Römische Öllampe Gladiatoren ACVVIVS vs. HERMEROS aus Keramik
Kurz erklärt
Diese handgeformte Tonlampe folgt einem Fundstück aus Pozzuoli, das heute im British Museum London verwahrt wird, und zeigt im Diskus zwei Gladiatoren mit der lateinischen tabula ansata ACVVIVS und HERMEROS. Der Schwerbewaffnete links trägt scutum und gladius, sein Gegner rechts führt parmula und sica. Die Lampe gehört zur Loeschcke-Form IV und datiert in das 1. Jh. n. Chr.
Gladiatoren-Öllampe auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Historische Replik (Stufe 2). Material und Fertigung folgen dem Originalfund, Reliefschärfe und Engobe-Farbgebung weichen leicht ab.
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Material: Roter Ton mit Engobe-Überzug, zweiteilige Form Herstellung und hochtemperaturgebrannt.
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Maße: ca. 14 cm Länge, 9 cm Breite, 5 cm Höhe; Artikelgewicht 180 g.
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Datierung des Vorbildes: 1. Jh. n. Chr.
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Bekanntestes Vorbild: Tonlampe aus Pozzuoli, British Museum London.
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Antike Quelle: Livius, Ab urbe condita 9, 40 (Bewaffnung der Samniten als historische Wurzel der Murmillo-Ausstattung).
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Passende Impression: Zivildarstellung 1. Jh. n. Chr., kampanischer Haushalt; sekundär Lager- und Tafelbeleuchtung im militärischen Statiklager.
Was zeigt die Gladiatoren-Öllampe ACVVIVS gegen HERMEROS?
Die Lampe rezipiert eine in Pozzuoli (lateinisch Puteoli) gefertigte Tonlampe des 1. Jh. n. Chr., die heute im British Museum London liegt. Im Diskus stehen sich zwei Gladiatoren in Angriffsstellung gegenüber, dazwischen sitzt eine tabula ansata mit den Namen ACVVIVS und HERMEROS. Der antike Produzent in Pozzuoli war einer der bedeutendsten Hersteller römischer Volutenlampen mit Diskusrelief und exportierte seine Ware bis in die Donauprovinzen.
Wer waren ACVVIVS und HERMEROS?
Der Name HERMEROS taucht in pompejanischen Graffiti mehrfach als typischer Sklaven- oder Freigelassenenname griechischer Herkunft auf. ACVVIVS ist als seltenerer lateinischer Name belegt. Beide Namen stehen auf der Lampe für historische oder fiktive Arenakämpfer eines kampanischen Munus, vermutlich aus dem Umfeld des Amphitheaters von Pozzuoli, dessen Bauphase unter den Flaviern fortgeführt wurde.
Murmillo gegen Thraex statt Samnit gegen Hoplomachus
In älteren Beschreibungen tauchen für diese Diskusszene oft die Bezeichnungen Samnit und Hoplomachus auf. Die aktuelle Forschung lehnt diese Lesart ab. Whitehouse und Stern (2018) identifizieren die Kämpfer eindeutig als Murmillo (links, ACVVIVS) und Thraex (rechts, HERMEROS). Das deckt sich mit den Erkenntnissen von Marcus Junkelmann (2008), der auf Basis seiner experimentellen Helmrekonstruktionen festhält, dass scutum und gerader gladius einen Murmillo kennzeichnen, während sica und parmula auf einen Thraex verweisen. Die Gattung Samnit war nach den augusteischen Reformen ohnehin praktisch verschwunden und gilt für eine Lampe des 1. Jh. n. Chr. als anachronistisch.
Welche typologische Form trägt die Lampe?
Die Lampe folgt der Loeschcke-Form IV, also einer Volutenlampe mit gerundeter Schnauzenspitze, Eierstab- oder Ovuli-Dekor auf der Schulter und Ringhenkel im Heck. Sie erlaubt eine Datierung des Vorbildes in das 1. Jh. n. Chr., mit einer Produktionsspitze in claudisch-flavischer Zeit. Der am Original gebrochene Henkel ist in der Replik vollständig nachgebildet, was in der Reenactment-Szene als bewusste Konstruktionsergänzung verstanden wird.
Welche Gladiatorengattungen vergleicht die Diskusszene?
| Gladiatorengattung |
Kennbewaffnung |
Datierungstiefe |
Passung zur Lampe |
| Murmillo (links, ACVVIVS) |
scutum, gladius, böotischer Helm mit Fischkamm, ocrea links |
augusteisch bis Spätantike |
auf der Lampe abgebildet |
| Thraex (rechts, HERMEROS) |
parmula, sica, Phrygerhelm mit Greifenkamm, zwei lange ocreae |
augusteisch bis 3. Jh. n. Chr. |
auf der Lampe abgebildet |
| Hoplomachus |
parma rotunda, hasta, Helm mit Helmbusch |
augusteisch bis Spätantike |
auf dieser Lampe nicht dargestellt |
| Samnis (älterer Typ) |
scutum, gladius, Helmbusch |
spätrepublikanisch bis frühaugusteisch |
für Kaiserzeit-Lampe nicht passend |
| Retiarius |
rete, fuscina, kein Helm, galerus |
flavisch bis 4. Jh. n. Chr. |
auf dieser Lampe nicht dargestellt |
Die Gladiatoren-Lampe in der Reenactment-Praxis
Im aktiven Lagerbetrieb steht die Lampe stabil auf flachem Untergrund und brennt mit handelsüblichem Olivenöl gleichmäßig. Aus kurzer Entfernung bleibt das Diskusrelief in der Flammenbeleuchtung gut lesbar; die tabula ansata mit den Namen tritt als sekundärer Akzent zurück und wird erst aus näherer Distanz sichtbar. Der hochtemperaturgebrannte Tonkörper bleibt während des Brennbetriebs dicht, eine moderne Innenglasur trägt die Lampe nicht.
Passende Darstellungsart: Zivildarstellung 1. Jh. n. Chr., | Einsatzbereich: Standbetrieb im Lager, an Tafel und Lararium, kein Einsatz in Bewegung | Brenndauer: mehrere Stunden mit einer Olivenöl-Füllung
- Lararium-Position im Atrium-Aufbau, mit Olivenöl als Brennstoff
- Tafelbeleuchtung beim römischen Convivium, ergänzt durch ein hitzebeständiges Untersetzgefäß
- Statische Lagerausstattung im contubernium-Aufbau, etwa für Saalburg, Carnuntum oder Xanten APX
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: Die Reliefschärfe der Diskusszene fällt im Direktvergleich mit Originalfunden aus Pozzuoli weicher aus; die Engobe wirkt uniformer als die typisch Brennfarbe kampanischer Töpferzentren; der am Original gebrochene Ringhenkel ist in der Replik komplett ergänzt.
Für welche Impression eignet sich die Gladiatoren-Lampe?
- Bei statischer Lagerdarstellung in claudisch-flavischer Zeit liefert sie eine fundnahe Lichtquelle für das contubernium und das Lararium.
- Bei Marschdarstellung gehört die Tonlampe ins Marschgepäck der Calones, im aktiven Marschbetrieb selbst kommt sie nicht zum Einsatz.
- Wer streng fundbezogen darstellt, prüft Reliefschärfe und Engobe-Farbgebung im Direktvergleich; vermittlungsorientierte Gruppen profitieren vom robusten Brennverhalten und der gut erkennbaren Diskusszene.
Für museumspädagogische Vermittlung: Die Lampe brennt sichtbar mit Olivenöl und eignet sich als Anschauungsobjekt für antike Beleuchtung und für die Bildwelt römischer Munera.
Häufige Fragen zur Gladiatoren-Öllampe ACVVIVS gegen HERMEROS
Worin unterscheiden sich Murmillo und Samnit auf antiken Lampendarstellungen?
Der Murmillo trägt den böotischen Helm mit hohem Fischkamm und kämpft mit scutum und gladius, der Samnis verwendet zwar ähnliche Bewaffnung, gehört aber typologisch in die spätrepublikanische und frühaugusteische Phase. Auf Lampen des 1. Jh. n. Chr., wie der Vorlage aus Pozzuoli, ist die Bezeichnung Samnit anachronistisch. Die korrekte Lesart ist Murmillo, oft im Kampf gegen einen Thraex.
Wie lagere ich die Tonlampe zwischen den Saisons richtig?
Reste des Olivenöls vor der Lagerung mit warmem Wasser ausspülen und die Lampe vollständig trocknen lassen, bevor sie eingelagert wird. Lagerung trocken, lichtgeschützt und auf einem hitzebeständigen Untersetzer; in feuchten Kellerräumen kann sich an Restöl Schimmel bilden. Den Ringhenkel beim Tragen nicht überlasten, weil er die statisch schwächste Stelle der Replik ist.
Wie patiniert die Engobe-Oberfläche über mehrere Saisons?
Die rotbraune Engobe dunkelt durch Rußanflug am Schnauzenende und durch Ölkontakt mit der Zeit nach und nähert sich dadurch optisch dem antiken Vorbild an. Wer die Patina behalten möchte, reinigt nur den Ölbehälter und lässt die Außenseite unbehandelt. Wer eine frische Optik bevorzugt, wischt die Engobe vorsichtig mit lauwarmem Wasser und einem weichen Tuch ab.
Welche Datierung deckt die Lampe sauber ab?
Das Vorbild gehört in das 1. Jh. n. Chr. Damit passt die Lampe zur Impression eines kampanischen Haushalts in claudisch-flavischer Zeit und zur Lagerausstattung der Rheinarmee dieser Phase. Für eine spätaugusteische oder spätantike Impression eignet sie sich nicht.
Woran erkenne ich eine fundnahe Rekonstruktion einer Pozzuoli-Lampe?
Geprüft werden die Schulterverzierung (regelmäßiger Eierstab statt grober Punktreihe), die Schnauzenform (gerundet mit deutlichen Voluten) und die Diskusprägung (klar lesbare Bewaffnungsdetails wie Helmkamm, Schildkante und Schwertgriff). Eine moderne Innenglasur ist nicht authentisch und fehlt bei dieser Replik bewusst. Restdetails zur Gladiatorenidentifikation sollten vor dem Kauf mit einer aktuellen Forschungspublikation abgeglichen werden.
Wofür hat die Lampe als historische Lichtquelle gedient?
Tonlampen waren in jedem römischen Haushalt allgegenwärtig und dienten als Hauptlichtquelle nach Sonnenuntergang. Sie standen auf Tischen, in Wandnischen, an Lararien und in Werkstätten und brannten mit Olivenöl als Brennstoff. Lampen mit Gladiatorenmotiv galten als populäres Souvenir aus den Spielorten und sind als Sammlungstyp besonders gut belegt.
Externe Quellen und Literatur zur Gladiatoren-Öllampe
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British Museum, Sammlungsdatenbank: Originalobjekt aus Pozzuoli, Volutenlampe mit Eierstabschulter und Murmillo-Thraex-Diskusszene.
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Whitehouse, D. und Stern, E. M. (2018): Spectacular Translucence. The Games in Glass: peer-reviewed Identifikation der Kämpfer als Murmillo und Thraex.
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Wikipedia: Murmillo: Überblick zu Bewaffnung und Datierung.
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Junkelmann, Marcus (2008): Gladiatoren. Das Spiel mit dem Tod, Philipp von Zabern, Mainz. Standardwerk der experimentellen Gladiatorenarchäologie mit ausführlicher Helm- und Schildklassifikation.
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Bailey, Donald M. (1980): A Catalogue of the Lamps in the British Museum, Vol. II: Roman Lamps Made in Italy, British Museum Publications, London. Maßgebliche Typologie römischer Tonlampen italischer Produktion.
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Köhne, Eckart und Ewigleben, Cornelia (Hg.) (2000): Gladiatoren und Caesaren. Die Macht der Unterhaltung im antiken Rom, Philipp von Zabern, Mainz. Eintrag in zenon.dainst.org.
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Aktualisiert am: 27.04.2026