arbeitende Darsteller bleibt die Materialdistanz Gips zu Pipeclay ein offener Punkt. Vermittlungsorientierte Auftritte vor Schulpublikum oder im Museumskontext profitieren dagegen vom robusteren Gipsmaterial gegenüber zerbrechlicheren Tonrepliken.
Sammler mit Vitrinenfokus stellen die Statuette wegen ihres Pipeclay-Bezugs und der Allier-Werkstattprovenienz gerne in eine Reihe mit weiteren gallorömischen Repliken. Experimentalarchäologen nutzen das Stück eher als Anschauungsobjekt für die Typologie nach Rouvier-Jeanlin, weniger als Forschungsersatz.
Häufige Fragen zur Statue Venus Aphrodite
Worin unterscheiden sich Vénus Anadyomène und Pseudo-Vénus aus den Allier-Werkstätten?
Beide Typen stammen aus denselben Pipeclay-Werkstätten, zeigen aber gegensätzliche Ikonografie. Die Pseudo-Vénus (Typus I nach Rouvier-Jeanlin) ist vollständig bekleidet, frontal aufrecht und trägt Schleier oder Kopfschmuck, während die Anadyomène (Typus II) nackt steht und mit der rechten Hand eine Haarsträhne hält. Wer eine zurückhaltende Lararium-Aufstellung sucht, wählt die Pseudo-Vénus, wer den hellenistisch-griechischen Bildtyp zeigen möchte, greift zur Anadyomène.
Wie lagere ich Alabastergips über mehrere Saisons hinweg?
Alabastergips zieht Feuchtigkeit und ist stoßempfindlich, daher kommt die Statuette zwischen Events am besten in eine luftdurchlässige Stoffhülle und in eine Polsterkiste mit Trockenmittel. Direkte Sonneneinstrahlung sowie Kellerfeuchte vermeiden, weil Patina und Sockelkante sonst leiden. Bei kleinen Abplatzungen lässt sich mit Aquarellpigmenten in beigeweißem Ton dezent retuschieren.
In welche Hausstand-Impression passt die Statue zeitlich und regional?
Das Datierungsfenster der Pipeclay-Vorbilder reicht von etwa 40 n. Chr. bis 230 oder 250 n. Chr., der Schwerpunkt liegt im 1. und 2. Jahrhundert. Geografisch sitzt die Statuette in jeder gallorömischen Provinzialdarstellung von Aquitania über Lugdunensis bis Belgica und Germania inferior. In streng italischen Kontexten der späten Republik oder frühen augusteischen Zeit ist sie anachronistisch.
Warum Alabastergips statt Pipeclay, und was bedeutet das für ernste Reenactment-Auftritte?
Pipeclay-Originale ließen sich technisch nur mit der spezifischen Tonmischung und der Brennofen-Konstruktion der Allier-Werkstätten herstellen, eine direkte Materialreplik ist im Massensegment nicht wirtschaftlich. Alabastergips ahmt die kreidige Oberfläche optisch glaubwürdig nach, bleibt aber materialfremd zum Vorbild. Für streng fundbezogene Auftritte bleibt die Statuette deshalb ein Display-Element, kein Detail-Vorzeigestück.
Welche Lararium-Begleitstücke kombinieren stimmig mit der Venus-Replik?
In gallorömischen Hausaltären lassen sich Venus-Statuetten mit einem Lar familiaris, einem Genius-Bildnis und einer Patera für Trankopfer kombinieren. Räucherwerk auf einer kleinen Schale, ein dünner Blumenkranz und eine Öllampe vom Loeschcke-Typ I oder VIII runden die Szene aus. Wichtig ist die zeitliche Konsistenz, also keine spätantiken Komponenten neben einer hochkaiserzeitlichen Anadyomène.
Was hält die Statuette im Lager-Alltag aus?
Auf einem stabilen Tisch oder Lararium-Brett übersteht sie eine ganze Saison Standdarstellung problemlos. Risiko entsteht beim Wechsel zwischen Veranstaltungsorten, wenn die Statuette ungesichert in einer Kiste reist. Eine seitliche Stoßbelastung am Sockel oder eine fallende Statuette führen zuverlässig zu Bruch oder Patinaverlust an Kanten und Standfläche.
Externe Quellen und Literatur zur Vénus Anadyomène
- Wikipedia, Pseudo-Venus: https://de.wikipedia.org/wiki/Pseudo-Venus (Übersichtsartikel zu den gallorömischen Pipeclay-Venusstatuetten)
- Sammlung Muret, Mould für Vénus Anadyomène, Toulon-sur-Allier, Inv. MAN 7291, Musée d'Archéologie Nationale Saint-Germain-en-Laye: digitalmuret.inha.fr
- Damour V., de Beenhouwer J., Pouget N., Quatre figurines en terre blanche découvertes en contexte funéraire à Saint-Memmie (Marne), Revue archéologique de l'Est 63, 2014: journals.openedition.org/rae/8250
- JF Bradu, Heiligtum von Craon bei Montbouy mit Vénus Anadyomène, 1. Jh. n. Chr., Musée de Châtillon-Coligny: jfbradu.free.fr/celtes/montbouy
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Rouvier-Jeanlin, Micheline (1972): Les Figurines gallo-romaines en terre cuite au Musée des Antiquités Nationales, Gallia suppléments 24, CNRS Paris. Standardwerk mit der Typologie I bis IV (DAI Zenon-Eintrag): zenon.dainst.org
- Hesiod, Theogonia 188 bis 200, Geburt der Aphrodite aus dem Meeresschaum (griechischer Originaltext mit Übersetzung): Perseus Digital Library
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Aktualisiert am: 07.05.2026