Asklepios der römische Gott

Der römische Gott Asklepios

Der Geburtsort des römischen Gottes Aesculapius, zu Deutsch Äskulap, steht nicht fest. Er ist der Heilgott und steht noch heute Pate für den Hippokratischen Eid der Ärzte. Denn er spielte eine große Rolle bezüglich der Anfänge der antiken Heilkunde. Um seine Lebensgeschichte ranken sich unterdessen so manche Mythen.

Gleich drei antike Schriftsteller berichten etwa über seine Geburt: Hesiod, Pindar und Pausanias. Hesiod war ein griechischer Viehzüchter und Bauer, der etwa um 700 v. Chr. lebte. Er beschäftigte sich in erster Linie in seinen Werken mit griechischer Mythologie. Seine Schriften über Asklepios sind jedoch nur in Fragmenten erhalten geblieben.

Asklepios Äskulap Medizin

(By Sailko (Own work), via Wikimedia Commons)

Die mysteriöse Geburt des römischen Gottes Asklepios

Laut Hesiod könnte sich die Geburt von Asklepios folgendermaßen ereignet haben: Apollo, dem Sohn des Zeus, sagte man nach, er könne alle Wunden heilen. Die sterbliche Koronis, Tochter des Lapithenkönigs Phlegyas, erwartete von Apollo ein Kind. Sie betrügt Apollo jedoch und entscheidet sich schließlich gegen Apollo und für einen fremden, kräftigen Waldmenschen aus Arkadien. Die Hochzeit zwischen Koronis und dem Mann wird von einem weißen Raben beobachtet, der ein Diener Apollos war. Raben waren übrigens zu dieser Zeit alle weiß. Der Rabe fliegt sofort nach Delphi und berichtet seinem Herrn von der Untreue. Apollo verflucht aus lauter Zorn den armen Raben, der daraufhin schwarz wird. Noch immer erzürnt erzählte Apollo seiner Schwester Artemis, der griechischen Göttin unter anderem für die Jagd; das römische Pendant ist die Göttin Diana, von dem Betrug.

Artemis verschießt daraufhin einen ganzen Pfeilköcher voller Pfeile auf Koronis und ihre Hochzeitsgäste und tötet sie allesamt. Als der Leichnam von Koronis verbrannt werden soll, reut Apollo seine Eifersucht und die Tat seiner Schwester. Doch der toten Koronis kann keiner mehr helfen. Den ungeborenen Asklepios jedoch rettet Hermes, der griechischer Götterbote (bei den Römern Merkur), indem er ihn aus dem toten Leib von Koronis schneidet. Apollo bringt den kleinen Asklepios also zum Centauren Cheiron (ein Pferdemensch der griechischen Mythologie) auf den Pelion, wo dieser aufwächst. Der Gebirgszug Pelion, zirka 1543 Meter hoch, liegt in Mittelgriechenland und ist für seine gute Luft, Wälder, Heilkräuter und saubere Quellen bekannt. Dort leben die Centauren. Cheiron lehrt Asklepios also die Heilkunde – darunter auch die Chirurgie und Kräuterkunde.

Offene Fragen um den römischen Gott Asklepios

Pindar, ein griechischer Dichter, der vom späten 6. Jhd. v. Chr. bis Mitte des 5. Jhd. v. Chr. lebte, beschreibt die Geburt Asklepios sehr ähnlich. Und Pausanias, der vom frühen bis zum späten 2. Jhd. n. Chr. lebte, eigentlich Geograph war, aber auch als Geschichtsschreiber auftrat, berichtet eine ganz andere Variante der Geburtsgeschichte des Asklepios. Nach ihm brachte Koronis auf dem Myrtion bei Epidauros auf Peloponnes ihren Sohn Asklepios zur Welt. Koronis soll dort auf dem Zitzenberg das Kind zurück gelassen haben, welches von einer Ziege und dem Hund des Hirten Aresthanas gefunden wurde. Sie nahmen das Kind an sich. Bezüglich der Geburt des römischen Gottes Asklepios bleibt also nicht nur die Frage nach seinem Geburtsort, sondern auch so manch andere Frage offen.

Fruchtbarer Heilgott Asklepios

Asklepios hatte eine Frau namens Epione (die Lindernde, Mutter der Asklepiaden) und mit ihr vier Töchter, Iaso (die Heilende), Aegle (Glanz/Schimmer), Hygieia (Gesundheit) und Panakeia (Allheilerin). Zudem hatte er auch noch vier Söhne, Euamerion (glücklicher Tag), Machaon, Podalirius und Telesphoros (der zum Ziel Führende/ein Dämon der Genesung).

Asklepios erweckt Tote zum Leben

Der Sage nach wurde Asklepios von Cheiron so gut in Heilkunde unterrichtet, dass es ihm sogar gelang, Tote zum Leben zu erwecken. Darunter war etwa ein gewisser Glaukos, dessen Identität nicht bekannt ist, da es mehrere Personen mit diesem Namen gab. Auch Lykurgos oder der Sohn des Königs Minos und ein gewisser Hymenäus. Diese Kunst, Tote zum Leben zu erwecken, verärgerte natürlich den Gott der Unterwelt, Hades, Dieser beschwerte sich bei seinem Bruder Zeus. Daraufhin schleuderte Zeus Asklepios mit einem Blitz, den er von den Kyklopen (Zyklopen) hatte, in die Unterwelt. Verärgert über den Mord an seinem Sohn, tötete Apollo die Kyklopen. Dafür musste Apollo für einige Zeit als Strafe den Götterhimmel verlassen und bei König Admet (Admetos) von Pharei Schafe hüten.

Asklepios im Götterhimmel

Erst etwa ab dem späten 6. Jhd. v. Chr. wird Asklepios in den Götterhimmel gehoben. Er zählt somit zu den „Jungen Göttern“. Aber nicht nur er alleine wird vergöttert. Auch seine Frau Epione, seine beiden Söhne Machaon und Podalirius und seine vier Töchter Iaso, Aegle, Hygieia und Panakeia. Später kommt noch Telesphores hinzu. Seine Frau Epione und die drei Töchter Iaso, Aegle und Panakeia spielen in der antiken Heilkunde und Mythologie keine sehr wichtige Rolle. Aber seine beiden ersten Söhne Machaon und Podalirius treten in der Ilias als Wundheiler auf. Machaon wird Spezialist für innere Krankheiten und Podalirius für äußere Erkrankungen. Seine Tochter Hygeia ist nahezu gleichgestellt. Sie ist es, die mit ihrem Vater Asklepios zu Beginn des Hippokratischen Eides genannt wird.

Attribute des Asklepios

Als Attribute des Heilgottes Asklepios gelten die Schlange als Sinnbild der Selbstverjüngung, der Stab, symbolisch für den Wanderarzt, die Schale für den heilenden Trank, zumeist sieht man Asklepios stehend in freier Haltung oder meditierend. Er ist bärtig und dem Zeus ähnlich dargestellt. Meist hat er jedoch freundlichere Züge. Asklepios wird oft als Vatergottheit dargestellt, obwohl er dies nicht ist. Asklepios trägt einfache Kleidung, wie etwa einen Philosophenmantel. Seine Kleidung entspricht der eines attischen Bürgers aus dem 5. Jhd. v. Chr. In den Darstellungen des Heilgottes sollte wohl der bürgerliche Charakter Betonung finden. Bisweilen wird Asklepios auch mit Kopfbinde dargestellt, welche seine Haare dicht am Kopf hält. 

Asklepios: Mythos oder Wahrheit?

Spannend, weil ungeklärt, ist es, der Frage nachzugehen, ob denn Asklepios gar eine rein mythologische oder vielleicht doch eine historische Person war? Eigentlich war Asklepios als eine mythologische Person bekannt, bis ein gewisser J. Emma und Ludwig Edelstein 1945 versuchten, aus Asklepios eine historische Figur zu konstruieren. Eine Person also, die etwa 700 Jahre vor Hippokrates gelebt haben könnte und erst später von den Menschen in den Götterhimmel versetzt wurde. Der Gedanke kam nicht ganz von ungefähr, denn Hippokrates selbst behauptete von sich der 18. Nachfahre von Asklepios zu sein. Ein weitere Deut auf seine Wahrhaftigkeit ist, dass Homer die beiden Söhne von Asklepios, Machaon und Podalirius in der Ilias mitspielen lässt. Und wie auch Jesus, der an die Seite Gottes gesetzt wurde, wurde auch Asklepios erst zu den späten Göttern der Griechen gezählt, als es die meisten griechischen Götter schon gab. Ein Nachweis gelang den Forschern allerdings nicht, so dass all diese Vermutung genau solche bleiben müssen.

Auf den Spuren von Asklepios

Spuren des Asklepios, dem Gott der Heilkunde, gibt es unterdessen noch heute. Etwa den Asklepios-Stab bei den Apotheken und den Medizinern. Als Symbol für Medizin und Heilkunde dient dieser allerdings erst in unserer Zeit. Genauer gesagt seit dem 23. April 1868, als die preußischen Militärärzte den Asklepios-Stab erstmals als ihr Erkennungszeichen trugen. In der Antike hingegen galt der Schröpfkopf als Erkennungssymbol für Ärzte und Heilungskundige. Als Sternenbild begegnet er uns ebenfalls noch heute: Als Sternbild Schlangenträger steht Asklepios am nördlichen Firmament.

Einige bekannte Asklepios-Statuen und Tempel

Auch als Statue ist der Gott der Heilkunst uns heute erhalten geblieben. So etwa als Asklepios-Statue aus Antium. Es handelt sich um einen Fund aus Anzio, zu römischer Zeit Anthium, zirka 60 Kilometer von Rom entfernt in der italienischen Region Latium. In der römischen Antike war Anthium übrigens ein beliebter Badeort der vornehmen Römer. Die Asklepios-Rundplastik stammt wohl aus einer Zeit nach 1711, wurde jedoch nach einem Vorbild aus dem späten 4. Jhd. v. Chr. gefertigt. Als Material verwendete man dunklen Marmor (bigio morato). Stellen wie Lockenpartien oder die rechte Hand mit Teil des Stabs und der Schlange und der vordere Teil der Basis etwa mussten ausgebessert werden.

Dann gibt es noch die Asklepios-Statue aus Bevagna, das an der Via Flaminia liegt, etwa 140 Kilometer von Rom entfernt in der Provinz Perugia. Und natürlich die Asklepios-Statue vom Forum Romanum in Rom. Die Rundplastik aus griechischem Marmor wurde dort Bereich des Lacus Luturnae, der Juturna-Quelle, gefunden. Die Statue zeigt Asklepios mit einem Jungen bei der Opferung eines Hahnes. Der Kopf des Jungen sowie der Kopf und der rechte Unterarm von Asklepios sind beschädigt. Weitere Statuen sind etwa die Asklepios-Statue aus Frascati, eine römische Kopie aus Marmor nach einem Vorbild aus dem 4. Jhd. v. Chr. Oder die Asklepios-Statue aus der Sammlung Natali, die im 18. Jhd. zusammen gesetzt wurde.

Die Statue entstand während des 2. Jhd. v. Chr. Einen Tempel zu Ehren des römischen Gottes Asklapios gibt es im Park der Villa Borghese in Rom. Er ist eine Rekonstruktion der Säulenvorhalle von Cristoforo Unterperger und den beiden Architekten Antonio und Mario Asprucci aus dem Jahre 1786. Die Cella fehlt. Und dann ist da noch der Asklepios-Tempel auf der Tiberinsel in Rom. Hier soll zwischen 293 und 289 v. Chr. der Sage nach Asklepios in Form einer Schlange an Land gegangen sein. Darauf wurde dort dem Heilgott ein Tempel errichtet, der 289 v. Chr. eingeweiht wurde. Heute steht dort die Kirche San Bartolomeo. Bemerkenswert ist allerdings, dass es auf der Insel auch heute noch ein Krankenhaus gibt!