Relief Epona II: die römisch-gallische Pferdegöttin aus Walheim
Kurz erklärt
Das Epona Relief II ist eine handpatinierte Alabastergips-Replik eines römischen Steinreliefs, das 1985 im Kastellvicus Walheim (Kreis Ludwigsburg) geborgen und heute im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart verwahrt wird. Es zeigt die gallorömische Göttin Epona im seltenen Herrensitz auf einem kräftigen Pferd, mit wehendem Mantel und knielangem Gewand. Das Format 21 × 17 × 4 cm und das sichere Wandgewicht von 1,40 kg machen die Platte zur robusten Wanddeko für Klassenzimmer, Museumspädagogik und historische Sammlungen.
Epona Relief auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Historische Replik (Stufe 2), weil das Vorbild aus Stein besteht und hier in patiniertem Alabastergips nachgebildet ist.
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Material: Alabastergips, handpatiniert auf Steinoptik
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Bemalungsbeispiel: Das colorierte Bild dient als mögliche Bemalungsrekonstruktion des Reliefs.
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Maße: 21 × 17 × 4 cm, 1,40 kg
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Datierung des Vorbildes: Römische Kaiserzeit, 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr.
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Bekanntestes Vorbild: Steinrelief aus dem Kastellvicus Walheim, Kreis Ludwigsburg, heute Landesmuseum Württemberg
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Antike Quelle: Juvenal, Satiren 8, 154-157 (Epona-Bild an der Stallkrippe)
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Fachliteratur: Gabi Fellendorf-Börner, Fundberichte aus Baden-Württemberg 10, 1985
Wer war Epona und warum verehrten die Römer eine keltische Göttin?
Epona war ursprünglich eine gallische Pferdegöttin, deren Name sich vom keltischen epo- für Pferd ableitet. Ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. wurde ihr Kult in das römische Reich übernommen und verbreitete sich entlang der Limesprovinzen bis nach Nordafrika und Rom selbst. Das Walheim-Relief gehört in diese Welle der kaiserzeitlichen Übernahme und entstand vermutlich im 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. im Werkstattkreis des Neckarlimes.
Warum die Kavallerie Epona anbetete
Die Göttin galt als Schutzherrin der Pferde, Maultiere, Ställe und Fuhrleute. In den Alen der römischen Reiterei war sie derart populär, dass der Dichter Juvenal in den Satiren (8, 154-157) spottet, ein Adliger schwöre "bei Epona allein und den Gesichtern, die an die stinkenden Krippen gemalt sind". Das zeigt, wie selbstverständlich Epona-Bilder in römischen Stallungen hingen. Der römische Soldat verehrte sie auch ohne lokalen Kultbezug zur eigenen Heimat, wie die Forschung für die Equites singulares in Rom belegt.
Ein häufiger Irrtum über Epona
Oft wird Epona als reine keltische Frauengöttin beschrieben. Das greift zu kurz. Geweiht wurde ihr von Soldaten, Händlern, Gutsbesitzern und Frauen gleichermaßen, wie die über 300 erhaltenen Weihinschriften und Reliefs zwischen Britannien, dem Rheinland, Noricum und der Donau zeigen. Die in Baden-Württemberg gefundenen 45 Epona-Darstellungen stammen überwiegend aus militärischen Kontexten, aus Gutshöfen und aus zivilen Vicus-Siedlungen, wie Gabi Fellendorf-Börner (1985) in ihrer Bestandsaufnahme dokumentiert.
- Material des Originals: Sandstein oder Kalkstein, regional am Neckar
- Fundort: Kastellvicus Walheim (heute Stadtteil von Besigheim), Kreis Ludwigsburg
- Ausgrabung: Dieter Planck, 1980er Jahre, publiziert in den Fundberichten Baden-Württemberg 10, 1985
- Aufbewahrung: Landesmuseum Württemberg, Altes Schloss Stuttgart
Warum ist die Darstellung der Epona im Herrensitz so ungewöhnlich?
Die meisten Epona-Reliefs zeigen die Göttin thronend zwischen zwei Pferden oder im Damensitz auf einem Pferd, beide Beine zur gleichen Seite gestreckt. Das Walheim-Relief fällt aus diesem Muster, weil Epona hier im Herrensitz reitet, also gespreizt wie ein männlicher Reiter. Laut Ubi Erat Lupa sind in Baden-Württemberg nur 6 von 45 bekannten Darstellungen in dieser Haltung überliefert. Wie die Stuttgarter Forscherin Gabi Fellendorf-Börner (Fundberichte Baden-Württemberg 10, 1985) festhält, bilden der wehende Mantel und die perspektivisch nach vorne weisende Fußstellung zusätzliche Besonderheiten dieses Stückes.
Ikonografietypen der Epona in Baden-Württemberg
| Ikonografietyp |
Charakteristik |
Fundort in Baden-Württemberg |
Aufbewahrung |
| Herrensitz, gespreizt reitend |
seltene Variante, Mantel weht nach hinten, Fuß in Frontalperspektive |
Walheim, Kreis Ludwigsburg |
Landesmuseum Württemberg, Stuttgart |
| Damensitz auf Pferd |
beide Beine zur rechten Seite, Schale in der Hand |
Vordere Lachenhau, Gutshof bei Freiberg-Geisingen |
Landesmuseum Württemberg, Stuttgart |
| Thronend zwischen zwei Pferden |
frontale Sitzhaltung, Fruchtkorb im Schoß, Pferde zur Seite gewandt |
Köngen (Kastell Grinario), Principia-Fund 1896 |
Landesmuseum Württemberg, Stuttgart |
| Thronend mit Opferszene |
zweiregistrige Reliefplatte, Wagen und Brandaltar im unteren Register |
Beihingen am Neckar, Fund 1583 |
Landesmuseum Württemberg, Stuttgart |
Für den Unterricht heißt das: Die Walheim-Replik erzählt nicht nur den Standardfall Epona, sondern die Ausnahme. Wer in der Klasse die gängigsten Bildtypen vergleichen will, kombiniert das Stück sinnvoll mit Abbildungen der Köngen- und Beihingen-Reliefs aus den öffentlich zugänglichen Digitalisaten des Landesmuseums Württemberg (museum-digital).
Methodischer Vorschlag
In Workshops zum Thema Romanisierung erweist sich das Walheim-Relief regelmäßig als stärkerer Gesprächsauslöser als eine reine Bilddatei, weil die Schüler das kühle, leicht schwere Gipsstück tatsächlich in die Hand bekommen und die Reliefkanten ertasten können.
Empfohlen ab Klassenstufe 8, geeignet für Geschichte (Lehrplanbezug Limes, Provinzialkultur) und Latein (Juvenal-Lektüre, Satire 8). Zeitrahmen 20 bis 30 Minuten als Einzelstunden-Impuls: Das Relief herumgeben, die Sitzhaltung beschreiben lassen, anschließend die Erwartungshaltung "Frauen reiten im Damensitz" mit der Walheim-Darstellung konfrontieren und die Frage stellen, warum die Bildhauer am Neckar hier eine Ausnahme formulieren.
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Einstieg: Schüler beschreiben die Haltung, ohne den Namen Epona zu kennen
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Vergleich: Digitalfoto des Köngener Thron-Reliefs daneben projizieren
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Auswertung: Bezug zu Juvenal, Satiren 8 herstellen
Für wen eignet sich das Epona-Relief als Anschaffung?
Die Replik richtet sich an drei klar unterscheidbare Zielgruppen, für die jeweils ein anderer Aspekt im Vordergrund steht.
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Lehrkräfte Geschichte und Latein Sek I und II: Wenn die Lerngruppe Limesprovinzen, Romanisierung oder Juvenal-Lektüre behandelt, liefert das Stück einen haptischen Gegenstand als Ausgangspunkt für Quellenarbeit. Der ungewöhnliche Herrensitz provoziert Fragen, die Lehrbuchabbildungen so nicht auslösen.
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Museumspädagogik und Volkshochschulen: Für Hands-on-Stationen ist die patinierte Oberfläche robust genug für Besucherkontakt. Das Format passt auch in mobile Koffersets für Schulbesuche, anders als das schwere Original im Lapidarium.
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Reenactment und Sammlungen privater Art: Wer die römische Kavallerie darstellt oder ein privates Lararium einrichtet, erhält mit dem Walheim-Motiv eine regional dokumentierte Weihung statt eines Fantasie-Eponabildes. Das Stück lässt sich mit Gewicht 1,40 kg auf einer einfachen Bilderschiene oder einem Sockel platzieren.
Häufige Fragen zum Epona Relief
Was ist der Unterschied zwischen der Epona-Darstellung im Herrensitz und im Damensitz?
Im Damensitz sitzt Epona mit beiden Beinen zur rechten Seite, meist eine Opferschale oder einen Fruchtkorb haltend, so die überwiegende Mehrheit der gallorömischen Darstellungen. Im Herrensitz dagegen reitet sie gespreizt wie ein Reiter, wie das Walheim-Relief zeigt. Die Forschung wertet die Herrensitz-Variante als bewusste ikonografische Abweichung, die die Göttin in militärnahen Kontexten souveräner erscheinen lässt.
Wie hänge ich das Epona-Relief sicher an der Wand auf?
Das Relief wiegt 1,40 kg und trägt auf der Rückseite eine Vertiefung zum Aufhängen. Für eine dauerhafte Wandmontage eignet sich ein Schraubhaken mit Dübel für mindestens 5 kg Tragkraft in einer tragenden Wand. Bei Rigipswand empfiehlt sich ein Hohlraumdübel, weil die vier Zentimeter Tiefe des Reliefs einen gewissen Hebel erzeugen.
Woran erkenne ich eine qualitativ hochwertige Epona-Replik?
Entscheidend sind drei Merkmale: ein benannter Fundort mit Aufbewahrungsort im Museum, saubere Detailausarbeitung besonders an Gewandfalten und Pferdekopf, und eine handgefertigte Patinierung statt eines flächigen Sprühanstrichs. Wenn der Anbieter weder den archäologischen Bezug noch die Fachliteratur nennt, handelt es sich meist um ein generisches Fantasiemotiv.
Welche antike Quelle erwähnt die Göttin Epona ausdrücklich?
Der römische Satiriker Juvenal beschreibt in den Satiren 8, 154-157, wie ein verkommener Adliger bei Epona und deren Stallbildern schwört. Apuleius erwähnt in den Metamorphosen 3, 27 eine Epona-Nische an einem Stallpfeiler. Beide Stellen belegen die alltägliche Präsenz von Epona-Bildern in römischen Pferdeställen.
Warum wurde das Walheim-Relief zur Referenz für diese Replik gewählt?
Das Stück aus Walheim vereint drei Seltenheiten in einer Platte: den Herrensitz, den wehenden Mantel und die frontal auskragende Fußstellung. Gerade weil es so weit vom Standardtyp abweicht, eignet es sich in der Lehre als Gesprächsanstoß zur Frage, wie starr oder variabel Götterbilder in den Provinzen tatsächlich waren.
Gehört das Epona-Relief zum Kastell oder zum Vicus von Walheim?
Das Original wurde im zivilen Vicus gefunden, der sich neben dem Neckar-Kastell Walheim entwickelte. Dieses Kastell gehörte zum Neckar-Odenwald-Limes und war vom späten 1. bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. belegt, bevor die römische Grenze an den Limes zurückgenommen wurde.
Externe Quellen und Literatur zum Epona Relief
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Wikipedia: Epona, keltisch-gallorömische Pferdegöttin — solider Überblick zu Kultverbreitung und Quellenlage
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Archäologische Datenbank: Ubi Erat Lupa, Nr. 7926 — Detailbeschreibung eines Epona-Reliefs im Herrensitz mit Fachliteratur
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Museumsdatenbank: Museum Digital Baden-Württemberg — Köngener Epona-Relief im Landesmuseum Württemberg
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Fellendorf-Börner, Gabi (1985): Die bildlichen Darstellungen der Epona auf den Denkmälern Baden-Württembergs. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg 10, S. 77ff. — Standardbestandsaufnahme mit Katalogteil
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Euskirchen, Sabine (1993): Epona. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission 74, S. 607-838 — europaweite Monografie zur Epona-Ikonografie
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Planck, Dieter (1985): Fundberichte Baden-Württemberg 10, S. 585 — Publikation des Walheim-Reliefs im Ausgrabungskontext
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Antike Primärquelle: Juvenal, Satirae 8, 154-157 (The Latin Library, lateinischer Originaltext)
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Aktualisiert am: 24.04.2026