Statue Lar Replik nach Lugdunum-Original – römischer Hausgott für das Lararium, 17 cm
Kurz erklärt
Diese Lar-Statuette ist eine 17 cm hohe Replik nach dem Bronzefund br.042 aus Lyon (1. Jahrhundert n. Chr.), heute im Lugdunum – Musée et théâtres romains. Der Lar familiaris ist der Schutzgott des römischen Haushalts und stand traditionell im Lararium, dem Hausaltar. Material der Replik ist Alabastergips, bronziert, auf einem schwarzen Marmorsockel.
Lar-Statuette auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Darstellungs- und Einstiegsmodell (Stufe 2) – Alabastergips bronziert statt antikem Bronzeguss
- Material: Alabastergips, bronziert, schwarzer Marmorsockel
- Maße: Höhe ca. 17 cm; Standfläche 8 × 8 cm; Artikelgewicht ca. 1,39 kg
- Datierung des Vorbildes: 1. Jahrhundert n. Chr., gallorömisch
- Vorbild: Lar-Bronze, Lugdunum – Musée et théâtres romains, Lyon (Fundort Lyon)
- Antike Quelle: Plautus, Aulularia, Prolog 1–3 (Lar familiaris als Sprecher)
Was war ein Lar im römischen Haushalt wirklich?
Der Lar familiaris ist der Schutzgeist eines konkreten Hauses, kein Familienmitglied. Das Lugdunum-Original aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. zeigt ihn typisch: junger, bartloser Mann in kurzer gegürteter Tunika, Lockenhaar mit Laubkranz, rechte Hand mit patera für die Trankspende, linker Arm mit Füllhorn. Die Standardreferenz zum Lar-Kult ist nach wie vor Stéphanie Boucher, Recherches sur les bronzes figurés de Gaule pré-romaine et romaine (Rom 1976).
Lares Familiares, Compitales und Augusti – wer ist wer?
Drei Spielarten begegnen sich in den Quellen. Lares Familiares wachen über das Haus und seine Bewohner. Lares Compitales stehen an Wegekreuzungen und schützen das Stadtviertel. Mit der augusteischen Religionsreform zwischen 14 und 7 v. Chr. werden die Compitales zu Lares Augusti, jetzt zusammen mit dem Genius Augusti (Pollini, Galleria Borghese, Statuette eines Lar). Die Familienlar-Statuette wie das Lugdunum-Stück gehört in die häusliche Kategorie und ist konkret an Haus und Grundstück gebunden, nicht an die Person.
Was an der landläufigen Erzählung schief ist
Im Internet kursiert hartnäckig die Behauptung, der Hausgott sei beim Umzug mitgezogen. Genau das stimmt nicht. Beim Umzug zogen die Penaten mit, die Lares Familiares blieben am Haus zurück. Cicero argumentiert in De Domo sua juristisch sauber mit dieser Ortsbindung. Auch die populäre Deutung, Lares seien ursprünglich „unterirdische Geister" gewesen, ist eine Lesart aus dem 19. Jahrhundert (Wissowa-Schule); die heutige Forschung sieht in ihnen ortsgebundene Schutzgottheiten ohne klare chithonische Komponente (vgl. Pollini, Latomus 67, 2008).
Frühester literarischer Auftritt
Den ältesten ausführlichen Beleg liefert Plautus um 195 v. Chr. In der Komödie Aulularia spricht der Lar familiaris persönlich den Prolog: „ego Lar sum familiaris ex hac familia" (Vers 2). Er ist es, der das vergrabene Goldtopf-Geheimnis lenkt und die Heirat der Tochter ermöglicht – ein Hausgeist mit Plot-Verantwortung.
Welches Lar-Vorbild steckt konkret hinter dieser Replik?
Die Replik folgt einem konkreten gallorömischen Bronzefund aus Lyon, der heute im Lugdunum-Museum unter Inventarnummer br.042 geführt wird. Charakteristisch für die gallische Variante ist die Kombination Patera plus Cornucopia, während die pompejanischen Stücke meist Patera plus Rhyton zeigen. Das ist kein Detail für Klugscheißer, sondern ein typologischer Marker.
| Lar-Stück |
Datierung |
Aufbewahrung / Inventar |
Attribute und Haltung |
Bedeutung für die Replik |
| Lar von Lyon (Fundort Lyon) |
1. Jh. n. Chr. |
Lugdunum – Musée et théâtres romains, Inv. br.042; H. 16 cm |
kurze gegürtete Tunika, Laubkranz, hohe Riemensandalen (einst silberinkrustiert), Patera rechts, Cornucopia links |
direktes Vorbild der 17-cm-Replik; nahezu Maßstab 1:1 |
| Lar aus Casa degli Amorini Dorati, Pompeji |
vor 79 n. Chr. |
Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Inv. 133328 |
Tanzhaltung, Patera und Rhyton mit Pantherprotom, kurze Tunika |
klassische italische Tanz-Variante, ikonografischer Vergleichspunkt |
| Lar von Famars (Fanum Martis) |
2. bis 3. Jh. n. Chr. |
Musée des Beaux-Arts de Valenciennes; H. 20,6 cm |
Pallium, Embaden, Laubkranz, Déhanchement; ohne Tanzbewegung |
nordgallische Werkstattproduktion, ruhigere Pose vergleichbar mit Lyon |
| Lar der Galleria Borghese |
1. Jh. n. Chr. |
Roma, Galleria Borghese (Magazin) |
Tanzhaltung, Apoptygma, endromides, Patera und Rhyton |
belegt italische Standardikonografie für den Vergleich |
Lar-Statuette in der Darstellungspraxis
Im aktiven Reenactment leistet die Replik genau eine Aufgabe gut: Sie macht das Lararium am Stand sichtbar. Auf einem Klapptisch im Zelt mit Räuchergefäß und Patera daneben sehen Besucher in zwei Sekunden, worum es geht. Die Bronzepatina wirkt überzeugend; aus einem halben Meter erkennt der geschulte Blick die Gussstruktur des Alabastergipses, weil die Oberfläche weicher ist als ein echter antiker Bronzeguss. Für eine eng am Fund orientierte Vitrinendarstellung nimmt man das Original-Inventarstück als Bezugsfoto, die Replik als physisches Anschauungsobjekt.
Passende Darstellung: Zivildarstellung mit eigenem Hausaltar (Hausherr, Matrona, Freigelassener, Händler), 1. bis 3. Jh. n. Chr., westliche Provinzen | Einsatzbereich: Lararium-Aufbau am Stand, Schaufensterposition im Vermittlungszelt, Innenraumdemonstration. Nicht für Marsch, Schaukampf, Outdoor-Lager bei Regen oder rauen Transportbetrieb geeignet | Aufstellung: ebene Standfläche, gegen Umkippen gesichert, Marmorsockel braucht 8 × 8 cm Stellfläche
- Lararium-Demonstration im Zivildarsteller-Zelt: die Statue zentral auf einem niedrigen Holzpodest, flankiert von Räucherwerk, Olivenöllämpchen und Patera; passt vor allem zu Saalburg, Carnuntum und Xanten APX
- Schul- und Museumsfest: als Anker für die Erklärung „Wo betete eine römische Familie?", funktioniert auch ohne Lateinkenntnisse beim Publikum
- Sammlerregal beim Reenactor zuhause: ergänzt eine Ausrüstungssammlung mit dem Aspekt häuslicher Religion, der im aktiven Lager oft fehlt
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: Material ist Alabastergips bronziert, kein Bronzeguss; die im Original silberinkrustierten Sandalenbänder sind nicht ausgeführt; feine Detailpartien (Kranzlaub, Fingerstellung der Patera) sind im Gussabdruck weicher als am Lugdunum-Vorbild. Damit ist die Replik klar im Vermittlungsbereich angesiedelt, nicht im fundbezogenen Hochauthentizitätssegment.
Für welche Anwendung lohnt sich diese Lar-Replik?
- Statische Lararium-Demonstration mit Publikumsverkehr: gut geeignet, weil die Bronzeoptik aus Besucherentfernung trägt und das Objekt einen erkennbaren Fundbezug hat (Lyon, br.042)
- Eng datierte fundbezogene Hochauthentizitätsdarstellung mit Ziel Vitrinenniveau: nur eingeschränkt, weil ein echter Bronzeguss bei genauer Inspektion klar gewinnt; für diesen Anspruch greift man zur Bronzeguss-Werkstattanfertigung
- Vermittlungsorientierter Einsatz an Schule und Museum: hervorragend, gerade weil das Material weniger ehrfurchtgebietend ist und Schüler näher rangehen dürfen, ohne dass eine vierstellige Versicherungssumme im Raum steht
Für Sammler und Museumspädagogen: Die Statuette funktioniert genauso als Vitrinenstück oder als Demonstrationsobjekt im Lateinunterricht zur Aulularia; das Reenactment-Lararium ist nur einer von mehreren sinnvollen Einsatzorten.
Häufige Fragen zur Lar-Statue
Worin unterscheidet sich der Lar von Lyon vom pompejanischen Tanz-Lar?
Der Lugdunum-Lar steht ruhig und hält Patera plus Cornucopia, das pompejanische Standardstück (etwa MANN Inv. 133328 aus der Casa degli Amorini Dorati) tanzt mit Patera und Rhyton. Die ruhigere Pose mit Cornucopia ist eine gallische Spezialität und in Werkstattprodukten Nordgalliens, etwa Famars und Bavay, häufiger belegt. Wer eine westprovinziale Darstellung aufbaut, ist mit dem Lyoner Typ ikonografisch korrekter unterwegs als mit der Tanzversion.
Wie pflegt man eine Alabastergips-Statue mit Bronzepatina über die Jahre?
Trocken lagern, Temperaturschwankungen vermeiden, Staub mit weichem Pinsel oder Ziegenhaarbürste entfernen, niemals nass abwischen. Die bronzierte Oberfläche ist nicht beschichtet wie eine industrielle Lackschicht; aggressive Reinigungsmittel oder Mikrofasertücher mit Schmutzpartikeln greifen den Patina-Effekt an. Bei Lagerung im Karton zwischen Veranstaltungen reicht weiches Seidenpapier.
Welche Impression passt zu dieser Lar-Replik?
Zivildarstellungen im 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. mit Schwerpunkt westliche Provinzen, also alles vom Lyoner Händler über den Mainzer Veteranen bis zur Kölner Familienmatrone. Eng spätrepublikanisch oder spätantik wird es typologisch dünn. Für militärische Lagerdarstellungen ohne familiäres Setting ist eine Lar-Statue ohnehin nur eingeschränkt sinnvoll, da das Lararium an die domus gebunden war, nicht an die contubernium-Zeltgemeinschaft.
Reicht diese Replik für einen anspruchsvollen Lararium-Aufbau am Museumsstand?
Für das mittlere und vermittlungsorientierte Authentizitätsniveau klar ja, weil der Fundbezug zum Lyoner Original verifizierbar und die Maßstabstreue nahezu 1:1 ist. Für streng fundbezogene Aufbauten, bei denen Material und Verarbeitungsdetails (Silbersandaleninkrustation, Bronzepatina aus echter Korrosion) im Vergleich neben einem Originalfoto stehen, gewinnt eine Werkstatt-Bronzegussreplik. Wer beides nebeneinander aufstellt, hat den ehrlichsten Vermittlungsmoment am Stand.
Warum hält der Lar Cornucopia und nicht Rhyton wie auf den meisten Pompeji-Bildern?
Die Cornucopia, das Füllhorn als Symbol für Wohlstand und Schutz, ersetzt in den gallorömischen Werkstattserien des 1. bis 3. Jahrhunderts häufig das italische Trinkhorn (Rhyton). Boucher (1976) ordnet diese Variante als gallische Eigenentwicklung ein; sie hängt vermutlich mit der lokalen Bedeutung von Wohlstandssymbolen und dem Einfluss gallischer Mutter- und Genienikonografie zusammen. Forschungsseitig gilt der Punkt allerdings nicht als abschließend geklärt.
Kann man die Statuette draußen aufstellen?
Nein. Alabastergips reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit, die bronzierte Oberfläche verträgt keinen Dauerregen, und Frost lässt das Material langfristig rissig werden. Die Replik ist ein Innenraum- und Zelt-Objekt, keine Garten- oder Außenwanddekoration. Für Outdoor-Lararien an Festivals braucht es eine massivere Werkstattbronze.
Externe Quellen und Literatur zum Lar familiaris
- Wikipedia, Laren (Mythologie): Übersichtsartikel zu Lares Familiares, Compitales und Augusti
- Lugdunum – Musée et théâtres romains, Dieu Lare, Inv. br.042: Original-Bronzefigur aus Lyon, 1. Jh. n. Chr., direktes Vorbild dieser Replik
- Pompeii in Pictures, Casa degli Amorini Dorati VI.16.7: Lar-Bronzen aus pompejanischem Lararium-Fundkontext, MANN Inv. 133327 und 133328
- Galleria Borghese, Statuette of a Lar: ikonografischer Vergleichstyp mit ausführlicher Forschungsbibliografie
- Boucher, Stéphanie, Recherches sur les bronzes figurés de Gaule pré-romaine et romaine, Rom 1976 (Bibliothèque des Écoles françaises d'Athènes et de Rome 228), DAI-Zenon-Eintrag: Standardwerk zu gallorömischen Lar-Bronzen
- Giacobello, Federica, Larari Pompeiani: Iconografia e culto dei Lari in ambito domestico, Mailand 2008: aktuelle Monografie zum häuslichen Lar-Kult mit ausführlichem Befundkatalog
- Plautus, Aulularia, Prolog 1–22, lateinischer Volltext, Perseus Tufts: ältester ausführlicher literarischer Beleg, der Lar familiaris spricht selbst
- Cato, De Agricultura 143, Latin Library: ländliche Lar-Verehrung, Pflichten der vilica gegenüber dem Hauslar
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Aktualisiert am: 01.05.2026