Mumienportrait eines jungen Mannes: Hawara-Replik aus der römischen Provinz Aegyptus
Kurz erklärt
Das Mumienportrait eines jungen Mannes ist eine kleinformatige Reproduktion nach dem Original aus Hawara im Fayum, das die Staatlichen Antikensammlungen München unter Inv. NI 15013 verwahren und das um 140 n. Chr. in enkaustischer Wachsmaltechnik auf Lindenholz gemalt wurde. Die Reproduktion zeigt einen jungen Angehörigen der ägyptisch-römischen Provinzelite mit gelocktem Haar, gepflegtem Bart und weißer tunica mit purpurnem clavus. Das Stück eignet sich als Anschauungsobjekt für den Geschichtsunterricht ab Klasse 7 sowie für die museumspädagogische Vermittlung der römischen Provinz Aegyptus.
Mumienportrait junger Mann auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Darstellungs- und Einstiegsmodell (Stufe 1), moderne Reproduktion auf Holzträger, kein handgemaltes Enkaustik-Replikat
- Material: bedrucktes Holz mit reproduziertem Bildnis
- Maße der Replik: 19 x 15 cm, Gewicht ca. 0,35 kg; Originalmaß: H. 37,5 cm
- Datierung des Vorbildes: 2. Viertel des 2. Jahrhunderts n. Chr., um 140 n. Chr.
- Bekanntestes Vorbild: Hawara-Mumienportrait aus den Petrie-Grabungen von 1892, Staatliche Antikensammlungen München
- Antike Quelle zur Maltechnik: Plinius, Naturalis Historia 35,122 zur Enkaustik
- Passender Vermittlungskontext: Sekundarstufe I/II, Module „Römisches Weltreich und seine Provinzen" und „Multikulturelle Antike", Stationen-Lernen mit haptischer Erfahrung
Was zeigt das Mumienportrait des jungen Mannes aus Hawara?
Das Bildnis entstand um 140 n. Chr. im Fayum-Becken und gehört zur Werkstatttradition der Hawara-Nekropole. Die Originaltafel mit der Inv. NI 15013 verwahren die Staatlichen Antikensammlungen München. Dargestellt ist ein junger Mann in frontaler Brustansicht mit gelocktem Haar, gepflegtem Bart und weißem Untergewand. Das Stück gehört zur Gattung der enkaustischen Wachsmalerei auf Lindenholz, die zu den seltenen erhaltenen Beispielen antiker Tafelmalerei zählt.
Wer war der Dargestellte wirklich?
Eine verbreitete Annahme deutet den purpurnen Streifen auf der Tunica als Senatorenabzeichen. Diese Lesart greift zu kurz: Senatoren der Reichsaristokratie wurden nicht in Hawara bestattet, und der breite latus clavus der Senatoren unterscheidet sich vom schmaleren angustus clavus der Ritter. Wahrscheinlicher zählte der Mann zur ägyptisch-römischen Provinzelite, die durch Übernahme römischer Kleidungscodes ihren sozialen Anspruch markierte. Barbara Borg (1996) hat diese Selbstrepräsentation der lokalen Eliten in ihrer Studie zu Chronologie und Kontext der Mumienporträts ausführlich untersucht; ihre Arbeiten lassen sich über die Zenon-Bibliografie des DAI recherchieren.
Warum trägt der junge Mann einen Bart?
Seit Kaiser Hadrian (117 bis 138 n. Chr.) gehörte der Bart zur Standardmode römischer Männer. Unter Antoninus Pius, in dessen Regierungszeit das Original entstand, war Lockenfrisur und gepflegter Bart Ausdruck konformer kaiserlicher Mode, nicht ägyptischer Eigenständigkeit. Frühere Generationen hatten sich nach hellenistischer Tradition glattrasiert; um 140 n. Chr. orientierte sich die Reichselite vom Nil bis zum Rhein an der Hofmode der Antoninen. Wer das Porträt im Unterricht zeigt, kann an diesem Detail die Reichweite kaiserlicher Stilvorgaben sichtbar machen.
- Maße Original: H. 37,5 cm; Replik: 19 x 15 cm, also etwa halbe Höhe
- Material Original: Lindenholz, bemalt mit Wachsfarben in enkaustischer Technik
- Datierung Original: um 140 n. Chr., 2. Viertel des 2. Jahrhunderts
- Fundkontext: 1892 von Flinders Petrie in der römischen Nekropole von Hawara geborgen
- Aufbewahrungsort: Staatliche Antikensammlungen München, Inv. NI 15013
Wie unterscheidet sich die Münchner Tafel von anderen Hawara-Männerporträts?
| Mumienporträt |
Datierung |
Maße und Technik |
Aufbewahrungsort |
Vermittlungseignung Sek I/II |
| Junger Mann mit Bart (NI 15013) |
um 140 n. Chr. |
H. 37,5 cm, Lindenholz, Enkaustik |
Staatliche Antikensammlungen München |
idealer Einstieg, klare Frontalität, gute Detailerkennbarkeit aus 3 m |
| Junger Mann mit Stuckrahmen (EA 74704) |
ca. 140 bis 160 n. Chr. |
Lindenholz, Enkaustik, vergoldeter Stuckrahmen |
British Museum London |
für Vergleich der Bestattungsausstattung mit und ohne Rahmung im Workshop geeignet |
| „Red Youth" (UC 19610) |
140 bis 160 n. Chr. |
Holz, Enkaustik, rötliche Hauttöne |
Petrie Museum UCL London |
illustrativ für Petries Funddokumentation und Spitznamenpraxis im Forschungsalltag |
| Älterer Mann mit Mantel (BM) |
ca. 100 bis 120 n. Chr. |
40,1 x 21,5 cm, Lindenholz, Enkaustik |
British Museum London |
Kontrastbeispiel zur Datierung über Frisur und Bart, trajanisch gegen antoninisch |
Mumienportrait junger Mann in der Vermittlungsarbeit
Das Bild lässt sich aus drei Metern Entfernung lesen: Frisur, Bart, Tunica und Clavus erscheinen klar. In der Klassenraumsituation funktioniert das Stück als Frontalbild auf dem Lehrertisch oder als Stationskarte mit zugehörigem Aufgabenblatt. Der Holzträger übersteht Schülerhandling über mehrere Klassenstufen, ohne dass die Bedruckung sichtbar leidet.
Passende Darstellung: ägyptisch-römische Provinzelite, mittlere Kaiserzeit (um 140 n. Chr.) | Einsatzbereich: Klassenraum, Stationen-Lernen, museumspädagogische Workshops, mobile Geschichtskoffer; nicht für Außeneinsatz oder feuchte Räume | Vermittlungstiefe: Sek I bis Sek II, ganztägige Nutzung im Schulbetrieb, geeignet für Gruppenrotation
- Stationen-Lernen „Römisches Reich und seine Provinzen": eigene Station mit dem Bild, Karte des Fayum und kurzem Quellenausschnitt aus Plinius zur Wachsmaltechnik
- Workshop „Wer war wer in der Antike?": die Schülerinnen und Schüler ordnen Details (Clavus, Bart, Frisur) der sozialen Stellung des Dargestellten zu
- Frontalimpuls im Geschichtsunterricht: Einstiegsbild für die Stunde „Multikulturelles Ägypten unter Rom"
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: die Replik bildet das Original mit etwa halber Höhe ab (19 cm gegenüber 37,5 cm) und gibt die enkaustische Maltechnik nicht stofflich wieder; die Lebendigkeit und Tiefenwirkung der originalen Wachslasur bleiben unerreicht und sollten im Unterricht offen benannt werden, damit Schülerinnen und Schüler den Status als Anschauungsobjekt verstehen, nicht als technische Replik der antiken Maltechnik
Für welche Anwendungen eignet sich das Mumienportrait im Unterricht?
- Als Wandbild im Klassenraum für ein ganzes Schuljahr funktioniert das Stück gut, weil Holzträger und Bedruckung gegen Berührung und wechselnde Luftfeuchte stabil bleiben
- Für eine streng fundbezogene Vermittlung der Wachsmaltechnik reicht das Stück nicht aus, weil ihm die haptische Wachsoberfläche fehlt; sinnvoll ergänzen lässt es sich durch eine Materialprobe Bienenwachs am Stationstisch
- Im Vergleich zu reinen Druckabbildungen auf Papier hat das Holzobjekt einen erkennbaren Mehrwert: das Format steht physisch im Raum, lässt sich herumreichen und schafft Authentizitäts-Eindruck ohne den Aufwand einer hochpreisigen Replik
Für Vermittler in archäologischen Freilichtanlagen lässt sich das Stück als kompaktes Reisebild für Vorträge mitführen; geschichtsinteressierte Eltern und Erwachsene nutzen es als Wohnaccessoire mit Gesprächsanlass über die multikulturelle Antike.
Häufige Fragen zum Mumienportrait junger Mann
Ab welchem Alter ist das Mumienportrait für Schülerinnen und Schüler unbedenklich?
Das Holzobjekt hat keine scharfen Kanten und wiegt mit 0,35 kg wenig genug für sicheres Handling in der Sekundarstufe. Inhaltlich erschließt sich der Bestattungskontext sinnvoll ab Klasse 7. Für Grundschulgruppen eignet sich das Bild eher als Wandobjekt denn als Hands-on-Station, weil der Mumienkontext jüngere Kinder ohne thematische Vorbereitung irritieren kann.
Welche Lehrplaninhalte deckt das Bildnis ab?
Das Stück bedient die Module „Römisches Weltreich und seine Provinzen", „Alltag und Kultur im Imperium Romanum" sowie „Multikulturelle Antike Ägyptens" der Sekundarstufe-Lehrpläne. Über die Maltechnik der Enkaustik lässt sich zudem ein Brückenschlag zur Kunstgeschichte und zur Geschichte der Porträtmalerei ziehen, was den Einsatz fächerübergreifend macht.
Welche Inhalte lassen sich am Objekt erschließen, welche nicht?
Erschließbar sind römische Kleidung mit Tunica und Clavus, antoninische Bart- und Frisurmode, Frontalität als Bildkonvention sowie die soziale Selbstdarstellung der Provinzelite. Nicht erschließbar bleibt der haptische Eindruck der Wachsmaltechnik, weil die Replik gedruckt vorliegt; hier hilft eine ergänzende Materialprobe aus Bienenwachs am Stationstisch.
Wie pflege ich das Bild zwischen den Schulgruppen?
Trocken abstauben mit weichem Mikrofasertuch reicht für die regelmäßige Pflege. Bei Fingerabdrücken hilft ein leicht angefeuchtetes Mikrofasertuch, anschließend trockenreiben. Das Stück sollte nicht in feuchten Räumen gelagert werden, weil Holz arbeitet; hochkant in einem Schrankfach mit moderater Raumtemperatur hält es über mehrere Schuljahre stabil.
Bleibt der Holzträger über mehrere Schuljahre stabil?
Holz reagiert auf Klimaschwankungen mit minimaler Bewegung. Bei normaler Raumlagerung (40 bis 60 Prozent Luftfeuchte) bleibt die Bedruckung über fünf bis zehn Jahre farbstabil. Direkte Sonneneinstrahlung über lange Zeiträume sollte vermieden werden, weil sie Pigmente ausbleichen kann.
Eignet sich das Bildnis auch für die Verwendung im Museumsshop oder im Lehrerzimmer?
Ja. Im Museumsshop funktioniert das Stück als kompaktes Mitbringsel mit konkretem Originalbezug zur Antikensammlung München. Im Lehrerzimmer dient es als dauerhaftes Anschauungsobjekt, das Kolleginnen und Kollegen für Vertretungsstunden ohne Vorlauf einsetzen können.
Externe Quellen und Literatur zum Mumienportrait junger Mann
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bavarikon: Mumienporträt NI 15013 mit hochauflösendem Digitalisat des Originals der Staatlichen Antikensammlungen München, inklusive Beschreibung und Datierung
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British Museum: Mummy portrait of a young man, EA 74704, Hawara-Vergleichsstück mit vergoldetem Stuckrahmen, ausgegraben 1888 von Flinders Petrie
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Petrie Museum UCL: Hawara mummy portraits, Übersicht der Petrie-Funde mit Datierungshinweisen anhand von Frisur und Bart
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Mumienporträts. Chronologie und kultureller Kontext, Barbara Borg, von Zabern, Mainz 1996, ISBN 3-8053-1742-5; Standardwerk zur Datierung und sozialen Einordnung, Bibliografieeintrag bei Zenon DAI
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Ancient Faces. Mummy Portraits from Roman Egypt, Susan Walker und Morris Bierbrier, British Museum Press, London 1997, ISBN 0-7141-0989-4; englischsprachiges Standardwerk mit Korpus und CT-Scan-Studien
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Ritratti di mummie, Klaus Parlasca, Repertorio d'arte dell'Egitto greco-romano, Serie B, Vol. I bis IV, Rom 1969 bis 2003; vollständiges Korpus aller bekannten Mumienporträts
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Wikipedia: Mumienporträt, übersichtlicher Einstieg in Forschungsgeschichte und Petrie-Grabungen
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Plinius, Naturalis Historia 35,122 (Latin Library), lateinischer Volltext zur enkaustischen Wachsmaltechnik
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Plinius, Naturalis Historia 35,122 (englische Übersetzung Attalus) mit Kapitelnavigation
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Aktualisiert am: 30.04.2026