Lararium aus Pompeji - Römischer Hausaltar nach dem Vorbild der Casa dei Vettii
Kurz erklärt
Ein Lararium war der Hausaltar des römischen Privatkultes, an dem der Genius des Paterfamilias und die Lares Familiares als Schutzgeister der Familie verehrt wurden. Dieses Wandrelief reproduziert in reduzierter Form die berühmte Aedicula aus der Casa dei Vettii in Pompeji (VI 15,1, Raum v), entstanden zwischen 62 und 79 n. Chr. Format 30 x 28 cm, gegossen aus Alabastergips, gefertigt in Deutschland mit fertiger Aufhängung.
Lararium aus Pompeji auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Historische Replik (Stufe 2). Reduzierter Gipsabguss eines konkret benannten Pompejaner Befundes; Material weicht bewusst vom antiken Fresko ab
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Material: Alabastergips, weiß, mit rückseitiger Aufhängung, Made in Germany
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Maße und Gewicht: 30 x 28 x 5 cm, ca. 1,46 kg
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Datierung des Vorbildes: 62 bis 79 n. Chr., also zwischen dem Erdbeben von 62 und dem Vesuvausbruch von 79
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Bekanntestes Vorbild: Aedicula-Lararium an der Westwand des atriolo v in der Casa dei Vettii, Pompeji (Servicebereich)
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Antike Quelle: Cato d. Ä., De Agri Cultura 143 (Ritualanweisung für die vilica am Lar Familiaris)
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Passender Vermittlungskontext: Wohnaccessoire für Sammler, Anschauungsobjekt für Religions- und Geschichtsunterricht, statisches Beiwerk in der römischen Wohndarstellung
Was zeigt das Lararium aus der Casa dei Vettii im Detail?
Das Vorbild dieser Replik entstand zwischen 62 und 79 n. Chr. an der Westwand des Servicebereichs der Casa dei Vettii (Pompeji VI 15,1). Es zählt nach George K. Boyce zu den größten und feinsten erhaltenen Lararien Pompejis (Boyce 1937, Corpus of the Lararia of Pompeii, Nr. 297; Fotodokumentation auf pompeiiinpictures, Casa dei Vettii Servicebereich).
Die Bildkomposition folgt dem festen Schema des Vierten pompejanischen Stils. Mittig steht der jugendliche, unbärtige Genius des Paterfamilias mit verhülltem Haupt, in der Rechten eine patera für die Trankspende, in der Linken eine acerra für Weihrauch. Flankiert wird er von zwei tanzenden Lares mit Lorbeerkranz, kurzer Tunika und an den Zehen offenen Stiefeln; in der erhobenen Hand halten sie ein Rhyton mit Bockprotom-Ende, in der gesenkten Hand eine Situla. Im unteren Bildfeld windet sich die kammtragende Agathodaemon-Schlange durch Pflanzenwerk auf einen kleinen Altar mit Opferspeisen zu.
Genius, Lares und Schlange im Detail
Der Genius ist nicht der Hausherr selbst, sondern dessen göttlicher Schutzgeist. Die zwei Lares gelten als vergöttlichte Ahnen oder als Schutzgeister des Ortes; sie wurden mit Speise- und Trankopfern besänftigt. Die Schlange am Altar ist ein Agathodaemon, ein genius loci, der die Fruchtbarkeit und das Wohl des Hauses verkörpert. Wer die Bildelemente kennt, erkennt sie auch in Drittbefunden sofort wieder.
Warum das Original im Servicebereich stand, nicht im Atrium
Eine verbreitete Annahme behauptet, Lararien hätten generell im repräsentativen Hauptatrium gestanden. Die Forschung sieht das anders: Federica Giacobello (2008, Larari pompeiani) und Beth Severy-Hoven (2012, Gender & History 24,3) zeigen anhand des Vettii-Befundes, dass kultisch primäre Lararien überwiegend im Servicebereich nahe der Küche lagen. Bei der Casa dei Vettii befindet sich die Aedicula an der Westwand des kleinen Atriolums neben dem Herd, also im Arbeitsbereich der Sklaven, die den täglichen Kult zu betreuen hatten.
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Form des Originals: Aedicula mit korinthischen Halbsäulen und Dreiecksgiebel, Wandfresko innen
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Material des Originals: Pigmentierter Putz auf der Wand (Vierter pompejanischer Stil)
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Datierung: Nach dem Erdbeben von 62 n. Chr., vor dem Vesuvausbruch von 79 n. Chr.
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Heutiger Standort: in situ in Pompeji, Parco Archeologico, seit 2023 wieder zugänglich
Wie unterscheidet sich dieses Lararium von anderen erhaltenen Hausaltären?
Wer eine Lararium-Replik kauft, sollte wissen, in welchen Bautypen Hausaltäre archaeologisch fassbar sind. Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Vergleichstypen gegenüber.
| Lararium-Typ |
Datierung |
Fundort und Aufbewahrung |
Eignung als Replik-Vergleich |
| Aedicula mit Wandfresko (Vorbild dieser Replik) |
62 bis 79 n. Chr. |
Casa dei Vettii VI 15,1, Pompeji, in situ |
Standardtyp wohlhabender Pompejaner Häuser; ikonografisch komplett |
| Aedicula-Giebel mit Flechtkranz |
2. bis 3. Jh. n. Chr. |
Terra Sigillata Museum Rheinzabern, museum-digital ID 1095741 |
Provinzialer Typ; nur architektonischer Rahmen ohne Bildprogramm |
| Wandnische mit Stuckmalerei |
2. Jh. n. Chr. |
Praetorium Köln, MiQua, freigelegt 2025/26 |
Erster Lararium-Befund nördlich der Alpen; reduzierter Bautyp ohne Aedicula |
| Bronze-Lar als Einzelfigur |
1. bis 2. Jh. n. Chr. |
Augusta Raurica, Insula H.H. (Kaufmann-Heinimann 1998) |
Tragbares Kultbild für die Aufstellung in der Nische |
Praxisleitfaden Lararium aus Pompeji als Wandrelief im Wohn- und Vermittlungskontext
Das Relief liegt mit ca. 1,46 kg spürbar schwerer als ein bloßer Wandschmuck und gibt das Bildprogramm der Casa dei Vettii sauber und kontrastreich wieder. Aus 2 m Entfernung sind die drei Hauptfiguren und die Schlange klar erkennbar; aus 30 cm Nähe treten Details wie der Lorbeerkranz der Lares und die Falten der toga praetexta des Genius hervor.
Passende Darstellungsart: Wohndekoration für Sammler, Anschauungsobjekt im Latein-, Religions- und Geschichtsunterricht, statisches Beiwerk in Reenactment-Wohnszenen | Einsatzbereich: Feste Wandinstallation oder Vitrinenposition; nicht für Tragebetrieb, Outdoor-Einsatz oder hohe Luftfeuchte geeignet | Nutzbarkeit: Wandhängung über die rückseitige Öse, Tischaufsteller mit Stütze oder Vitrineneinbau
- An einer Innenwand auf Augenhöhe montieren (Bildmittelpunkt ca. 160 cm), damit die Komposition wie im Original frontal lesbar bleibt
- Im Klassenraum als Einstiegsobjekt zur Sequenz römische Religion und sacra privata; die drei Bildebenen Genius, Lares und Schlange lassen sich getrennt besprechen
- In der Wohndarstellung im Living-History-Kontext als statisches Beiwerk neben einer Truhe oder einem Klinen-Aufbau positionieren
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: Das Original ist eine räumliche Aedicula mit korinthischen Halbsäulen und Tympanon; die Replik flacht diese Architektur auf ein Wandrelief von 30 x 28 cm ab. Alabastergips ersetzt den antiken Wandputz mit Fresko. Die ursprünglich farbenfrohe Bemalung der Vettii-Wand fehlt; eine bemalte Inszenierung in der Vitrine zeigt das Winckelmann-Museum Stendal.
Für welche Anwendung eignet sich dieses Lararium genau?
- Wer eine museumsnahe Vitrinen-Position sucht, sollte das Relief unbemalt belassen und punktuell anstrahlen, damit das Schattenrelief plastisch wirkt
- Wer Vermittlung im Klassenraum priorisiert, profitiert von einer leichten Patinierung mit lasierender Aquarellfarbe in Ocker und Rot, weil sie die Lesbarkeit der drei Figuren vor dem hellen Hintergrund verstärkt
- Reine Sammleraufstellung im Regal funktioniert nur, wenn sie eine seitliche Stütze oder eine kleine Wandhalterung verwendet; das Relief ist nicht selbsttragend stehend
Für sekundäre Zielgruppen wie Lehrer und Reenactor passt das Lararium ergänzend zu Wachstafeln, Öllampen und Lar-Bronzestatuetten als Themenset zu sacra privata und römischem Hauskult.
Häufige Fragen zum Lararium aus Pompeji
Stand das Lararium der Casa dei Vettii ursprünglich im Atrium?
Nein. Es befand sich an der Westwand des kleinen Servicebereich-Atriolums (Raum v) neben Küche und Sklavenquartier, nicht im repräsentativen Hauptatrium. Federica Giacobello und Beth Severy-Hoven sehen darin den kultisch primären Standort: nahe am Herd, im Arbeitsbereich derjenigen, die den täglichen Kult betreuten.
Was unterscheidet eine Aedicula vom einfachen Wandlararium?
Eine Aedicula ist ein gebautes Tempelchen mit Halbsäulen, Sockelpodium und Dreiecksgiebel, das aus der Wand vortritt. Ein einfaches Wandlararium ist meist nur eine flache, gerahmte Bildfläche oder eine Nische. Wohlhabende pompejanische Häuser leisteten sich Aedicula-Lararien wie das der Vettii; ärmere Haushalte beließen es bei einer gemalten Bildfläche oder einer kleinen Wandnische.
Welche Götter sind auf dem Relief dargestellt?
In der Mitte steht der Genius des Paterfamilias als Schutzgeist des Hausherrn, mit toga praetexta, patera und acerra. Links und rechts tanzen die zwei Lares Familiares mit Rhyton und Situla. Im Sockel windet sich die Agathodaemon-Schlange als genius loci des Grundstücks auf einen Altar zu.
Wurde im römischen Hauskult tatsächlich täglich am Lararium geopfert?
Cato d. Ä. schreibt der vilica in De Agri Cultura 143 vor, an Kalenden, Iden, Nonen und Festtagen einen Kranz auf den Herd zu legen und am Lar Familiaris Bittgebete zu sprechen. Die Bilddarstellungen mit Speise- und Trankopfern, Weihrauch und Girlanden sind also nicht symbolisch, sondern Abbild realer Ritualpraxis.
Gibt es Lararien-Funde nördlich der Alpen?
Bis Februar 2026 galten Pompeji und Herculaneum als nahezu einzige Quelle. Im Praetorium der Colonia Claudia Ara Agrippinensium in Köln wurde dann ein Lararium aus dem 2. Jh. n. Chr. freigelegt: eine Wandnische mit Bemalungsspuren und Nagellöchern für Girlanden. Es ist der erste gesicherte Lararium-Befund in den nordwestlichen Provinzen.
Wie pflegt man eine Replik aus Alabastergips über lange Zeit?
Trockene Innenraumlagerung bei stabiler Luftfeuchte ist die wichtigste Vorgabe; Gips zieht Feuchtigkeit, das Relief sollte also nicht im Bad oder ungeheizten Keller hängen. Staub mit weichem Pinsel entfernen, niemals nass abwischen. Wer farbig fassen möchte, grundiert mit dünnem Hasenleim oder Acrylgrund und arbeitet mit lasierender Aquarell- oder Gouachefarbe in Ocker, Rot und Erdbraun.
Externe Quellen und Literatur zum Lararium aus Pompeji
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Wikipedia: Lararium (allgemeine Übersicht inklusive Köln-Befund 2026)
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Pompeii in Pictures: Casa dei Vettii VI 15,1, Servicebereich mit Lararium (umfangreiche Fotodokumentation des Originalbefundes seit 1959)
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museum-digital: Ädikula eines Larariums, Terra Sigillata Museum Rheinzabern (deutscher Vergleichsbefund)
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Stadt Köln, Pressemitteilung vom 9. Februar 2026: Sensationelle Funde im MiQua (erster Lararium-Befund nördlich der Alpen)
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Corpus of the Lararia of Pompeii, George K. Boyce, 1937, Memoirs of the American Academy in Rome 14: grundlegender Bestandskatalog mit der Casa dei Vettii als Nr. 297. Bibliografie über DAI Zenon
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Lararien- und Fassadenbilder in den Vesuvstädten, Thomas Fröhlich, 1991, Mainz, von Zabern, ISBN 3-8053-1202-4: ikonografische Standardanalyse mit Casa dei Vettii als Kat. L29
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Larari pompeiani. Iconografia e culto dei Lari in ambito domestico, Federica Giacobello, 2008, LED Edizioni Mailand: aktualisierte Auswertung mit der These, dass kultisch primäre Lararien überwiegend im Küchen- und Servicebereich lagen
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Cato d. Ä., De Agri Cultura 143 (Latin Library, lateinischer Originaltext) sowie englische Übersetzung bei LacusCurtius
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Aktualisiert am: 30.04.2026