Der Handel und die Landwirtschaft der Römer

Landwirtschaft und Handel der Römer

Zur Zeit der Römischen Republik war Italien ein Bauernstaat. Größter Arbeitgeber war die Landwirtschaft. Die meisten Römer lebten auf dem Land und bewirtschafteten einfach Bauernhöfe und von dort stammte auch die Masse der Soldaten, die das römische Heer bildeten. In der Frühzeit bewirtschaftete der Bauer mit seiner Familie den Hof. Erst ab dem 2. Jhd. v. Chr. leisteten sich die Landwirte auch Sklaven, die ihnen bei der Arbeit ihre Dienste leisteten.

Auf dem römischen Bauernhof

Maultiere und Pferde konnten sich nur Großgrundbesitzer leisten. Bei den meisten Bauern kam ein Pflug zum Einsatz, der von Ochsen gezogen wurde. Denn die Landwirtschaft war zu dieser Zeit noch reine Handarbeit. Die Römer züchteten Rinder als Acker- und Zugtiere und auch für die Milchwirtschaft. Schafe versorgten die römischen Landwirte mit Fleisch und Wolle. Vor allem eine einfache Weizenart wurde angebaut, so genannte Spelt (far). Dies brachte auch auf kargen Böden guten Ertrag. Gerste, Hirse, Ackerbohnen, Kohl, Rüben und anderes Gemüse bauten die römischen Landwirte ebenfalls an. Schon damals bestellten die Bauern die Felder in wechselnder Dreifelderwirtschaft und ließen zeitweise Vieh auf dem Ackerland grasen, damit es sich als Weideland erhole. Feigen, Oliven oder Wein bauten die römischen Landwirte im Hausgarten an. Bienenstöcke waren ebenfalls verbreitet, denn das einzige Mittel zum Süßen von Speisen und Getränken bei den Römern war Honig.

Römische Landwirtschaft im Wandel

Nach der Eroberung des Orients änderte sich die römische Landwirtschaft, denn nun wurde Weizen in großen Mengen importiert. Olivenöl war für die Römer nicht nur als Butterersatz wichtig – Butter hatte für sie eine zu geringe Haltbarkeit, was auch mit den Kühlungsmöglichkeiten zusammen hing – sondern auch als Brennstoff für Lampen. Feigen-, Oliven- und Weinbau ersetzten nach und nach die Getreidefelder der römischen Landwirte. Der Übergang zum Handelsstaat im 2. Jhd. v. Chr. vollzog sich rasch. Vermehrt wurden auch Sklaven importiert und der Charakter der Landwirtschaft änderte sich grundlegend.

Rom wird Zentrum italischen Handels

Die Bauern wurden zunehmend von Latifundien-Besitzern vom Markt gedrängt. Diese konnten durch den Einsatz von Sklaven billiger produzieren und die Landwirte mussten zudem oft über längere Zeiträume Kriegsdienste leisten. Die Kapitalkraft der Ritter (equites) ermöglichte es ihnen herabgewirtschaftete Bauernhöfe günstig zu kaufen und Staatsland, das allen zur Verfügung stand, zu pachten, um ihren Besitz zu vergrößern. Mit der Zeit verließen die Bauern die Höfe und drängten in die Städte. Hier bildeten sie ein von der staatlichen Versorgung abhängiges Proletariat, in dem ab dem 2. Jhd. v. Chr. auch der Keim zur Rebellion nistete. Von Beginn an war Rom aber auch Handelsstadt, die mit den Städten in der Umgebung und später mit der gesamten antiken Welt Handel pflegte. Durch die Anlage der großen Straßen nach Süden (Via Latina/Via Appia) und nach Norden (Via Flaminia) sowie durch die wachsende Einwohnerzahl, wurde Rom bald zum Zentrum des italischen Handels.

Der Tiber fördert den Handel

Für kleinere Schiffe war der Fluss Tiber ab Rom befahrbar. An seiner Mündung wurde die Hafenstadt Ostia angelegt. Erst mit der Zeit konnte sich auch Rom eine Handelsflotte zulegen. Bis dahin waren es zumeist griechische und karthagische Händler, die am Tiber anlegten. Ausfuhrprodukte waren etwa Holz für den Schiffsbau, Vieh, Olivenöl und Wein. Später kamen auch noch Rohstoffe hinzu. Zu den Importgütern zählten Getreide, das zur Versorgung der Bevölkerung diente, Sklaven aus dem Orient oder Luxusgegenstände.

Römer hatten Probleme wie heute

Im römischen Reich entstanden über die Jahrhunderte durch Manufakturen, Massenproduktion von Gebrauchsgütern und einem hochentwickelten Geldwesen Ansätze einer frühen Industrialisierung. Da ist es eigentlich nicht so überraschend, aber dennoch verblüffend, dass die Römer auch schon damals mit Problemen konfrontiert waren, die wir eher mit unserer modernen Weltwirtschaft verbinden. So waren zum Beispiel Arbeitslosigkeit, Inflation, Geldabfluss ins Ausland, Landwertsteigerungen, Planwirtschaft und Wirtschaftsimperialismus durchaus relevante und auch sehr streitbare Themen in der antiken römischen Welt!

Gab es Steuern bei den Römern?

Ja, auch die Römer mussten schon Steuern zahlen. Denn keine Hochkultur kann ohne Abgaben existieren. Die Steuern stützten sich vor allem auf die Ertragskraft von Grund und Boden. Auch Kopfsteuern spielten eine maßgebliche Rolle im Steuersystem der Römer. Andere Abgaben waren eher marginal. Eine einheitliche Besteuerung über das gesamte Imperium hat es jedoch bei den Römern nie gegeben und zudem übernahmen die Eroberer in den jeweiligen Gebieten gerne die dortigen Gepflogenheiten, wie etwa in Ägypten oder Sizilien. Deshalb hatte auch der Osten mit den Resten der Diadochenreiche eine dichtere, aber auch lokal sehr unterschiedliche Steuererhebung als die Provinzen im Westen, die von Rom entwickelt wurden. Erhöhten Geldbedarf in der Spätantike deckten die Römer nicht etwa durch Steueranhebung, sondern durch Sonderabgaben. Manche davon wurden auch in Naturalien geleistet. Besonders erfinderisch waren die Römer in der Gestaltung ihrer Steuerfindung nicht. Die Bemessung erfolgte eigentlich durchgängig nach Ertrag und Größe einer Liegenschaft.

Tauschhandel und Münzen

Bevor in Rom auch mit Geld bezahlt wurde, basierten wirtschaftliche Tauschgeschäfte vor allem auf der Basis von Vieh. Bezeichnend, dass nicht nur im Lateinischen das Wort für Geld, pecunia, von pecus (Vieh) abstammt. Auch das deutsche Wort Schatz hat seinen Ursprung im gotischen, scatta, was Rindvieh bedeutet. Um den Warenaustausch zu erleichtern, wurde in ganz Italien später der Kupfer-, beziehungsweise der Bronzebarren als Währung eingeführt. Vorteil des so genannten Aes war, dass man das Zahlungsmittel auch wieder einschmelzen und zu Werkzeugen oder Waffen verarbeiten konnte. Nachteil war, dass sich die Geld-Form für den Fernhandel oder einen regen Warenaustausch nicht eignete; es war viel zu schwer.

Späte Geldwirtschaft im antiken Rom

Die römische Republik etablierte erst spät eine echte Geldwirtschaft. Im östlichen Mittelmeerraum waren schon seit Jahrhunderten Münzen im Umlauf. Erst im Zuge des Krieges gegen König Pyrrhus wurden in Rom um 275 v. Chr. die ersten Münzen geprägt. Vorbild boten die griechischen Kolonien im Süden Italiens. Von den Griechen übernahmen die Römer auch die Prägeverfahren, die Herstellungsart der Münzstempel und zunächst sogar die Münzbilder!

Das Währungssystem in der Antike

Während des zweiten Punischen Krieges besaßen die Römer schließlich ein wohl geordnetes Währungssystem, das auf dem Silberdenar als Gegenstück zur griechischen Drachme fußte. Alle anderen Münzen, der Sesterz und das As, bezogen sich im Wert auf den Denar. Goldmünzen gab es damals noch nicht. In Krisenzeiten horteten die Römer jedoch das Silbergeld – sodass natürlich davon weniger im Umlauf war. Und wie sollte es auch anders sein? Dies führte auch bei den Römern schon zu mehreren Geldverknappungen und Wirtschaftskrisen. Gen Ende der Republik musste Caesar schließlich die zerrüttete römische Währung stabilisieren, indem er den antiken Aureus einführte und eine Wertveränderung gegenüber dem Denar bestimmte – eine Art antike Währungsreform! Der römische Kaiser Augustus setzte diese Reform fort und schuf das für die nächsten beiden Jahrhunderte gültige, antike Wertsystem, bei dem 1 römischer Aureus 25 Denare und 100 Sesterzen entsprach.

Währungschaos im antiken Reich

Bis zum ausgehenden 3. Jhd. reduzierten zahlreiche römische Kaiser den Feingehalt der antiken Münzen immer mehr, bis schließlich um 260 n. Chr. nur noch versilberte oder weißgesiedete Münzen im Römischen Reich im Umlauf waren. Das entstandene Währungschaos wollten die römischen Kaiser Aurelian und Diocletian beseitigen, indem sie eine neue antike Edelmetallwährung schufen. Die Reformen schlugen sich jedoch nicht bis zur gewöhnlichen römischen Bevölkerung durch. Gemünztes Edelmetall war fortan vor allem das Zahlungsmittel der römischen Oberschicht und des Staates. In weiten Gegenden kehrten die Römer also zur Naturalwirtschaft und dem alt gedienten Tauschhandel zurück oder beglichen größere Zahlungen auch wieder in Barrenform.

Solidus sorgt für solide Währung

Kaiser Konstantin reformierte schließlich die römische Währung noch einmal. Der römische Kaiser schuf mit dem Solidus eine Goldmünze, die sowohl das Römische Reich als auch das Byzantinische Reich überdauern sollte. Im Byzantinischen Reich war die antike Solidus Goldmünze bis in das Hochmittelalter die Basis der über die Jahre auf ein Minimum geschrumpften antiken Geldwirtschaft.

Der römische Welthandel

Richtig gelesen! Schon zu Zeiten der Römer gab es einen Welthandel. Denn die Römer begnügten sich nicht mit dem, was ihnen der Binnenhandel bot, sondern kauften schon in der Antike Luxusgüter aus China ein – da hat sich scheinbar nicht viel geändert … Araber, Inder und Serer – also Chinesen – waren die wichtigsten Außenhandelspartner des Römischen Reiches. Das, was die Römer zwischen den Provinzen, also von Syrien bis Spanien, von Britannien bis zur Sahara und vom Nil bis zum Schwarzen Meer nicht beschaffen konnten, importierten sie zu immensen Preisen, wie der ältere Plinius die Verschwendungssucht seiner Zeitgenossen in den 70-er Jahren des ersten Jahrhunderts beklagt: „Nach den niedrigsten Schätzungen entziehen Indien, die Serer und die Halbinsel Arabien unserem Staate alle Jahre 100 Millionen Sesterzen: so viel kosten uns Luxus und Frauen!“ – Die Preise der Waren aus den fernen Landen konnten sich auf dem Weg vom Erzeuger zum Verbraucher zu Zeiten der Römer bis zu verhundertfachen!

Der Frieden diktiert den Luxus

Ausgedehnte Handelbeziehungen zwischen dem Imperium und dem Orient und Ägypten gab es schon länger. Doch während der römischen Kaiserzeit wurden diese zunehmend ausgebaut. Die Römer bauten dabei auf traditionsreichen Grundlagen und jahrhundertealten Straßen ihren Außenhandel aus. Auch waren sie erfinderisch, was alternative Transportwege anging. Vor allem aber war eine lang anhaltende Friedenzeit gute Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität und inneren Wohlstand, die bei großen Teilen der Bevölkerung das Verlangen nach Produkten aus dem fernen Süden und Osten schürten. Zudem hatten die Bürger des antiken Roms die Mittel für ihren Luxus. Rom schuf, speziell in der römischen Kaiserzeit, einen Markt für die Waren aus den fernen Ländern, den es in dieser Form zuvor noch nie gegeben hatte.

Römischer Außenhandel

Der römische Außenhandel importierte hauptsächlich Rohstoffe und exportierte Fertigprodukte. Besonders wichtig waren dabei die Edelmetalle Gold und Silber, welche die Römer kauften, wo immer sie sie erhielten. Indien lieferte etwa Kupfer und ein berühmtes, nicht rostendes Eisen. China lieferte zum Beispiel Seide als Faden oder Stoff, Baumwolle roh und verwoben, auch in besonders feiner Qualität als Musselin. Wolle, Häute, Pelze und Felle kamen auf dem Dekorations- und Bekleidungssektor hinzu, gelegentlich wurden die Gewänder, Tücher, Borten und Gürtel auch als fertige Waren von den Römern importiert.