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Hieroglyphen heilige Schriftzeichen

Einleitung: Vom Anfang des Schreibens

Wohl um kaum eine Erfindung der Menschheit ranken sich mehr Legenden, als um die Fähigkeit des Lesens und Schreibens. Die Erfindung der Schrift und die damit verbundene Möglichkeit Wissen nicht nur über mehrere Generationen zu erhalten, sondern dieses Wissen sogar in unveränderter Form an die Nachkommen weiter zu geben, ermöglichte überhaupt erst die Entwicklung komplexer Technologien und wunderschöner Literatur.
Natürlich war es auch zuvor bereits möglich gewesen, Wissen in Form von mündlichen Überlieferungen zu erhalten. Hier war jedoch immer die Gefahr gegeben, dass mit dem Träger Informationen verloren gingen - oder dass wichtige Details sich im Laufe der Zeit verändern konnten.
Neben der Tradierung von Sagen und Legenden rückte aber mit der Erfindung der Schrift auch die Möglichkeit in den Fokus, komplexe Verwaltungsvorgänge schriftlich festzuhalten und so überhaupt erst etwas wie eine "Verwaltung" zu schaffen.

Hieroglyphen Schablone UnterrichtsmaterialEine der ältesten Schriftsprachen der Welt sind die ägyptischen Hieroglyphen. Diese aus einzelne, motivhaften Schriftzeichen bestehende Bilderschrift wurde von der Zeit der altägyptischen Dynastien, der Epoche der ersten Pharaonen, bis in die Zeit der Unterwerfung Ägyptens durch Alexander den Großen und dessen Nachfolger, die sogenannte Ptolemäer-Dynastie, konsequent genutzt und weiter entwickelt. In der Forschung ist jedoch umstritten, ob es sich bei den Hieroglyphen tatsächlich um die älteste Schrift überhaupt handelt. Denn die Hieroglyphenschrift aus Ägypten konkurriert mit der sumerischen Keilschrift, die ebenfalls in der Zeit des 4. Jahrtausends vor Christus in den Stadtstaaten des sumerischen Reiches Verwendung fand. Während die Keilschrift jedoch auf einem System einzelner, lauttragender Symbole basiert, bestand die Hieroglyphenschrift von Anfang an vor allem aus einer Bilderschrift: die einzelnen Schriftzeichen wurden also aus Bildern gebildet, die nicht ausgesprochen werden konnten, sondern ihrerseits eine Abbildung von Objekten oder Personen aus der Realität waren. Beide Schriftarten wurden am Anfang vor allem für die Niederschrift von Verwaltungsvorgängen oder besonderen Ereignissen aus dem Leben der großen Herrscher genutzt. Wenn so beispielsweise die großen Städte am Nil dem Pharao regelmäßige Lieferungen in Form von Korn bringen sollten, so wurde der Pharao dargestellt, dem einzelne Figuren, stellvertretend für die Städte, eine bestimmte Anzahl Kornbündel brachten. Die Symbole beim Korn gaben ihre Anzahl an.

Obwohl die Verwaltung der erste Nutzungsbereich war, und obwohl man die Entwicklung der ägyptischen Hieroglyphe vom 4. Jahrtausend bis ins erste Jahrtausend vor Christus in Ägypten sehr gut nachverfolgen kann, vor allem durch die Entzifferung und die Forschungen des berühmten Sprachwissenschaftlers Champollion, liegen die Anfänge der Hieroglyphenschrift noch immer im Dunkel. Nur die eigenen, mystischen Erzählungen aus dem Bereich der Götter und Sagen haben festgehalten, was zumindest die alten Ägypter über die Ursprünge der "göttlichen Schriftzeichen" vermuteten.

Die göttlichen Schriftzeichen und Champollions Stein

Im alten Mythos des Osiris, in dem der altägyptische Gott als Herrscher der Welt mit seiner Gattin Isis auftritt, ist der vogelköpfige Gott Thot der Schreiber der Götter, Hüter der Weisheiten und eben jener, der den Menschen und auch den Göttern überhaupt erst die Fähigkeit verlieh, auf Steinen und auf Papyrus das Wissen der Vergangenheit zu bewahren. Er ist der Entdecker der Hieroglyphe und nach dem Tod des Osiris regierte er als neuer Herrscher angeblich über 3000 Jahre lang über Ägypten.

Es wundert wenig, dass die Nutzung der Bilderschrift, für welche ägyptische Hieroglyphen als die ältesten bekannt sind, schon zu Beginn nicht nur im Verwaltungsbereich, sondern auch im Toten- und Götterkult in Ägypten auftrat. Die Taten der Pharaonen wurden schriftlich festgehalten, denn es galt, dass die Hieroglyphe die einzige Möglichkeit war, um die Taten der Toten den Göttern im Jenseits mit zu teilen. Den göttlichen Ursprung der Hieroglyphenschrift bezweifelte man über Jahrtausende hinweg nicht: Der Name Hieroglyphe leitet sich aus dem griechischen ab und setzt sich aus den Begriffen für "heilig" und "eingeritztes Zeichen" zusammen. Die Eigenbezeichnung für ägyptische Hieroglyphen lautet "Sesch-ni-medu-netjer", was übersetzt in etwa "Schrift der Gottesworte" bedeutet und ebenfalls auf die Erfindung der Bilderschrift durch den Gott Thot hindeutet.

Die enge Verknüpfung zwischen Verwaltung und Totenkult zeigt sich auch darin, dass der Streit darum, ob Keilschrift oder ägyptische Hieroglyphen älter seien, neu entbrannt ist: Obwohl lange Zeit die Schriftzeichen aus Sumer als älter galten, belegen neue Funde aus einem Fürstengrab aus Abydos, die eine voll entwickelte Bilderschrift zeigen, dass auch schon in der Zeit um 3200 vor Christus die Kenntnis der Hieroglyphenschrift weit verbreitet war. Es wird somit Aufgabe der folgenden Generationen von Forschern sein, diese Problematik durch neue Funde endgültig zu klären und damit in die Fußstapfen des großen Forschers Champollion zu treten.
Allerdings wird dies nicht einfach werden: Jean Francois Champollion wurde im Dezember des Jahres 1790 in Frankreich geboren, kurz vor Weihnachten. Der Sohn eines Buchhändlers zeigte schon in jungen Jahren eine große Begeisterung für alte Sprachen und den sagenumwobenen Orient.

Dies war kein Novum seiner Zeit: Das 18. Jahrhundert galt, geprägt von den Gedanken der späten Aufklärung und vor allem durch die frühe Romantik, als Zeit der starken Begeisterung für die Vergangenheit. Italien, die Blütezeit des antiken Roms, aber auch die großartigen Hinterlassenschaften der griechischen Hochkultur standen hoch im Kurs, und während Maler am liebsten antike Sagen vor zerfallenen Ruinen im sagenumwobenen Fantasiereich Arkadien malten, wendeten sich andere Männer den Hinterlassenschaften der früheren Kulturen in anderen Teilen der Welt zu. Champollions Bruder, ein Professor für Altgriechisch, bestärkte ihn sehr in seinen Ambitionen, und gemeinsam mit der breiten Masse der Einwohner Frankreichs fieberte man den Ereignissen der großen Expedition Napoleon Bonapartes nach Ägypten entgegen.
Diese eigentlich militärische Expedition, die General Napoleon, und somit der französischen Republik, die Hoheit über Nordafrika sichern sollte, scheiterte zwar und viele tausende Soldaten fanden den Tod in der sengenden Hitze der Wüste. Doch die Heimkehrer berichteten zahlreiche faszinierende Dinge über das Land der Pyramiden und der heimgekehrte Mathematiker Joseph Fourier zeigte dem damals noch zwölfjährigen Champollion seine Ägyptensammlung, darunter auch ägyptische Hieroglyphen auf Papyrus. Er verriet ihm auch, dass die Hieroglyphenschrift bislang nicht entziffert worden sei, dass man wohl zahlreiche Beispiele auf Stein und Papyrus kenne, doch dass es bislang an der Möglichkeit fehle, die Bilderschrift in bekannte Sprachen zu übersetzen. Ein Mysterium, von dem sich der Junge so sehr anstecken ließ, dass er zeitlebens eine geradezu fanatische Begeisterung für ägyptische Hieroglyphen entwickelte.
Er studierte verschiedene Sprachen, darunter Arabisch und Koptisch, letztere die Nachfolgesprache in der Region Ägyptens, in der Jahrtausende lang ägyptische Hieroglyphen die einzigen Schriftzeichen gewesen waren. Mit Hilfe des damals neu entdeckten Steins von Rosetta, einer Steinplatte mit der Übersetzung eines Hieroglyphentextes ins Griechische und anderen, halbwegs entzifferten Inschriften und Texten auf Papyrus, konnte Champollion erstmals eine vollständige Entschlüsselung der Hieroglyphenschrift vorlegen und gilt daher als Entdecker, beziehungsweise als Pionier für die ägyptische Hieroglyphe. Ihm verdanken wir die Möglichkeit, das damals umfassende System zu verstehen und dadurch einen reichhaltigen Einblick in die Vergangenheit zu haben. Doch obwohl seit der Entzifferung somit mehrere hundert Jahre vergangen sind, stellt die Menge an bekanntem Material zu dieser Bilderschrift immer noch eine Herausforderung an die Forschung dar. Denn es ist ja nicht so, dass mit der Entschlüsselung allein die Texte problemlos zu lesen sind. Denn Hieroglyphe ist nicht gleich Hieroglyphe - die Bilderschrift ist weitaus komplexer.

Bilder, Zeichen, Laute: Dreitausend Jahre Entwicklung formen eine komplexe Schriftsprache

Ägyptische Hieroglyphen entwickelten sich aus einem zunächst einfachen System von Bildern, die als Schriftzeichen für ein damit verbundenes Konzept standen. Ursprünglich war man sich nicht sicher, was ägyptische Hieroglyphen genau bedeuten und wie man diese Bilderschrift lesen solle. Ja zunächst sah man in den in Tempeln und Gräbern gefundenen Motiven überhaupt keine Schriftzeichen, sondern deutete die bunten Bilder eher als Schmuckelemente, als Verzierung der besonderen Orte.

Erst mit der Zeit zeigte sich, dass gewisse Bildelemente sich stetig wiederholen, dass sie auch in unterschiedlichen Texten auftreten und dass somit nicht nur einzelne Szenen dargestellt werden, sondern dass es sich vielmehr um eine kanonisierte Bilderschrift handelt. Obwohl ein System hinter der Hieroglyphenschrift steckt, war die Entschlüsselung jedoch vor allem deshalb problematisch, weil ägyptische Hieroglyphen trotz zahlreicher Beispiele auf gewisse Bereiche beschränkt blieben und weil häufig Schriftzeichen nicht nur aufgrund einer Bedeutung, sondern in vielen Fällen auch einfach als Verzierungen eingesetzt wurden. Bei der Entzifferung eines Hieroglyphen Textes ist es somit dringend geboten, auf den Kontext zu achten und der Frage nachzugehen: Ist dieses Zeichen nun gerade dazu gedacht, die Geschichte des Textes weiter zu erzählen? Oder soll der Vogel lediglich das Gesamtbild an der Wand schöner gestalten?

Zudem darf die Hieroglyphenschrift auch nicht als einzige Form des Schreibens für Ägypten angenommen werden. Neben dem System der Hieroglyphe existierte nämlich wohl schon von Anfang an eine weitere Schriftsprache, die sogenannte Hieratische Schrift. Bei dieser handelt es sich um eine kursive Schreibweise für ägyptische Hieroglyphen, beziehungsweise um eine schnellere, schmucklosere Schreibweise von ähnlichen Konzepten wie bei den Hieroglyphen. Es kann also zum Ausdrücken einer Begebenheit sowohl Hieroglyphenschrift, als auch Hieratisch verwendet werden. Nach neueren Forschungsergebnissen hat sich das Hieratische wohl auch nicht aus den Hieroglyphen entwickelt, sondern entstand parallel dazu und wurde, ebenfalls parallel, über die folgenden Jahrtausende konstant weiter verwendet. Dies ist leicht zu erklären: Bei den Hieroglyphen handelt es sich trotz allem um relativ komplexe und aufwendige Zeichen. Vor allem aber ist ein bestimmter Faktor bei den frühen Hieroglyphen von entscheidender Bedeutung, der die Anwendbarkeit der beiden Schriftsprachen auf ganz unterschiedliche Bereiche begrenzte: Nämlich die Farbe.

Ägyptische Hieroglyphen waren von Anfang an farbig. Sie wurden als große Texte auf Wänden angebracht und sollten bestimmte Gegebenheiten und Inhalte verdeutlichen. Dabei zeigt sich, dass manche Motive genau gleich dargestellt werden, aber unterschiedliche Bedeutungen haben können. Das einzige Unterscheidungsmerkmal, vor allem bei einer Gruppe kreisförmiger Motive, ist die Farbe, die bei der Herstellung verwendet wurde.
Zu Beginn der Nutzung der Schriftzeichen in Ägypten stand man dabei, ebenso wie im alten Sumer, noch der Verwendung von Tontafeln für den allgemeinen Gebrauch recht nahe. Auf diesen können jedoch keine farbigen Motive aufgebracht werden, sie bleiben einfarbig, beziehungsweise tragen nur eingeritzte Schriftzeichen. Erst mit der Entdeckung des Papyrus als Grundlage für Texte - die Pflanze war schon lange Zeit bekannt, jedoch brauchte man eine gewisse Zeit um die Eigenschaften der Fasern und die Möglichkeiten, die sie boten zu entdecken - wurde es möglich auch länger lagerbare, farbige Dokumente zu verwenden.
Es scheint somit, dass die hieratische Schrift quasi eine schnellere, vielseitiger einsetzbare Variation der Schrift als ägyptische Hieroglyphen darstellte. Sie wurde später ebenfalls auf Papyrus oder Binsen geschrieben und erlebte selbst über die Jahrtausende hinweg zahlreiche Modifikationen und Veränderungen.

Kommen wir aber zurück zu den eigentlich Hieroglyphen, so widmen wir uns der Frage: Wie schreibt man eigentlich ägyptische Hieroglyphen?
Ursprünglich wurden ägyptische Hieroglyphen in Spalten und Zeilen geschrieben, wobei die Schriftrichtung normalerweise von oben nach unten und von rechts nach links war. Dieses für uns heute ungewöhnliche Prinzip hat sich zum Teil bis in die heutige Zeit in Ägypten bewahrt, denn auch das aus dem Orient stammende Arabisch verwendet die Schreibrichtung von rechts nach links. Das arabische hat dabei auch die starke Ornamenthaftigkeit der Schrift übernommen. Ein einfaches Erkennungsmerkmal für die im Text benutzte Schriftrichtung sind die Darstellungen von Menschen und Tieren: Eine Hieroglyphe eines Tiers oder eines Menschen zeigt immer in Richtung Textanfang, so dass die Verlaufsrichtung der Bilderschrift gut erkennbar ist. Nur bei bestimmten Textgattungen, etwa auf den Totenbüchern, die den Verstorbenen im alten Ägypten mitgegeben wurden, um auf die zahlreichen Gefahren auf dem Weg ins Totenreich vorbereitet zu sein, kommen Ausnahmen vor, so dass etwa alle Schriftzeichen mit Menschen und Tieren auf eine Seite hin ausgerichtet sind.
Der Aufbau von Worten und Sätzen in der Sprache der Bilderschrift aus Ägypten weicht stark von unserer Sprache ab. So kann eine einzelne Hieroglyphe unterschiedliche Funktionen in einem Wort übernehmen und aus der Kombination der ägyptischen Hieroglyphen ergibt sich dann die Bedeutung des Wortes. Die drei Hauptfunktionen für eine einzelne Hieroglyphe sind Phonogramm, Ideogramm und Determinativ. Ein Phonogramm dient bei der Aussprache eines Wortes dazu, einen bestimmten Laut wiederzugeben. Liest man die Hieroglyphe also in Kombination mit anderen ergibt sich daraus ein aussprechbares Wort.
Ein Ideogramm ist eine Hieroglyphe, die für etwas Bestimmtes steht. Man kann sich dies etwa ähnlich wie bei chinesischen Schriftzeichen vorstellen, die ja jeweils eine eigene Bedeutung tragen, oder auch an einzelne Silben in der deutschen Sprache denken, beispielsweise das Wort "Zimmer". Ein Determinativ schließlich steht meistens am Wortende oder dicht bei einem Ideogramm und erklärt das entsprechende Ideogramm näher. Neben der Hieroglyphe für Sonne könnte etwa ein Determinativ für den göttlichen Ursprung stehen, um zu verdeutlichen, dass der Sonnengott höchst persönlich damit gemeint ist. In der deutschen Sprache könnte man etwa an eine zusätzliche Silbe beim Wort "Zimmer" denken, etwa wie im "Bade-Zimmer".

Da es im Grunde relativ wenige allein stehende Ideogramme gab, und die meisten Worte aus mehreren Phonogrammen zusammengesetzt waren, bestand im Grunde in Ägypten eine relativ nahe Struktur wie auch bei unserer heutigen Sprache. Problematisch war jedoch, dass ägyptische Hieroglyphen, dass also die Hieroglyphenschrift, auf die Benutzung von Vokalen verzichtet, so wie etwa das moderne Arabisch oder das moderne Hebräisch. Somit tauchen in der Hieroglyphenschrift zahlreiche Wörter auf, die sich Hieroglyphe für Hieroglyphe gleichen und eigentlich nicht zu unterscheiden wären. Aus diesem Grunde nutzte man in Ägypten zahlreiche Determinative, oft bestehend aus einer einzelnen Hieroglyphe, die der Unterscheidung der Worte dienen sollten. Auch hierbei ähneln ägyptische Hieroglyphen dem modernen Arabisch, dass keine eigentlichen Vokale benutzt, jedoch einzelne Punkte zur Andeutung der Aussprache oder für die Kennzeichnung des Anhängens von Vokalen an einzelne Laute verwendet. Auch in jener Form des arabischen, die in Ägypten benutzt wird, sind diese Andeutungen weit verbreitet.
Interessant ist auch, dass ägyptische Hieroglyphen auf besondere Art und Weise angeordnet wurden. Anders als etwa im lateinischen, wo die Schriftzeichen einfach aneinander gehängt wurden, ordnete man ägyptische Hieroglyphen so an, dass eine nicht jede Hieroglyphe an die nächste Hieroglyphe angehängt wurde. Vielmehr tauchen in der Hieroglyphenschrift im alten Ägypten rechteckige Gruppen als Reihung auf. Um den Platz trotzdem optimal auszunutzen vertauschte man zum Teil eine Hieroglyphe mit einer anderen Hieroglyphe und schuf somit, nicht nur auf Wandtexten, sondern auch auf Papyrus, eine bildhafte, ornamentale Anordnung. Ägyptische Hieroglyphen zeichnen sich somit durch einen besonderen Hang zur Ästhetik aus, wie allgemein in Ägypten zur Pharaonenzeit allgemein auf Ornamentik und geometrische Formen geachtet wurde. Man denke hier nur an die Pyramiden in Ägypten.

Ägyptische Hieroglyphen auf altem Papyrus - Das Studium der Hieroglyphenschrift aus Ägypten in modernen Zeiten

Ägyptische Hieroglyphen stellen bis heute ein Faszinosum dar, auch weit über Ägypten hinaus. Die Hieroglyphenschrift ist zwar seit langem entziffert, trotzdem stellt jede einzelne Hieroglyphe, jeder auf Papyrus geschriebene Text ein Meisterwerk der Kunst dar. Obwohl der Wortschatz der Hieroglyphenschrift theoretisch relativ beschränkt ist, ist die Menge an Texten, die uns heute bekannt sind, enorm. Und zahlreiche Texte auf Papyrus lagern nicht nur in Ägypten - viele ägyptische Hieroglyphen studiert man außerhalb des Landes am Nil.
So enthält der Berliner Papyrus etwa mehr als 36 000 Texte in Hieroglyphenschrift. Es ist nicht die einzige Sammlung, die ägyptische Hieroglyphen in Deutschland umfasst, doch ist der Bestand mit Texten auf Papyrus der größte hierzulande. Andere Sammlungen haben meist nur einige Tausend Texte auf Papyrus. Zahlreiche Fotos in Museumsbeständen zeigen Inschriften ägyptische Hieroglyphen, ägyptische Hieroglyphen sind auf Särgen zu sehen, die in Museen ausgestellt werden und die Hieroglyphenschrift wurde natürlich schon in zahlreichen Fachtexten umfangreich ausgewertet, festgehalten und bearbeitet.
Obwohl es somit eine enorme Menge an Literatur zur Hieroglyphenschrift gibt, obwohl viele Rollen aus Papyrus heute noch erschließbar sind und obwohl ägyptische Hieroglyphen nicht nur Wissenschaftlern, sondern auch Laien so nahe gebracht werden, dass im Grunde jeder ägyptische Hieroglyphen studieren und lesen kann, bleiben viele Geheimnisse bis heute verborgen. Nicht jeder Papyrus wurde etwa bis heute überhaupt gelesen. Zahlreiche Texte in Hieroglyphenschrift schlummern noch in den Archiven. Denn es dauert eben seine Zeit, ägyptische Hieroglyphen zu entziffern und sich allmählich, Hieroglyphe für Hieroglyphe, die Bedeutung umfangreicher Texte zu erschließen.
Wie weiter oben angedeutet veränderte sich die Hieroglyphenschrift im Laufe der Zeit auch. Die Bedeutung einer einzelnen Hieroglyphe konnte sich ändern, und auch die Schreibweise der Hieroglyphe konnte zeitlichen, aber auch regionalen Schwankungen unterworfen sein.

Ein Fazit: Ägyptische Hieroglyphen für jedermann?

Ägyptische Hieroglyphen stellen seit Jahrtausenden eine Faszination dar: War die Nutzung der Schriftzeichen früher zunächst bei Priestern, später auch bei professionellen Schreibern verbreitet, rankt sich um die klaren und doch fremden Motive ein langer, großer Mythos. Nicht umsonst bezeichnete Herodot ägyptische Hieroglyphen mit einer Bezeichnung für religiöse, spirituelle Symbole, nicht umsonst wurde ihr Ursprung in Ägypten dem Gott Thot, dem Hüter des Totenbuches zugeschrieben. Und nicht umsonst kamen auch ägyptische Hieroglyphen mit den römischen Legionären und dem Isis-Kult in die entlegensten Regionen, etwa ins nordalpine Germanien. Die Faszination für die Hieroglyphenschrift ist bis heute geblieben, und dank dem französischen Sprachwissenschaftler Champollion und seinen zahlreichen Nachfolgern steht uns das Wissen um die Schriftzeichen heute zur Verfügung. So reichhaltig und detailliert, dass heute jeder selbst lernen kann, mit Hieroglyphen umzugehen. Warum also nicht gleich damit beginnen, und sich die Kenntnisse anzueignen. Und vielleicht eines Tages in Champollions Fußstapfen treten?