Statue Matrone einer verheirateten Frau, Alabastergips-Replik nach niederrheinischem Vorbild
Kurz erklärt
Die Statue Matrone zeigt eine sitzende Muttergottheit mit der für das Rheinland typischen Rundhaube und nimmt das ikonische Bildschema des sogenannten Niederrheinischen Typus auf. Das Replikat aus Alabastergips ist 17 cm hoch, patiniert und folgt formal der Tongerener Matrona-Statuette aus dem 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. Es eignet sich als ruhige Standfigur für ein Lararium, eine Sammlervitrine oder die Vermittlungsarbeit in Schule und Museum.
Statue Matrone auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Historische Replik (Stufe 2), formtreu am niederrheinischen Bildschema, moderne Materialwahl ohne Anspruch auf antike Materialidentität
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Material: Alabastergips, beigefarben patiniert
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Maße: 17 cm hoch, 5,7 cm breit, 3,5 cm tief, 0,20 kg Artikelgewicht
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Datierung des Vorbildes: 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr., niedergermanische Provinz
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Bekanntestes Vorbild: Angelehnt an sitzende Statuette aus Atuatuca Tungrorum (Tongeren) im Gallo-Romeins Museum
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Antike Quelle: Tacitus, Germania 8, zur sakralen Stellung germanischer Frauen; eine literarische Schriftquelle zum Matronenkult selbst existiert nicht
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Passende Sammlungsausrichtung: Provinzialrömische Religion, Niederrhein, Lararium und Hauskult
Wer waren die Matronae und warum trugen sie diese auffällige Haube?
Die Matronae sind keltisch-römisch-germanische Muttergottheiten des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr., bezeugt durch über 800 Weihesteine im Gebiet der römischen Provinz Niedergermanien und durch zahlreiche Tonfiguren wie die Statuette aus Tongeren. Sie traten meist als Dreiheit auf, die mittlere Figur jung und unverheiratet, die beiden äußeren als ältere Matronen mit der charakteristischen Rundhaube. Diese Haube war keine göttliche Phantasie, sondern die reale Tracht verheirateter und verwitweter Ubierinnen im Raum Köln, übertragen auf die Bildsprache des Kultes.
Sitzhaltung, Schoßmotiv, Haube
Alle erhaltenen Matronendarstellungen zeigen die Frauen sitzend, frontal und würdevoll, oft mit Früchtekorb, Ähren oder Räucherkästchen auf dem Schoß. Ein gut belegtes Beispiel dieses Typs ist die Matrona-Figur aus Worms (Inv. R 583), eine 18,5 cm hohe Tonfigur aus einem Sarkophag an der Mainzer Straße. Die Replik aus dem Römer Shop folgt diesem Schema in Vollplastik und nimmt Haube, Faltenwurf und Sitzpose auf. Wichtige Details der originalen Bemalung in Rot und Blaugrün, wie sie auf Bonner Steinen nachgewiesen sind, fallen bei der dezenten Patinierung aus.
Verehrt von Soldaten, Bauern und Frauen aller Schichten
Eine verbreitete Fehlannahme rückt die Matronae allein in die Oberschicht. Die Inschriften widersprechen dem deutlich: Stifter waren Legionäre wie Quintus Vettius Severus (Vettiusstein, 164 n. Chr., Bonn), zivile Beamte aus Köln, einheimische Frauen und ländliche Familienverbände. Wolfgang Spickermann (Germania Inferior, Mohr Siebeck 2008, S. 174–177) ordnet den Kult als breit getragene Volksreligion ein, die zwischen einheimischer und römischer Frömmigkeit vermittelte. Die archäologisch fassbare Hauptphase liegt zwischen etwa 160 und 240 n. Chr.; ältere Datierungsangaben in das 1. Jahrhundert lassen sich nicht belegen.
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Material des Vorbildes: Heller Pfeifenton oder rheinische Terrakotta, in Mehrteilformen gegossen
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Verbreitung: Linksrheinisches Gebiet zwischen Köln, Bonn, Eifel und Maas
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Datierung: 2. bis 3. Jh. n. Chr., Hauptphase 160 bis 240 n. Chr.
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Fundkontexte: Heiligtümer wie Görresburg bei Nettersheim, Tempelareal unter dem Bonner Münster, Werkstätten in Köln
Wie unterscheiden sich die bekannten Matrona-Statuetten aus Tongeren, Worms und Köln?
| Vergleichsstück |
Aufbewahrung und Datierung |
Material und Maße |
Eignung als Vorbild für die Lararium-Replik |
| Matrona-Statuette aus Atuatuca Tungrorum (Tongeren) |
Gallo-Romeins Museum Tongeren, 2. bis 3. Jh. n. Chr. |
Terrakotta, Vollplastik, sitzend mit Haube |
Direkte formale Vorlage der Replik, Sitzpose und Haubenform sind übernommen |
| Matrona R 583, Worms |
Museum der Stadt Worms im Andreasstift, 27 v. Chr. bis 284 n. Chr. (circa) |
Ton, 18,5 cm hoch, mit Früchtekorb auf dem Schoß |
Bestätigt Sitzpose und Haube als Standardmotiv im rheinischen Raum |
| Matronengruppe der Werkstatt des Fabricius, Köln |
Römisch-Germanisches Museum Köln, 2. Hälfte 2. Jh. n. Chr. |
Helle Terrakotta, Dreiergruppe, Werkstattmarke CCAA auf der Rückseite |
Belegt eine lokale Kölner Massenproduktion solcher Tonfiguren |
| Vettiusstein, Bonn |
LVR-LandesMuseum Bonn, datiert 164 n. Chr. |
Stein, Weihealtar mit Triade, junge mittlere Figur |
Datierungsanker und ikonographischer Schlüsselbeleg des Niederrheinischen Typus |
Wie passt die Statue Matrone in eine römische Hausreligion oder Sammlervitrine?
Die Replik ist als ruhige Standfigur konzipiert. Mit 17 cm Höhe und einem Eigengewicht von 0,20 kg steht sie sicher auf einem Marmorsockel oder direkt im Lararium-Schrein und bleibt durch die schmale Standfläche von 5,7 mal 3,5 cm auch in dichter besetzten Vitrinen unauffällig. Die Patinierung wirkt unter punktueller Vitrinenbeleuchtung warm und plastisch und hebt Faltenwurf und Haube hervor.
Passende Darstellungsart: Privater Hauskult der Niederrheinischen Provinz, 2. bis 3. Jh. n. Chr., Lararium-Aufstellung neben Lar, Genius oder weiteren Muttergottheiten
Einsatzbereich: Vitrine, Lararium-Schrein, Schauraum in Schule oder Museumsshop; nicht für Tragebetrieb, Schaukampf oder feuchte Außendarstellung geeignet
Standverhalten: Sicher auf glatter Fläche, schmale Basis, Patina löst sich bei starker Reibung
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Lararium-Aufstellung: Als Einzelfigur einer Muttergottheit oder als ergänzende dritte Figur neben einem Lar und einem Genius, Aufstellung auf Marmorsockel mit 100x100x30 mm
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Vermittlungssituation: Anschauungsobjekt im Geschichtsunterricht zur Provinzialreligion am Niederrhein, kombinierbar mit Repliken römischer Räucherwerkzeuge
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Sammlungseinbindung: Themenvitrine zur germano-keltisch-römischen Religion, gemeinsam mit Reproduktionen von Matronensteinen oder Bildkarten der Görresburg
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: Das antike Vorbild ist Terrakotta, die Replik ist Alabastergips. Die Patina entspricht keiner antiken Fassung, da originale Tonfiguren häufig farbig in Rot und Blaugrün gefasst waren. Eine direkte Abformung eines konkreten Einzelfundes ist nicht dokumentiert; die Replik orientiert sich am Typus, nicht an einem identifizierbaren Einzelstück.
Für welche Anwendungen eignet sich die Statue Matrone?
- Wird ein dauerhaft sichtbarer Sammlungsblickfang gesucht, spricht das geringe Gewicht und die kompakte Höhe für eine offene Vitrinenaufstellung ohne Halterung.
- Soll das Stück eng datiert in eine Darstellung der Hauptphase des Matronenkultes integriert werden, passt das Zeitfenster 160 bis 240 n. Chr.; für die spätantiken Phasen lassen sich Matronendarstellungen archäologisch nicht mehr klar belegen.
- Geht es um eine streng fundbezogene Vitrinenposition neben einer originalen Terrakotta, fehlt der Replik die Materialidentität; für vermittlungsorientierte Schauräume und Klassenraumsituationen ist sie dagegen sofort einsetzbar.
Für sekundäre Zielgruppen wie Museumsshops, Schulen und Reenactor-Gruppen mit ubischer oder niederrheinischer Darstellung lässt sich die Figur als Hausgöttin in einer rekonstruierten Wohnsituation oder als Seminaranschauung einsetzen, ohne ihren Lararium-Charakter zu verlieren.
Häufige Fragen zur Statue Matrone
Wer hat die Matronae im rheinischen Raum tatsächlich verehrt?
Die Stifterinschriften zeigen ein breites Bild über alle Schichten hinweg. Legionäre der Legio I Minervia, Stadtbeamte aus Köln, einheimische Familienverbände aus der Eifel und Frauen aus dem zivilen Umland setzten Steine. Eine Beschränkung auf die Oberschicht lässt sich aus den über 800 dokumentierten Weihungen nicht ableiten.
In welchem Zeitraum lassen sich Matronendarstellungen archäologisch sichern?
Die belegte Hauptphase liegt zwischen etwa 160 und 240 n. Chr., abgesteckt durch datierbare Konsulatsangaben auf den Steinen. Der ältere Vettiusstein von 164 n. Chr. aus Bonn gilt als ältester sicher datierter Bildnisstein. Datierungen in das 1. Jahrhundert oder in das 5. Jahrhundert lassen sich aus den vorhandenen Belegen nicht stützen.
Warum gibt es kein antikes Buch über den Matronenkult?
Die antike Literatur schweigt zum Matronenkult vollständig. Der gesamte Befund stützt sich auf Inschriften und Bildwerke, ergänzt durch kulturellen Kontext bei Tacitus, der in Germania 8 die hohe religiöse Stellung germanischer Frauen beschreibt. Diese Quellenlage erklärt, warum die Forschung bei Namendeutungen wie Aufaniae mit mehreren Hypothesen arbeitet.
Welche Symbolik trägt die Figur in den Händen oder auf dem Schoß?
Originale Matrona-Figuren zeigen häufig Früchtekörbe, Ähren, Brot oder Räucherkästchen. Diese Attribute stehen für Fruchtbarkeit, Wohlstand und den Schutz von Familie, Vieh und Feld. Die Replik gibt das Schoßmotiv plastisch reduziert wieder, ohne ein konkretes Attribut detailliert auszuformen.
Wie pflege ich die bronzefarbene Patina über mehrere Jahre?
Die Patinierung ist eine Oberflächenfassung und reagiert auf Reibung und Feuchtigkeit empfindlich. Trockenes Abstauben mit weichem Pinsel oder Mikrofasertuch genügt. Direkte Sonneneinstrahlung über Jahre verändert den Farbton; eine vitrinengeschützte Standposition ohne Heizungsnähe erhält die ursprüngliche Wirkung am längsten.
Ist Alabastergips ein zerbrechliches Material?
Alabastergips ist druckfest, aber stoßempfindlich an Vorsprüngen wie Haube und Schulterpartie. Bei Lagerung empfehlen sich weiche Polster zwischen den Figuren und ein Transport in einem stabilen Karton mit Einlage. Bei kleineren Patina-Schäden lässt sich der bronzefarbene Ton nachträglich mit Acrylpatina vorsichtig retuschieren.
Externe Quellen und Literatur zur Matronen-Statuette
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Wikipedia: Matronen, Übersichtsartikel zum Niederrheinischen Typus
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museum-digital Rheinland-Pfalz: Römische Matrona-Figur mit Früchten auf dem Schoß, Worms, Inv. R 583
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Römisch-Germanisches Museum Köln: Matronengruppe aus heller Terrakotta, Werkstatt des Fabricius, CCAA
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Gerhard Bauchhenß und Günter Neumann (Hrsg.): Matronen und verwandte Gottheiten. Ergebnisse eines Kolloquiums. Rheinland-Verlag/Habelt, Bonn 1987. Standardwerk zur ikonographischen Einordnung; Nachweis über DAI-Zenon
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Wolfgang Spickermann: Germania Inferior (Religionsgeschichte des römischen Germanien Bd. 2). Mohr Siebeck, Tübingen 2008, S. 160 bis 162 und 174 bis 177
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Mathilde Grünewald: Die Römer in Worms. Stuttgart 1986, S. 69, zur Wormser Matrona-Figur
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Antike Primärquelle: Tacitus, Germania 8, Originaltext (The Latin Library)
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Aktualisiert am: 05.05.2026