Römische Öllampe Decirius und Baebivs: Volutenlampe mit Gladiatorenspiegel
Kurz erklärt
Die Öllampe Decirius und Baebivs ist eine handgefertigte Tonreplik einer augusteisch-tiberischen Volutenlampe vom Typ Loeschcke I A (Bailey A I). Im Spiegel kämpfen zwei thrakisch bewaffnete Gladiatoren mit den Namen DECIRIUS rechts und BAEBIVS links. Das Original lagert im Museum August Kestner Hannover unter der Inventarnummer 927.
Decirius und Baebivs auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Historische Replik (Stufe 2). Material und Verfahren historisch plausibel, Maße leicht über dem Originalmaß.
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Material: gebrannter Ton
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Maße der Replik: 11 × 8 × 4 cm, Gewicht ca. 120 g, Brenndauer mit Olivenöl je nach Dochtstärke ca. 2 bis 4 Stunden
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Lieferumfang: Lampe, zwei Ersatzdochte, Gebrauchsanleitung
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Datierung des Vorbildes: spätaugusteisch bis frühtiberisch, ca. 20 v. Chr. bis 30 n. Chr.
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Vorbild: Volutenlampe Bailey Typ A I aus der Sammlung August Kestner, Mittelmeerraum, heute Museum August Kestner Hannover
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Antike Quelle: Plinius, Naturalis historia 15, 4 bis 5, zur Eignung von Olivenöl als Lampenbrennstoff
Welche Gladiatoren kämpfen auf der Öllampe Decirius und Baebivs?
Im Spiegel der spätaugusteisch-tiberischen Volutenlampe (ca. 20 v. Chr. bis 30 n. Chr., Mittelmeerraum) treffen zwei Thraeces aufeinander, also zwei gleichartig bewaffnete Gladiatoren der thrakischen Gattung. Das Vorbild im Museum August Kestner Hannover trägt die senkrecht eingeritzten Namen DECIRIUS auf der rechten und BAEBIVS auf der linken Seite des Bildfelds. Beide Kämpfer führen die gebogene sica und tragen den charakteristischen Visierhelm mit hohem Kamm.
Bemerkenswert ist die Paarung selbst. In der frühen Kaiserzeit war der Kampf thraex gegen murmillo die mit Abstand häufigste Kombination, wie der Experimentalarchäologe Marcus Junkelmann in seinen Rekonstruktionsstudien vielfach belegt hat. Zwei Thraeces gegeneinander begegnen nur selten in den erhaltenen Bildwerken. Alexander Mlasowsky (1993, Nr. 159) ordnet die Lampe deshalb einer Kleinserie zu, die für einen lokalen Fankreis in der Umgebung Roms produziert worden sein dürfte.
- Maße des Originals: 10,4 × 7,6 × 3 cm; Replik: 11 × 8 × 4 cm
- Material: Ton, antikes Vorbild im zweischaligen Tonmodel-Abdruck als Massenverfahren gefertigt
- Datierung: 20 v. Chr. bis 30 n. Chr., entspricht Bailey A I beziehungsweise Loeschcke I A
- Aufbewahrung des Vorbildes: Museum August Kestner Hannover, Sammlung Kestner aus Rom
Was verraten die Inschriften DECIRIUS und BAEBIVS?
Die beiden Namen tauchen in keiner anderen antiken Quelle auf, weder in stadtrömischen Grabinschriften noch in pompeianischen Gladiatorengraffiti (CIL IV). Mlasowsky hält es deshalb für plausibel, dass es sich um lokal bekannte Arenastars handelte, deren Namen für ein bestimmtes Publikum aussagekräftig waren, ohne überregionale Verbreitung zu finden. Eine Identifikation mit historisch greifbaren Personen ist nach aktuellem Forschungsstand nicht möglich.
Bildlampen mit namentlich gekennzeichneten Gladiatoren sind insgesamt selten. Wesentlich häufiger zeigen Lampen die Gattungen ohne Beschriftung, etwa den Hoplomachus oder den Murmillo isoliert mit Helm und Schild.
Warum kämpfen zwei Thraeces gegeneinander?
Die Bewaffnung beider Kämpfer ist nahezu identisch: gebogene Klinge, kleiner Schild (parma), hoher Visierhelm und zwei lange Beinschienen (ocreae). Genau diese Symmetrie macht die Paarung als Kampfduell ungewöhnlich. Die typologische Einordnung der Lampe als Bailey A I bestätigt sich durch die schichtdatierten Vergleichsstücke aus Vindobona (Stadtarchäologie Wien). In der modernen Reenactment-Szene wird die Kombination Thraex gegen Thraex bewusst inszeniert, um die spielerische Variabilität der römischen Gladiatur zu zeigen, statt ausschließlich auf die populäre Standardpaarung Thraex gegen Murmillo zu setzen.
Welche Volutenlampen-Typen passen zu welcher Impression?
| Lampentyp |
Datierung |
Schnauzenform |
Typische Spiegelmotive |
Passende Impression |
| Loeschcke I A / Bailey A I (Decirius und Baebivs) |
spätaugusteisch bis tiberisch (ca. 20 v. Chr. bis 30 n. Chr.) |
eckige Volutenschnauze, schmal |
Gladiatoren, Mythologie, Tiere |
Zivil- und Militärdarstellung augusteisch bis tiberisch, Kalkriese-Horizont |
| Loeschcke I B / Bailey A ii bis iv |
spätaugusteisch bis frühflavisch (ca. 20 bis 80 n. Chr.) |
eckige Volutenschnauze |
breites Bildrepertoire, oft Mythologie |
frühe bis mittlere Kaiserzeit |
| Loeschcke I C |
claudisch bis flavisch (ca. 50 bis 90 n. Chr.) |
eckige Volutenschnauze, später |
spätes Bildspektrum, Sportszenen |
claudisch bis flavisch, vor den Markomannenkriegen |
| Loeschcke IV / Bailey B |
tiberisch bis frühes 2. Jh. n. Chr. |
runde Volutenschnauze |
parallel zu Loeschcke I, Tiere und Götter |
frühe bis mittlere Kaiserzeit, Westprovinzen |
| Firmalampe (Loeschcke IX/X) |
flavisch bis 3. Jh. n. Chr. |
langer Kanal mit Steg |
meist ornamentale Schulterzier, oft ohne Bildmotiv |
mittlere bis spätere Kaiserzeit, Provinzen |
Decirius und Baebivs in der Lagerdarstellung
Die Replik leistet, was sie soll. Mit einem zugeschnittenen Lampendocht und etwa 12 ml Olivenöl brennt sie ruhig und gibt warmes, leicht flackerndes Licht ab, das im rekonstruierten Lager genau die Atmosphäre erzeugt, die kein modernes Teelicht ersetzen kann. Bei offenem Lager unter freiem Himmel ist die kleine Flamme windempfindlich, hält sich in geschlossenen Pavillons und Zelten aber stabil über mehrere Stunden (Sicherheitsblatt beachten). Die Schnauze rußt mit der Zeit deutlich, was bei Olivenöl-Brand normal ist und sich gut feucht abreiben lässt. Aus kurzer Entfernung ist das Reliefbild im Spiegel noch erkennbar, was die Lampe auch als Sprechobjekt im Vermittlungsgespräch nutzbar macht.
Passende Darstellungsart: Zivildarstellung augusteisch bis tiberisch, ca. 20 v. Chr. bis 30 n. Chr., auch militärisches Lager dieser Datierung | Einsatzbereich: reale Lichtquelle bei Abenddarstellungen, Tischbeleuchtung im rekonstruierten Triclinium, Vermittlungsobjekt bei Schaukampfprogrammen mit Gladiatorenthema, ungeeignet für Schaukampf oder Marschbetrieb | Brenndauer: ca. 2 bis 4 Stunden mit einer Olivenöl-Füllung, je nach Dochtstärke und Windsituation
- Tischbeleuchtung im Triclinium oder bei abendlichen Vermittlungsformaten zur römischen Wohnkultur
- Sprechobjekt im Vermittlungsgespräch über Gladiatorenwesen, Inschriftenpraxis und römische Massenunterhaltung
- Lichtquelle in Zelten und überdachten Wohndarstellungen bei Mehrtages-Events wie dem Saalburg-Lagerwochenende oder dem Carnuntum-Römerfestival
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: Die Replik misst 11 × 8 × 4 cm, das Kestner-Original 10,4 × 7,6 × 3 cm. Die Höhe weicht damit um 1 cm nach oben ab, der Lampenkörper wirkt im Direktvergleich etwas bauchiger. Forschungsseitig bleibt umstritten, ob es Decirius und Baebivs als historische Personen tatsächlich gegeben hat oder ob es sich um stadtrömische Arenanamen für einen kleinen Fankreis handelt (Mlasowsky 1993).
Für welche Darstellungen eignet sich Decirius und Baebivs?
- Tagesveranstaltung bei Römerfesten mit Lagerdarstellung: voll passend, einsetzbar als reale Lichtquelle und ideal als Sprechobjekt im Vermittlungsgespräch über Gladiatorenwesen
- Eng datierte Darstellung um 9 n. Chr. (Kalkriese-Horizont, augusteische Rheinarmee): voll passend, weil die Lampe genau in das Datierungsfenster des Originals fällt
- Vermittlungsorientierter Einsatz im Schul- oder Museumskontext: doppelter Mehrwert durch Reliefdarstellung, lateinische Inschrift und tatsächliche Funktionsfähigkeit als Lichtspender
- Streng fundbezogene Vitrinendarstellung um die Zeitenwende: nur eingeschränkt geeignet, da die Replik in Höhe und Volumen vom Original abweicht
Für die museumspädagogische Vermittlung lässt sich die Lampe als Brücke zwischen römischer Alltagskultur und Gladiatorenwesen einsetzen, weil sie beide Themen in einem einzigen Objekt verbindet.
Häufige Fragen zur Öllampe Decirius und Baebivs
Was unterscheidet die Volutenlampe Loeschcke I A von Loeschcke I C?
Beide Typen haben eine eckige Volutenschnauze, gehören aber zu unterschiedlichen Datierungen. Loeschcke I A datiert spätaugusteisch bis tiberisch, ca. 20 v. Chr. bis 30 n. Chr., und entspricht Bailey A I. Loeschcke I C ist claudisch bis flavisch, ca. 50 bis 90 n. Chr., mit anderem Bildrepertoire und meist breiterer Schulter. Wer eine augusteische Impression aufbaut, greift zur I A; wer flavisch darstellt, bleibt bei I C.
Wie lagere ich die Tonlampe zwischen den Saisons?
Vor dem Einlagern den Restöl-Anteil ausgießen, das Innere mit warmem Wasser ausschwenken und vollständig trocknen lassen. Anschließend in einem trockenen Karton oder Holzkistchen lagern, getrennt von anderen Objekten, weil Tonlampen schwitzen können und das Olivenöl nachzieht. Über mehrere Saisons entwickelt der Tonkörper eine bräunliche Ölpatina, die historisch ohnehin auftrat und keinen Defekt darstellt.
Wie behebe ich Rußspuren an der Schnauze?
Frischen Ruß nach dem Erkalten mit einem feuchten Lappen abreiben. Hartnäckigen Ruß lösen sanfte Tonreiniger oder verdünnter Essig, aggressive Scheuermittel sollten Sie meiden, weil sie die Oberfläche aufrauen. Eine dezente Schwärzung an der Dochtspitze ist authentisch und blieb auch an antiken Originalen sichtbar.
Bis in welche Datierung lässt sich Decirius und Baebivs sinnvoll einsetzen?
Das Original liegt sicher zwischen 20 v. Chr. und 30 n. Chr. Im westprovinzialen Tradierungs-Horizont blieben Volutenlampen vom Typ Loeschcke I bis etwa 70/80 n. Chr. in Gebrauch, weil Bestände lange überdauerten. Für streng fundbezogene Impressionen ab flavischer Zeit greifen Sie besser zu einer Firmalampe (Loeschcke IX/X) oder zu Loeschcke VIII.
Welches Öl brennt am besten in der Replik?
Die Römer verwendeten reines Olivenöl, wie Plinius (Naturalis historia 15, 4 bis 5) ausdrücklich bestätigt. Olivenöl brennt rußarm, geruchlich dezent und hält die Flamme stabil. Moderne Speiseöle funktionieren ebenfalls, Lampenöl brennt klarer, ist aber historisch nicht authentisch. Für authentische Vorführungen bleibt Olivenöl die erste Wahl.
Woran erkenne ich, dass die Replik dem Kestner-Original folgt?
Aussagekräftig sind drei Merkmale: die Form der eckigen Volutenschnauze (Bailey A I), die Reliefdarstellung der zwei Thraeces im Spiegel und die senkrechten Inschriften DECIRIUS rechts, BAEBIVS links. Stimmt eines dieser Merkmale nicht, handelt es sich um einen anderen Volutenlampen-Typ oder um eine Reproduktion ohne direkten Bezug zum Kestner-Stück.
Externe Quellen und Literatur zur Öllampe Decirius und Baebivs
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museum-digital: Volutenlampe „Zwei kämpfende Gladiatoren" (Inv. 927). Datenbankeintrag des Museum August Kestner mit Maßen, Datierung und Originalbeschriftung.
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Wikipedia: Thraex. Standardübersicht zur Bewaffnung und Kampfweise der thrakischen Gladiatorengattung.
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Stadtarchäologie Wien: Bildlampen Loeschcke I bis IV. Auswertungskapitel mit Schichtdatierungen aus Vindobona, hilfreich für die Einordnung der Volutenlampen-Frühformen.
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Mlasowsky, Alexander: Die antiken Tonlampen im Kestner-Museum Hannover, Hannover 1993, ISBN 3-924029-13-X. Maßgeblicher Sammlungskatalog mit Beschreibung der Decirius-Baebivs-Lampe als Nr. 159.
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Junkelmann, Marcus: Gladiatoren. Das Spiel mit dem Tod, Mainz 2008, ISBN 978-3-8053-3797-7. Standardwerk mit experimentalarchäologischem Ansatz, behandelt Bewaffnung, Kampfpaarungen und namentliche Gladiatoreninschriften.
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Plinius, Naturalis Historia 15, 4 bis 5 (Perseus Digital Library, lateinischer Originaltext). Antike Primärquelle zu Olivenöl als bevorzugtem Lampenbrennstoff.
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Aktualisiert am: 27.04.2026