Römische griechische Götter - Das Pantheon der antiken Welt

Einleitung - Viele Bekannte, noch mehr Unbekannte

"Beim Jupiter!" donnert Cäsar regelmäßig, wenn seine geplanten Eroberungszüge gegen das berühmteste gallische Dorf der Welt einmal wieder nicht erfolgreich waren. Venus ist die Schönste von allen, Mars der Gott des Krieges und Vulcanus der Götterschmied mit dem Hinkebein.
Soweit, so gut.

Die römische Götterwelt scheint, zumindest auf den ersten Blick betrachtet, ein uns auch in der heutigen Zeit relativ bekannter Schatz mit etwa zwölf mehr oder weniger gut bekannten Wesen gewesen zu sein, die von den alten Römern immer dann angerufen wurden, wenn sie in Schwierigkeiten waren. Dass die römische Götterwelt aber ungemein reichhaltiger war, als manch einer auf den ersten Blick zu glauben wagt, dass die römische Religion das alltägliche Leben komplett prägte, und dass darüber hinaus zudem noch die Götter im alten Rom sich zum Teil von Region zu Region so unterscheiden konnten, dass bei gleichem Namen der Gott trotzdem kaum wieder zu erkennen war - das würde kaum jemand vermuten.

Vom Ursprung der Götter und die römische Brille

Die Welt der römischen Götter ist in einer relativ starken Überschneidung mit dem griechischen Pantheon zu betrachten. Die zwölf Hauptgötter gleichen sich relativ stark, und die Mythen, die sich um ihre Geburt, ihr Heranwachsen und ihre Taten ranken, wurden im engen Kontakt zwischen den beiden Kulturkreisen komplett übernommen.

Das ist auch relativ leicht erklärbar: Als Rom noch ein kleiner Stadtstaat unter der Herrschaft der benachbarten etruskischen Städte war, siedelten griechische Kolonisten schon lange Zeit auf Sizilien und in Süditalien. Der enge Kontakt zwischen den Kolonisten und den römischen Städtern ist gut belegt und hier wird wohl auch die erste Übertragung der Glaubens- und Religionsinhalte stattgefunden haben.
Zugleich wuchs aber neben diesen großen Gottheiten eine enorme Anzahl kleinerer, regionaler und funktionaler Götter heran, von denen jeder einen kleinen Befugnis Bereich hatte, für den er oder sie verehrt wurde. Man kann sich dies wie bei den christlichen Regionalheiligen vorstellen, so dass es durchaus auch von Dorf zu Dorf unterschiedlichste Namen für den Schutzpatron gab, den man anrief wenn etwa die eigene Kuh erkrankt war, oder der nötige Regen ausblieb.

Als Rom sich auszubreiten begann und die römische Republik erst die etruskischen Stadtstaaten, später ganz Italien und schließlich weite Teile der damals bekannten Welt im römischen Imperium vereinigte, hatte man schon seit langem begriffen, dass der Glaube den Menschen enorm wichtig war. Aber man hatte auch erkannt, dass bestimmte Götter oft enorm viel gemeinsam, ja im Grunde fast identisch waren. Aus diesem Grunde kam man auf einen genialen Einfall: Man gestattete jedem unterworfenen Volk, auch weiterhin die eigene Religion auf die eigene Art und Weise auszuüben. Allerdings versuchte man, für die jeweiligen Gottheiten Entsprechungen im eigenen Götterpantheon zu finden und den Namen mit einem kleinen Zusatz zu übertragen. So entstanden auf einmal recht eindrucksvolle Beispiele für die sogenannte "römische Brille", in der die Götter unterworfener Völker als "Merkur Asia" oder "Jupiter Africanus" bezeichnet wurden. Und zugleich konnten sich die neu hinzugekommenen Gruppen als Römer fühlen und zugleich ihre eigene Identität wahren - beispielsweise indem römische Legionäre aus Ägypten ihren Isis-Glauben auch nördlich der Alpen praktizieren durften.

Die Staatsreligion - Fundament des großen Ganzen

Das bedeutet aber nicht, dass man im alten Rom die Gegenwart der Götter nicht ernst nahm, oder dass man die Götter nur als Mittel zum Zweck verwendete. Vielmehr nahm man sie so wichtig, dass der Dienst an den Göttern sogar als Notwendigkeit angesehen wurde, um den römischen Staat überhaupt am Leben zu erhalten.

Beispielsweise war der Tempel des Saturnus, ursprünglich ein etruskischer Gott, dessen Glaube in die griechische Mythologie eingebettet worden war und der nun als gestürzter Vater des Jupiter galt, zugleich der Ort, an dem der römische Staatsschatz aufbewahrt wurde - denn niemand glaubte, dass ein Dieb so verrückt sei, sich an dem Eigentum des mächtigsten aller Götter zu vergreifen. Die ihm zu Ehren veranstalteten "Saturnalien" waren Feierlichkeiten, in denen es ebenfalls um Geld ging: Wer bei einem anderen eine Schuld hatte, musste sie zu diesem Zeitpunkt begleichen und wem etwas Gutes widerfahren war, musste sich an diesem Tag mit einem großen Geschenk bei seinem Wohltäter bedanken.

Den Dienst in diesen Tempeln verrichteten die sogenannten Flamines, die römischen Priester. Das Amt des Priesters war jedoch nicht wie im christlichen Glauben eine Berufung auf Lebenszeit, sondern meistens nur ein politisches Amt, dass für eine Weile betrieben wurde. Wer es im alten Rom zu etwas bringen wollte, musste nicht nur Geld und Einfluss dahingehend investieren, dass er sich die Möglichkeit erwerben musste überhaupt als Priester für eine kurze Zeit agieren zu können - erst nachdem man Priester gewesen war, konnte man in die höheren Bereiche der Politik aufsteigen. Der höchste Vertreter der Priesterschaft war der sogenannte Pontifex Maximus, dem besondere Pflichten, Gebote und Verbote zukamen. Eines der eindrucksvollsten war es etwa, dass er kein Blut sehen durfte, und dass er als besonders rein galt.

Dies konnte ihm jedoch auch zum Dilemma werden: Als Gaius Julius Cäsar das Amt des Pontifex Maximus bekleidete, kam es zu einem enormen Eklat, weil er sich trotz dieses Ehrenamtes, als Frau verkleidet während einer nur Frauen erlaubten Zeremonie in das Haus seiner Gattin schlich. Nur durch große politische und wohl auch finanzielle Mittel konnte der politische Skandal im Keim erstickt werden - und Cäsar blieb die politische Laufbahn weiterhin offen, so dass er einige Jahre später Konsul werden konnte, das höchste Amt im römischen Staat.

Vom Wandel der Zeiten - vom Wandel der Götter

Dass die Götter im antiken Rom allerdings auch zahlreichen Wandlungen unterworfen waren, zeigt das Beispiel der keltischen Gottheit Epona.
Diese ursprünglich nur in einer kleinen Region verehrte Göttin galt den Galliern, so die Bezeichnung für einige Gruppen der "Keltoi", die wir heute allesamt Kelten nennen, als Göttin der Fruchtbarkeit der Pferde. Als Cäsar Gallien in der Mitte des ersten Jahrhunderts vor Christus eroberte, unterwarf er die regionalen Stämme und versuchte wie üblich, ihre Götter in das bestehende System des römischen Glaubens zu integrieren. Epona geriet für eine Weile in Vergessenheit. doch wurde sie gerade von den Galliern, oder genauer gesagt, von den jetzt als "Gallo-Römisch" bezeichneten Bewohnern der Region wieder neu belebt: Da die Gallier schon zu Zeiten Cäsars berühmt für ihre Reitfähigkeiten gewesen waren, nahm man sie sehr gerne in den folgenden Jahrhunderten in die römische Reiterei auf. Der Glaube an Epona wandelte sich und aus der Göttin für fruchtbare Pferde wurde eine berittene Kriegsgöttin, die vor allem von den römischen Soldaten aus Gallien verehrt wurde.

Staat, Kaiser und Haus

Neben dem Glauben an die großen Gottheiten und neben den regionalen Göttern gab es jedoch noch eine Vielzahl unterschiedlicher Systeme, die parallel zu den großen Tempeln existierten. So gab es etwa in jedem Haus kleine, menschenförmige Figuren, die sogenannten Lares, in denen die Römer die Schutzgeister des Hauses sahen und denen sie besondere Verehrung entgegen brachten. Man kann sich den Glaube an sie wie den Glauben an die heutigen Heinzelmännchen oder an die irischen Kobolde vorstellen: Sie wurden gefüttert und immer an besonderen Orten aufgestellt.

Wohl inspiriert von der religiösen Welt Ägyptens kam nach dem Tode Augustus, der auch als "der göttliche Augustus" bezeichnet wurde, der sogenannte Kaiserkult auf. Hier wurde der Kaiser selbst als göttliches Wesen angesehen, ähnlich wie die ägyptischen Pharaonen, und ihm wurde eine eigene Verehrung zuteil, ja er erhielt eigene Tempel und wurde als oberster aller Götter angesehen. Allerdings zog auch dies in der Folge enorme Probleme nach sich: Hatte früher die Integration fremder Religionen problemlos funktioniert, waren viele Stämme nicht gewillt, den Kaiser als oberste Gottheit anzuerkennen. Gänzlich unmöglich war die Integration der Völker Israels und der späteren Christen: Denn diese lehnten nicht nur den Polytheismus, also den Glauben an viele Völker ab, sondern weigerten sich auch dagegen, den Kaiser als höher stehende Gottheit anzuerkennen. Intensive Verfolgungen und Hinrichtungen waren die Folge und über Jahrhunderte konnte der christliche Glaube nur im Untergrund und im Geheimen existieren.

Das Ende Roms

Obwohl das System der römischen Religion somit lange genug erfolgreich gewesen war, scheint mit dem Kaiserkult der langsame Abstieg einzutreten. Die religiösen Unruhen in der römischen Welt wurden immer stärker und zahlreiche Kulte kamen in allen Ecken des römischen Reiches auf. Zudem war das politische System instabil und Bürgerkriege waren an der Tagesordnung. Als Kaiser Konstantin schließlich einer besonders bedrohlichen Schlacht entgegensah, soll er aus der Verzweiflung heraus um Hilfe gefleht haben.

Die Sage berichtet, dass ihm im Traum das Kreuz Christi gezeigt wurde, verbunden mit der Stimme "In diesem Zeichen wirst du siegen". Ob es tatsächlich so war, lässt sich nicht mehr sagen - auch nicht, ob er wirklich ein Kreuz in der Schlacht verwenden ließ. Fakt ist jedoch, dass der Siegeszug des Christentums damals schon eingesetzt hatte, und dass mit der Ausrufung des Christentums als neuer Staatsreligion endgültig das Ende der römischen Religionen gekommen war. Sie wurden schließlich immer mehr verdrängt und im frühen Mittelalter als Aberglaube und Teufelswerk verschrien. Ihr Glanz und ihre strahlende Anziehungskraft waren für immer verloren.