Mortarium mit Mörser, römische Reibschüssel der Gose-455-Familie
Kurz erklärt
Das Mortarium ist eine grobkeramische Reib- und Mischschüssel mit Quarzschrot-Bewurf auf der Innenfläche, die in den westlichen Provinzen des Imperiums vom 1. bis ins 3. Jahrhundert nach Christus zum Standard der römischen Küche gehörte. Diese Replik orientiert sich am Profil der Gose-455-Familie und liegt mit 21 cm Durchmesser und 6 cm Höhe nahe an den kleineren Stücken der frühen Kaiserzeit, etwa der Reibschüssel R 25 aus Frankfurt-Nied. Im Lieferumfang ist ein keramisches Pistillum enthalten.
Reibschüssel auf einen Blick
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Authentizitätsgrad: Historische Replik (Stufe 2), Material und Profil am Vorbild, ohne Töpferstempel und ohne Bezug zu einer benannten Werkstatt
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Material: Grobkeramik mit Quarzschrot-Reibebelag auf der Innenfläche, Kragenrand mit Ausgussöffnung, beigelegtes keramisches Pistillum
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Maße: Durchmesser ca. 21 cm, Höhe ca. 6 cm, Pistillum im Lieferumfang enthalten
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Datierung des Vorbildes: 1. bis 2. Jahrhundert nach Christus, Schwerpunkt frühe Kaiserzeit
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Bekanntestes Vorbild: Reibschüssel R 25 vom Fundort Gelatinefabrik Frankfurt-Nied, Typ Gose 455 (Variante), Sammlung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Frankfurt-Höchst
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Antike Quelle: Apicius, De re coquinaria IV.4.1 (Tisana-Rezept mit der Anweisung mittis in mortario)
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Passende Darstellung: Coquus, Pater Familias, Matrona oder Provinzialhandwerker, frühe bis mittlere Kaiserzeit, italische Halbinsel und westliche Provinzen mit Schwerpunkt Niedergermanien, Obergermanien und Britannia
Was ist ein Mortarium und wie wurde es in der römischen Küche eingesetzt?
Das Mortarium ist eine grobkeramische Reibschüssel der römischen Kaiserzeit, deren Innenseite mit feinem Quarz- oder Kalksteingrus überzogen ist; dieselbe Konstruktion zeigt das Vergleichsstück mit Inv. R 25, gefunden auf dem Gelände der Gelatinefabrik in Frankfurt-Nied (Verein für Geschichte und Altertumskunde Frankfurt-Höchst), datiert in die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts und zugewiesen dem Profil Gose 455. Das Stück liegt mit 19,5 cm Durchmesser und 7,4 cm Höhe sehr nahe am Format dieser Replik.
In vielen Beschreibungen taucht die Formulierung auf, das Mortarium habe „Teig gemischt und geknetet". Das ist verkürzt. Naturwissenschaftliche Lipidanalysen an britischen Fundstücken und die durchgehende Verwendung des Verbs terere (reiben) bei Apicius weisen auf das Zerreiben von Käse, Milchfetten, Kräutern und Gewürzen für Saucen hin, nicht auf Teigbearbeitung. Der Name moretum, eine pesto-artige Käsepaste, leitet sich genau aus dieser Funktion ab.
Konstruktionsdetail: Quarzschrot-Belag und Kragenrand
Vor dem Brand wurden grobe Quarz- oder Kalksteinkörner in die Innenfläche eingedrückt. Diese raue Reibebahn arbeitet beim Zerreiben wie eine antike Raspel; bei vielen Originalen sind die Körner durch Gebrauch glatt geschliffen, wie der Stempel-Korpus von Stefan F. Pfahl (Augsburger Beiträge zur Archäologie 8, 2018) auf zahlreichen deutschen Fundstücken belegt. Der breite Kragenrand erlaubt, die Schüssel mit der einen Hand fest zu halten, während die andere das Pistillum führt; die Ausgussöffnung am Rand dient zum Umfüllen der Saucen in kleinere Schälchen.
Verbreitung: Romanisierungs-Indikator in den Provinzen
Mortaria stammen ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum und sind in Italien ab dem 2. Jahrhundert vor Christus belegt. Mit den Legionen wandern sie in die Provinzen, wo sie ab augusteischer Zeit zum Standardinventar werden. Das häufige Vorkommen in zivilen Siedlungen Niedergermaniens, Obergermaniens und Britanniens lesen Forscher als Übernahme mediterraner Tisch- und Saucentraditionen durch die provinziale Bevölkerung. Auffällig ist die britische Stempel-Tradition: Werkstätten wie die der Albinus/Matugenus-Gruppe aus dem Brockley-Hill-Areal lieferten in Massen, ihr Stück mit dem Stempel ALBINI.FE.MATVGENV liegt heute im London Museum.
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Maße der Replik: 21 cm Durchmesser, 6 cm Höhe
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Material: Grobkeramik mit Quarzschrot-Belag auf der Innenfläche
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Datierungsfenster: 1. bis 2. Jahrhundert nach Christus, Schwerpunkt frühe Kaiserzeit
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Vergleichsstück: Reibschüssel Inv. R 25 aus Frankfurt-Nied, Typ Gose 455 (Variante)
Welche Mortarium-Typen kennt die provinzialrömische Forschung?
| Typ |
Datierung |
Maße und Profil |
Region und Werkstatt |
Passende Zuordnung |
| Gose 455 |
1. bis 2. Jh. n. Chr. |
kleine bis mittlere Schüssel, Kragenrand mit Ausguss, ca. 19 bis 25 cm Durchmesser |
Niedergermanien und Obergermanien, lokale Werkstätten (vgl. Frankfurt-Nied R 25) |
Coquus, Matrona, Provinzialhandwerker frühe Kaiserzeit |
| Lopodunum-Profil |
74 n. Chr. bis 2. Jh. |
große Schüssel, Dm Rand 32 bis 34 cm, Höhe 10 bis 11 cm |
Obergermanien, Töpferei Lopodunum (Lobdengau-Museum LML 0046-39) |
Villenwirtschaft, Tafel-Großbetrieb |
| Brockley-Hill und Verulamium-Tradition |
Mitte 1. bis 2. Jh. n. Chr. |
mittelgroße Schüssel mit gestempeltem Rand |
Britannia, Werkstätten Albinus, Matugenus, Boriedo, Sollus |
britische Provinzialdarstellung, urbane Domus |
| Numantia-Horizont |
spätrepublikanisch (2. bis 1. Jh. v. Chr.) |
frühes Profil, dünnere Wandung, schwacher Reibebelag |
Hispania, römische Lager der Iberischen Kriege |
republikanische Lager-Darstellung mit Manipulartaktik |
| Raetische Variante |
1. bis 3. Jh. n. Chr. |
Glanzton-Überzug, bemalter Rand |
Raetia, lokale Werkstätten |
raetische Limes- und Villendarstellung |
Mortarium mit Mörser in der Darstellungspraxis
Diese Reibschüssel hat ihren stärksten Auftritt als Tafel-Stillleben in der zivilen Lagerszene. In einer Villa- oder Domus-Inszenierung mit Schaukäse, Olivenöl-Karaffe, Kräuterbüschel und einem aufgesetzten Pistillum liest sie sich aus 3 bis 5 m Distanz sofort als Küchengerät; aus 0,5 m Detailabstand fällt der Quarzschrot-Belag auf der Innenfläche ins Auge und trägt das Gespräch über Apicius, Saucenkultur und die Romanisierung der Provinzialküchen.
Passende Darstellungsart: Coquus, Pater Familias, Matrona oder Provinzialhandwerker im Villa-, Domus- oder Lager-Tross-Kontext, frühe bis mittlere Kaiserzeit | Einsatzbereich: Tafel-Schaustellung in zivilen Vorführformaten, edukative Präsentation in Schul- und Museumsworkshops zur römischen Küche, Stillleben für Foto- und Filmproduktion | Nutzbarkeit: Empfehlung für statisches Display und didaktische Vorführung.
- Tafel-Stillleben in der Villa- oder Domus-Inszenierung mit Käse, Kräutern und aufgesetztem Pistillum als visueller Anker
- Edukative Vorführung am Stand mit Apicius-Rezitation und Moretum-Erläuterung als narrativem Begleitprogramm
- Foto- und Filmproduktions-Requisite in Küchenszenen mit Saucenbereitungs-Setting
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Bekannte Schwächen der Rekonstruktion: das beigelegte keramische Pistillum ist ein moderner Reenactment-Kompromiss; archäologisch sind Pistilla in vergänglichem Material wie Holz vermutet, keramische Stößel sind als Set-Bestandteil zum Mortarium nicht im Fundbild belegt. Zusätzlich trägt die Replik einen modernen Töpferstempel, sodass eine Werkstatt- oder Regionalzuordnung an der Schüssel selbst möglich ist aber vom Original abweicht.
Für welche Darstellungs-Szenarien eignet sich diese Reibschüssel?
- In strenger Tafel-Schau steht die Schüssel als statisches Display; aktive Vorführungen folgen ausschließlich dem beiliegenden Beipackzettel mit Sicherheitshinweisen.
- Das Gose-455-Profil deckt die frühe bis mittlere Kaiserzeit gut ab; wer eng auf flavische oder antoninische Jahrzehnte datieren will, hat ohne Stempel keine Werkstatt-Zuordnung als Datierungsanker.
- Streng fundbezogene Impressionen ergänzen die Schüssel mit einem Holz-Pistill nach der archäologischen Vergänglichkeitshypothese; vermittlungsorientierte Auftritte nutzen das beigelegte Keramik-Pistillum als didaktisches Anschauungsstück.
Für Antikensammler eignet sich das Stück als Vitrinenobjekt mit klarem Gose-455-Bezug; experimentalarchäologisch interessierte Darsteller koppeln die Schüssel für Kochrekonstruktionen am besten mit einem separaten Holz-Pistill.
Häufige Fragen zum Mortarium
Worin unterscheidet sich das römische Mortarium vom späteren Marmor-Mörser?
Das römische Mortarium ist eine breite Schüssel mit Kragenrand, Ausgussöffnung und Quarzschrot-Belag, getragen vom Tisch oder einer Anrichte; der spätere Steinmörser arbeitet als kompaktes Standgefäß ohne Reibekörner und ohne Ausguss. Die antike Konstruktion zielt auf Saucenbereitung mit Umfüllen, der Steinmörser zielt auf Pulverisieren. Beide Werkzeuge sind funktional verwandt, formal aber verschieden.
Zu welchem Darstellungsfenster passt diese Reibschüssel?
Das Profil der Gose-455-Familie deckt die Zeit von der frühen bis zur mittleren Kaiserzeit, also etwa von vespasianischer Zeit bis ins 2. Jahrhundert. In der Praxis funktioniert die Schüssel in nahezu jeder zivilen Provinzialdarstellung dieses Fensters, weil Mortaria zum Standardinventar gehörten und kaum regionale Form-Tabus tragen.
Wie nahe steht das beigelegte Pistillum am archäologischen Befund?
Das mitgelieferte keramische Pistillum ist ein moderner Reenactment-Kompromiss. Im archäologischen Material fehlen Pistilla weitgehend, was Forscher mit der Vermutung erklären, dass die Stößel aus vergänglichem Material wie Holz hergestellt waren. Wer eine streng fundbezogene Impression aufbaut, ersetzt das beigelegte Stück durch einen ungehärteten Holz-Stößel.
Wie lagern und pflegen sie die Schüssel zwischen den Saisons?
Lagern sie das Stück trocken und temperaturstabil; Frost und plötzliche Feuchtigkeitsschwankungen können in Grobkeramik feine Risse begünstigen. Reinigen sie den Quarzschrot-Belag mit weicher Bürste und klarem Wasser, ohne aggressive Säuren oder Spülmaschinengang. Eine leichte Patinierung der Oberfläche durch Gebrauchsspuren ist erwünscht und steigert die Tafel-Wirkung.
Welches Tafelgeschirr passt optisch zur Schüssel?
Im Tafelaufbau harmoniert die Reibschüssel mit grobkeramischen Krügen, Olla-Töpfen und einfachen Schälchen für die fertige Sauce; terra sigillata als Feinkeramik ergänzt das Bild für eine wohlhabende Domus. Eine Lucerna mit Volutenform liefert die Tafelbeleuchtung. Mischungen mit raetischer Glanztonkeramik wirken ebenfalls stimmig, sofern die Datierung im 1. bis 2. Jahrhundert bleibt.
Was tun, wenn der Quarzschrot-Belag mit der Zeit Risse zeigt?
Feine Haarrisse an einzelnen Quarzkörnern sind bei groben Reibflächen normal und kein Funktionsschaden im Display-Betrieb. Lockere Körner können sie vorsichtig mit einem mineralischen Steinkleber stabilisieren; größere Brüche im Kragenrand gehören in die Werkstatt und nicht ins eigene Lager-Reparaturset. Patinierung mit dunkler Politur ist möglich, verändert die Optik aber dauerhaft.
Externe Quellen und Literatur zum Mortarium
- Wikipedia: Mortarium – Übersichtsartikel zur Reibschüssel-Forschung mit Typologie- und Verbreitungsangaben.
- Verein für Geschichte und Altertumskunde Frankfurt-Höchst: Römische Reibschüssel Inv. R 25, Frankfurt-Nied – Kern-Vergleichsstück mit voller Inventardokumentation.
- Lobdengau-Museum Ladenburg über museum-digital: Mortarium Inv. LML 0046-39, Lopodunum – großformatige Variante aus einer Töpferofen-Rettungsgrabung.
- London Museum: Mortarium ALBINI.FE.MATVGENV, Billiter Street – Beleg der britischen Stempel-Tradition aus den Brockley-Hill-Werkstätten.
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Pfahl, Stefan F.: Namenstempel auf römischen Reibschüsseln (mortaria) aus Deutschland. Augsburger Beiträge zur Archäologie Bd. 8, Wißner-Verlag, Augsburg 2018. Recherche über die DAI-Bibliografie zenon – Standardkorpus der Töpferstempel auf Reibschüsseln aus deutschen Fundlandschaften.
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Gose, Erich: Gefäßtypen der römischen Keramik im Rheinland. Beihefte zum Bonner Jahrbuch 1, Bonn und Köln 1950 – Typologie-Grundlage für die Form-Reihe Gose 455.
- Apicius, De re coquinaria IV.4.1 (Tisana) im lateinischen Volltext: LacusCurtius (Bill Thayer, University of Chicago) – antike Primärquelle zum aktiven Gebrauch des Mortariums in der römischen Saucenküche.
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Aktualisiert am: 06.05.2026