Relief Venus, Alabastergips hell patiniert, 16 x 9 cm, römisch-griechische Göttin der Liebe im Hausaltar
Kurz erklärt
Diese Replik gibt einen gallo-römischen Schrein aus Pfeifenton der Venus wieder, wie er aus den Ausgrabungen am Quai Arloing in Lyon-Vaise stammt und heute im Lugdunum Musée et théâtres romains aufbewahrt wird. Der Original-Typ entstand zwischen dem 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. in der Werkstatt-Tradition des Koroplasten Pistillus aus Augustodunum (Autun) und der Allier-Tal-Werkstätten. Im häuslichen Lararium der westlichen Provinzen war diese aedicula-gerahmte Venus-Darstellung ein Standardbildwerk der Liebes- und Fruchtbarkeitsverehrung.
Venus-Schrein auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Historische Replik (Stufe 2). Alabastergips ist modernes Gussmaterial, Pose und Format folgen eng dem Original. Kein Einzelfund-Replikat, sondern Werkstatt-Tradition Pistillus.
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Material: echter Alabastergips, hell patiniert, statisches Reliefformat in Aedicula-Schreinrahmung
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Maße und Gewicht: 16 cm Höhe, 9 cm Breite, 5 cm Tiefe, 0,31 kg Artikelgewicht
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Datierung des Vorbildes: 2. bis 3. Jh. n. Chr., Schwerpunkt Vicus-Phase 3. Jh., gallo-römische Provinzkultur
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Bekanntestes Vorbild: Pfeifenton-Schrein der Venus aus dem Quai Arloing in Lyon-Vaise, Lugdunum Musée et théâtres romains
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Antike Quelle: Ovid, Fasti IV.133–166 (Veneralia, 1. April)
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Passende Darstellung: Matrona, Pater Familias oder Provinzialhandwerker, Hausaltar in Gallia Lugdunensis, Belgica oder Niedergermanien
Welches Vorbild liegt dem Venus-Schrein im Hausaltar zugrunde?
Die Replik orientiert sich an einem Pfeifenton-Schrein der Venus, der bei Ausgrabungen am Quai Arloing in Lyon-Vaise zutage kam und heute im Lugdunum Musée et théâtres romains aufbewahrt wird. Anthony Beeson hat dieses Stück in seiner Studie zur S-Cresting-Architektur römisch-britannischer Heiligtümer als Schlüsselbeleg behandelt; die Datierung liegt im 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr.
Das Stück ist kein italisches Erzeugnis, sondern eine Provinzproduktion aus der Werkstatt-Tradition des Koroplasten Pistillus von Augustodunum (Autun) und der Allier-Tal-Werkstätten in Toulon-sur-Allier und Saint-Pourçain-sur-Besbre. Diese Pfeifenerde-Koroplastik versorgte zwischen dem späten 1. und dem 3. Jh. n. Chr. ganz Gallien und das angrenzende Germanien mit Götterstatuetten für Hausaltäre und Grabbeigaben. Wer den Schrein in der Praxis aufstellt, muss diesen Provinz-Hintergrund mitdenken; er gehört nicht in eine pompejanische Lararium-Inszenierung, denn Pfeifenerde-Koroplastik wurde auf der italischen Halbinsel kaum produziert.
Pfeifenton-Koroplastik: die Werkstatt-Tradition Pistillus aus Autun
Pistillus war ein namentlich gestempelter Koroplast aus Augustodunum, dessen Produkte in ganz Gallien zirkulierten. Hugues Vertet und Gérard Vuillemot katalogisierten die Autun-Produktion 1971 bis 1974 in den Mémoires de la Société Eduenne. Die Vénus-Typen dieser Werkstätten teilen sich in drei Hauptvarianten: Vénus anadyomène (aus dem Bad steigend, Haare ringend), Vénus pudique (mit verhüllender Geste) und Vénus se pressant un sein (rechte Hand zur Brust). Der Schrein-Typ aus Lyon zeigt die dritte Variante.
Bliesbruck-Reinheim: identische Pose im gallo-römischen Vicus
Im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim an der deutsch-französischen Grenze liegt eine Vénus-Statuette mit exakt der gleichen Pose: in einer Säulen-Aedicula gerahmt, mit Draperie in der linken Hand und der rechten Hand an der Brust. Die Bliesbruck-Figur stammt aus der Pistillus-Stiltradition und gehört in die Vicus-Phase des 3. Jahrhunderts. Mehr als hundert Pfeifenerde-Statuettenfragmente kamen in Bliesbruck-Reinheim ans Licht; Venus dominiert neben Nutrix, Minerva und Epona.
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Maße des Vorbildes: typische Pfeifenerde-Schreine messen zwischen 12 und 25 cm Höhe; das Replikat liegt mit 16 cm im üblichen Größenrahmen
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Material des Originals: kaolinhaltige weiße Pfeifenerde, gebrannt bei rund 950 Grad Celsius, oft polychrom bemalt
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Datierung: 2. bis 3. Jh. n. Chr., Hauptproduktionszeit der gallo-römischen Koroplastik
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Verbreitungsraum: Gallia Lugdunensis, Aquitania, Belgica, Niedergermanien, vereinzelt Britannia
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Aufstellkontext: Hausaltar (Lararium) und Grabbeigabe; in Lyon-Vaise sogar im Nekropolen-Kontext belegt
| Vénus-Typ |
Pose und Geste |
Werkstatt-Schwerpunkt |
Passende Darstellung |
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Vénus se pressant un sein (Schrein-Typ) |
aufrecht stehend, Draperie in linker Hand, rechte Hand an Brust, Aedicula-gerahmt |
Pistillus-Stil, Augustodunum (Autun) |
Hausaltar im westprovinzialen Vicus oder in der Villa rustica, 2. bis 3. Jh. n. Chr. |
| Vénus anadyomène |
nackt aus dem Bad steigend, Haar mit beiden Händen ausdrückend, freistehend |
Allier-Tal (Toulon-sur-Allier, Saint-Pourçain-sur-Besbre) |
häuslicher Schrein und Grabbeigabe, Schwerpunkt 2. Jh. n. Chr. |
| Vénus pudique |
verhüllende Geste, beide Hände decken Brust und Schoß, freistehend |
Allier-Tal, gelegentlich italische Importe |
repräsentative Vitrinenposition, seltener im Hausaltar |
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Venus Pompeiana (Wandbild-Typ) |
komplett bekleidet, mit Mauerkrone, Steuerruder und Eros, in Wandbild oder Relief |
nur Pompeji, kein Provinzbezug |
nicht für gallo-römische Hausaltarpraxis geeignet, kontextfremd |
Venus-Schrein im Hausaltar in der Darstellungspraxis
Im Lager- und Vicus-Kontext steht der Schrein dort, wo das Provinz-Lararium tatsächlich stand: an einer Wand der Wohnstube, auf einem schmalen Sims oder als Mittelstück eines Hausaltartisches mit Räucherschälchen, Öllampe und Münzopfer davor. Aus 3 m Publikumsdistanz wirkt die helle Patina deutlich, die Säulen rahmen die Figur klar; aus 0,5 m Detailabstand erkennt der Betrachter, dass der Alabastergips weicher modelliert ist als gebrannte Pfeifenerde und keine Brennspuren oder Stempelsignaturen trägt.
Passende Darstellungsart: Matrona, Pater Familias oder Provinzialhandwerker in einer westprovinzialen Villa- oder Vicus-Inszenierung, 2. bis 3. Jh. n. Chr. | Einsatzbereich: Hausaltartisch und Lararium-Wandsims im Schaubetrieb, Vitrine und Lehrtisch, kein Brennbetrieb davor und kein Außenlager bei Regen | Nutzbarkeit: rein dekorativ und vermittlungsorientiert, kein Funktionsobjekt
- Aufstellung im rekonstruierten Hausschrein einer Villa-rustica-Darstellung, kombiniert mit kleinen Firmalampen, einer Bronzepatera und einer Matres-Statuette
- Mittelstück bei Veneralia-Vorführungen am 1. April mit Myrtenkränzchen und Weihrauchgaben, Skript nach Ovid Fasti IV.133–166
- Einbindung in Schul- und Museumsworkshops zur gallo-römischen Hausaltarpraxis, parallel zu den Bliesbruck-Reinheim-Originalen
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: Alabastergips ersetzt die kaolinhaltige Pfeifenerde der Originale; Material, Brennvorgang und Stempel-Signatur des Pistillus-Werkstattkontexts fehlen. Die Patina sitzt auf der Oberfläche, nicht in der Tonmasse selbst. Eine ältere Fundzuweisung an Pompeji ist sachlich nicht haltbar; das Vorbild stammt aus Lyon-Vaise, nicht aus Kampanien.
Für welche Darstellungen eignet sich der Schrein?
- Streng fundbezogene Provinz-Darstellung in Niedergermanien, Belgica oder Lugdunensis: geeignet, sofern der Schrein als Pfeifenerde-Replik kommuniziert wird. Wer auf materialidentische Pfeifenerde besteht, sollte zu einer gebrannten Tonkopie greifen.
- Mainstream-Reenactment des 1. Jh. n. Chr. (Vespasian bis Trajan): nur eingeschränkt; die Pistillus-Produktion ist ab dem späten 1. Jh. fassbar, der Schwerpunkt liegt im 2. und 3. Jh.
- Vermittlungsorientierter Einsatz in Schule und Museum: ideal, weil das Stück die typische Hausaltarpraxis der westlichen Provinzen sichtbar macht ohne Funktionsrisiko.
Sammler positionieren das Stück als display-only in der Vitrine; Museumspädagogen können es als Anfass-Replik in der Ovid-Fasti-Vermittlung einsetzen.
Häufige Fragen zum Venus-Relief im Hausaltar
Worin unterscheidet sich der Schrein-Typ vom freistehenden Vénus-anadyomène-Typ?
Der Schrein-Typ aus Lyon ist architektonisch durch eine Säulen-Aedicula gerahmt und zeigt Venus mit der rechten Hand an der Brust und der linken Hand an einer Draperie. Die Vénus anadyomène steht dagegen frei, nackt und ringt mit beiden Händen ihre Haare aus. Beide Typen kommen in denselben Werkstätten vor, dienen aber unterschiedlichen Aufstellkontexten: der Schrein als Wandstück, die anadyomène als freistehende Schreinbeigabe.
Wie schützt man die helle Patina dauerhaft gegen Vergilbung und Schmutz?
Alabastergips ist hygroskopisch und reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit, Tabakrauch und UV-Licht. Lagern sie das Stück in einer trockenen, schattigen Vitrine, vermeiden sie direkte Tageslichtbestrahlung und reinigen sie ausschließlich trocken mit einem weichen Pinsel. Wer die Patina nachzieht, sollte mit einer matten Acrylglasur arbeiten, die keine Farbpigmente einträgt.
Welche Provinz-Darstellung passt zum Schrein und welche nicht?
Der Schrein gehört in die westliche Provinzkultur, also in eine Lugdunensis-, Belgica- oder Niedergermanien-Darstellung des 2. und 3. Jh. n. Chr. Eine pompejanische Lararium-Inszenierung ist kontextfremd, weil Pfeifenerde-Koroplastik auf der italischen Halbinsel kaum produziert wurde. Auch eine republikanische oder augusteisch-tiberische Darstellung passt nicht; die Werkstatt-Tradition Pistillus setzt erst spätflavisch-trajanisch ein.
Wie nah kommt Alabastergips materiell an die antike Pfeifenerde heran?
Optisch sehr nah, technologisch nicht. Pfeifenerde ist eine kaolinhaltige weiße Tonart, gebrannt bei rund 950 Grad Celsius, dadurch hart und temperaturstabil. Alabastergips ist ein gegossenes Sulfatmaterial, weicher in der Oberflächenstruktur und feuchtigkeitsempfindlich. Wer eine Museums-Replik möchte, muss zu einer gebrannten Tonkopie greifen; das vorliegende Stück ist eine fundnahe Vitrinen- und Hausaltar-Replik.
Welche Hausaltar-Beigaben wirken stimmig zum Venus-Schrein?
Im gallo-römischen Hausaltar wirken eine kleine Firmalampe (Loeschcke IX oder X), ein Terra-Sigillata-Schälchen für Räucherwerk, ein Bronze-Aspergillum sowie Myrtenzweige als Floraldekoration stimmig. Eine Aufstellung neben einer Matres-Statuette oder einer Epona-Figur ist sogar quellengestützt; in Bliesbruck-Reinheim wurden genau diese Kombinationen ergraben.
Was tun, wenn an Säule oder Bogenrand etwas absplittert?
Kleine Absplitterungen am Alabastergips lassen sich mit handelsüblichem Modellierwachs kosmetisch retuschieren und mit einer matten Acrylglasur einbinden. Größere Bruchstellen klebt sie mit einem reversiblen Polyvinylacetat-Klebstoff (PVAc) zusammen, der für Restaurierungen geeignet ist. Bei tiefergehenden Schäden ist eine Werkstattreparatur sinnvoller als ein Eigenversuch.
Externe Quellen und Literatur zum Pfeifenerde-Schrein der Venus
- Wikipedia (Übersicht zum Festtag der Venus): Veneralia
- Lugdunum Musée et théâtres romains, offizielles Werkverzeichnis: Catalogue des œuvres
- Joconde / POP, Datenbank des französischen Kulturministeriums (Vénus anadyomène-Parallele aus Autun): Notice 01610010809
- Parc archéologique européen de Bliesbruck-Reinheim, offizielle Trägerseite Moselle Culture: Parc archéologique européen
- Catling, Ch., „Rural Romanitas: rethinking the role of villas", Current Archaeology 399 (Mai 2023) mit Bildbeleg „pipe-clay shrine to Venus from Quai Arloing, Lyon": the-past.com
- Henig, M., Soffe, G., Adcock, K., King, A. (eds.) 2023: Villas, Sanctuaries and Settlements in the Romano-British Countryside, Archaeopress Roman Archaeology vol. 95, ISBN 978-1803273808 (mit Beeson-Beitrag zum Quai-Arloing-Schrein)
- Vertet, H. & Vuillemot, G. 1971–1974: Figurines gallo-romaines en argile d'Autun, Mémoires de la Société Eduenne 52 (Pistillus-Werkstatt, Standardkatalog)
- Rouvier-Jeanlin, M. 1972: Les figurines gallo-romaines en terre cuite au Musée des Antiquités Nationales, Gallia Suppl. XXIV, CNRS Paris
- Ovid, Fasti IV.133–166, lateinischer Originaltext (Veneralia, 1. April): The Latin Library
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Aktualisiert am: 07.05.2026